Videospielsucht: Fürs Internet kein neues Thema

(Special)

von Franziska Schulz (21. Juni 2018)

Auch wenn es auf der Weltbühne erst jetzt Aufmerksamkeit findet, ist Videospielsucht kein neues Problem. Wir haben recherchiert was Betroffene online erzählen, wie die Community reagiert und wo Hilfe gefunden werden kann.

„In the face of all the great games coming out this year, should I preemptively sell my Ps4?”

"Angesichts der Tatsache, dass dieses Jahr so viele tolle Spiele rauskommen, sollte ich meine Ps4 verkaufen?“ - aus dem Reddit-Forum; Stop Gaming

Diese Frage schrieb ein User in einem Reddit-Forum, das sich "Stop Gaming" nennt. Die Abonnenten dieses Subs hassen Videospiele nicht – im Gegenteil: Sie lieben sie zu sehr. So sehr, dass ihr Leben, ihre Karriere und ihr soziales Umfeld extrem darunter leiden.

Dota2 - Ein Spiel, durch das sich nicht wenige eine Karriere erhoffen

In vielen Medien sind in den letzten Monaten unterschiedliche Fälle von Videospielsucht behandelt worden. Nach der Lootbox-Debatte wurde vor allem über Geschichten geredet, in denen Kinder und Erwachsene tausende Euros/Dollar bei Mikrotransaktionen in Spielen ausgegebene haben. Die englischsprachige Seite Cracked zum Beispiel interviewte mehrere betroffene Eltern.

Nachdem in jüngster Zeit das Spiel Fortnite aus verschiedenen Gründen Schlagzeilen machte, schockte vor allem die Geschichte über ein neunjähriges Mädchen, das von ihren Eltern zu einer Therapie geschickt werden musste, nachdem es täglich zehn Stunden mit Fortnite verbrachte. Diesen Fall könnt ihr hier nochmal nachlesen.

Die Aufmerksamkeit hinsichtlich dieses bisher wenig diskutierten Themas wächst. So hat die Weltgesundheitsorganisation (kurz: WHO) vor einigen Tagen offiziell Videospielsucht als psychische Störung anerkannt. Die Definitionsfrage ab wann die Sucht beginnt, löst allerdings Kontroversen bei Experten, Betroffenen und Videospiel-Spielern aus. In einer DAK-Studie heißt es zum Beispiel, dass 8,4 Prozent der männlichen Kinder bis jungen Erwachsenen videospielsüchtig sind, das wäre jeder Zwölfte.

Selbsthilfegruppen im Internet

Das Forum Stop Gaming wird von fast 16.000 Nutzern abonniert. Dort versuchen sich Menschen gegenseitig zu helfen - teilweise videospielspezifisch – tauschen Erfahrungen aus und motivieren sich gegenseitig. Auch die Verkündung der WHO wird diskutiert.

"Wie lautet eure Meinung darüber, dass Videospielsucht jetzt erst als psychische Störung anerkannt wurde, obwohl Leute wie ihr schon seit Jahren in Videospielsuchthilfegruppen angemeldet sind und euch das Problem schon seit einem Jahrzehnt bekannt ist? Ich finde es wirklich furchtbar, dass es so lange dauert, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen."

Darauf antwortet ein User, dass es Jahre dauert, bis wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema angefertigt und offiziell anerkannt werden und fügt an, dass es ein großer Gewinn ist, es jetzt geschafft zu haben.

Es gibt aber auch sehr düstere Beiträge, in denen die User erzählen, wie sie langsam die Kontrolle verloren haben und ihr Leben Schritt für Schritt auseinanderfiel, wie dieser sehr einprägsame Bericht, der auf Game Quitters veröffentlicht und dann im Forum gepostet wurde.

Der junge Mann fing früh an Dota 2 zu spielen, weil er die Herausforderung liebte und sich dabei gut fühlte, weil er besser war als andere. Später versprach er sich eine Karriere mit dem Spiel und steckte all seine Zeit ins Spielen. Er zerstritt sich mit seiner Familie, gab seine Hobbys und Talente auf und wurde ein introvertierter Mensch. Sein Text endet mit den Worten:

"I'm pretty scared. Is there anyone that can help me?"

"Ich habe ganz schön Angst. Gibt es jemanden der mir helfen kann?"

Gemeinsam ist es leichter

Tatsächlich helfen und motivieren sich die Menschen online gegenseitig:

"Falls ihr Audible benutzt: ein Buch über Sucht ist heute das Angebot des Tages. Videospielsucht wird sogar in der Beschreibung thematisiert."

"Aufgehört zu spielen -> Gitarre spielen angefangen"

"Hilfreiche Dinge, um das Verlangen zu spielen im Zaum zu halten"

Das sind nur einige Beispiele aus den letzten Tagen. Es gibt auch "Challenges", also Herausforderungen, bei denen die Community gemeinsam auf das Spielen verzichtet.

Aber auch außerhalb der Internet-Community ist Hilfe zu finden. Es gibt zum Beispiel schon Kliniken die sich auf Internet und Videospielsucht spezialisiert haben wie die Schön Klinik Bad Bramstedt.

In jedem Fall sollte man früher oder später einen Experten aufsuchen, der die Lage richtig einschätzen kann. Das empfiehlt f-foundation, ein Netzwerk für Suchtprävention ehemaliger Süchtiger.

Hier findet ihr Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Kliniken, falls ihr jemanden kennt dem ihr helfen möchtet oder das Gefühl habt, dass auch euer Leben zu sehr durchs spielen bestimmt wird.

Teilt uns gerne in den Kommentaren mit was ihr über dieses sensible Thema denkt. Vielleicht habt ihr ja selbst positive oder negative Erfahrungen mit Online-Selbsthilfegruppen gemacht oder kennt jemanden, der die Sucht besiegt hat?

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