Samurai, Ninjas und Geisterkrieger: Rückkehr ins feudale Japan?

(Special)

von Micky Auer (26. Juli 2018)

Es gab eine Zeit, da war das Japan der Vergangenheit ein beliebter Spielplatz für Entwickler und Publisher. Doch das ist schon eine Weile her und die Faszination ist verblasst. Dennoch scheint sich eine kleine Renaissance anzukündigen.

Sie stellten stets eine interessante und unterhaltsame Mischung aus Mythologie, exotischen Schauplätzen und Kulturen sowie einer ordentlichen Portion romantischer Verklärung dar. Die Rede ist von Spielen, deren Schauplätze in der Vergangenheit Japans angesiedelt sind. Oft wird dann von "Spielen aus der Edo-Zeit" gesprochen. Damit ist aber nur ein Teil der japanischen Geschichte betitelt, nämlich die Zeit von 1603 bis 1868, in der die Tokugawa-Shogune herrschten.

Tatsächlich soll es sich dabei um eine eher friedvolle Ära gehandelt haben. Aus spielerischer Sicht nahrhafter sind die Jahre 1467 bis 1568, die sogenannte Sengoku-Periode. Dies war eine Zeit sozialen Aufruhrs, politischer Intrigen und nahezu ununterbrochener militärischer Konflikte. Da lassen sich viel mehr actiongeladene und spannende Geschichten herauszaubern, oft angereichert mit wilden Dämonen, verführerischen Fuchsgeistern und halbgottgleichen Schwertmeistern, die mit ihren mythischen Klingen Berge zerteilen können.

Klingt doch fantastisch, nicht wahr? Jaaaaaa, hmmmm ... Aber wo sind denn dann all die Spiele, die sich aus dieser reichhaltigen Schatzkiste bedienen könnten?

Hat sich auf der E3 ein Trend abgezeichnet?

Die diesjährige Spielemesse E3 in Los Angeles hat einen interessanten Einblick gegeben, worauf sich manche Entwicklungsstudios zurzeit konzentrieren und welche Hintergründe euch mit den kommenden Spielen erwarten. Genau genommen handelt es sich um drei Ankündigungen, die unser Interesse erweckt haben, nämlich:

Wenn euch diese Namen geläufig sind, erkennt ihr sicher die Gemeinsamkeit: Alle drei Spiele sind in der japanischen Vergangenheit angesiedelt. Im Fall von Ghost of Tshushima augenscheinlich ohne fantastische Elemente, dafür gibt's davon in Nioh 2 und Sekiro umso mehr.

Ghost of Tsushima: Die PS4-exklusive Produktion verspricht luxuriöse Grafik.Ghost of Tsushima: Die PS4-exklusive Produktion verspricht luxuriöse Grafik.

Warum ist das signifikant? Nun, es sind gleich drei hochwertige Produktionen, die klar und deutlich vor dem gleichen Hintergrund angesiedelt sind. Einem Hintergrund, der in der Videospielindustrie schon so oft herangezogen wurde, in den vergangenen Jahren jedoch scheinbar an Attraktivität verloren hat. Zumindest auf Seiten der Entwickler, denn wirklich große und wichtige Spiele, in denen ihr Ninjas, Samurai oder mystische Krieger aus der japanischen Sagenwelt oder Historie gespielt habt, sind rar geworden.

Dabei war dieses Thema in so vielfältigen Varianten für viele Jahre schon fast ein fixer Wert im Spieleangebot. Einige wirklich große Namen sind daraus hervorgegangen, die nun aber schon so lange weg vom Fenster sind, dass sie einer jüngeren Generation von Spielern weitestgehend unbekannt sind.

Sekiro - Shadows Die Twice: einer der großen Hoffnungsträger für Spiele vor historischem, japanischem Hintergrund

Gleich drei Spiele, die von renommierten Studios bearbeitet werden, die vermutlich über ein hohes Budget und entsprechend sichtbar hohe Produktionswerte verfügen, könnten der Versuch sein, diese Lücke zu füllen und diese historischen Szenarien wieder aufleben zu lassen. Sie könnten auch ein Experiment sein, ein Vortasten, um herauszufinden, ob der Markt vielleicht wieder bereit ist, diese Art von Spielen zu beherbergen. Im Fall von Nioh 2 sollte dieser Prozess schon abgeschlossen sein, denn es handelt sich ja hierbei um die Fortsetzung eines Spiels, das bereits erfolgreich gelaufen ist.

Neue Chancen für Dämonenkrieger und Ninja-Assassinen

Warum genau diese Spiele seit einiger Zeit verschwunden sind und jetzt wohl wieder auf den Plan treten, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Tatsächlich war der Hintergrund japanischer Geschichte und Mythologie so zahlreich in Spielen vertreten, dass vielleicht eine Übersättigung eingetreten ist. Vielleicht sogar sowohl auf Seiten der Konsumenten als auch auf Seiten der Entwickler.

Onimusha - Warlords sorgte 2001 auf der PlayStation 2 für Aufsehen.Onimusha - Warlords sorgte 2001 auf der PlayStation 2 für Aufsehen.

Die Anzahl solcher Spiele ist schier unüberschaubar. Vielleicht sind euch aber Marken wie Onimusha, Tenchu (der erste Teil der Reihe ist hierzulande indiziert) oder Way of the Samurai ein Begriff. Sie prägten in den späten 90er und frühen 2000er Jahren die Spielelandschaft maßgeblich. Trägerraketen dafür waren vor allem die PlayStation und PlayStation 2, doch bereits im 16-Bit-Zeitalter gab es erstaunlich viele Spiele, die sich dieser Thematik annahmen. Wenn auch meist mit einem leichtfüßigeren Hintergrund. Beispiele dafür sind Legend of the Mystical Ninja oder Pocky and Rocky.

Hier ging es weniger um Katanas, Blut und Meuchelmord, sondern vielmehr um knuddelige Waschbären, mit Tellern werfende Geister im Bambuswald und lustige, bunte Figuren, die sich gegenseitig mit Münzen oder Spruchrollen abballern. Die Tenchu-Reihe war es, die einen wesentlich dunkleren Ansatz etablierte. Denn schließlich konntet ihr hier in die Rolle eines Meuchelmörders schlüpfen (männlich oder weiblich), dessen Aufträge stets ein Teil im großen Zusammenspiel von Politik, Macht und Gier darstellten. Die Darstellung war für deutsche Behörden zu heftig, der erste Teil landete auf dem Index.

Pocky and Rocky: Bunt und niedlich, auch so wird die Vergangenheit Japans in Spielen interpretiert.Pocky and Rocky: Bunt und niedlich, auch so wird die Vergangenheit Japans in Spielen interpretiert.

Mit Onimusha auf der PlayStation 2 wurde eine stark von Mythologie und Folklore gezeichnete Version japanischer Geschichte dargestellt. Namen historisch bedeutender Figuren wurden mit dämonischen Mächten verwoben, Kriege fanden nicht mehr nur unter Menschen statt. Der Name Onimusha gibt schon Auskunft darüber, bedeutet er doch frei übersetzt: "Dämonenkrieger".

Von niedlichen Geistern und lustigen Gestalten war hier nichts mehr zu sehen. Onimusha ist brutal, gnadenlos und äußerst blutig, kam beim Publikum hervorragend an und setzte sich selbst ein Denkmal. Erst gegen Ende der Reihe (und nach einigen Spin-Offs) wich die Produktion immer weiter von der ursprünglich erdachten Linie ab. Das Interesse schwand, die Marke geriet in Vergessenheit. So wie auch all die anderen großen Namen, die sich vor dem Hintergrund der japanischen Geschichte abspielten.

Kommt nun wieder mehr fernöstliches Schwertergeklirre?

Wenn ihr schon lange mal wieder große Lust auf feuerfarbene Sonnenuntergänge über endlosen Ebenen aus wogendem Fuchsgras habt, oder auf ein Schwertduell vor einem strahlenden Vollmond, auf tödliche Auseinandersetzungen in einem Herbst voller blutroter, fallender Blätter ... tja, dann sieht die Zukunft rosig für euch aus. Denn mit den drei oben genannten Spielen erwartet euch aller Voraussicht nach genau das.

Ghost of Tsushima sieht hinreißend aus. Im Video gibt es erste Spielszenen zu sehen:

Wie in jeder Industrie üblich: Wenn sich etwas als Erfolg erweist, werden wohl unweigerlich weitere Interpretationen des Konzepts folgen, es werden Nachfolger gestaltet, Franchises werden ausgebaut. In diesem, speziellen Fall lässt sich bereits auf einen äußerst großen Fundus bestehender Spiele, Geschichten und Universen zurückgreifen. Und bedenkt: Noch nie zuvor gab es so viele Remakes und Neuauflagen bekannter und erfolgreicher Spiele aus der Vergangenheit wie jetzt gerade.

Wenn sich also Ghost of Tsushima, Nioh 2 und Sekiro - Shadows Die Twice als erfolgreich erweisen, stehen die Chancen sehr gut, altbekannte Erfolge wieder auferstehen zu lassen. Ob und in welcher Form das geschehen soll, können wir natürlich nicht mit Gewissheit sagen. Tatsächlich könnte aber beispielsweise eine Remaster-Version von Onimusha als nächster Schritt dienen, den Markt zu testen und die Resonanz des Publikums zu analysieren. Und das auf die vergleichsweise am wenigsten kostenintensive Weise.

Sekiro - Shadows Die Twice kommt von den Schöpfern der Souls-Reihe, scheint aber eine andere Richtung einzuschlagen.Sekiro - Shadows Die Twice kommt von den Schöpfern der Souls-Reihe, scheint aber eine andere Richtung einzuschlagen.

Hinzu kommt auch der Umstand, dass vor allem jüngere Spieler größtenteils vermutlich nie die Gelegenheit hatten, die alten Erfolge zu spielen und deren Qualität einzuschätzen, zumal sie (die Spiele, nicht die Spieler ...) allesamt auf überholter Technik basieren. Somit gibt es eine Gruppe, die noch so gut wie keine Berührungspunkte mit diesem Sub-Genre hatte und die erneut dafür begeistert werden könnte, weil sie noch keiner Saturierung ausgesetzt war. Und altgediente Fans sind vielleicht mittlerweile wieder reif für neue Ausflüge ins alte Japan.

Aus unserer Sicht wäre dieser Zeitpunkt der richtige für all diese Vorhaben. Japan - egal ob in der Gegenwart oder der historisch unterlegten Vergangenheit ebenso wie in Hinblick auf Mythologie und Folklore - ist ein stets und immer wieder aufs Neue faszinierender Schauplatz, der trotz all der Spiele, die in der Vergangenheit aus diesen Punkten hervorgegangen sind, noch längst nicht ausgeschöpft ist.

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