AR-Technologie: Pokémon GO ist erst der Anfang (Special)

von Franziska Schulz (Mittwoch, 25.07.2018 - 14:25 Uhr)

Die erfolgreichste "Augmented Reality"-Erfahrung, die auch gesellschaftlich hohe Wellen schlug, war Niantics Pokémon GO. Die meisten Menschen wussten bis dahin wahrscheinlich noch gar nicht was Augmented Reality, kurz AR, bedeutet. Wie geht es nun weiter?

Der weltweite Pokémon GO Hype hat gezeigt, dass die Leute davon fasziniert sind ihre Realität digital zu erweitern. Wir haben uns umgesehen, welche AR-Ideen es im Bereich der Videospiele noch auf dem Markt gibt oder gerade in der Entwicklung sind.

Mit Augmented Reality wird eine Brücke zwischen der digitalen und der physischen Welt gebaut. Frei übersetzt bedeutet es "Erweiterte Realität". Meistens sieht diese Erweiterung so aus, das ihr durch ein digitales Gerät, wie ein Smartphone, digitale Objekte in eure echte Umgebung eingepflegt seht. Seit der ersten Veröffentlichung von Pokémon GO ist viel Zeit vergangen und Niantic hat nicht nur an neuen Gameplay-Funktionen gearbeitet. Die Entwicklung von neuer AR-Technologie steht anscheinend für Niantic ganz oben auf der Liste, denn allein dieses Jahr kauften sie schon drei Unternehmen auf, die auf AR-Forschung spezialisiert sind. Im Juni präsentierte Niantic bereits Prototypen gemeinsamer Forschungen.

Vorreiter Niantic

Die Firma Matrix Mill, die im Juni von Niantic übernommen wurde, ist ein Start-Up, das sich vor allem auf Maschinenintelligenz spezialisiert. Das heißt, dass die virtuellen Objekte, also bei Pokémon GO die Pokémon, auf die Gegebenheiten der realen Welt reagieren sollen. Also zum Beispiel, dass Pikachu sich hinter Büschen versteckt oder vorbeigehenden Menschen ausweicht, wie Niantic in diesem Video zeigt.

Hier zeigt Niantic wie intelligente Pokémon in Pokémon GO agieren könnten:

Zuvor übernahm Niantic anfang diesen Jahres das Unternehmen Escher Reality. Dieses Unternehmen konzentriert sich vor allem auf Mapping, Computer Vision und AR-Crossplay. Das Produkt ihrer Forschungen auf diesem Gebiet präsentierte Niantic vor drei Wochen in einem Trailer zu Neon, einem Prototyp eines Lasertag-AR-Spiels, der mit der Real-World-Plattform gebaut wurde.

Diese ist ein digitales Abbild der physischen Welt mit einem 3D-Koordinatensystem und das Herz von Niantics AR-Anwendungen. Der Prototyp Neon ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mapping, Crossplay und Maschinenintelligenz in die "Real World"-Plattform einfließen. Das Lasertag-Spiel kann nämlich von Android und iOS Nutzern gemeinsam gespielt werden. Zudem kann es Mitstreiter wahrnehmen und verfolgen, und das laut Businessinsider fast ohne Lag.

Der Trailer zum Prototyp Neon zeigt, wie drei Technologien zusammenfinden:

Vielversprechende AR-Projekte

Inzwischen gibt es weltweit kreative Köpfe, die ihre Visionen von AR-Spielen verwirklichen. Das italienisch-amerikanische Entwicklerstudio Proxy42 arbeitet bereits seit einigen Jahren an einer ähnlichen Idee wie Niantics Projekt Neon, allerdings mit einer anderen Methode, es umzusetzen. Ihr Spiel Father.io ist ein AR-FPS und wurde auf Kickstarter mit fast 500.000 US-Dollar zu mehr als 650 Prozent unterstützt.

In dem Spiel könnt ihr zwischen vier verschiedenen Waffen und Spielertypen wählen. Als Spielmodi gibt es 16 vs. 16 oder 32 Free-for-all. Mitspieler, Gegner und Respawn-Punkte werden per GPS über eine Map angezeigt. Gegner lassen sich, zum Beispiel als Sniper bis zu fünzig Metern Entfernung abschießen. Um das Spiel frei von Lag zum Laufen zu bringen, entwickelte Proxy42 ein kleines Gerät namens Inceptor. Dieses lässt sich einfach an das mobile Gerät anstecken, es kommuniziert dann via Bluetooth.

Inzwischen ist das Spiel fertig, jedoch noch nicht offiziell. Hier könnt ihr euch als Tester anmelden und auf der Kickstarter-Seite könnt ihr für 39 US-Dollar den Inceptor erwerben.

So soll Father.io aussehen:

AR-Horror

Ein anderes interessantes Projekt ist Night Terrors - The Beginning vom Entwicklerstudio Novum Analytics. Dabei handelt es sich um ein Horror-Spiel, in dem ihr eure eigene Wohnung zu einem Spukhaus macht. Euer Handy dient dabei als Fenster in eine andere Dimension, in der einiges an Geistern, gruseligen Geräuschen und anderen merkwürdigen Dingen wahrzunehmen ist. Novum Analytics hat es geschafft, dass ihre Anwendung die reale Umwelt mit einbezieht. Das Spiel steht aber nur für iOS-Geräte zur Verfügung.

Nichts für schwache Nerven: Die Preview zu dem AR-Horror-Spiel Night Terrors:

AR-Action

Ein weiteres Projekt, das sich in Asien bereits großer Beliebtheit erfreut, ist HADO, eine Art Dodgeball im "Dragon Ball"-Stil. In Japan gibt es sogar schon richtige Turniere. Ziel des Spiels ist es sich gegenseitig mit blauen oder roten Energiebällen abzuschießen. Inzwischen gibt es aber auch Koop-Modi, in denen ihr mit eurem Team gegen Monster kämpfen könnt. In Japan gibt es schon richtige HADO-Arenen und -Turniere. Für den AR-Effekt werden Bänder mit einem Display um den Kopf geschnallt. Hinzu kommt ein Armband mit einem Bewegungssensor.

So geht es bei der HADO-Weltmeisterschaft in Japan zu:

Ein kleiner Blick in die Zukunft

Natürlich gibt es noch viele weitere, größere und kleinere AR-Projekte, wie Strategie-Spiele oder auch Lernspiele für Kinder. Videospiele sind letztlich die perfekte soziale Spielwiese für AR-Experimente, da Menschen am ehesten gewillt sind sich mit neuer Technologie zu befassen, wenn es um Spiel und Spaß geht. Die meisten der gezeigten Spiele in diesem Artikel basieren auf AR-Technlogie, die von Smartphones betrieben werden kann, doch wir können wohl davon ausgehen, dass sobald Augmented Reality salonfähig wird, auch andere Geräte hinzukommen.

Ein Beispiel dafür ist sind Smartglasses, auch genannt Datenbrillen, von Google oder der deutschen Firma Osterhout Design Group (ODG). Die ODG-Brillen sollen in der Industrie, zum Beispiel im Office oder von Ingenieuren angewendet werden, indem sie beim Navigieren helfen oder 3D-Objekte darstellen. Sie können aber auch im Unterhaltungsbereich gebraucht werden. Zum Beispiel könnt ihr, kombiniert mit einem kleinen Bewegungssensor am Finger, schon Pokémon GO mit der Brille spielen.

ODG-Mitarbeiter spielen AR-Basketball im Büro

Für den Alltagsgebrauch ist sie sicherlich noch zu klobig und mit 1.700 US-Dollar als günstigsten Preis auch noch viel zu teuer. Dennoch lässt sich schon ausmalen wie die Zukunft der Industrie, des Alltags und der Gaming-Welt aussehen könnte.

Wie malt ihr euch die Zukunft des Spielens oder auch des Alltags aus? Glaubt ihr Augmented Reality wird bald eine präsentere Rolle in unserem Leben einnehmen? Und wie findet ihr die Projekte, die es bereits neben Pokémon GO gibt? Diskutiert gerne in den Kommentaren über dieses zukunftsträchtige Thema!

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