Survival-Spiele: Wir wollen wohl mehr als nur überleben

(Special)

von Matthias Kreienbrink (27. Juli 2018)

Das Survival-Genre führt gerade keinen Überlebenskampf, es steht in voller Blüte. Doch was macht dieses Genre eigentlich so faszinierend? Ist es wirklich nur der Kampf ums Überleben? Vielleicht ist es vielmehr unser eigenes Leben, das sich in diesen Spielen spiegelt - denn wir wollen mehr als nur überleben.

Ein wichtiger Teil des Überlebens - die Schwächeren dominieren:

Sie heißen Ark - Survival Evolved, The Forest oder Conan Exiles. Aktuell ist es vor allem No Man's Sky, das durch ein umfrangreiches Update anfängliche Enttäuschungen und Probleme vergessen machen möchte. Es sind Spiele, die von Millionen gespielt werden. Spieler, die - so scheint es - ein Spiel starten um dann nur ein Ziel zu haben: überleben.

In No Man's Sky landen die Spieler alleine auf einem Planeten. Sie merken schnell: dieser ist ihnen gegenüber äußerst feindlich eingestellt. So ist er etwa zu heiß, sodass den Spielern nur ein geringer Zeitraum bleibt, bevor sie verbrennen. Oder aber es herrscht radioaktive Strahlung, der sich die Spieler möglichst nicht zu lange aussetzen sollten. Und dann schwirren da auch noch Roboter rum, die auf sie schießen. Kurzum, es ist ein ungemütlicher Planet, einer, auf dem man eigentlich nicht verweilen möchte. So ist die Aufgabe in No Man's Sky auch zunächst, genug Rohstoffe zu sammeln, um das Raumschiff wieder in Schuss zu bringen und diesen Planeten schnellstens zu verlassen.

In The Forest stürzen die Spieler mit einem Flugzeug ab. Sie landen in einem Wald, der von gruseligen Gestalten bevölkert ist die, so will es das Genre, den Spielern gegenüber feindlich eingestellt sind. Auch hier gilt es nun, Rohstoffe zu sammeln, um sich dieser widrigen Umständen zu erwehren. Das Spiel kann mitunter ziemlich gruselig werden, lässt die Spieler wirklich spüren, dass ihr Leben bedroht ist, wenn sie sich nicht gut um ihre Spielfigur kümmern.

Es mag einiges über die aktuelle Weltlage und unsere Gesellschaft und Kultur aussagen, dass wir uns in Videospielen gerade darauf trimmen, in einer feindlichen, trostlosen Welt zu überleben. Assoziationen gibt es da viele. Doch besonders interessant ist ein anderer Umstand: In Survival-Spielen wollen wir mehr als nur überleben.

Ist das die sogenannte menschliche Natur?

Wir haben mit Spielern darüber gesprochen, was sie an Survial-Spielen eigentlich so fasziniert. Was uns dann wiederum an den Antworten fasziniert hat: sie waren so divers wie es unsere Gesellschaft auch ist. Eine schöne Antwort kam von Max, die ihr hier lesen könnt:

Ein beträchtlicher Anteil des offensichtlichen Reizes an Survival-Spielen ist wohl, dass sie unsere Basis-Instinkte als Menschen befriedigen.

Der Mensch möchte in seinem Kern auch heute noch gerne sammeln, jagen und forschen. Im Survival-Genre moderner Videospiele können solche Aktivitäten mit minimalem Risiko und häufig einem dennoch hohen Maß an Realität unternommen werden.

Für mich ist die Spannung, gegen andere Spieler oder NPCs kämpfen zu müssen, ein essenzieller Teil des Genres. Spiele wie Rust oder The Forest schaffen es, dem Spieler das Gefühl von unbändiger Freiheit, aber nur relativer Sicherheit zu bieten. Man sitzt oft tagelang an einer neuen Basis oder sucht nach Ressourcen, nur um sie in einem kurzen Anfall von Pech gleich wieder zu verlieren. So findet man sich in einem Kreislauf wieder, in dem man seine Existenz als Spieler aufbaut und wieder verliert.

Man gewinnt und beginnt wieder von vorne, meist jedoch mit einem Endziel vor Augen. Auch wissen die Entwickler solcher Spiele gut Bescheid über die verschiedenen Spielertypen, die in Bartles Taxonomie definiert werden. Laut Bartle lassen sich Spieler grob in vier Kategorien einteilen: Achiever, Explorer, Socializer und Killer. Achiever möchten möglichst viele Levels, Achievements oder Skills erreichen. Explorer möchten die Spielwelt entdecken und mehr über sie wissen, als andere. Socializer streben nach Kontakt und Interaktion mit anderen Spielern, während Killer den Wettstreit und die Gefahr bevorzugen. Man kann leicht sehen, dass im Survival-Genre alle diese Nischen mit Leichtigkeit gedeckt werden können. So maximieren diese Spiele ihre potenzielle Spielerbasis.

Max spricht es schon an: in Survival-Games geht es, trotz des Namens, gar nicht nur um das reine Überleben. Viele Spieler nutzen so ein Spiel, um Kontakte zu anderen Menschen herzustellen. Einige wollen nicht nur überleben, sondern die Welt bis in die letzten Winkel erkunden. Ihnen ist es wichtig, die Welt wirklich zu kennen, in der sie sich bewegen. Und andere wiederum wollen nicht nur genügend Rohstoffe sammeln, sondern im Überfluss leben. Ihr seht: Survival-Spieler wollen gar nicht nur überleben, sie wollen vielmehr ganz unterschiedlich leben - auch im Videospiel. Und so verwundert es auch nicht, dass es Spielerinnen wie Chiara gibt, deren Ziel in so einem Spiel ein ganz anderes ist:

Conan Exiles war meine erste Survival-Erfahrung. In den ersten Stunden des Spiels habe ich auch wirklich das gemacht, worum es eigentlich in diesem Genre geht: Versucht, zu überleben. Doch sobald ich den Dreh raus hatte, habe ich mich eher um mein mühsam erbautes Haus samt Interieur gekümmert. Ich hatte das Bedürfnis, mir ein schickes Eigenheim einzurichten, ganz wie im echten Leben.

Ich habe mir vorgestellt, wie mich Mitspieler besuchen und wir es uns gemütlich machen. Deshalb habe ich auch intensiv von der Funktion Gebrauch gemacht, Dekoration herzustellen. Schlussendlich kam ich mir vor, wie nach einem Ikea-Besuch: Ich hatte massig Kissen und Kerzen in meinem Schlafzimmer. Als ich mit Conan abgeschlossen habe und anfing, Ark – Survival Evolved zu spielen, schaffte das Spiel es, mich schnell zu enttäuschen: Ich konnte keine Kissen herstellen.

In Survival-Spielen zeigt sich in Auszügen die Komplexität des Menschen. Es mag das momentan spannendste und auch komplexeste Genre sein, da es den Spielern eigentlich nur die Aufgabe gibt, zu überleben - sonst gibt es in diesen Spielen keinen höheren Sinn. Und genau deshalb suchen sich die Spieler ihren Sinn selbst. Für einige ist das Dominanz, für andere ein schönes Eigenheim. Und wieder andere möchten sich zusammentun und etwa eine Weltall-Republik gründen, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Survial-Games: es ist kompliziert.

Was habt ihr denn schon in Survial-Spielen erlebt? Und was für ein Spieler-Typ seid ihr? Macht ihr es euch lieber schön, oder wollt ihr andere zerstören? Schreibt es uns doch in die Kommentare.

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