Vorschau The Bard's Tale 4: Brutal klassisch und urkomisch

von René Wiesenthal (12. Juli 2018)

Altmodisch ist ungeil? The Bard's Tale 4 besinnt sich auf die Wurzeln der Reihe und könnte komfortverwöhnte Spieler vor den Kopf stoßen. Alte Rollenspielhasen, die ohne Ende kloppen, looten und leveln wollen, haben aber Grund zur Freude.

Denkt ihr bei The Bard’s Tale an Diablo-ähnliche Rollenspiel-Action, habt ihr vor dem gleichnamigen Hack and Slay für PlayStation 2 etwas verpasst. Drei vorangegangene Teile prägten die Serie als ultraklassisches Rollenspiel. Mit The Bard’s Tale 4 geht es nun zurück zu diesen Ursprüngen, zumindest größtenteils. Wir durften für euch einen ersten Blick in die aberwitzige und brutale Welt des Kampfbarden werfen und erzählen euch heute einen Schwank vorm Kaminfeuer.

The Bard's Tale 4: Trailer zur Alpha

Zusammen mit Creative Director David Rogers spielten wir die erste Stunde einer Demo, die in voller Länge etwa sechs Stunden des Spiels beinhalten soll. Ab heute steht diese auch den Unterstützern zum Spielen bereit, die geholfen haben, The Bard’s Tale 4 zu finanzieren. Das entsteht nämlich unter anderem durch Crowdfunding-Gelder.

Beim Knistern des Kaminfeuers

Fürs Intro tauchen wir über das Menü in einen Bilderrahmen ein, in dem Schauspieler mit ein wenig Folklore und Musik am Kamin eine märchenhafte Stimmung erzeugen.

The Bard's Tale wirkt an vielen Stellen wie ein düsteres Märchen.The Bard's Tale wirkt an vielen Stellen wie ein düsteres Märchen.

Im Spiel angekommen werden wir als erstes Zeuge einer Hinrichtung, die Kontraste werden schon früh überdeutlich. The Bard’s Tale 4 wankt zwischen bezaubernder Musik, schrägem Humor und unbequemen Themen. Von Rogers bekommen wir dann zusätzliche Eckdaten zur Geschichte:

Etwa 150 Jahre nach den Geschehnissen in The Bard’s Tale 3 - Thief of Fate sorgen dunkle Mächte für Ärger im Land. Anhänger religiöser Gemeinschaften suchen nach einem Sündenbock und machen die Mitglieder der Abenteurergilde verantwortlich, der auch euer Barde angehört. Die Ausgestoßenen und mit dem Tod bedrohten verkriechen sich in den Untergrund der Stadt Skara Brae, von wo aus sie versuchen, dem wahren Übel auf die Spur zu kommen und ihm das Handwerk zu legen.

Neue Lieder, alte Tugenden

Wer The Bard’s Tale kennt, wird bei Skara Brae hellhörig. Die Stadt, die nun in einen unter- und einen überirdischen Teil gegliedert ist, ist ein serienbekannter Schauplatz. Aus der Pixelära sind zahlreiche Orte in neuem 3D-Gewand nachgebildet worden, die alte Fans wiedererkennen sollen. Aber auch Neueinsteigern wollen die Entwickler mit dem großen Zeitsprung in der Erzählung einen leichten Einstieg gewähren.

Den Charakter-Editor gibt es optional. Ihr könnt auch einen vorgegebenen Charakter spielen.Den Charakter-Editor gibt es optional. Ihr könnt auch einen vorgegebenen Charakter spielen.

Ihr beginnt das Spiel als Bardin Melody, habt an einem frühen Punkt des Spiels aber die Möglichkeit, euch dagegen zu entscheiden, sie zu spielen. Gefällt sie euch nicht, dreht ihr einfach eine Runde durch den Charakter-Editor. Hier habt ihr neben optischen Anpassungsoptionen die Wahl zwischen verschiedenen Völkern und den vier Klassen Trinker, Kämpfer, Schurke und Practitioner, also magisch Begabter. Bis zu 70 Skills sollt ihr in diesen erlernen können, die größtenteils einen merklichen Einfluss auf das Spielgefühl haben sollen, beziehungsweise das Vorgehen in Kämpfen beeinflussen.

Das Kämpfen ist des Crawlers Lust

Diese bestreitet ihr rundenweise aus der Ego-Perspektive. Durch die Spielwelt bewegt ihr euch frei, seht ihr einen Feind, könnt ihr ihn hinterrücks oder aber frontal attackieren. An Ort und Stelle werden die Gegner euch dann auf ein Raster von vier mal vier Feldern vor die Nase gesetzt, zwischen denen sie rundenweise hin und her hüpfen. So wie auch ihr, in der Ego-Perspektive bleibend, während euer Held und etwaige Mitstreiter durch Artworks am unteren Bildschirmrand repräsentiert werden. Ganz wie in klassischen Dungeon Crawlern eben.

So sieht das Raster-Kampfsystem aus. Eure Helden seht ihr nur als Artworks.So sieht das Raster-Kampfsystem aus. Eure Helden seht ihr nur als Artworks.

Ihr setzt nun eure begrenzten Aktionspunkte dafür ein, euch taktisch geschickt zu positionieren, zu heilen, zu brauen, euch mit Musikeinlagen zu buffen oder Aktionen vorzubereiten, die mit Beginn der nächsten Runde eintreten. Was immer das Fähigkeitenrepertoire gerade hergibt. Im Laufe der Zeit erlernt ihr Kombos aus verschiedenen Fähigkeiten und schafft euch unterschiedliche Angriffspläne für jede denkbare Kampfsituation. Wenn ihr genug vom Höhlenschlurfen habt, kehrt ihr in die Stadt zurück, verteilt Skill-Punkte, stockt eure Vorräte auf und legt feste Speicherpunkte an.

Im Entwickler-Walkthrough seht ihr das Crawlen ausgiebig in Bewegung:

Die Musik spielt übrigens, wie es der Name des Spiels verspricht, eine übergeordnete Rolle: Während ihr die düsteren Tunnel der Spielwelt durchstreift und den Dialogen eurer bis zu sechs Helden lauscht, interagiert ihr mit der Umwelt um voranzukommen. Das bedeutet in manchen Fällen, bestimmte Lieder gelernt haben zu müssen, die euch Wege eröffnen. Außerdem trällert es an allen Ecken des Spiels, in denen sich NPCs befinden.

Deren Lieder sind nicht nur schön anzuhören, sondern enthalten oft auch nützliche Informationen zu versteckten Schätzen in der Spielwelt oder Lösungshinweise zu Rätseln und Quests. Überhaupt der Ton: Schottische Sprecher haben die Personen im Spiel eingesprochen, es ist eine helle Freude deren entzückenden Dialekten zu lauschen. Folk-Musiker, die unter anderem auch an Songs für Disney-Filmen gearbeitet haben, steuern ihre Lieder bei.

Leichtfüßiger Humor, schwere Herausforderungen

Die Figuren sind oftmals bewusst komödiantisch überzeichnet. Einige von ihnen wurden sogar von Backern geschrieben und sind ordentlich plemplem. Wie ein Kauz im oberirdischen Teil der Stadt, der für Gemüse wirbt, das er nicht besitzt und laut durch die Straßen ruft. Humor zeigt sich auch an anderen Stellen, wenn sich etwa Schatzkisten beim Öffnen wie im Cartoon dehnen und strecken, bevor sie aufspringen.

Ihr sollt euch ausgiebig mit den Skills befassen, um in Kämpfen triumphieren zu können.Ihr sollt euch ausgiebig mit den Skills befassen, um in Kämpfen triumphieren zu können.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels soll jedoch kein Witz sein und sei entsprechend des Zielpublikums recht hoch angesetzt. Er kann sogar beim Spielen nach oben angepasst werden. So ist es möglich, die Luck Stones, die als vorläufige Checkpoints in den Dungeons dienen, für Erfahrungspunkte zu konsumieren. Damit verschwinden sie für immer aus dem Spiel.

Am 18. September 2018 soll The Bard’s Tale 4 für PC erscheinen, die Versionen für PlayStation 4 und Xbox One später im Jahr folgen.

Meinung von René Wiesenthal

The Bard's Tale 4 ist in seiner Rückwärtsgewandheit sehr interessant für mich, da derart klassische Spiele in morderner Technik umgesetzt vergleichsweise selten sind. Leider ist "modern" hier aber nicht so voll und ganz richtig, da das Spiel recht wechselhaft ansehnlich ist. Durch die schönen Licht- und Schattenanimationen sieht die düstere Unterwelt sehr stimmig aus, die Oberwelt allerdings offenbart die Schlichtheit der Optik.

Aber es kommt ohnehin auf die Mechanik an und die taktischen Kämpfe wirken sehr motivierend und gelungene Manöver äußerst belohnend. Auf Dauer soll das Spielprinzip einen einnehmenden Zyklus aus Ressourcenverwaltung, Verbesserung und Vorankommen in der Spielwelt ergeben. Da wir bis dato nicht lange genug gespielt haben, um einschätzen zu können, inwiefern das wirklich passiert, bleibt hier das Risiko, dass The Bard’s Tale 4 nach einiger Zeit eintönig werden könnte. Vor allem, weil das Spiel abseits der Kernmechaniken bisher eher schlicht wirkt und nicht auf eine tiefgründige Geschichte und Inszenierung fokussiert.

Ich bin gespannt ob sich tatsächlich die versprochene taktische Tiefe des Kampf- und Skill-Systems entwickelt und nach dem Anspieltermin vorfreudig auf die Vollversion des Spiels. Wer moderner Rollenspiele überdrüssig ist und sich einen klassischen Dungeon Crawler wie Might and Magic 10, Darkest Dungeon oder eben die ersten drei "The Bard’s Tale"-Spiele wünscht, sollte The Bard’s Tale 4 auf jeden Fall im Blick behalten.

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Tags: Singleplayer   Retro   Fantasy  

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