Meine Erfahrung: Womit ich als Cosplayer alles kämpfen musste

(Kolumne)

von Franziska Schulz (01. Juli 2018)

Ich musste mich immer ein bisschen zurückhalten, wenn meine Familie, Lehrer oder Mitschüler nach meinen Hobbys fragten, denn Cosplay war im Jahr 2007 noch völlig neu in Deutschland und wurde für eine ziemlich verrückte Sache gehalten. Zehn Jahre später bin ich aber froh, dass ich das Hobby so lange betrieben habe und möchte erzählen, mit was man als Cosplayer so zu kämpfen hatte und vielleicht immer noch hat.

Natürlich war ich ein Nerd - das will ich nicht abstreiten. Ich bin über den ganzen Manga-/Anime- und Games-Kram zu dem Hobby gekommen. In der Zeit, in der ich mir von meinen Eltern nichts mehr sagen lassen wollte und mir neue Leitbilder suchte, fand ich in der Community Menschen, die sich genau wie ich kreativ ausleben wollten. Wir zeichneten Bilder, schrieben Geschichten und es dauerte nicht lange, bis ich das erste Mal Cosplayer sah, auf einer winzigen Messe in Berlin. Das war 2007.

Ein Jahr später kaufte ich mir von meinem Jugendweihegeld eine Singer-Nähmaschine. Noch ein Jahr später war ich Mitglied einer Theatergruppe, deren Drehbücher auf den Geschichten von Mangas oder Spielen basierten. Klingt eigentlich alles ziemlich kreativ und ambitioniert oder? Eine jugendliche, die ihre Zeit mit Nähen, Geschichten schreiben und Theater verbringt.

Inspiration für zahlreiche Cosplayer: das Charakter-Design aus Final Fantasy X

Meine Mitschüler und andere Menschen vertraten aber die Meinung, als Cosplayer ziehe man sich wie ein "Zeichentrick"-Charakter an, um dann so zu tun als wäre man dieser und das sei ziemlich abgedreht. Meine Eltern, meine Lehrer, meine Verwandtschaft – eigentlich alle, betrachteten mich oft genug missbilligend, wenn ich von meinem komischen Hobby erzählte.

„Aha und dann ziehst du dich so an wie diese, äh, Figuren von diesen, ääh, Zeichentrickfilmen. Und so läufst du dann rum? Aha.“

„Cosplayer? Das sind doch diese komischen Freaks die sich so anziehen wie Comics.“

„Hast du immer noch dieses Hobby, wo du Kostüme anziehst?“

Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass das einzige Mal, dass ich so getan habe als wäre ich der Charakter dessen Kostüm ich trug, auf der Bühne war, in einer Show, an der wir ein Jahr lang gearbeitet hatten.

Cosplay vom Manga D. Gray ManCosplay vom Manga D. Gray Man

Meine Eltern waren wie gesagt so gar nicht begeistert, dass ich meine ganze Zeit in das Hobby steckte. Als ich anfing mit den Kostümen auf Messen zu gehen, um an Wettbewerben teilzunehmen, zog ich mich oft schon der Einfachheit halber zu Hause um. Meinen Eltern war das sichtlich unangenehm und eigentlich wollten sie mich so nicht gehen lassen, obwohl ich zusammen mit Freunden unterwegs war und mir die verwirrten Blicke der Mitmenschen herlich egal waren.

Das Unverständnis meiner Eltern aber, war sehr frustrierend für mich. In den Kostümen steckten nämlich Stunden, Tage und manchmal Monate an Arbeit und all mein Taschengeld, da man damals die meisten Materialien noch teuer aus China, USA und Großbritannien importieren musste.

Ihre Meinung zu meinem Hobby änderte sich allerdings urplötzlich, als sie unsere erste Show auf einer Convention sahen (Hut ab - Sie haben sich wahrscheinlich völlig fehl am Platz gefühlt). Vom Bühnenbild, bis zu den Kostümen, bis zu den Drehbüchern war alles selbst gemacht. Das machte sie schon stolz.

Bild vom Bühnenstück "Pandora Hearts" auf der AniMaCo 2010 (Fotografin: Animexx-User OceanSoul)Bild vom Bühnenstück "Pandora Hearts" auf der AniMaCo 2010 (Fotografin: Animexx-User OceanSoul)

Wenn ich heute sage, dass ich mal Cosplayer war, weiß zwar jeder wovon ich rede, aber die Assoziationen dazu haben sich kaum verbessert. Jetzt denken die Leute oft an freizügige Kostüme mit viel Push-up oder eben immer noch an Nerds, die sich verkleiden.

In Wahrheit hat sich der Spaß aber mehr etabliert als man denkt. Im Internet stoße ich andauernd auf grandios genähte Halloween-Kostüme von Filmen, die gar nichts mit Horror zu tun haben und andere Bilder mit kostümierten Vater-Sohn-Duos im Kino bei einer Marvel-Filmpremiere.

Wie findet ihr Cosplay? Habt ihr schonmal ein Kostüm gesehen, von dem ihr richtig beeindruckt gewesen seid? Oder gibt es vielleicht selbst Cosplayer unter euch, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich? Lasst es gerne andere Leser und uns in den Kommentaren wissen!

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