Hideo Kojima: Genial oder überbewertet?

(Special)

von Franziska Schulz (24. Juni 2018)

Jeder der sich ein bisschen mehr mit Videospielen auskennt und mit Sicherheit jeder Fan der „Metal-Gear“-Reihe, kennt diesen Namen: Hideo Kojima. Im Folgenden nehmen wir den Entwickler etwas näher unter die Lupe, um zu verstehen, warum es zu dem merkwürdigen Liebes-Hass-Kult um seine Person kam.

Hideo Kojima, geboren am 24. August 1963 in Setagaya, ist eine sehr umstrittene Figur in der Welt der Videospielliebhaber. Es gibt Leute die ihn regelrecht vergöttern und Leute denen gerade diese Vergötterung gehörig auf die Nerven geht. Was wohl niemand bestreiten würde, ist der Umstand, dass er sich selbst gerne ins Rampenlicht stellt.

Für jeden, der nicht so vertraut mit der Person Hideo Kojima ist

Kojima ist Autor, Regisseur, Produzent und Entwickler einflussreicher Videospiele. Seine Popularität gewann er vor allem durch die Spielreihe „Metal Gear“ (1987 – 2015). Eigentlich ist Kojima, wie er selbst in einem Interview mit gamecrate erzählt, in die Videospielindustrie gegangen, weil er es nicht in die Filmindustrie geschafft hat.

Der Trailer zu Kojimas neuestem Spiel Death Stranding:

In seinem letzten Jahr im Wirtschaftsstudium, fing er an bei Konami zu arbeiten, weil er jedoch keine Kenntnisse im Programmieren hatte, wurden seine Vorschläge meist abgelehnt und Projekte an denen er arbeitete eingestampft. Er war kurz davor seine Karriere in der Spieleindustrie hinzuschmeißen, doch bekam dann das Projekt Metal Gear zugewiesen.

Der Erfolg dieses Spiels war der Startschuss für einen steilen Aufstieg. 2011 wurde er Vize-Präsident von „Konami Digital Entertainment“. Wenige Jahre später verließ er das Unternehmen nach einem langwierigen Streit.

Heute betreibt er das unabhängige Studio „Kojima Productions“ und arbeitet an seinem neuen Projekt Death Stranding, das von Sony finanziert wird. Einen detaillierten Lebenslauf findet ihr bei thefamouspeople.

Warum so einflussreich?

Als 1987 der erste Teil von Metal Gear auf dem japanischen Markt erschien, hob sich das Spiel von den anderen dadurch ab, dass Gewalt die letzte Lösung war und man offene Konfrontation mit den Gegnern meiden musste, um die Welt vor einem Atomschlag zu bewahren. Vor allem aber der dritte Teil Metal Gear Solid 3 - Snake Eater aus dem Jahr 2004, prägte das Stealth-Genre und das Geschichtenerzählen in Videospielen an sich.

Dies lag vor allem an der Liebe zu realitätsnahen Details, an die andere Videospiele zu der Zeit noch nicht dachten. Zum Beispiel, dass der Protagonist beim Laufen im Schnee Spuren hinterlässt, die von Feinden entdeckt werden können oder, dass er krank wird und anfängt zu niesen, wenn er zu lange mit nacktem Oberkörper auf dem Boden liegt, was es ebenfalls erschwerte an Feinden vorbeizukommen.

Genomsoldaten aus Metal Gear SolidGenomsoldaten aus Metal Gear Solid

Zu der innovativen Spielmechanik, kam eine spannend geschriebene Geschichte und an diversen Horrorfilmen orientierte Kameraperspektiven hinzu.

Warum so populär?

Nur seine Arbeit als Entwickler ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass so viele Menschen seinen Namen kennen. Dazu hat er selbst viel beigetragen. Zum Beispiel, indem ihr bei Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain nach jeder Mission, also gefühlt alle zehn Minuten lesen dürft, dass er der Autor, Regisseur und Produzent des Spieles ist.

In Metal Gear Solid - Peace Walker baute er die versteckte Nachricht: „Kojima is God“ ein, die ihr bei einer Konversation hört, die durch das Briefing-File des Charakters Cécile ausgelöst wird.

(Quelle: YouTube, Kikenzo)

Spätestens nachdem er 2015 Konami verließ, haben auch Leute, die kein Metal Gear gespielt haben Bekanntschaft mit seinem Namen gemacht. Die ganze Misere wurde nämlich durch alle videospielspezifischen Medien gezogen, Gerüchte wie auch Fakten.

Aber auch Kojimas Auftritte sind dominant, auch wenn ihr es vielleicht nicht gleich merkt, weil er nicht besonders laut oder viel redet. Die Bühne der E3 2016 betrat er zum Beispiel mit den Worten „I am back“ – „Ich bin zurück“ gefolgt von einer Pause für Applaus.

(Quelle: YouTube, CB Zero)

Seine guten Beziehungen zu Regisseuren und Schauspielern in Hollywood sind ebenfalls kein Geheimnis. Der Regisseur Guillermo del Toro, bekannt durch Filme wie Hellboy oder Shape of Water, stellte sich in einem Tweet auf Kojimas Seite, der sagte „Fuck Konami“ – „Scheiß auf Konami“.

Außerdem lädt er regelmäßig Fotos von ihm zusammen mit Hollywood Stars auf Twitter hoch.

Warum so genervt?

Es gibt aber auch Dinge die für Unmut sorgen. Zum Beispiel gibt es Stimmen, die nicht nur von Kojimas Aufmerksamkeitsdrang genervt sind, sondern es auch als dreist empfinden, dass er so lange braucht, um Spiele zu entwickeln. Mancher hält das für eine Taktik zum Geld machen. Für das nächste Spiel Death Stranding gibt es zum Beispiel schon Poster, Taschen und Handyhüllen, obwohl es noch nicht mal ein Release-Datum gibt.

Ein Ausschnitt aus dem Trailer zu Death Stranding.Ein Ausschnitt aus dem Trailer zu Death Stranding.

Was die Zukunft bringt

In einem Interview mit der BBC sagt Kojima, dass Videospiele und Filme eines Tages verschmelzen werden. Das klingt nach einem Wunsch eines Mannes, der eigentlich Regisseur werden wollte, aber stattdessen einflussreicher Spieleentwickler wurde. Dies beweisen auch die hollywoodreifen Trailer zu seinem neuen Spiel Death Stranding.

Zusammenfassend kann man sagen, dass vielleicht doch ein kleiner Kanye West in Kojima schlummert, der sich sehnlichst wünscht, dass man ihn als Legende im Kopf behält. Dennoch kann man seinen Einfluss, seine Visionen und seine gute Arbeit nicht verleugnen. Was die verwirrenden Trailer zu Death Stranding und das viel zu früh verkaufte Merchandise angeht, muss man ihm vielleicht einfach ein bisschen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. Verdient hätte er ihn sich – auch wenn er nicht bescheiden damit umgeht.

Wie denkt ihr über die Person Hideo Kojima? Mindert sein selbstverliebtes Verhalten eure Bewunderung für ihn und seine Arbeit? Schreibt uns in die Kommentare was ihr darüber denkt!

Tags: Hideo Kojima  

Sind Games von heute in einigen Jahren unspielbar?

Patches, Updates, Downloads: Sind Games von heute in einigen Jahren unspielbar?

Wer sich heute ein Spiel kauft, kann davon ausgehen, dass es dazu einen "Day One"-Patch gibt oder er gar nur den Zugang (...) mehr

Weitere Artikel

Fertigkeiten lassen sich mit Echgeld kaufen

Devil May Cry 5: Fertigkeiten lassen sich mit Echgeld kaufen

Devil May Cry 5 reiht sich in die Linie der Games ein, die dem modernen Trend der Mikrotransaktionen folgen. Entwickler (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht

* gesponsorter Link