Games as a Service: Verändert das Geschäftsmodell die ganze Branche?

(Special)

von Micky Auer (22. Juni 2018)

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht jede Industrie Innovation und neue Geschäftsmodelle. Die Spielebranche bildet da keine Ausnahme. Doch welche Auswirkungen hat der aktuelle Trend?

"Früher war alles besser!" - Früher, als es noch keine DLCs gab und keine Mikrotransaktionen, keine Auktionshäuser in Spielen und keine Lootboxen. Und vor allem: Früher, als ihr Spiele gekauft habt und sie bereits fertig und komplett waren.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge. "Früher" ist vorbei, Geschäftsmodelle ändern sich und passen sich dem Konsumverhalten von Spielern an. Oder sie formen es. Nicht alles, was die Industrie sich einfallen lässt, um weiterhin die stets teurer werdenden Spieleentwicklungen zu finanzieren, ist überflüssig und reine Geldmacherei. Viele Maßnahmen sind durchaus sinnvoll und notwendig, um als Firma überhaupt bestehen bleiben zu können.

Das heißt nicht, dass ihr jede Geschäftspraktik schlucken sollt. Ihr habt als Konsument durchaus Anspruch darauf, für euer Geld auch einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten. Da kommt der Begriff "Games as a Service" - sprich: Spiele als Dienstleistung etwas zweischneidig daher. Auf der einen Seite sollt ihr euch finanziell an ein Spiel binden, auf der anderen Seite dürft ihr aber umfangreiche Leistungen erwarten.

Games as a Service - Was ist das überhaupt und wie wirkt sich dieses Geschäftsmodell auf euch und euer Spielverhalten aus?

Die Definition und die gängigsten Modelle

Im Bereich der Videospiele steht das Konzept "Games as a Service" für die fortlaufende Versorgung eines Spiels mit neuen Inhalten. Ziel dieses Modells ist es, Einnahmen auch abseits der ursprünglichen Einkaufspreise zu generieren. Einfacher ausgedrückt: Spiele sollen selbst dann noch Gewinne für den Publisher abwerfen, nachdem ihr sie bereits bezahlt habt.

Final Fantasy 14 - Stormblood: Wenn ihr spielen wollt, werden monatliche Gebühren fällig.Final Fantasy 14 - Stormblood: Wenn ihr spielen wollt, werden monatliche Gebühren fällig.

Diese Idee wird mit verschiedenen Mechaniken umgesetzt. Das sind die gängigsten:

Laufende Nutzungsgebühren

Dies wird vor allem im Bereich der MMOs angewendet. Meist zahlen User auf monatlicher Basis einen Beitrag, um das Spiel weiterhin nutzen zu dürfen. Manche Publisher erlauben es, ihr MMO für einen kurzen Zeitraum kostenlos auszuprobieren. Oder aber das Spiel ist kostenlos, bis der Spieler eine vorher festgelegte Level-Obergrenze erreicht hat. Wollt ihr danach weiterspielen, werden erst dann Kosten fällig. Im Falle von "Free 2 Play"-Spielen ein durchaus faires Modell. Solltet ihr aber den vollen Kaufpreis leisten und erst dann feststellen, dass ihr zum Spielen noch weitere Kosten tragen müsst, ist der Ärger groß. Achtet vorab darauf, welches Geschäftsmodell dem Spiel zugrunde liegt!

Online-Service

Hier steckt "Service" bereits im Namen. Prominente Vertreter dieser Sparte sind zum Beispiel Xbox Game Pass oder EA Access. Diese Dienste gewähren Zugriff auf eine zumeist große Spiele-Bibliothek, deren Inhalte euch zum Download zur Verfügung stehen. Zwar sind diese Spiele dann meist ohne Einschränkung nutzbar, jedoch nur so lange ihr auch weiterhin den jeweiligen Online-Service bezahlt. Ihr könnt also nicht Mitglied werden, so viel wie möglich runterladen, die Mitgliedschaft beenden und die Spiele weiterhin nutzen. Es gibt aber oft auch die Option, die angebotenen Spiele zu kaufen und dann auch außerhalb des Dienstes zu nutzen.

Evolve hat es übertrieben: Zu viele kostenpflichtige Inhalte für ein zu kleines Basis-Spiel.Evolve hat es übertrieben: Zu viele kostenpflichtige Inhalte für ein zu kleines Basis-Spiel.

Gaming on Demand

Dieser Dienst erlaubt es euch, Spiele zu spielen, die auf einem externen Server laufen. Das Spiel selbst wird gestreamt. Dadurch könnt ihr zum Beispiel auch Spiele nutzen, für die eure Hardware gar nicht geeignet ist. Der gesamte Rechenprozess findet ja auf dem Server statt. Jedoch benötigt ihr eine felsenfest stabile und schnelle Internet-Verbindung, ansonsten wird jeder Spielversuch schnell zur nervtötenden Tortur. Gestreamte Spiele gehören nicht euch, sie können auch jederzeit wieder von den entsprechenden Servern entfernt werden.

Mikrotransaktionen

Als Mikrotransaktionen werden Käufe bezeichnet, die direkt im Spiel angeboten werden und die über einen geringen Preis verfügen, oft im Cent-Bereich. Dafür gibt es eine Vielzahl von möglichen Angeboten, von rein kosmetischen Skins bis zu neuen Maps für Multiplayer-Modi. In diesem Bereich finden sich auch die starker Kritik ausgesetzten Loot-Boxen. Vor allem "Free 2 Play"-Spiele nutzen dieses Modell, um sich zu finanzieren.

Der Einfluss auf die Art und Weise wie wir ein Spiel konsumieren

Wenn ihr eure Spiele auf klassische Art nutzt, läuft das meistens wie folgt ab: Ihr kauft ein Spiel und spielt es, solange ihr Lust darauf habt. Im besten Fall spielt ihr es durch und fangt vielleicht nochmal von vorne an, wenn ihr nicht genug davon kriegt.

Das kommende Anthem verspricht viele Inhalte über einen langen Zeitraum.Das kommende Anthem verspricht viele Inhalte über einen langen Zeitraum.

Diese Herangehensweise ist aber heutzutage schon regelrecht eine Seltenheit. Angefangen hat der "Dienst am Spiel" mit den herunterladbaren Inhalten, den DLCs. Auch hier gab und gibt es viel Kritik, jedoch scheint das Geschäft mit den digitalen Erweiterungen zu funktionieren. Im besten Fall für den Publisher kauft ihr euch noch zusätzliche Inhalte in Form von DLCs. Somit kann ein Spiel selbst nach dem eigentlichen Ablauf seiner Aktualität noch Profit generieren.

Dennoch habt ihr hier noch immer die Freiheit, einen zusätzlichen Inhalt zu erwerben und zu nutzen - oder das eben nicht zu tun. Im Falle eines Season Pass sieht die Sache schon anders aus. Denn da kauft ihr von Anfang an die Katze im Sack und habt keine Möglichkeit mehr, über den Kauf von Einzelinhalten zu entscheiden. Da ihr aber das Geld bereits ausgegeben habt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr auch den gesamten Inhalt nutzen werdet, egal, ob er euch gefällt oder nicht.

Auf diese Weise verbringt ihr auch mehr Zeit mit dem Spiel, als ihr es vermutlich bisher getan habt. Die Gewohnheiten verändern sich vor allem bei jüngeren Spielern dahingehend, dass durch derartige Dienstleistungen eine längere Bindung an das Produkt erfolgt. Wenn man das nicht anders kennt, akzeptiert man es als normal und richtet darauf auch sein Spielverhalten aus.

Selbst ein Jahr nach Verkaufsstart hält euch Assassin's Creed - Origins noch mit neuen DLCs bei der Stange:

Durch die vermehrte Zeit, die für das Spiel aufgewendet wird, können Spieler direkt in der Software auch auf neue Angebot hingewiesen werden. Es entsteht eine Basis für weitere Verkäufe, die in einem "fertigen" Spiel als solches nicht etabliert werden kann. Damit fallen natürlich auch laufende Kosten an, die es zuvor nicht gegeben hat. Wer seine Ausgaben im Blick hat, wird sich genau überlegen, in welches Spiel er wie viel investiert. Selten werden das mehrere Spiele gleichzeitig sein (es sei denn, ihr müsst nicht aufs Geld achten).

Was fällt im Endeffekt für euch dabei ab?

Es liegt zurzeit sehr im Trend, das Konzept "Games as a Service" abzulehnen. Das sollte nicht weiter verwundern, sprechen sich doch unter anderem Firmen wie Electronic Arts sehr dafür aus. Und leider ist es nun mal so, dass sich gerade EA immer wieder selbst ins Kreuzfeuer der Kritik bringt. Jede neue Marketing-Aktion wird daher von den Konsumenten mit großer Skepsis betrachtet.

Ohne jeden Versuch der Industrie verteidigen zu wollen, noch mehr Geld aus den Produkten rauszuholen: Eine Firma muss nun mal auch Geld machen, um existieren zu können. Es gibt natürlich eine Grenze zwischen reiner Gier und gerechtfertigten Preisen, jedoch wäre das eine ganz andere Diskussion.

Street Fighter 4: Capcom sah sich großer Kritik ausgesetzt, nachdem das Spiel dreimal mit nur jeweils geringen Unterschieden veröffentlicht wurde.Street Fighter 4: Capcom sah sich großer Kritik ausgesetzt, nachdem das Spiel dreimal mit nur jeweils geringen Unterschieden veröffentlicht wurde.

Wie bereits eingangs erwähnt, dürft ihr euch für laufende Investionen in ein Spiel auch entsprechende Gegenleistungen erwarten. Vielleicht ist es euch noch gar nicht aufgefallen, aber es gibt einige bekannte Spiele, die euch nach Strich und Faden schröpfen, OHNE in den Bereich "Games as a Service" zu fallen. Keine DLCs, keine Mikrotransaktionen, keine Nutzungsgebühren und trotzdem immer wieder Kosten.

Die Rede ist von Produktionen, die nach einer gewissen Zeit neu auf den Markt kommen, über geringfügige Änderungen verfügen, die manchmal nicht über den Inhalt eines Patches hinausgehen und für die ihr dann trotzdem ordentlich zur Kasse gebeten werdet. Als Negativbeispiel sei hier Street Fighter 4 genannt, das nacheinander in drei Versionen erschienen ist und noch zusätzlich DLCs angeboten hat. Speziell Publisher Capcom hat es immer wieder geschafft, Vollversionen mit eher kleinen Updates auf den Markt zu bringen, anstatt diese per Download nachzureichen. So etwas wäre zum Beispiel im Rahmen einer Dienstleistung enthalten.

Der Prügler Killer Instinct für die Xbox One setzt komplett auf ein Programm aus kostenpflichtigen Einzelteilen:

Wenn ihr wirklich total auf ein Spiel abfahrt, können die ständigen Erweiterungen dafür sorgen, dass ihr über eine langen Zeitraum hinweg immer wieder Neuerungen im Spiel bekommt. Die Frage, ob die Gesamtheit der Investitionen, die ihr dafür tätigen wollt, auch dem Inhalt angemessen ist, muss jeder für sich individuell beantworten.

Eine modulartige Zusammenstellung der Spielinhalte ist zwar für den Publisher extrem aufwändig, aber für den Konsumenten, also euch, eine faire Herangehensweise. Hier mal zur Abwechslung ein positives Beispiel: The Elder Scrolls Online. Ihr kauft das Spiel zum Vollpreis und könnt es ohne weitere Gebühren nutzen. Natürlich gibt es zahlreiche Spielgegenstände, die ihr euch für Echtgeld kaufen könnt, ihr müsst es aber nicht.

The Elder Scrolls Online - Summerset: Alle DLCs funktionieren unabhängig voneinander.The Elder Scrolls Online - Summerset: Alle DLCs funktionieren unabhängig voneinander.

Jetzt gibt es aber große DLCs und umfangreiche Erweiterungen. Was, wenn euch zum Beispiel die Erweiterung Morrowind von 2017 nicht interessiert, ihr aber unbedingt Summerset von 2018 spielen wollt? Müsst ihr dann das gesamte Paket kaufen, weil alles aufeinander aufbaut? Nein, müsst ihr nicht. Jeder einzelne DLC des Spiels fügt sich zwar in das Gesamtbild ein, erfordert aber keine Verknüpfung untereinander. Ihr kauft nur das, was ihr tatsächlich haben wollt.

Im Grunde ist "Games as a Service" kein schlechter Ansatz. Die Idee hat jedoch aufgrund mehrerer Umstände einen schlechten Ruf. Was daraus gemacht wird, hängt immer vom jeweiligen Publisher ab. Im Endeffekt liegt die Entscheidung immer noch bei euch: Seid kritisch, schaut euch genau an, was ihr kauft und wägt ab, ob ihr bereit seid, über einen längeren Zeitraum noch mehr darin zu investieren.

Tags: Free 2 play   DLC  

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