Faszination E-Sport: Wie PUBG einen E-Sport-Muffel bekehrt hat (Kolumne)

von Franziska Schulz (Samstag, 28.07.2018 - 10:00 Uhr)

Derzeit findet in Berlin ein internationales E-Sport-Turnier rund um das „Battle Royale“-Spiel Playerunknown's Battlegrounds statt. Ich war bei der Eröffnung vor Ort und machte meine erste Erfahrung mit einer solchen Veranstaltung. Jetzt will ich mehr davon!

Bei der PUBG-Weltmeisterschaft treten Mannschaften aus aller Welt in Teams von vier Leuten gegeneinander an. Das Event erstreckt sich über vier Tage, vom 25. bis zum 29. Juli. An den ersten beiden Tagen werden die Matches in "Third Person"-Perspektive gespielt und an den letzten beiden Tagen treten dieselben Mannschaften nochmal in der "First Person"-Perspektive gegeneinander an. Das Preisgeld für beide Kategorien liegt bei jeweils einer Million US-Dollar.

Ein riesiges PUBG-Wandbild in Berlin, das auf das Tunier einstimmen soll.Ein riesiges PUBG-Wandbild in Berlin, das auf das Tunier einstimmen soll.

PUBG zeigt sich pompös

Schon seit Wochen war gefühlt an jeder Ecke in Berlin Werbung für das Event zu finden: Riesige Wandbilder an Häusern, Plakate, Sticker in der U-Bahn und Spraytags auf Gehwegen. Zudem gab es auch mehrere Pop-Up-Stores, bei denen für bereits gekaufte Tickets Merchandise abgeholt werden konnte. Meiner persönlichen Erfahrung nach hat noch nie ein E-Sport-Event in Deutschland so dick aufgetragen.

Das sagt PUBG-Erfinder Brendan Green in unserem Interview über den großen Konkurrenten Fortnite:

Zugegeben hatte ich genau deswegen Zweifel daran, ob das Turnier nicht ein wenig zu groß aufgeblasen wird. Zum einen, weil E-Sport sich in Europa bisher keiner so großen Popularität erfreut (im Vergleich zu den USA und Asien) und zum anderen, weil gemunkelt wird, dass das Ganze nur eine große PR-Aktion sei, um neben dem Konkurrenten Fortnite Präsenz zu zeigen.

Die Stimmung vor dem Turnier

Zunächst schienen sich meine Zweifel zu bestätigen. Als sich die Tore öffneten, waren kaum Menschen da. Doch das störte die Anwesenden herzlich wenig. Auf den Fluren vor der Arena gibt es Möglichkeiten, PUBG auf dem PC oder mobil gegeneinander zu spielen, wovon emsig Gebrauch gemacht wurde.

Chinesische Fans mit ihrem Banner. Einige kamen tatsächlich extra aus dem fernen Asien angereist.Chinesische Fans mit ihrem Banner. Einige kamen tatsächlich extra aus dem fernen Asien angereist.

Dazu kommt noch kleinerer Schnickschnack wie Stände, an denen ihr euch PUBG-Tattoos holen, an Gewinnspielen teilnehmen, verkleidet Fotos machen oder auf das Gewinner-Team tippen könnt. Zudem können sich alle Besucher für das Vorzeigen ihrer Tickets PUBG-Taschen, T-Shirts und anderen Merchandise abholen, der sogar cool designed ist. Neben dem Turnier wurde also für ein gewisses Maß an Unterhaltung gesorgt.

Mir ist durchaus bewusst, dass diese Dinge für einige Leute nur Firlefanz sind, doch sie haben eindeutig für eine gute Stimmung gesorgt und es kam keine Langeweile auf. Außerdem war das kostenlose Merchandise nötig, um nicht ganz so blauäugig und unmotiviert neben den asiatischen Fans auszusehen.

Die meisten Besucher des Turniers kommen nämlich aus dem asiatischen Raum, vorrangig aus China. Sie tragen T-Shirts ihrer Lieblings-Teams oder Banner und Flaggen. Sie gaben mir einen kleinen Einblick in das, was E-Sport sein könnte. Eine chinesische Reporterin, die mich interviewte, fragte mich mehrere Male ungläubig, ob das wirklich das erste PUBG-Turnier in Deutschland sei. In China hätte es allein in den letzten drei Monaten zehn Wettkämpfe in dieser Größenordnung gegeben.

In der Arena – Profisport nach meinem Geschmack

Die Eröffnung verschaffte mir wahrlich Gänsehaut und war mindestens genauso dick aufgetragen wie die PR zuvor. Der Saal wurde dunkel und Armbänder, die an jeder Sitzlehne angebracht waren, leuchteten blau auf. Violinistinnen spielten dramatische Musik und Menschen an Drahtseilen wurden von der Decke herabgelassen, was mit der Leinwand im Hintergrund so wirkte, als würden sie aus dem Flugzeug abspringen. Dann gab es ein Schauspielspektakel mit Explosionen, Waffen und Kämpfen, bevor die Leinwand hochfuhr und die Spieler in Position waren.

So spektakulär sieht die Arena von innen aus.So spektakulär sieht die Arena von innen aus.

Über den Spielern hängen große Leinwände, mit denen man durch Schnittbilder aus verschiedenen Spielerperspektiven das Spiel verfolgt. Außerdem wird eine Karte gezeigt, auf der die Spieler und die Zone zu sehen sind, sowie in welcher Phase sie sich befinden und wer wen eliminiert hat.

Das Ganze wird dann von zwei professionellen Moderatoren auf Englisch kommentiert, was vor allem in den recht chaotischen ersten zehn Minuten von großer Hilfe ist. Sie erläutern nicht nur den Spielverlauf, sondern auch taktische Züge und Möglichkeiten der Teams. Somit haben auch Leute, die nicht so viel Ahnung von dem Spiel haben, die Möglichkeit, die Matches mit Spannung zu verfolgen – und die Matches waren spannend.

Das europäische Team Liquid, das die letzten zwei Matches am ersten Tag gewann.Das europäische Team Liquid, das die letzten zwei Matches am ersten Tag gewann.

Eine gelungene Veranstaltung

Vor dem Turnier kannte ich die Mannschaften kaum, doch nach dem ersten Match war ich bereits Feuer und Flamme und unterhielt mich angeregt über den Ausgang der ersten Runde. Auch wenn ich am Anfang skeptisch war, bin ich doch froh, dass das Event in Berlin stattgefunden hat. Sonst wäre meine erste E-Sport-Erfahrung sicher noch eine ganze Weile ausgeblieben.

Ich denke auch, dass PUBG mit diesem Turnier keinen direkten Gewinn erzielt hat, aber auf lange Sicht wird es vielleicht viel zur Entwicklung einer E-Sport-Kultur in diesem Land beigetragen haben. Es ist also mehr eine Investition in die Zukunft. Selbst wenn die Arena am ersten Tag noch nicht komplett gefüllt war, schien es wichtiger, dass die Menschen mit einem guten Gefühl und guten Erinnerungen aus der Sache herausgehen. Es gab viel Unterhaltung, Action, professionelle Spieler und professionelle Moderation. Für mich könnte E-Sport werden, was für andere Fußball ist.

War eure erste E-Sport-Erfahrung auch positiv? Wer von euch war schon mal auf einem E-Sport-Event, vielleicht sogar in einem asiatischen Land und kann vergleichen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Tags: E-Sport  

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