Absolver: Dieser eine Moment, der mir das Spiel offenbarte (Kolumne)

von Franziska Schulz (Montag, 23.07.2018 - 18:38 Uhr)

Absolver ist ein Beat ’em Up in einer "Open World" mit MMORPG-Elementen, ansprechender Grafik und mystischer Story. Das weiß ich jetzt. Aber all diese Elemente sind so subtil, dass ich lange im Dunkeln tappte, bevor ich verstand, worum es in dem Spiel eigentlich geht. Ich spielte am Anfang ehrlich gesagt nur weiter, weil ich den Grafikstil wunderschön fand und außerordentlich auf Martial Arts abfahre. Doch dann kam der erleuchtende Moment, in dem ich meinen Lehrer fand.

Dieser Trailer spiegelt meine erstaunlich gute Spielerfahrung wieder

Es gibt weder eine richtige Einleitung, noch ist klar wer oder was euer Charakter ist, wer eure Gegner sind, in was für einer Welt ihr euch befindet oder was genau euer Ziel ist. Zu Beginn des Spiels seht ihr, dass euer Charakter unter mehreren Schülern von einem Meister auserwählt wird. Die einzige Aufgabe, die ihr bekommt, lautet, irgendwelche Personen zu besiegen, die als Gezeichnete beschrieben werden. Von da an seid ihr auf euch gestellt und tretet völlig orientierungslos in eine unbekannte Welt ein.

Meine Intuition, geprägt durch RPGs, war es, die Open World zu erkunden, alle Gegner auf dem Weg platt zu machen, dabei alle Items mitzunehmen und nach einem Hinweis zu suchen, was zum Kuckuck ich eigentlich machen soll. Beim orientierungslosen aber abenteuerlustigen Rumlaufen durch die Welt sah ich öfters andere Spieler, die in Ruinen, auf Brücken oder Häusern kämpften. Die Kämpfe dauerten wesentlich länger als die, die ich gegen die NPCs führte und sahen zudem um einiges cooler aus.

Respektvoll versuchte ich anderen Spielern erstmal aus dem Weg zu gehen, für mich sahen zu diesem Zeitpunkt noch alle Angriffe gleich aus und ich wusste, ich würde gegen echte Spieler sofort die Kontrolle über den Kampf verlieren.

Kurz nachdem ich mir das Grundprinzip des Kampfsystems einigermaßen angeeignet hatte, fand ich per Zufall einen der Bosse, die ich laut Spiel besiegen sollte. Ich versuchte es einige Male und scheiterte mehr als kläglich - binnen Sekunden. Ich musste besser werden, trainieren, meine Fähigkeiten ausbauen und Kontrolle über meinen Kampfstil gewinnen. Ich war Feuer und Flamme.

Zumindest kurz. Denn dann irrte ich wieder ziellos umher und sah, weil ich eigentlich nichts Besseres zu tun hatte, anderen Spielern beim Kämpfen zu. Sie wichen den Angriffen des Gegners gezielt aus oder blockten sie, als hätten sie gewusst, von wo der Angriff als nächstes kommt. Es gab keine Hektik. Manchmal umkreisten sie sich auch lange nur. Es sah verdammt cool aus.

Dann wurde ich das erste Mal von einem anderen Spieler angegriffen, auf einer Brücke. Es hätte wirklich episch aussehen können, doch wir fielen beide ungalant in die Tiefe. Frisch wiederbelebt an einem Ort den ich vielleicht schonmal gesehen hatte, vielleicht aber auch nicht, irrte wieder durch die Welt und begegnete weiteren Spielern. Wir kämpften, ich starb und klickte verärgert auf "Wiederbeleben." Jedes Mal das Gleiche. Ich war so schwach. Das einzige was mich motivierte weiterzuspielen war, dass ich die NPC immer schneller und mit gezielteren Angriffen besiegte.

Angsterfüllt vorm nächsten Spieler der mich k.o. haut und doch erregt von der Schönheit und Mystik der Welt, die durch dezente und doch spannungsgeladene Musik untermalt ist, irrte ich mit meinem gesichtslosen Charakter weiter umher.

Der nächste Spieler der mir begegnete, sollte mir jedoch die Augen öffnen. Als ich ihn sah, griff ich ihn automatisch an, doch er blockte in den richtigen Momenten und besiegte mich mit wenigen Angriffen. Bevor ich wieder verdrossen auf den X-Knopf zum Wiederbeleben drücken konnte, belebte er mich wieder und sein Charakter verbeugte sich vor mir. Ich war total perplex und verbeugte mich ebenfalls. Er Griff mich an und wir kämpften erneut. Ich starb und er belebte mich wieder. Dann gab er mir das Zeichen ihm zu folgen und ich tat es demütig. Dann bot er mir eine Kooperation an. Ich fühlte mich wie ein Schüler, der von einem Meister angenommen wurde.

Indem ich ihm bei Kämpfen zuschaute oder wir gegeneinander kämpften, lernte ich meine Gegner beim Kampf zu beobachten, um ihre Angriffsketten zu erkennen und versuchte meine eigenen Angriffskombinationen so zu legen, dass sie nicht so schnell durchschaubar waren. Trotzdem sollten Angriffe fließend ineinander übergehen, damit der Körper meines Charakters keine freie Angriffsfläche bietet.

So fingen wir an, gemeinsam durch das Gebiet zu irren, in dem wir uns getroffen hatten, bis wir jeden Winkel auswendig kannten. Ich freute mich plötzlich über jeden Kampf mit einem anderen Spieler, denn es hieß, dass ich meinen Kampfstil üben und mein Charakter neue Dinge erlernen konnte. Ich kam mir töricht vor, dass ich am Anfang aus meiner Wut und meinem Ehrgeiz heraus immer gleich auf X gedrückt habe, um am Ausgangpunkt des Gebiets wiederbelebt zu werden, denn mir fiel auf, dass sich alle Spieler nach dem Kämpfen wiederbelebten und gegenseitig halfen. Dann kamen wir wieder zu dem Boss, an dem ich am Anfang so kläglich gescheitert war. Ich besiegte ihn im ersten Anlauf.

Jetzt begann das Spiel erst richtig für mich und ich verstand, dass Absolver das einzige Kampfspiel ist, das ich kenne, in dem nicht gegeneinander gekämpft wird, um zu gewinnen, sondern um zusammen besser zu werden und voneinander zu lernen. Auf dem Weg zum Meister muss ich die Kampfstile und Taktiken der anderen genau studieren, meine Reaktionen verbessern, Kondition einteilen, Angriffskombinationen, Anfälschen und Blocken in meinem Kampfstil vereinen und meine Fähigkeiten daran ausrichten. Perfekter hätte ein Spielgefühl die Philosophie von Martial Arts für mich nicht wiedergeben können. Auch wenn es in der echten Welt noch nicht geklappt hat, bin ich bei Absolver auf dem Weg ein echter Bruce Lee zu werden.

Habt ihr euch auch schon an Absolver versucht und hattet vielleicht eine ähnliche Erfahrung wie ich? Zugegebenermaßen bin ich völlig unwissend an das Spiel rangegangen, aber so ist es manchmal vielleicht am besten, oder?

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