Gut investiert? Vom Sparen und Geldverschleudern - so verschieden ist euer Kaufverhalten

(Special)

von René Wiesenthal (19. Juli 2018)

Immer reden wir davon, wie unterschiedlich Spielgewohnheiten sein können. Dabei gibt es schon beim Spielekauf erstaunlich viele – teils außergewöhnliche – Variationen. Wir haben uns bei den Lesern und unseren Redakteuren nach Kaufgewohnheiten umgehört: Vom Sparfuchs über den Prasser bis hin zum verrückten Wissenschaftler, das sind die unterschiedlichen Formen im Kaufverhalten von Gamern.

Nach der Ebbe kommt die Flut: So könnte man die Situation auf dem Spielemarkt mit Ausblick auf die nahe Zukunft beschreiben. Wo es derzeit eher einzelne, wenige Spiele wie Octopath Traveler schaffen, die Gunst sehr vieler Spieler zu gewinnen, steht mit dem Spätsommer und Herbst 2018 ein richtiger Release-Overkill bevor.

Allein der Oktober: Red Dead Redemption 2, Battlefield 5, Assassin’s Creed - Odyssey - alle im selben Monat. Und als wäre das noch nicht genug, erwartet euch mit dem 22. Februar 2019 ein einzelner Tag, der so vollgepackt ist mit Blockbustern, dass Spieler sicher jetzt schon Urlaube beantragen, Termine verschieben und ihre Tage präzise durchtakten. Anthem, Days Gone UND Metro Exodus auf einmal? Wie soll das nur funktionieren?

Vergangenheit und Zukunft: Videospiel-Läden: Wie geht es ihnen eigentlich?

Doch Zeit ist nicht die einzige Ressource, die es zu verwalten gilt, wenn die Release-Flut über uns hereinbricht. Auch das nötige Geld möchte vorhanden sein. Wir haben uns und euch angesichts dessen gefragt, wie denn das Kaufverhalten von Gamern eigentlich aussieht und wie viel ihr und wir denn eigentlich bereit sind, für Spiele auszugeben. Es zeigt sich in den Antworten eine ziemliche Vielfalt im Kaufverhalten und das eine oder andere Kuriosum.

Sollen die Releases nur kommen

Auffällig ist, dass viele von euch Lesern im Schnitt genau ein neues Spiel pro Monat anschaffen, wobei die Ausgaben dann vom Neupreis abhängig zwischen 40 und 70 Euro variieren. Unsere Leser betonen jedoch immer wieder, dass es natürlich auch darauf ankomme, wie viele interessante Spiele jeden Monat überhaupt erscheinen.

Für zahlreiche andere von euch gibt es daher von vornherein keine festen Grenzen. Wenn die Leidenschaft mit euch durchgeht, gebt ihr aus, was die Release-Listen und das Portemonnaie hergeben. Wie bei unserem Leser Oliver Otto, für den der Herbst ziemlich teuer werden könnte:

"Grundlegend spielt der Preis keine Rolle. Es ist ganz selten, dass ich Spiele im Angebot kaufe. Meist nur, wenn ich mir bei einem Spiel echt unsicher bin. Aber alle Titel, die mich interessieren, kaufe ich meistens direkt zum Release im Store. An Monaten, in denen viel rauskommt, werden es auch mal so vier bis sechs Spiele für jeweils 50 bis 70 Euro."

Damit stehen Leser wie Oliver weit über dem deutschen Durchschnitt. Den Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware ist zu entnehmen, dass beispielsweise 2016 in Deutschland durchschnittlich knapp elf Euro pro Spieler und pro Monat für Käufe ausgegeben wurden.

Die Techniken der Sparfüchse

Aber unter den Lesern gibt es auch Abweichungen nach unten. Sparfüchse wie der Facebook-User Da Gampe gucken beim Preis schon etwas genauer hin:

"Als Trophyhunter guckt man auf den Preis. Im PSN Store wird grundsätzlich nichts über zehn Euro gekauft. Games, die ich haben will, bestelle ich vor, aber nicht zu jedem Preis. Ich habe meine vier, fünf Online-Shops und sehe mir dort die Preise an."

Vorbestellen kommt für "GIGA Games"-Praktikant Daniel nicht in Frage. Auch er schaut auf den Preis und zeigt beim Kauf gern lieber mal ein Herz für kleine Entwickler als den Großen das Geld zuzuschieben:

"Ich bin nie bereit, den vollen Preis für AAA-Titel zu bezahlen. Wenn ich die überhaupt kaufe, dann während eines Sales oder einige Zeit später. Spiele werden ja nicht schlecht, nur weil ich sie nicht vorbestellt habe.

Ansonsten gebe ich gerne mal zwischen 20 bis 30 Euro für richtig gute Indie-Perlen aus, da die Entwickler es in solchen Fällen meiner Meinung nach auch wirklich verdient haben und ich sowas gerne unterstützen möchte. Was gebe ich so im Monat aus? Im Schnitt wahrscheinlich nicht mehr als 20 Euro."

Indie-Perlen sind Daniel ihr Geld wert. Im Bild: Das Zelda-ähnliche Moonlighter.Indie-Perlen sind Daniel ihr Geld wert. Im Bild: Das Zelda-ähnliche Moonlighter.

Wenn Einkaufen zur Wissenschaft wird

Unser Autor Micky hat ein festes monatliches Budget, das er niemals überschreitet, wie er selbst sagt. Nicht nur das, er hat ein ausgetüfteltes System für sein Spielebudget entwickelt, das – vorsichtig gesagt – kauzig anmutet. Und doch gleichzeitig sehr liebenswert:

"Wenn ich das Budget nicht ausschöpfe, erfolgt kein Übertrag in den nächsten Monat. Auch habe ich eine detaillierte Excel-Liste, bestehend aus älteren und neueren Spielen, die ich preislich beobachte und im Normalfall vom ältesten bis zum neuesten abarbeite. Neuzugänge werden mit Erscheinungsdatum aufgenommen. Sollte sich zwischendurch bei einem Wunschspiel ein besonders günstiger Preis ergeben, wird der Kauf vorgezogen.

Spiele wie Ni no Kuni 2 sind bei Micky hoch im Kurs, werden aber alle strikt nach Plan gekauft!Spiele wie Ni no Kuni 2 sind bei Micky hoch im Kurs, werden aber alle strikt nach Plan gekauft!

Triple-A-Spiele, die ich unbedingt sofort spielen will, sprengen meist das Budget. Ich kaufe sie dann zwar, verbiete mir aber im Folgemonat jeden weiteren Spielekauf. Ich setze also freiwillig aus. Collector's Editions interessieren mich jedoch nicht. Um die mache ich einen großen Bogen.

Die meisten Einkäufe tätige ich online, jedoch mit Fokus auf physischen Datenträgen. Downloads erfolgen nur dann, wenn es keine Alternative gibt. Selten gehe ich in Läden auf Schnäppchensuche. Wenn ich in Österreich unterwegs bin, gehe ich gerne in einen Media Markt, weil dort oft erstaunlich gute Angebote zu finden sind und sich die Produktpalette in ländlichen Gegenden nicht so schnell dreht wie in Großstädten. Sprich: Ich finde dort seltene oder ältere Spiele zu sehr günstigen Preisen. Mein Kaufverhalten ist sehr ... speziell."

Auf die Qualität kommt es immer an

Einen sehr differenzierten Ansatz verfolgt zum Beispiel unser Leser Alexander Trinks. Der bekommt viel Zustimmung für seine Kaufgewohnheiten, scheinbar repräsentiert er damit also eine große Zahl an Lesern:

"Wenn ich von einem Spiel weiß, wie großartig es ist, achte ich auch nicht auf den Preis. Ein Xenoblade Chronicles 2 oder ein Hollow Knight, ein Zelda oder Smash Bros. kaufe ich zum Release und vergleiche im Rahmen einer Preisdifferenz von 5 Euro. Bei Spielen, bei denen ich mir nicht sicher bin, aber gute Reviews vorhanden sind, warte ich gerne auf einen Preisnachlass von 10 bis 15 Euro und alles was danach unter 30 Euro kostet und okay aussieht wird ausprobiert."

Da überlegt Alexander nicht lange: Xenoblade Chronicles 2 wurde zum Release gekauft.Da überlegt Alexander nicht lange: Xenoblade Chronicles 2 wurde zum Release gekauft.

Langfristig verpflichtet

Interessant ist der Einblick in das monatliche Budget von Leser Torben Hansen und seiner Freundin. Hier stehen neben Ausgaben für Spiele auch fixe Kosten an:

"Also 13 Euro für WoW auf jeden Fall. Dazu meist nochmal 10 bis 20 Euro für Zusatzinhalte wie in Heroes of the Storm oder so, dann Minimum ein bis zwei Spiele.

Für mich also knapp 100 Euro und meine Freundin gibt nochmal dasselbe aus, also im Haushalt circa 200 Euo pro Monat. Wenn mal mehr rauskommt, dann auch mal mehr, aber nur selten weniger. Jetzt zum "Battle for Azeroth"-Release sparen wir uns sicher zwei bis drei Monate extra Spiele kaufen zu müssen, da wir dann mit WoW mehr als genug zu spielen haben."

Auch finanziell eine langfristige Verpflichtung: World of Warcraft.Auch finanziell eine langfristige Verpflichtung: World of Warcraft.

Ein Phänomen, das auch der BIU festgestellt hat: Spieler, die viel Zeit in einzelne Spiele stecken, zeigen dafür auch großes finanzielles Engagement. Somit fließen bei solchen Spielern die meisten Kosten beispielsweise in Helden für MMORPGs, Season-Passes oder virtuelle Sammelgegenstände und weniger in neue Spiele.

So wie auch bei unserem Video-Redakteur Steve:

"Ich kaufe mir prinzipiell eher Online-Games auf dem PC, da diese langfristig immer weiter ausgebaut werden und mich für unfassbar viele Stunden fesseln. Ich spiele momentan insbesondere Overwatch, PUBG & seit kurzer Zeit wieder World of Warcraft und bin damit mehr als ausgelastet.

Darüber hinaus bin ich bei manchen Online-Spielen wie WoW und Overwatch auch dafür bereit, zusätzlich zum ursprünglichen Kaufpreis Geld auszugeben, insbesondere bei coolen Aktionen wie der Unterstützung der Brustkrebsforschung durch einen neuen Mercy-Skin."

Neben dem einen oder anderen neuen Spiel kann er an manchen Monaten aber – wie auch viele unserer Leser geschrieben haben - dem Sammeltrieb nicht widerstehen:

"Ich bin großer Fan von Collectors Editions, deswegen bin ich zum Start eines Titels auch bereit, mal 100 Euro zu investieren. Zum Beispiel bei Zelda für die Switch."

Da kann' man schon mal schwach werden: Die Special Edition von Breath of the Wild.Da kann' man schon mal schwach werden: Die Special Edition von Breath of the Wild.

Mit den fest eingeplanten monatlichen Ausgaben sind Torben und Steve ebenso nicht allein. Wie die GfK feststellte, flossen im Jahr 2017 allein 166 Millionen Euro der Deutschen in Abonnements für Videospiele. Andere Fixkosten deutscher Gamer umfassen ebenso Gebühren für Online-Dienste der Konsolenhersteller wie PS Plus. Dafür kamen 2017 immerhin 179 Millionen Euro zusammen.

Die zehn bis 20 Euro für Zusatzinhalte, die Torben zahlt, sind Teil der satten 844 Millionen, die die Deutschen 2017 für Mikrotransaktionen und DLCs ausgaben. Eine unfassbare Zahl. Zahlende Spieler hatten im Jahr 2016 monatliche Ausgaben von über 13 Euro für Mikrotransaktionen. Vor allem bis 2014 sind die Ausgaben hier stark angestiegen.

Bye bye Einzelhandel?

Spieleunternehmen verzeichnen in Deutschland generell einen stetigen Rückgang bei Einnahmen für Spielekäufe. Virtuelle Güter und Netzwerkgebühren werden zunehmend größere Kostenpunkte für Spieler. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Das meiste Geld geben zahlende Spieler im Gesamtvergleich für "Free 2 Play"-Spiele aus, nämlich im Monat durchschnittlich 13,57 Euro, wie den Daten des BIU zu entnehmen ist.

Wie sieht es aus, habt ihr euch in den Geschichten wiedererkannt? Falls ihr ganz spezielle Angewohnheiten habt, von denen ihr uns unbedingt wissen lassen wollt, schreibt sie uns in die Kommentare, wir freuen uns darauf, sie zu lesen!

Tags: Steam   DLC   Free 2 play  

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