E-Sport in Deutschland: Wo stehen wir, wohin gehen wir nach dem PUBG-Turnier?

(Special)

von Marco Tito Aronica (03. August 2018)

Mit dem PUBG Global Invitational 2018 in Berlin findet das erste große und bedeutsame PUBG-Turnier ausgerechnet in Deutschland statt, obwohl E-Sports hierzulande nicht einmal als offizielle Sportart angesehen wird. Wie kommt das? Und wie steht es um E-Sport in Deutschland?

Vom 25. bis 29. Juli 2018 traten im Rahmen des PUBG Global Invitationals 20 Teams aus der ganzen Welt gegeneinander an. In 16 Runden ging es dabei um ein saftiges Preisgeld von zwei Millionen US-Dollar. Am Freitag, den 27. Juli 2018, bündelten sogar weltbekannte Streamer und ausgewählte Profi-Spieler ihre Fähigkeiten in gemischten Teams für den Charity Showdown. Die Spieler aus den Top 3 spendeten zusätzlich eine Million Dollar an Hilfsorganisationen ihrer Wahl.

Fans aus aller Welt nahmen eine weite Reise auf sich und erreichten Berlin, um ihre liebsten Streamer, YouTuber und E-Sportler zu treffen. Die meisten Anhänger kamen übrigens aus asiatischen Ländern wie China oder Südkorea.

Wieso lässt die PUBG Corporation als Veranstalter also Teilnehmer kostspielig einfliegen und den Großteil der Fans teuer reisen? Wäre ein Turnier in Asien oder gar Amerika nicht deutlich günstiger und für die größten Zuschauergruppen einfacher zu erreichen?

Berlin als Zentrum für E-Sport-Fans

Auf dem PGI in Berlin ergriffen wir die Gelegenheit und sprachen mit "PlayerUnknown" höchstpersönlich. Brendan Greene ist leitender Entwickler von PUBG und somit quasi der Erfinder des Genres "Battle Royale". Gleich als Einstieg in die Fragerunde, die bei gefühlt 40 Grad im Pressebereich stattfand, wollten wir von ihm wissen, wieso ausgerechnet Berlin als Standort für dieses Turnier auserwählt wurde. Er sprach dabei folgende Worte ins Mikrofon:

"Uns gefiel die Lage. Es liegt sehr zentral in Europa, also ist es für die Menschen einfacher dorthin zu reisen. Außerdem ist Berlin eine tolle Stadt, die eine Mischung aus alt und neu sowie viel grün bietet. Uns hat die Stadt einfach gut gefallen."

Als Entwickler und "Vater von Battle Royale" stand Brendan Greene oft im Mittelpunkt.Als Entwickler und "Vater von Battle Royale" stand Brendan Greene oft im Mittelpunkt.

Auch Streamer LostAiming aus der Schweiz (auf Twitch als "LOST" bekannt) haben wir nach seinem "Meet and Greet" abgefangen und gefragt, was seiner Meinung nach der Grund für ein so großes PUBG-Event in Berlin ist. Das ist seine Vermutung:

"Ich habe mir immer gedacht, dass Berlin wahrscheinlich wegen der zentralen Lage ausgewählt wurde [...], aber so richtig herausgefunden habe ich das noch nicht. Ich muss auch sagen, es sind sehr viele asiatische Zuschauer hier vor Ort, die wahrscheinlich mit den Teams hergereist sind und ich glaube das ist ein gutes Indiz dafür, dass so etwas in Asien auch funktionieren würde, wenn sie es dort machen würden."

Das gesamte Interview mit LostAiming könnt ihr euch bei unseren Kollegen von Gamona ansehen.

Nun könnten wir diese Antworten so stehen lassen und Berlin schlichtweg als tollen Veranstaltungsort bezeichnen, doch mit der wachsenden Bekanntheit des E-Sports wird Deutschland als Standort immer beliebter.

E-Sport in Deutschland wächst, findet aber noch keine Anerkennung

E-Sport füllt mittlerweile auch hierzulande große Hallen, wie zum Beispiel beim ESL One Cologne 2018 zu sehen, als mit BIG (Berlin International Gaming) ein deutsches Team im Finale des "CS:GO"-Turniers in Köln um den Sieg spielte. Ein Grund für den überraschenden Erfolg von BIG war mit großer Wahrscheinlichkeit die lautstarke Unterstützung der deutschen Fans. Im Trikot ihrer Lieblingsmannschaft gekleidet trugen die mitgereisten Freunde und Anhänger ihr Team durch das Turnier. Ein dermaßen großer Hype zeigt, dass die Faszination an E-Sport in Deutschland angekommen ist.

Auch die Mercedes-Benz-Arena in Berlin war ausverkauft. Einige Sitze blieben allerdings leer, weil viele Interessenten beim Kauf der Tickets nur auf exklusive Event-Skins spekulierten.Auch die Mercedes-Benz-Arena in Berlin war ausverkauft. Einige Sitze blieben allerdings leer, weil viele Interessenten beim Kauf der Tickets nur auf exklusive Event-Skins spekulierten.

Mit der ESL hat eine der größten und einflussreichsten Ligen der E-Sport-Szene ihren Hauptsitz in Deutschland. Das Kölner E-Sport-Unternehmen Turtle Entertainment veranstaltet seit Jahren bedeutsame Turniere, die weltweit von einem Millionenpublikum live verfolgt werden.

Während der digitale Wettkampf in Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden, Schweden oder Südkorea schon als offizielle Sportart anerkannt wurde, blieb eine Anerkennung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bis heute aus. Die Entwicklung, Förderungen und vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz kommen dadurch nur schleppend ins Rollen.

Allerdings wurde Anfang des Jahres eine Anerkennung von E-Sport als eigenständige Sportart im Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD festgehalten. Damit würde ein Vereins- und Verbandsrecht gültig werden, die Integration in die Sportförderung der Länder stattfinden und sogar bei einer olympischen Perspektive sollen unterstützende Leistungen folgen. Auch Hans Jagnow, Präsident des E-Sport-Bund Deutschlands (ESBD), bezeichnete die Vereinbarung als "massiven Schritt nach vorne".

Auch Twitch-Streamer Ninja kann sich vorstellen, früher oder später zu PUBG zurückzukehren:

Auch die Grüne Fraktion Berlin hat im Juni 2018 ein Positionspapier mit dem Titel "eSport ist Sport!" veröffentlicht, indem die Fraktion ihre Förderungsmaßnahmen und Ziele teilte.

Wusstet ihr, dass mit Kuro „KuroKy“ Salehi Takhasomi ein iranischstämmiger Deutscher auf Platz 1 der Rangliste der erfolgreichsten E-Sportler nach Preisgeldern steht? Insgesamt hat KuroKy in seiner Karriere knapp 3,4 Millionen US-Dollar an Preisgeld gewonnen.

E-Sport wird auch für Entwickler und Publisher immer wichtiger. Immerhin dienen die großen Turniere und Streaming-Plattformen mehr denn je als Werbemittel für die Spiele der Hersteller. Auch die gamescom in Köln, die gemessen nach Besucherzahlen und Ausstellungsfläche als die größte Messe für Videospiele gilt, bildet jedes Jahr ein Forum für die E-Sport-Szene.

Das auch künftig große E-Sport-Events in Deutschland stattfinden werden, ist also gar nicht so unwahrscheinlich. Die zentrale Lage begünstigt das aufstrebende Umfeld rund um den digitalen Sport.

Wie E-Sport sogar die Entwicklung von Spielen beeinflusst

E-Sports hat mittlerweile auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Spielen. Designer und Entwickler drehen an vielen Nullen und Einsen im Code, um ihr Spiel auf dem Markt für E-Sport tauglich zu machen - PUBG ist da ein sehr prominentes Beispiel.

Erst kürzlich wurde PUBG mit Update 19 um einen "E-Sport-Modus" erweitert, der auf den Testservern gespielt werden kann.Erst kürzlich wurde PUBG mit Update 19 um einen "E-Sport-Modus" erweitert, der auf den Testservern gespielt werden kann.

Im Interview mit Brendan Greene erzählt er uns, wie die Zukunft um das "Battle Royale"-Spiel im E-Sport steht und welchen Einfluss dies auf die Entwicklung nimmt:

"Mit unserer Vorstellung wollten wir zeigen, dass wir einen konkreten Plan für die nächsten fünf Jahre haben und das wir dieses Projekt nicht vorantreiben, um damit an Popularität zu gewinnen. Wir wollen ein zukunftsfähiges Ökosystem für PUBG-E-Sport schaffen, und das benötigt Zeit.

Alle großen Akteure im E-Sport haben sich ihren Platz im Geschäft erst über Jahre hinweg gesichert und wir glauben, dass es uns ähnlich viel Zeit kosten wird. Deshalb haben wir einen Fünfjahresplan aufgestellt. Dieses Jahr wollen wir das Spiel stabilisieren, nächstes Jahr wird der Pfad zum Pro-Gaming geebnet, um regionale und internationale Wettbewerbe zu unterstützen.

Es benötigt Zeit, um etwas Großes zu schaffen und das haben wir realisiert. Deshalb möchten wir auch unsere Fans ansprechen und ihnen zeigen, dass wir bereit sind, diese Zeit zu investieren."

Der Fokus vieler Spiele liegt zunehmend auf einem kompetitiven und gemeinschaftlichen Gedanken. Auch Updates mit einschneidenden Gameplay-Änderungen nach der Veröffentlichung sind heutzutage völlig normal. Da der E-Sport-Kuchen immer größer und süßer wird, versucht jeder sich ein kleines Stück der Leckerei zu sichern.

Tags: E-Sport  

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