Schockstarre: Wenn ein Spieler sich vor Spielen fürchtet

(Kolumne)

von René Wiesenthal (05. August 2018)

Fürchten müsst ihr euch nicht nur, wenn es ins Horror-Genre geht. Eine Menge Spiele sind schon furchteinflößend, bevor ihr sie überhaupt gestartet habt. Ich habe mich daran gemacht, dieses Phänomen zu beschreiben.

Nicht alles was interessant ist, landet automatisch in der eigenen Spielesammlung. Und das nicht nur, weil manchmal schlicht keine Zeit oder Lust da ist, um zu spielen. Es gibt Games da draußen, um die ihr seit Jahren herumschleicht, wie die Katze um den heißen Brei. Hungrig und voller Appetit aber gleichzeitig ängstlich, dass ihr eine mit der zusammengerollten Zeitung gewischt kriegt, sobald ihr euch drauf stürzt.

Sicherlich wird euch wohl niemand eine überziehen wollen, wenn ihr ein Videospiel startet. Dieser bildhafte Vergleich soll eher ein Phänomen beschreiben, dass ich in meinem eigenen Spiel– beziehungsweise Nichtspielverhalten festgestellt habe: Es gibt Spiele, die mich einschüchtern. Die ich mich partout nicht traue, anzufangen.

Angst vor Dark Souls - Bitte sagt mir, dass ich nicht alleine bin!

Ein Beispiel wäre da aus für mich aktuellem Anlass Dark Souls. Ich habe vor kurzem mit The Surge begonnen und es gefällt mir. Ich mag Soulslike-Spiele, habe zum Beispiel einige Stunden mit Lords of the Fallen zugebracht. Aber irgendwie bleibt es immer beim "-like". Wenn ich daran denke, so richtig mit dem ersten Teil von Dark Souls anzufangen, wird mir anders.

Alles außer das Original: An The Surge traue ich mich ran.Alles außer das Original: An The Surge traue ich mich ran.

Das Spiel ist die Essenz von Soulslike, der Begründer dieses RPG-Subgenres. Was, wenn es mir zu schwer ist und ich irgendwann aufgeben muss? Außerdem sind die Spiele der Reihe extrem umfangreich und es gibt DREI STÜCK davon. Vier, wenn man Bloodborne dazu zählt, fünf mit Demon's Souls. WIE SOLL ICH DAS ALLES SCHAFFEN?

Müsste ich aber, denn den ersten Teil anfangen und es dann nicht durchziehen, ist keine Option. Genauso wenig wie einfach nur den dritten Teil zu spielen. Dann weiß ich doch gar nicht, wie die Reihe sich verändert hat. Und wenn ich NUR Bloodborne spiele? Habe ich immer noch keinen Schimmer, was die Hauptreihe eigentlich ausmacht.

Das neue Spiel der Souls-Macher - mir steht schon der Schweiß auf der Stirn:

Vor allem müsste ich mich jetzt sehr beeilen, da mit Sekiro – Shadows Die Twice bereits das nächste Rollenspiel von From Software ansteht, das ja Pflichtprogramm sein MUSS, wenn es von denen kommt. Mir steht der Schweiß auf der Stirn, wenn ich nur dran denke - ich lasse es besser ganz.

Extremsport Videospiele

Diese Fragen und Gedanken, finsteren Vorstellungen, kommen zustande wegen all der Dinge, die ich von anderen über Spiele höre.

Wenn Leute davon schwärmen, wie geil Souls-Spiele sind, dann geht das immer damit einher, dass sie es klingen lassen wie Schwerstarbeit, auf die sie stolz sind. Es ist wie mit Sport: Man weiß, dass man schnell Erfolge erzielt und sich hinterher besser fühlt, aber die Strapazen erst einmal anzugehen, kann extrem große Überwindung kosten. Souls-Spiele klingen für mich aus den Mündern der Fans nach Bergsteigen mit Fußfesseln.

Das könnte mir gefallen ... würde ich mich trauen: Monster Hunter - World.Das könnte mir gefallen ... würde ich mich trauen: Monster Hunter - World.

Genauso denke ich, dass ich viel Spaß an Monster Hunter – World haben könnte. Aber, wenn ich höre, dass ich das 30 Stunden gespielt haben muss, um so richtig reingekommen zu sein und das Spiel erst dann so richtig losgeht, resigniere ich vorzeitig.

Wir haben doch keine Zeit!

Natürlich spielt dabei auch die Zeit eine große Rolle. Privates Videospielen kommt meist recht kurz, ich überlege mir also immer sehr genau, womit ich anfange, um meine freie Zeit effizient mit Videospielen zu belegen, die mich erfüllen. Wenn die Auswahl zu schwer fällt, wird dann manchmal halt gar nicht gespielt, obwohl sehr viel offen ist, was mir sicher Spaß machen würde.

Denn wenn ich zwischen mehreren Mammut-Projekten wählen muss, denke ich: Was, wenn ich jetzt zwei Stunden investiere und dann hinterher feststelle, dass ich keinen Spaß hatte oder merke, dass ich noch viel mehr Zeit für das Spiel bräuchte als ohnehin schon befürchtet? Optionsparalyse. Oder ganz altmodisch: Die Qual der Wahl – ein Luxusproblem, für das ich mich schäme.

Im rechten Licht betrachtet, bin ich einfach nur Banane

Wenn ich die Gründe für meine übermäßige Ehrfurcht so überdenke, würde ich sagen: Ich stelle mir manchmal - vielleicht fälschlicherweise - vor, dass es mir extrem viel abverlangt, Spiele oder Spielreihen so weit zu ergründen, dass sie mir Spaß machen. Dann kommt die Befürchtung, ich könnte viel Zeit verschleudern, ohne einen großen Nutzen daraus gezogen zu haben.

In vielen Fällen muss das einfach Quatsch sein. Wenn ein Spiel mir gefällt, dann motiviert es mich auch, weiterzumachen, selbst wenn es am Anfang eine gewisse Einarbeitungszeit braucht. Ein Spiel macht ja nicht erst Spaß, wenn es vollkommen durchdrungen und erschlossen ist, sondern schon beim Prozess dorthin.

Und auch die Vorstellung, so viel Zeit zu investieren während mir andere Sachen durch die Lappen gehen könnten, ist eigentlich Banane. Erstens, weil ich im Zweifel sonst wahlweise lieber gar nicht zocke. Zweitens, weil ich gar nicht alles immer sofort brauche, wenn es verfügbar wird. Also warum nicht jetzt noch mit Dark Souls anfangen, Spaß daran haben und dafür andere Spiele hintenanstellen? Oh oh, es passiert wieder, die Panik steigt auf. Auf keinen Fall fange ich mit der Souls-Reihe an, wo würde das denn hinführen!?

Lasst uns Kommentare da, falls ihr euer eigenes Verhalten in diesem Phänomen wiedererkennt und erzählt uns eure eigenen Geschichten von der Schockstarre im Angesicht einschüchternder Videospiele. Wir freuen uns, sie zu lesen.

Tags: Fun  

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