Test Airheart: Moderne Arcade-Action mit charmanter Geschichte

von Franziska Schulz (03. August 2018)

Das neue Indie-Spiel von Blindflug Studios ist ein Airplane-Shooter mit Story, in dem ihr sammeln und craften könnt und der zudem noch gesellschaftskritisch sein soll. Wie die Entwickler all diese Elemente zusammengeführt haben, schauen wir uns in diesem Test genauer an.

Airheart – A Tale of Broken Wings ist ein 2D-"Flugzeug-Shooter" -oder wie die Entwickler es selbst nennen: ein „Diesel-Punk-Airplane-Action“-Game vom schweizerischen Independent-Studio Blindflug Studios. Das Spiel gibt es seit dem 24. Juli 2018 für alle Computer-, Konsolen- und Mobil-Plattformen. Airheart ist die erste Produktion des Studios, das auch für Konsolen erschienen ist. Bisher produzierten sie ihre Spiele nur für Android und iOS. Blindflug Studios größte Werke in der Vergangenheit waren First Strike, ein Echtzeit-Strategiespiel, und Cloud Chasers – Journey of Hope, ein Action Adventure mit Survival-Aspekten und Vorgänger von Airheart. Wir haben die PS4-Version für euch getestet.

Sable: Ankündigungs-Trailer des wunderschönen Indie-Spiels

Alle, die den Airheart-Vorgänger Cloud Chaser – A Journey of Hope gespielt haben, kennen die Protagonistin Amelia noch als Kind. In Cloud Chaser flüchtete sie gemeinsam mit ihrem Vater durch die Wüste auf der Suche nach einem sicheren Zuhause. Am Ende der Reise fliegt sie mit einem Gleiter über eine große Schlucht, ein Sprung, den ihr Vater nicht schaffen kann und die beiden für immer voneinander trennt. Als das Spiel 2015 erschien, war es thematisch im Angesicht der Flüchtlingskrise hochaktuell.

Protagonistin Amelia in ihrer Werkstatt auf GranariaProtagonistin Amelia in ihrer Werkstatt auf Granaria

Auch bei Airheart haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, ein bisschen gesellschaftskritisch zu werden. Inzwischen ist Amelia eine junge Frau und lebt auf der Insel Granaria, die über den Wolken der „Cloud Chaser“-Wüste schwebt.

Die Welt scheint zunächst bunt und harmonisch, doch in Wahrheit herrscht Ressourcenknappheit und in der Luft wimmelt es von Piraten. Wie viele andere Bewohner der Insel auch verdient Amelia ihr Geld als Luftfischerin. Doch sie hat ein übergeordnetes Ziel: In der Stratosphäre soll ein riesiger Wal leben, durch dessen Fang sie für immer ausgesorgt hätte. Den Wal zu fangen war der Traum ihres Vaters und jetzt will sie alles dafür tun, diesen Traum in seinem Andenken zu verwirklichen.

Der Weg zur Stratosphäre

Zwischen eurer Basis auf der Insel und der Stratosphäre liegen 14 Levels. Euer Ziel ist es, in jedem Level den Checkpoint zu finden, der euch eine Ebene höher bringt. Das tut er allerdings nur, wenn sich keine Gefahren in der Nähe befinden und davon gibt es dort oben eine ganze Menge.

In den Ebenen fliegt ihr zwischen kleinen Inseln, besiegt Piraten und sammelt Materialen.In den Ebenen fliegt ihr zwischen kleinen Inseln, besiegt Piraten und sammelt Materialen.

Die Ebenen liegen direkt übereinander und ihr schaut in isometrischer Perspektive von oben auf sie herab. So seht ihr die niedrigeren Level stets unter euch, was nicht nur ein ziemlich cooles grafisches Element ist: Wenn ihr zur Basis zurückkehren wollt, wechselt die Perspektive zu einer "3D-Third-Person"-Perspektive und ihr müsst die Inseln der tieferen Level umfliegen, sonst gibt’s ordentlich Schaden. Wenn ihr es nicht schaffen solltet auf der Basis zu landen, sondern in die Wüste fallt, ist euer gesamter Spielstand ganz im Roguelike-Stil futsch und ihr müsst von vorne anfangen.

In der Luft

Mit dem Kern der Spielmechanik und der Steuerung dürften sich alte Arcade-Hase sehr wohlfühlen. Mit dem linken Joystick bestimmt ihr die Richtung, in die das Flugzeug fliegen soll und mit dem rechten zielt ihr, wohin eure Waffe (R2) oder Harpune (L2) schießen soll.

Im Sturzflug zurück zur Basis. Je höher ihr wart, umso schneller seid ihr und umso schwerer wird es, die Inseln zu umfliegen und auf der Basis zu landen.Im Sturzflug zurück zur Basis. Je höher ihr wart, umso schneller seid ihr und umso schwerer wird es, die Inseln zu umfliegen und auf der Basis zu landen.

In den verschiedenen Ebenen fliegt ihr in "Top-Down"-2D-Perspektive um schwebende Inseln und liefert euch Gefechte mit feindseligen Robotertürmen, oder kämpft gegen Himmelspiraten, die euch und andere unschuldige Fischer überfallen wollen. Manchmal schaltet sich dann auch die Polizei ein. Die solltet ihr lieber nicht treffen, denn sie greift alle an, die sich ihr in den Weg stellen. Gegner, die ihr besiegt habt, lassen Materialien zurück die ihr später zum Bauen von neuen Flugzeugteilen und Waffen verwenden könnt - aber dazu später mehr.

Zwischen den Inseln schwimmen diverse Fischarten umher, die ihr einsammeln könnt. Sobald ihr in der Basis ankommt, werden sie automatisch zu Gold umgewandelt In den niedrigeren Leveln reicht es einfach durch sie hindurch zu fliegen, weiter oben müsst ihr sie mit eurer Harpune treffen. Aber seid gewarnt: wenn ihr zu gierig seid, löscht ihr die Fischpopulationen aus und das Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht. Stattdessen schwimmen dann lilafarbene Quallen in der Luft, die euch verlangsamen.

Die Werkstatt

In der Luft sammelt ihr allerhand Ressourcen. Je schwieriger die Gegner, desto besser die Materialien, die sie hinterlassen. Diese nutzt ihr dann in der Werkstatt, um neue Flugzeugteile zu bauen.

Im Hangar könnte ihr eure Teile ausrüsten.Im Hangar könnte ihr eure Teile ausrüsten.

Das System funktioniert recht einfach: Es gibt grundlegende Ressourcen, Metallwaren und Pyrotechnik, die ihr auf Bauplätzen der Werkbank positioniert. Ihr müsst ein bisschen rumprobieren, welche Teile im Endeffekt was ergeben. Wenn die Kombination der Teile nicht stimmt, findet keine Herstellung statt, das Material dürft ihr aber behalten. Ihr braucht mindestens drei Teile, wobei die Reihenfolge in der ihr sie positioniert, keine Rolle spielt. Nach einem Herstellungsversuch wird euch in Kästchen angezeigt, welche Teile richtig und welche falsch waren.

Wenn ihr etwas hergestellt habt, gibt eure Kreation Amelia zunächst eine Idee von einer Erfindung. Erst mehrere hergestellte Teile zusammen ergeben dann das angestrebte Bauteil. Ihr könnt über vierzig verschiedene Waffen craften. Zudem gibt es spezielle Teile, die eure Agilität steigern, euch in der Luft im Standflug verweilen lassen oder als Magnet für Fische fungieren können. Crafting kostet übrigens Geld, das ihr durch Fischen verdient, Fischerei will aber mit Bedacht und in Maßen eingesetzt werden. Durch diese wechselseitige Dynamik soll verhindert werden, dass ihr zu schnell zu stark werdet.

Fun Fact: Amelia Earhart war übrigens eine US-amerikanische Flugpionieren. Sie starb 1937 bei einem Absturz über dem Pazifik. Habt ihr nach dem Test Lust bekommen euch das Spiel zu holen, oder seid ihr abgeschreckt?

Meinung von Franziska Schulz

Airheart - A Tale of Broken Wings hat mich sofort mit seiner zauberhaften Geschichte und Grafik eingefangen. Als jemand der sich nur gelegentlich mal an Arcade-Shootern versucht hat, fand ich den Anfang etwas frustrierend. Zwischen Piraten, Polizei, Zeppelin, anderen Fischern und feindseleigen Türmen konnte ich kaum den Überblick behalten und flog sehr oft brennend im Sturzflug zur Insel zurück. Sobald ich aber die Chance hatte andere Waffen zu nutzen, wurde es viel einfacher für mich und ich gewöhnte mich auch langsam an die arcade-lastige Steuerung.

Das Problem war nur: Die Fischpopulation war extrem schnell ausgelöscht, sodass ich, nachdem meine Waffen alle kaputt waren, wieder mit der Standardwaffe gegen die Gegner antreten musste, was mühselig war.

Trotz Frustration kam ich schnell in den "Einmal-probier-ich-es-noch"-Modus. Letztlich finde ich gut, dass Airheart eine Herausforderung bietet, sowohl in Sachen Shooter-Skills, als auch beim überlegten Wirtschaften mit Ressourcen.

Die letzte Ebene ist bereits nach sechs bis sieben Spielstunden erreicht. Wenn ihr alles sammeln und craften wollt, könntet ihr auch auf zehn Stunden kommen. Für den, der nicht genug kriegen kann, mag das zu wenig sein, ich finde es aber genau richtig und dem Spiel angemessen. So ist es ein kurzweiliger Spaß, den ich positiv in Erinnerung behalten kann und bin befriedigt, weil ich das Geheimnis des Wals herausgefunden habe. Hätte sich das Spiel weiter in die Länge gezogen, hätte ich es sicher allein aus dem Grund, dass ich normalerweise kein Arcade-Fan bin, zur Seite gelegt. Das Crafting ist eine nettes Plus und war für mich öfters der Anreiz, doch nochmal in die Lüfte zu steigen, um Material zu finden.

Im Großen und Ganzen bin ich beeindruckt, wie das Spiel die Elemente Geschichte, Crafting und Arcade charmant miteinander verknüpft. Wer aber nicht die Geduld für Roguelike-Spiele und chaotische "Shoot'em Up"-Momente hat, wird die Stratosphäre wahrscheinlich nie erreichen. Story und Crafting sind tolle Anreize, aber keine alleinigen Gründe, sich das Spiel zu holen. Der Kern des Spiels ist ein Arcade-Shooter, das sollte euch klar sein, wenn ihr euch einen Kauf überlegt.

75

meint: Eine gelungene Kombination aus charmanter Story, erfrischenden Spielelementen und klassischer Arcade-Action.

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Tags: Arcade  

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