Vorschau Spider-Man: Ausgiebig angespielt - nicht nur Spideys Po ist hier knackig

von René Wiesenthal (02. August 2018)

Erstmals hat Sony uns eine umfangreichere Demo zum kommenden Spider-Man von Insomniac Games spielen lassen. Was wir nach den ersten Stunden des Spiels sagen können: Nicht nur Hardcore-Superhelden-Fans könnten voll auf ihre Kosten kommen.

Nachdem wir auf der E3 2018 bereits ein kurzes Appetithäppchen genießen durften, lud uns Sony kürzlich dazu ein, das neue Spider-Man ausgiebiger zu zocken. Etwa drei Stunden hatten wir Zeit - bei der Anfangssequenz startend - in das virtuelle New York einzutauchen. Besser gesagt: geschmeidig hineinzuschwingen. Unser positiver Ersteindruck von der E3 hat sich damit nochmal bekräftigt.

Spider-Man: Fazit-Video von der E3 2018

Um eine wichtige Frage direkt zu Beginn aus dem Weg zu räumen: Spider-Man von Insomniac Games basiert auf keiner bereits vorhandenen Adaption der Comic-Vorlage. Die Entwickler, die selbst große Spidey-Fans sind, haben sich der vorhandenen Materie bedient, aber ein ganz eigenes Universum daraus – Verzeihung – gesponnen. Damit enthält Spider-Man viele bekannte Elemente, die Fans zufriedenstellen und gleichzeitig genügend Variation, um nicht bloßer Fan-Service zu sein.

Alle lieben Spider-Man! ... fast

Peter Parker ist im Spiel 23 Jahre jung und bereits seit acht Jahren der Superheld Spider-Man. Er ist bekannt und beliebt bei den Bewohnern von New York City. Läuft er ihnen über den Weg, grüßen sie ihn freundlich oder attestieren ihm, dass er gut aussieht in seinem Anzug. In einer heilen Welt bräuchte es Spidey natürlich nicht, weshalb New York trotz aller Freude ein heißes Pflaster ist:

Kriminelle machen immer wieder die Straßen unsicher und große Verbrecherkartelle bestimmen die Geschicke der Stadt mit. In unserer Anspiel-Session sind wir Wilson Fisk, besser bekannt als Kingpin, auf der Spur und wollen ihn und seine Schergen für ihre illegalen Machenschaften dingfest machen.

23 Jahr, Spinnenhaar: So sieht Peter Parker im neuen Spider-Man aus.23 Jahr, Spinnenhaar: So sieht Peter Parker im neuen Spider-Man aus.

Nach einer stimmungsvollen Sequenz, in der sich Peter ein provisorisches Frühstück bereitet und währenddessen in seinen Superheldenanzug schlüpft, hüpft er – die Mahnungen über Mietrückstände links liegenlassend – aus dem Fenster und schon schwingen wir ohne großes Vorgeplänkel ausgelassen durch die Häuserschluchten der Großstadt.

Yuri, unsere Kontaktfrau bei der Polizei, informiert uns über ein Verbrechen, bei dem wir den Ordnungshütern unter die Arme greifen sollen. Also folgen wir dem Wegmarker und dem Polizeihelikopter in ein spektakulär einnehmendes Marvel-"New York".

In der Luft wie am Boden: New York macht Spaß

Die Atmosphäre ist überragend. Wir sehen die Stadt an dieser Stelle aus recht hohen Höhen und doch fallen überall kleine Details auf: Die Fassaden der Häuser sind abwechslungsreich und wunderschön gestaltet, in den verschmierten Fensterscheiben spiegelt sich im Vorbeihuschen das Sonnenlicht. Kommen wir Vogelscharen in die Quere, weichen sie vor uns aus.

Allein schon durch die stimmungsvolle Stadt zu stromern, macht großen Spaß.Allein schon durch die stimmungsvolle Stadt zu stromern, macht großen Spaß.

Und auch wenn wir den Höhenflug beenden und am Boden durch die Gassen streifen, bleibt der tolle Eindruck erhalten. Die Entwickler haben sich bei der Gestaltung der Stadt sichtlich bemüht, sie nicht zur bloßen Kulisse, sondern zu einem lebenden Organismus zu machen. Menschen, die ihrem Tagwerk nachgehen, Autos, Grünanlagen, Gullideckel und Lichtmasten – alles sieht richtig gut aus und lässt uns erhaben fühlen, sobald wir uns in luftige Höhen begeben und den Trubel am Boden hinter uns lassen.

Wer austeilen kann, muss auch einstecken

Sobald wir das erste Mal gegen Verbrecher kämpfen, stellen wir fest, dass nicht nur die Optik und Peters Po im engen Spandexanzug knackig sind – der Schwierigkeitsgrad hat es ebenso in sich. Ihr seid in Spider-Man mit einer Vielzahl an Moves und Kombinationsangriffen versorgt, die aber alle erst einmal beherrscht und richtig eingesetzt werden wollen. Das kann anfangs noch überfordern und muss allmählich gelernt werden. Vor allem das richtige Timing der Tasteneingaben ist wichtig – weicht ihr nicht ordentlich aus, kostet euch das einen fetten Batzen Gesundheit und die Superheldenkarriere ist schnell vorbei.

Die Kämpfe sind schnell, stylish und überraschend anspruchsvoll.Die Kämpfe sind schnell, stylish und überraschend anspruchsvoll.

Über das Aufbauen von Fokus mittels Kombo-Treffern ist es euch möglich, einen Teil eurer Lebensenergie an Ort und Stelle wieder aufzufüllen. Wahlweise nutzt ihr den Fokus für coole Finishing-Moves und schaltet Gegner sofort aus. Da ihr für Kämpfe und andere Erfolge mit Erfahrungspunkten belohnt werdet und Levelanstiege euch Skill-Punkte einbringen, erweitert sich euer Fähigkeitenarsenal sogar noch – sowohl in den Kämpfen als auch außerhalb. Beispielsweise um Fortbewegungsmanöver beim Schwingen durch die Stadt. Der Spinnenmann kommt mit viel Potenzial daher, übermächtig seid ihr in seiner Haut aber keinesfalls.

Spidey lässt sich aber nicht nur über die drei verfügbaren Skill-Trees individualisieren. Durch das Eingreifen bei Straßenverbrechen, Sammeln von versteckten Rücksäcken und andere Nebenbeschäftigungen erlangt ihr Marken, die euch neue Anzüge mit Spezialfähigkeiten, Mods und Gadgets erstellen und verbessern lassen. Was ganz automatisch passiert: Bei jedem Levelaufstieg entwickeln sich körperliche Parameter von Peter, wie die Gesundheit oder der Nahkampfschaden.

Nachdem wir den Kingpin in seinem Wolkenkratzer auf spektakuläre Art unschädlich gemacht haben, bewegen wir uns völlig frei durch New York. Gern auch im Sprint geradewegs die Wände hinauf, wenn es sein muss. Die Bewegungsmechaniken fühlen sich sehr befriedigend an, da ihr extrem viele Freiheiten und Möglichkeiten zur Fortbewegung in der Stadt habt, eure Eingaben aber auch immer von der jeweiligen Situation abhängen – beispielsweise dem Vorhandensein von Häusern zum Fadenkleben. Ihr müsst also achtsam sein, um wirklich effizient voranzukommen.

Was es in NYC zu tun gibt, ist ebenso wie die Tageszeit abhängig vom Stand der Hauptgeschichte. In Folge geschehener Ereignisse verändert sich die Stadt, und neue Beschäftigungen werden zugänglich. Zwischen einzelnen Story-Missionen habt ihr immer uneingeschränkt Zeit, die Stadt zu erkunden, die Atmosphäre zu genießen und optionalen Aufgaben nachzugehen.

Ein bisschen Assassin's Creed

Nicht nur die Vielzahl an Symbolen auf der Karte weckt dabei Erinnerungen an die "Assassin’s Creed"-Reihe: Durch das Reaktivieren von Funktürmen schaltet ihr Stück für Stück Kartendaten für die einzelnen Distrikte von New York frei. Der obligatorische Kameraschwenk ist mit von der Partie. Allerdings überrumpeln euch die optionalen Missionen nicht, Menüs und die Karte sind sehr aufgeräumt und übersichtlich. Die vielen Beschäftigungen werden euch nicht durch lästige Symbole in der Spielwelt aufgedrückt. Ihr könnt per Druck des rechten Bumpers Markierungen aufrufen, sie aber auch gänzlich ausgeblendet lassen, wenn ihr das wollt.

Mary Jane Watson darf in einem Spider-Man-Spiel natürlich nicht fehlen.Mary Jane Watson darf in einem Spider-Man-Spiel natürlich nicht fehlen.

Sowohl das Reaktivieren der Türme als auch andere Passagen im Spiel fordern das Erledigen kleinerer Rätselaufgaben, die sich abwechslungsreich gestalten und zunehmend anspruchsvoller werden. In einem Abschnitt, in dem wir die Rolle von Peters "On/Off"-Freundin Mary Jane übernehmen, müssen wir beispielsweise die Gliedmaßen einer Statue so in Position bringen, dass sie ein Geheimnis freigibt. M.J. ist übrigens, wie andere Figuren im Spiel, nicht ganz so wie ihr sie bisher kennengelernt habt. In Insomniacs Iteration des Stoffs arbeitet sie für den Daily Bugle und begibt sich in ihrem Eifer gern in Gefahr.

Und ein bisschen viel geradeaus

Dieser begegnen wir nach einer ersten Stealth-Passage, in der wir in Lüftungsschächten herumkrauchen und aus den Schatten attackieren. Auch hier werden wir mit möglichen Moves geradezu überrumpelt. Es gibt zu jedem neuen Manöver eine kurze Tutorial-Anweisung, aber nach der zigsten Anleitung und der soundsovielten neuen Handlungsoption wird es problematisch, alles zu behalten und etwas später wieder gekonnt umzusetzen. Das geht mit der Zeit hoffentlich leichter von der Hand.

Etwas schade finden wir zudem, wie linear und gelenkt sich die ersten Missionen anfühlten – auch nachdem wir einige Spielstunden auf dem Buckel hatten. Es bleibt zu hoffen, dass wir freiere Hand und entsprechend freiere Wahl zum Vorgehen haben, wenn die tutoriallastigen ersten Missionen vorbei sind. Denn unentdeckt und lautlos vorgehen ist schön und gut. Wenn das aber nur möglich ist, sobald eine Mission das forciert und Level-Design sowie Gegnerplatzierung die Lösung auf dem Silbertablett präsentieren, wird es öde.

In der letzten Gesprächssequenz, die wir mit M.J. verbringen zeigt sich: Im neuen Spider-Man geht es nicht allein um Gut gegen Böse. Die Entwickler versprechen eine "Coming of Age"-Story, die sich nicht nur mit dem Superheldenalltag, sondern auch den persönlichen Beziehungen von Peter und seinen Mitmenschen beschäftigt. In den zahlreichen, gut inszenierten Zwischensequenzen bekamen wir davon schon einen Vorgeschmack. In Dialogen zeigen die Figuren trotz vorrangigem Unterhaltungscharakter die nötige Tiefe, um zu interessieren. Die deutsche Synchronisation, vor allem von Peter, wirkt allerdings teilweise etwas gestelzt und befremdlich. Die englische konnten wir leider nicht zuschalten.

Meinung von René Wiesenthal

Für ein Lizenzspiel macht es einen guten Eindruck ... würde ich jetzt schreiben, wenn Spider-Man von Insomniac Games einfach nur wie eine etwas bessere Umsetzung des Comic-Helden erscheinen würde. Aber dem ist nicht so, das brandneue Abenteuer um Peter Parker hat tatsächlich das Potenzial, auch Marvel- oder generell Superheldenmuffel zu begeistern. Denn zu diesen zähle ich mich ein wenig.

Zugegebenermaßen ist Spider-Man einer der wenigen Helden, mit denen ich nach wie vor noch eher schöne Assoziationen aus der Kindheit verbinde, aber die gefühlt tausendste Videospielneuauflage von Spidey hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Jetzt, wo ich einige Stunden im virtuellen New York des Spinnemannes unterwegs war, freue ich mich auf die Veröffentlichung.

Das Spiel sieht toll aus, Filmsequenzen sind gut inszeniert und der Schauplatz New York erzeugt mit seinen vielen liebevollen Details eine enorm dichte Stimmung. Spielerisch ist Spider-Man überraschend fordernd, aber auch befriedigend, sobald Tasteneingaben sitzen und richtig angewandt werden.

Inwieweit das Steuerungsschema im Laufe der Zeit zur Routine wird, kann ich natürlich nicht einschätzen. Zu Beginn konnte es schon mal zu viele der Moves und Möglichkeiten geben. Ich war zumindest bis zuletzt motiviert, meine Fähigkeitenpalette geschickt in den Kämpfen zum Einsatz zu bringen und die ordentlich austeilenden Feinde möglichst stylish und effektiv zu vermöbeln.

Was mir aber noch fehlt, ist mehr Handlungsfreiheit in den doch ziemlich linearen und vorgefertigten Story-Missionen, die ich bisher zu sehen bekam. Außerdem hoffe ich, dass die deutsche Fassung des Spiels optional die englische Sprachausgabe enthält. Gerade Peter mit seinen launig gedachten Einzeilern konnte mich im Deutschen so gar nicht überzeugen.

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Tags: Open World   Singleplayer  

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