Octopath Traveler: Freude für die Retro-Community, Enttäuschung für alle anderen?

(Special)

von Micky Auer (20. Juli 2018)

Software-Perle, mutiges Design-Kunstwerk oder repetitives Grind-Fest? Octopath Traveler für Nintendo Switch ist nicht für jeden das Glanzstück, als das es vorab gehyped wurde. Woran liegt das?

Jetzt ist es da. Octopath Traveler, das Spiel mit der "modernen Retro-Optik" und dem Spielgefühl der klassischen JRPGs der 90er Jahre erfreut in den sonst so softwarearmen Sommermonaten Besitzer einer Nintendo Switch. Und zwar exklusiv, denn Veröffentlichungen auf anderen Plattformen sind nicht geplant.

Schon seit der ersten Präsentation macht Octopath Traveler durch seinen sehr speziellen Grafikstil von sich reden. Anstatt wie andere retrolastige Produktionen, wie zum Beispiel I am Setsuna und Lost Sphear, auf 3D-Elemente zu bauen, geht Octopath in Richtung 2D-Pixelgrafik, gepaart mit modernen Effekten, Komfortfunktionen und Grafikfiltern.

Das macht das Spiel einzigartig. Gleichzeitig spricht es dadurch viele Fans an, stößt aber wohl auch nicht wenige potenzielle Spieler ab. Aktuell scheint aber das Interesse klar zu überwiegen. Denn in Japan war das Spiel so schnell ausverkauft, dass Publisher Square Enix sich zu einer Entschuldigung bewegt sah. Mit einem so großen Ansturm seitens der Konsumenten hätte man nicht gerechnet. Doch auch in den USA und Europa werden die Bestände knapp.

Unser Test zu Octopath Traveler wurde anfangs gar nicht mal so oft geklickt. Im Laufe der vergangenen Tage hat sich aber herauskristallisiert, dass das Interesse auch nicht abflaut, sondern sich auf einer stabilen Ebene bewegt. Wie es scheint, interessiert euch das Konzept rund um acht Einzelschicksale, die sich zu einer großen Gesamtgeschichte zusammenfinden doch mehr als es ursprünglich den Anschein hatte.

Wir haben uns mal umgesehen und die großen Pros und Contras aufgeschnappt, die zurzeit zum Spiel im Netz kursieren.

Knackpunkt Grafik

Ganz klar: Die Grafik ist es, was Octopath Traveler unverwechselbar macht. Vor allem Spieler mit Hang zur Nostalgie fühlen sich angesprochen. Jüngere Spieler haben aber - natürlich mit Ausnahmen - eher nicht so den Zugang zu dieser durchaus mutigen Darstellungsform.

Ein Blick auf Metacritic verrät einen Metascore von 84 (seitens der Presse) und eine User-Wertung von 8,2. Fachpresse und Spieler sind sich als zu weiten Teilen einig, was die Gesamtwertung betrifft. Auffallend ist aber vor allem beim User-Score die Polarisierung. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels gibt es 342 positive Bewertungen und 57 klar negative Bewertungen, mit einem schwachen Mittelfeld von gerade mal 31 moderaten Ergebnissen.

Schaut man sich die Bewertungen an, die knallhart Null Punkte vergeben haben, wird als Hauptgrund dafür oft die Grafik genannt. Die Aussagen reichen vom zurückhaltenden "ist nichts für mich" zum häufiger vertretenen "die Grafik ist hässlich." Und ja: Die Grafik ist sicher nichts für jedermann. Hervorgehoben sei hier die Meinung des Users Electricity23.

Er schreibt davon, dass ihn die Nostalgie, auf die die Grafik abzielt, nicht packen will. Der Stil gefällt ihm nicht und er kann auch den Hype nicht nachvollziehen, der dem Spiel vorab zuteil wurde. Auch, was den Spielspaß betrifft. Gleichzeitig betont er aber, dass er die Schuld für den Kauf nur bei sich sieht und dass er die Demo hätte probieren sollen.

Spielt ihr schon fleißig und sucht nach allen Schreinen? Wir helfen euch dabei!

So ganz nachvollziehen, warum so viele Spieler die Grafik kritisieren, können wir aber nicht. Denn jedes Bild, jedes Video, was zu Octopath Traveler veröffentlicht wurde, zeigt ganz genau, in welcher Optik sich das Spiel präsentiert. Wer sich das anschaut, sollte eigentlich sehr schnell erkennen, was ihn erwartet.

Knackschwer und zu viele Kämpfe

Ganz im Sinne seiner nostalgischen Aufmachung gibt es in Octopath Traveler Zufallskämpfe, die rundenbasiert auf einem eigenen Kampfbildschirm stattfinden. Soll heißen: Ihr werdet aus dem Nichts in einen Kampf versetzt, wählt jede Aktion einzeln aus und versucht, eure Fähigkeiten und Items strategisch richtig einzusetzen, um die Deckung des Gegners zu durchbrechen und im Kampf siegreich zu sein.

Wichtiges Ziel im Kampf: Durchbrecht die Verteidigung des Gegners. Sonst habt ihr kaum Chancen auf den Sieg.Wichtiges Ziel im Kampf: Durchbrecht die Verteidigung des Gegners. Sonst habt ihr kaum Chancen auf den Sieg.

Mit anderen Worten: Das Kampfsystem ist das komplette Gegenteil zu Echtzeitkämpfen, die rein auf Reaktion und Geschick basieren. Noch dazu nimmt euch das Spiel nicht an der Hand. Die Kämpfe sind eine echte Herausforderung und erfordern stets genaue Überlegung und ein wenig Vorausdenken. Das schmeckt so manchem Spieler rein gar nicht.

Ob das jemandem gefällt oder nicht, ist rein eine Frage des Geschmacks. Darüber lässt sich auch gar nicht streiten. Jedoch gilt auch für diesen Punkt, dass es im Vorfeld sehr leicht rauszufinden war, wie sich das Kampfgeschehen gestalten wird. Sich im Nachhinein darüber zu beschweren, ist schon ein wenig fragwürdig. Kritik an der hohen Anzahl der Kämpfe ist berechtigt, wenn sich jemand daran stört. Denn gerade das ist vorher schwer einzuschätzen und rauszufinden, zumal dieser Punkt auch ein wenig subjektiv ist. Der eine Tester findet die Anzahl der Kämpfe zu hoch, der andere kommt klar damit. Ein Blick auf die Demo kann hilfreich sein, vielleicht aber auch nur bedingt.

Ebenso wird die Dauer der Kämpfe kritisiert. Und wiederum ist dieser Aspekt sehr polarisierend. Spieler, die genau wussten, worauf sie sich einlassen, haben mit Octopath Traveler den größten Spaß, weil sie genau das tun können, was sie in RPGs schon lange mal wieder tun wollten: Strategisch planen, nach Schwachpunkten suchen, harte Herausforderungen meistern und jeden Kampf zu erleben, als wäre er fast ein Boss-Kampf. Alle anderen wird dies verständlicherweise abschrecken.

Octopath Traveler ist ein Spiel, für das ihr Geduld mitbringen solltet. Es spielt sich langsam, dafür intensiv. Ihr erkämpft euch eure Fortschritte Schritt für Schritt, nicht in großen Sprüngen. Dieser Punkt zerreißt gerade ein wenig die Anhängerschaft. Wobei auch hier wohl die Mehrheit dazu tendiert, das Kampfsystem mitsamt der hohen Anzahl an Kämpfen zu begrüßen.

Rundenbasierte Kämpfe sind für viele Spieler ein Relikt aus der Vergangenheit. Wer jedoch vor allem aus Gründen der Nostalgie zu diesem Spiel greift, wird in seiner Hoffnung, die "gute, alte Zeit" in neuem Glanz aufleben zu lassen, nicht enttäuscht werden. Durchaus ein Punkt, der die Community spaltet.

Nur Augenwischerei?

Einer der wichtigsten Aspekte, mit denen Octopath Traveler sein Dasein rechtfertigt, sind die Geschichten, die euch im Spiel erzählt werden. Wie der Name schon verrät, geht es wohl um die Schicksale von acht Charakteren unterschiedlicher Herkunft, die alle ihre eigene Geschichte erleben, deren Pfade sich im Spiel kreuzen und die letzten Endes zu einem großen Ganzen zusammenfinden.

Acht Charaktere - Acht Geschichten: Im Video lernt ihr die Hauptfiguren kennen.

Das Prinzip ist nicht ganz neu. Saga Frontier für die PlayStation bedient sich beispielsweise einer ähnlichen Mechanik. Nun werden aber in diversen Foren Stimmen laut, die behaupten, dass die meisten dieser acht "Pfade", die ihr als Spieler einschlagen könnt, wohl nur schmückendes Beiwerk sein sollen. Die Charaktere seien nicht besonders tiefgründig ausgearbeitet und der Hauptstrang der Geschichte nimmt zu großen Raum ein. Diese Spieler fühlen sich um das Feature, das ihnen das Spiel schmackhaft gemacht hätte, betrogen.

Dem entgegen stehen aber zahlreiche Meldungen anderer User, die genau das Gegenteil behaupten. Hier zu sagen, der eine Teil der Community hat Recht, der andere nicht, ist fast unmöglich zu begründen. Denn es scheint wohl wiederum eine Frage des persönlichen Geschmacks zu sein, der hier eine Wertigkeit definiert.

Octopath Traveler ist genau das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint: Ein nostalgielastiges JRPG alter Schule, das mithilfe moderner Technik für Aufsehen sorgt. Dazu gehört nun mal auch der eine oder andere Punkt, über den manche Spieler froh sind, dass er nicht mehr zum Standard gehört (Zufallskämpfe, hoher Schwierigkeitsgrad, rundenbasierte Kommandos), den aber wiederum andere Spieler schon lange vermissen.

Und die scheinen dann doch zahlreicher vorhanden zu sein als man glauben möchte. Ob der Umstand, dass zurzeit in Japan das Spiel vergriffen ist, wirklich am hohen Andrang liegt oder ob einfach nur sehr geringe Stückzahlen ausgeliefert worden sind, wissen wir nicht. Jedoch bleibt das Spiel erstmal im Gespräch und sorgt für Diskussionen, die sich glücklicherweise auch mal schlicht und ergreifend um Stil und Qualität drehen, nicht um Sex, Gewalt und Kontroverse.

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