Fortnite sei Dank: Jeder Gamer sollte froh sein, dass das Spiel so ein Erfolg ist

(Kolumne)

von René Wiesenthal (20. Juli 2018)

Die einen kriegen nicht genug von Fortnite, den anderen hängt es zum Hals raus. Egal, welchem Lager ihr euch zugehörig fühlt: Jeder Gamer sollte froh sein, dass es Fortnite gibt. Denn es sorgt auch außerhalb des Spielekosmos für so viel Bewegung wie schon lange kein Spiel mehr.

Fortnite erfreut sich zunehmender Beliebtheit - könnte man meinen. Ganz so harmonisch ist die Welt mit Blick auf das Spiel leider nicht: Abgesehen davon, dass sich seit der kürzlich gestarteten Season 5 auch Unmut in der Community breitmacht, sind viele Fortnite-Nörgler längst genervt von dem Hype um das Spiel. Auf unserer Facebook-Seite zum Beispiel gibt es Leser, die am liebsten gar nichts mehr von Fortnite hören würden oder die das Genre Battle Royale regelmäßig schlicht als "Schei*e für Kinder" bezeichnen. Nun ja, Geschmäcker.

Fortnite: Das bringt euch die Season 5

Ich persönlich kann spielerisch nicht viel mit Fortnite anfangen. Was um das Spiel herum passiert, ist aber nicht nur spannend, sondern auch förderlich für das Medium Videospiel als solches. Jedes Mal, wenn ich sehe, dass sich jemand auf Social Media über Fortnite auslässt (und damit sicherstellt, dass ihm noch mehr Fortnite-Inhalte in die Timeline gespielt werden), denke ich mir: Als Gamer solltet ihr doch froh sein, dass es Fortnite gibt.

Fortnite regt Debatten an

Ja, das tut es. Teilweise sind es Debatten, die für ihre Entstehung kein Fortnite gebraucht haben, die durch das Spiel aber erst wieder so richtig in Fahrt gekommen sind. Und nein, ich meine nicht "Ist Fortnite WIRKLICH Schei*e für kleine Kinder?" – das können die Wut-Gamer untereinander austragen.

Ich spreche von Debatten wie der zum System-Crossplay. Natürlich war das immer ein Thema und Sony stand dabei schon immer irgendwie als Buhmann da. Aber erst ein Multiplayer-Spiel, das weltweit so viele Menschen begeistert wie Fortnite und mittlerweile über wirklich jede aktuell verbreitete Plattform hinweg spielbar ist, macht die Notwendigkeit wieder deutlich, die Spieler in dem Feature sehen.

Nintendo und Microsoft reiben Sony gern ihre "Offenheit" unter die Nase.Nintendo und Microsoft reiben Sony gern ihre "Offenheit" unter die Nase.

Und siehe da: Ein – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – Crossplay-trotziger Konzern wie Sony fängt als Reaktion auf das negative Feedback plötzlich an, umzudenken. Was tatsächlich dabei herauskommt, bleibt abzuwarten, aber hey: Fortnite-Spieler haben es zumindest geschafft, Sony bei einem so wichtigen Thema ins Schwitzen zu bringen. Wenn am Ende eines langen Prozesses die Öffnung aller System-Hersteller für plattformübergeifendes Spielen steht, dann sollte das jeden Gamer freuen.

Eine andere wichtige Debatte ist die über die Verantwortung von ressortfremden Medien im Umgang mit Videospielen. Gerade private Fernsehsender haben sich dabei in der Vergangenheit nicht immer mit Ruhm bekleckert. So ließ ProSieben die Chance nicht ungenutzt, auch Fortnite zum Wohl der eigenen Quote ins Programm aufzunehmen und schoss dabei ordentlich in den Ofen. Was auf den vom Sender völlig undifferenziert bezeichneten "Spaß am Tötungsszenario" folgte, war eine Gegenreaktion, die es in sich hatte.

"Spaß am Tötungsszenario" nannte es ProSieben. Seriös geht anders. Quelle: ProSieben Newstime."Spaß am Tötungsszenario" nannte es ProSieben. Seriös geht anders. Quelle: ProSieben Newstime.

Ein Sturm an Widerspruch mobilisierte sich aus allen möglichen Lagern, zwang ProSieben sogar zur (halbherzigen) Stellungnahme. Zugegeben, der mediale "storm" enthielt auch eine Menge "shit", aber gerade gehäuft auftretende sachlich-kritische Kommentare wie der des Kollegen Marcel von GIGA Games erzielten große Reichweiten und trugen eine klare Botschaft in die Öffentlichkeit: Nicht alles, was "bumm" macht, ist böse, nicht jeder Shooter ein Killerspiel. Im Jahr 2018 auf diese Weise über Spiele zu berichten, geht nicht klar. Danke, Fortnite!

Akzeptanz für "Killerspiele"?

Der Beitrag von ProSieben ist nur eines von vielen Beispielen. Auch andere Medien fallen mit reißerischen Meldungen zum Spiel auf. Bei der Süddeutschen versucht man sich offenbar gegenseitig mit skandalträchtigen Headlines zu übertreffen. Da heißt es mal "Der Tanz der Superkiller" oder kaum tendenziös "Das Virus im Kinderzimmer". Aber – und das ist ein wichtiger Erfolg von Fortnite – es schafft auch das Umgekehrte.

Die FAZ berichtet ganz unvoreingenommen auf mehreren Seiten, was hinter dem Erfolg des Spiels steckt, bringt News zu Fortnite und fragt kritisch aber unaufgeregt, was es denn von anderen Shootern unterscheide. Die taz liefert einen Erklärungsversuch. Es zeigt sich ein Maß an Akzeptanz in den Leitmedien Deutschlands, das ungewöhnlich hoch ist. Gerade, wenn ihr bedenkt, dass es sich bei Fortnite um ein kompetitives Online-Spiel mit Shooter-Mechanik und "In Game"-Kaufoptionen handelt. Eigentlich der Teufel.

Kritische Berichterstattung über Videospiele in großen Tageszeitungen geht also ebenso wie informative, ganz ohne Vorurteile. Es wäre sicher kein Erfolg, wenn alles was mit Fortnite zu tun hat, unreflektiert durchgewunken würde. Denn auch Debatten wie die über problematisches Spielverhalten sind wichtig.

Aber der Umgang einiger ressortfremder Medien mit Fortnite zeigt, dass eine Versachlichung im großen Stil stattfinden kann und vielleicht gerade stattfindet. Vielleicht können wir uns (auch) dank Fortnite eines Tages völlig vom Schreckgespenst "Killerspiel" verabschieden.

Videospielsucht ist kein Märchen. Fortnite kann man wie jedes andere Spiel auch kritisch betrachten.Videospielsucht ist kein Märchen. Fortnite kann man wie jedes andere Spiel auch kritisch betrachten.

Fortnite bringt Menschen zusammen

Überhaupt schafft es Fortnite wie derzeit kein anderes Spiel, außerhalb seiner eigenen Spielwelt Wirbel zu machen und in Domänen vorzudringen, die vielen Games verwehrt bleiben. Die ikonischen Tänze und Symbole aus dem Spiel sind längst Teil der Lebenswelt vieler Kinder und Jugendlicher. Fortnite ist Pop-Kultur, prägt eine ganze Generation junger Menschen. Sie finden darin Gemeinsamkeiten, teilen ihre Leidenschaft mit anderen, nicht nur mit Gleichaltrigen.

Wie ihr in unserem Artikel "Ein Erzieher erzählt vom Hype auf dem Schulhof" lesen könnt, bringt Fortnite ganz verschiedene Altersklassen zusammen, sogar Geschwister, denen damit ein gemeinsames Hobby entsteht. Und da wo kommunikative Grenzen zwischen Alters- und Interessengruppen gesprengt werden, gibt es den perfekten Boden für aufklärerische und pädagogische Arbeit. Wie könnte man Erwachsene und Kinder besser gemeinsam an einen Tisch bringen, um über Chancen und Risiken von Videospielen zu sprechen als über ein Videospiel, das auch bei Älteren beliebt oder zumindest akzeptiert ist?

Wie ihr seht ist also auch der sich in der echten Welt ausbreitende Hype einer der zahlreichen Gründe, über Fortnite nicht immer nur zu schimpfen, sondern anzuerkennen, was es gerade mit Videospielen macht - egal ob ihr es persönlich mögt oder nicht. Dem Spiel könnte wohl eine ganze Menge an Bewegung zu verdanken sein, was die Akzeptanz von Videospielen in der breiten Öffentlichkeit angeht.

Good Guy Epic Games?

Davon abgesehen scheinen hinter Fortnite Entwickler zu stehen, die alles andere als raffgierige Unmenschen sind. Das zeigen nicht nur die aktive Community-Arbeit von Epic Games und die ständigen umfangreichen Updates fürs Spiel. Venturebeat berichtete erst kürzlich, dass das Unternehmen den großen Erfolg von Fortnite auch anderen Entwicklern zu Gute kommen lässt.

Epic Games kürzen die Anteile von Verkäufen von Assets, die Entwickler über ihre Plattform verkaufen und planen sogar eine Rückzahlung in Höhe der entsprechenden Kürzung für alle verkauften Assets seit der Eröffnung des Markplatzes im Jahr 2014. Auch hier gilt: Gutes Vorbild für die Allgemeinheit. Daumen hoch dafür.

Es ist nicht garantiert, dass der Erfolg von Fortnite nicht viel schneller abflacht als gedacht. Wie es mit dem Spiel weitergeht, weiß wohl nur der große allmächtige Algorithmus. Ich habe Fortnite trotz mangelndem persönlichen Interesse an der spielerischen Materie in unserer Mitte angenommen und bin gespannt, wohin die Reise geht. Könnt ihr das auch? Oder bleibt es nur ein nerviges Kinderspiel? Sagt es uns in den Kommentaren, wir freuen uns darauf, sie zu lesen.

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Tags: Deathmatch   Politik   Multiplayer   Free 2 play  

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