Stardew Valley: Wie es mir zeigte, dass nicht nur "AAA" gut ist

(Kolumne)

von Kevin Jonathan Mohr (04. Juli 2018)

Heutzutage sind Indie-Games wie Journey, Cuphead oder Super Meat Boy in aller Munde. Sie werden wegen ihres Charakters und Charmes genauso hoch angesehen, wie AAA-Spiele. Solche eher kleineren Produktionen haben mich bisher nicht begeistern können - bis Stardew Valley kam.

Ich selber bezeichne mich als Gamer. Zumindest glaube ich, dass ich mich so nennen darf. Ich liebe eigentlich jede Art von Spielen: Von God of War über Mario Kart bis hin zu Pokémon. Die meisten Games, die in meinem Schrank stehen, sind von der AAA-Sorte, mit Ausnahme zum Beispiel von Persona 3. Ein Indie-Spiel hätte man bei mir eigentlich nie gefunden. Meine gewisse "Ignoranz" gegenüber kleineren Spielen, der Mangel an Vetrauen zu den Entwicklern und der oftmals "ungewöhnliche" Grafikstil haben mich davon abgehalten, sie zu kaufen.

Schaut euch den Trailer zu Stardew Valley an:

Als es mich jedoch nach einem neuen Spiel auf der Switch dürstete, stieß ich auf Stardew Valley. Ich war erst einmal skeptisch. Nach mehreren sehr positiven Reviews, die ich gelesen habe, vielen Empfehlungen seitens der Fans und dem Versprechen, dass mich ein cooles RPG erwartet, gab ich Stardew Valley eine Chance.

Farmville in Pixel-Grafik?

Bevor ich Stardew Valley das erste Mal spielte, dachte ich, es wäre genauso öde wie Farmville.Bevor ich Stardew Valley das erste Mal spielte, dachte ich, es wäre genauso öde wie Farmville.

Was habe ich da nur gekauft? In den ersten Stunden fand ich es einfach nur öde. Die Hofarbeit war schnell getan, Nutzpflanzen waren in der Erde, wurden gegossen und nun stand ich da. Mein erster Gedanke: "Ich hätte doch gleich Farmville spielen können".

Ich ging in die Stadt auf der Suche nach interessanten Dialogen. Fehlanzeige. Von jedem Pixel-Charakter, mit dem ich sprach, bekam ich zwei langweilige Sätze und wurde dann ignoriert. Ich habe mir interessante Dialoge gewünscht, ich wollte mit den Nebencharakteren interagieren und wollte die Situation selbst steuern. In den ersten Wochen im Spiel bin ich daher um 17 Uhr schlafen gegangen. Das Erkunden der Minen und das Angeln fand ich auch nicht super interessant, die Hofarbeit wurde repetitiv und langweilig. Hatte ich die 13 Euro für das Spiel aus dem Fenster geworfen?

Die Liebe zu den Pflanzen

Die im wahrsten Sinne wachsende Liebe.Die im wahrsten Sinne wachsende Liebe.

Meine Meinung zu Stardew Valley veränderte sich nicht plötzlich. Es war ein eher längerer Prozess. Ich bemerkte die Leidenschafft zum Spiel erst, als ich meine Switch nicht mehr niederlegen konnte. Ich fühlte mich gelangweilt und spielte trotzdem weiter. Doch war ich wirklich gelangweilt? Aus meinen Lieblingsspielen bin ich mehr Action gewohnt.

Eigentlich brauche ich noch einen Hühnerstall, die Pflanzen müssen noch gegossen werden und ich habe heute laut dem Wahrsager-Fernsehprogramm sehr viel Glück und sollte die Minen erkunden. Ich finde das Spiel immer noch nicht super interessant, es hat keine unglaubliche Geschichte oder wunderschöne Grafik. Allerdings ist es perfekt, so wie es ist. Das Spiel fesselt mich. Auch wenn es nur der Gedanke daran ist, dass ich mich morgen um meine Pflanzen kümmern muss oder ein Fest bevorsteht. Ich kann den nächsten Tag kaum abwarten.

Eine Sonnenblume für dich

Wo die Liebe hinfällt ... bei uns beiden knistert es.Wo die Liebe hinfällt ... bei uns beiden knistert es.

Obwohl Stardew Valley keine Geschichte erzählt, hat das Spiel sehr interessante und bewegende Charaktere. Ein Spieler, der sich nur auf einen einzelnen Bewohner konzentriert, um sie oder ihn zu heiraten, wird viel verpassen. Ich muss leider zugeben, dass ich diesen Fehler anfangs auch begangen habe. Doch mit der wachsenden Freundschaft zwischen mir und den Leuten aus dem Dorf enstehen zunehmend lustige, traurige und romantische Geschichten. Die NPCs vertrauen mir private Informationen an, sie vertrauen mir ihre größten Probleme an und sprechen über ihre Gefühle. Der Moment, der mich am meisten berührt hat, war eine kleine geskriptete Sequenz:

Linus, der Ausgestoßene, durchsuchte einen Mülleimer nach Essen. Gus, der Saloon-Besitzer erwischte ihn dabei. Anstatt "angewiedert" oder wütend zu sein, gab er ihm etwas zu Essen und sagte, dass er niemanden hungern sehen möchte.

Das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen ist gar nicht so leicht. Am Anfang habe ich vermutet, es sei wie bei Die Sims: Man spricht zwei bis drei mal mit einem Charakter und schon kann man zum Techtelmetel übergehen, dann wird geheiratet und danach steht der Tod vor eurer Tür.

Zum Glück ist Stardew Valley komplett anders. Ihr müsst für die Beziehung arbeiten. Nur mit einer Person zu sprechen, reicht nicht: ihr müsst ihnen Geschenke machen, ihre Wünsche erfüllen und mit ihnen interagieren. Ich habe nur Sonnenblumen eingepflanzt, weil ich wusste, das Haley sie mag. Wie im echten Leben entwickelt ihr eine Freundschaft und bekommt sie nicht geschenkt.

Die Sucht

Nachts wurde weiter gearbeitet.Nachts wurde weiter gearbeitet.

Wie ich schon davor erwähnt habe, macht das Spiel süchtig. Ich saß mehrere Nächte lang wach, um noch die letzten Pflanzen zu pflücken oder noch ein bisschen Geld zu verdienen. Ich konnte mich kaum zum Schlafen zwingen, weil ich wusste, dass ich noch ein paar Bäume fällen und eine Erkundungs-Touren in den Mienen machen muss, um einen neuen Stall zu bauen. Obwohl das alles Kleinigkeiten sind und nicht wirklich interessant scheint, erzeugt es eine Art von Verantwortungsgefühl. Ich weiß, dass, wenn ich meine Pflanzen nicht gieße, sie alle verwelken werden. Nach so langer Arbeit werde ich das nicht zulassen!

Wohin führt meine Reise?

Die Zukunft steht in den Sternen geschrieben.Die Zukunft steht in den Sternen geschrieben.

Für mich war Stardew Valley eine Erleuchtung. Ich verstehe jetzt, was andere damit meinen, wenn sie sagen: "Indie-Games haben ihren eigenen Charme". Ich kann es mit keinem AAA-Game vergleichen. Stardew Valley hat seinen eigenen Charakter, seine Persönlichkeit und seinen eigenen, besonderen Charme.

Wie geht es jetzt weiter mit meiner Indie-Liebe? Das weiß ich noch nicht. Ich habe mir erst einmal die Demo-Version von Octopath Traveler heruntergeladen. Und ja, ich weiß es ist keine Indie-Produktion. Es sieht aber irgendwie aus wie eine. Ich werde auch weiterhin AAA-Games spielen. Allerdings werde ich von nun an meine Kollegen nach Empfehlungen fragen und nicht abgeschreckt von unbekannten Titeln sein. Also erwarte ich viele gute Empfehlungen.

Was haltet ihr von meiner Meinung? Findet ihr Indie-Games langweilig oder hattet ihr auch so eine ähnliche Erfahrung? Schreibt uns eure Antworten in die Kommentare!

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Tags: Fun  

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