Vorschau Underworld Ascendant: Die Unterwelt ist voller Baustellen

von René Wiesenthal (04. Juli 2018)

Als Crowdfunding-Projekt begonnen, steht Underworld Ascendant in den Startlöchern und möchte klassisches Rollenspiel mit moderner Technik verbinden. Wir hatten bei einem Besuch der Entwickler die Gelegenheit, es einmal selbst anzuspielen und sind nun einerseits angetan von dem Konzept. Andererseits aber besorgt um die Zukunft des Spiels.

Der zweite Nachfolger von Ultima Underworld aus dem Jahre 1992 ließ lange auf sich warten. In diesem Jahr nun soll es so weit sein - Underworld Ascendant soll im September 2018 erscheinen.

Underworld Ascendant wurde durch Crowdfunding finanziert. Hier seht ihr das Kickstarter-Video:

Diejenigen von euch, die Ultima Underworld kennen, werden wahrscheinlich hellhörig beim Thema Underworld Ascendant. Die späte Fortsetzung der klassischen RPG-Reihe entsteht unter anderem unter der Beteiligung von Paul Neurath. Der war schon 1992 mit von der Partie, als der erste Teil - Ultima Underworld – The Stygian Abyss - geschaffen wurde und hat zudem an Kultspielen wie System Shock 2 und Thief mitgearbeitet.

Ins Loch gesaugt

Doch zunächst einmal: Underworld Ascendant lässt euch in die Rolle des "Avatars" schlüpfen. Eine nicht näher beschriebene menschliche Hülle, die ihr aus der "First Person"-Perspektive durch die stygische Unterwelt manövriert, die ihr bereits in den alten Spielen besucht habt. Laut Entwickleraussagen handelt es sich um eine Person aus unserer Echtwelt, die durch ein Portal in den Abgrund gezogen wird und fortan versucht, diesem zu entkommen.

Die Unterwelt ist düster und bis dato noch frei von NPCs.Die Unterwelt ist düster und bis dato noch frei von NPCs.

Zu sehen kriegen wir eine entsprechende Sequenz genauso wenig, wie ihr den Avatar wohl jemals in voller Pracht erblicken werdet. Das Spiel ist von Grund auf klassisch und setzt auf kreatives Kombinieren der Spielmechaniken statt auf aufwendige Visualisierungen. Das zeigt sich beim Anspielen sowohl in der eher sporadisch gestalteten, dunklen Spielwelt, als auch in den eher staksigen Bewegungsanimationen von Gegnern und bei eigenen Bewegungen wie dem Spannen des Bogens.

In der Fantasie geht alles

Was wir ebenso nicht sahen: Andere Figuren, mit denen ihr in der fertigen Version des Spiels interagieren können sollt, um beispielsweise Aufträge für sie zu erledigen. Hier und an vielen anderen Stellen im Spiel versicherten die Entwickler auf unsere Rückfragen, dass da noch eine Menge kommen wird. Es blieb oft bei Beschreibungen dessen, was einmal werden soll.

Kombiniere, kombiniere. Auf diese Art mit Zaubern herumspielen konnten wir leider nicht.Kombiniere, kombiniere. Auf diese Art mit Zaubern herumspielen konnten wir leider nicht.

Die spielerischen Elemente fallen leider ebenso wie die visuelle Darstellung noch etwas ungelenk aus. Die Steuerung empfanden wir anfangs als gewöhnungsbedürftig und führte dazu, dass wir das eine oder andere Mal versehentlich Gegenstände zerstörten, die wir eigentlich aufsammeln wollten. Mit etwas Übung wurden wir sicherer im Umgang mit Interaktionsmöglichkeiten und den verschiedenen Ausrüstungsgegenständen, wie dem Schwert und dem Bogen. So richtig griffig war aber weder die Belegung, noch reagierte die Umgebung immer nachvollziehbar auf uns.

Die Qual der Wahl

Ultima Ascendant möchte euch zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung stellen, das non-lineare Abenteuer zu meistern, in dem ihr mit verschiedenen Fraktionen sprechen, euch Stück für Stück neue Wege erschließen und mit euren Entscheidungen die Welt beeinflussen sollt.

Wie in Thief gibt es Wasserpfeile, mit denen ihr Fackeln löschen könnt.Wie in Thief gibt es Wasserpfeile, mit denen ihr Fackeln löschen könnt.

Von alledem erlebten wir bisher nur Ersteres, also die unterschiedlichen spielerischen Ansätze, die vor allem auf Herumprobieren mit der Physik abzielen. So konnten wir beispielsweise eine Holzkiste aufnehmen, sie in die Flammen einer Feuerschale halten und gegen eine Holztür schmeißen, sobald sie entfacht war, so dass diese ebenfalls dahinkokelt und der versteckte Schatz dahinter greifbar wird.

Abhängig vom Stärkewert des Avatars können wir unterschiedliche Objekte mit unterschiedlicher Leichtigkeit heben. In der Praxis war das aber nicht nur durch die erwähnt schwammige Steuerung fummelig, sondern ebenso wegen ungenauer Abfragen der Objekte im Spiel. Schön ist indes die Detailtiefe, auf die OtherSide Entertainment wertlegt: je mehr brennendes Holz ich vor die Tür lege, desto höher die Hitze und schneller die Tür versengt.

Einfallsreichtum wird belohnt

Aufgebessert wird die Figur den Entwicklern zufolge durch Talentpunkte, die ihr in verschiedene Klassen investieren sollt. Einige davon haben wir beim Anspielen bereits erhalten, sie werden durch besonders einfallsreiche Manöver freigeschaltet. Inwiefern sich dadurch die Dynamik in den bisher noch sehr steifen Kämpfen verändert, können wir nicht beurteilen, da uns bis auf Schläge und Pfeilangriffe keine Fertigkeiten zur Verfügung standen.

In diesem Raum voller Schurken endete die Demo. Hier warten zahlreiche Lösungsansätze.In diesem Raum voller Schurken endete die Demo. Hier warten zahlreiche Lösungsansätze.

Viel Spielraum zum Probieren zeigte sich in einem etwas weitläufigeren Areal, in dem wir unseren Anspieltermin beendeten. Hier lauerten überall Gegner und Fallen, den Weg zum gesuchten Gegenstand mussten wir uns selbst aussuchen und bestreiten. Zum Beispiel indem wir Haftbeeren an über dem Boden rasselnde Klingen warfen, um sie zum Stillstand zu bringen. Funktioniert hat es leider auch nach mehrmaligen Versuchen nicht, wie es laut Entwicklern eigentlich sollte.

Erklärungen gab es seitens des Spiels beim Vorankommen keine. Underworld soll den Spieler dazu herausfordern, sich die Alternativen selbst zu erschließen, herauszufinden, wie einzelne Elemente miteinander reagieren. Unser Termin endete mit einem Crash der Demo an der Stelle der Klingenfallen, als ein Gegner uns aus dem Nichts attackierte. Einer der zahlreichen Bugs machte sich bemerkbar.

Meinung von René Wiesenthal

Underworld Ascendant hört sich - folgt man den Entwickleraussagen - nach einem großartigen Spiel an. Bei einem flüchtigen ersten Blick sieht es auch nach viel Knobelspaß aus, wenn man nicht zu grafikversessen ist. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, wie weit die Entwickleraussagen derzeit von der Realität entfernt sind: So ist ein Großteil dessen, was das fertige Spiel einmal ausmachen soll, bisher ein Versprechen. Auf viele der Fragen zu Features und Inhalten antwortete OtherSide Entertainment mit "wir arbeiten daran" oder "das ist geplant".

Was nicht heißt, dass es sich dabei um leere Versprechungen handelt. Angesichts des derzeitigen Zustands des Spiels und der Ambitionen, die das kleine Team hat, steht derzeit jedoch noch sehr viel Arbeit bevor, ehe Underworld Ascendant eine für die Entwickler, Unterstützer und andere Spieler zufriedenstellende Form besitzt. Das bezieht sich nicht nur auf fehlende Inhalte, sondern ebenso auf die einwandfreie Umsetzung der bisher vorhandenen.

Am Ende blieben wir nach dem Anspielen beinahe schon leicht geknickt zurück: so viele tolle Ideen, so viele bereits vorhandene Ansätze. Aber nichts scheint bisher wirklich fertig zu sein. An allen Ecken und Enden zeigen sich unausgereifte Mechaniken und Bugs. Wir wünschen dem kleinen, eifrigen Team von OtherSide, dass es alle Vorhaben gewuppt kriegt, um am Ende nicht ein sehr fehlerbehaftetes oder abgespecktes Abenteuer veröffentlichen zu müssen. Denn was sie da vorhaben, möchte ich unbedingt in vollwertigem Zustand spielen.

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Tags: Singleplayer  

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