Gib mir Tiernamen: So wollte mich eine echte Sado-Maso-Clique in einem MMO rekrutieren

(Kolumne)

von Micky Auer (10. August 2018)

Was als harmloser Chat begann, endete mit sexuellen Angeboten harter und dunklerer Natur. Dabei wollte ich nur mit Kollegen ein wenig Zeit in einem "Free 2 Play"-MMO totschlagen.

In einem MMO kann man allen möglichen Leuten begegnen. Manchmal auch welchen, die ihre wahren Intentionen durch die Anonymität eines Online-Avatars maskieren. Solange dabei keine ungesetzlichen Absichten dahinterstehen, ist das nicht weiter schlimm.

Und über Moralität will ich hier gar nicht schwadronieren. Dennoch war ich etwas verwundert, als ich plötzlich in einem Spiel von einer Gilde kontaktiert wurde, die zwar mit mir spielen wollte, aber nicht so, wie es das Spiel ermöglichen würde. Was ist da geschehen?

Spaß während der Arbeitszeit?

Ja, verurteilt mich. Und am besten noch zwei weitere Kollegen: Wir haben uns in einem "Free 2 Play"-Spiel angemeldet, das wir tagsüber während der Arbeitszeit im Hintergrund laufen ließen. Zu unserer Verteidigung: Wir sind Spiele-Redakteure. Wir müssen uns natürlich über alle möglichen Produkte in der Branche informieren.

Noch dazu handelte es sich um ein Spiel, dessen tägliche Zugriffszeit begrenzt ist und in dem man nur Quests auswählen muss, die nach Ablauf vorgegebener Zeiten automatisch zu Ende geführt werden. Es ging uns einfach nur darum, eine nichtsnutzige Gilde zu gründen und zu looten, mehr nicht. Kontakt mit anderen Spielern hat uns nicht interessiert.

Spiele wie zum Beispiel Shakes & Fidget eignen sich für zwischendurch, sind witzig und kostenlos nutzbar.Spiele wie zum Beispiel Shakes & Fidget eignen sich für zwischendurch, sind witzig und kostenlos nutzbar.

Das hat aber eine andere Gilde nicht davon abgehalten, ihrerseits Kontakt mit uns aufzunehmen. Tatsächlich wurde uns ein Nichtangriffspakt angeboten. Hm, na gut. Warum nicht. Zwar haben wir ohnehin nie andere Spieler überfallen, aber Verbündete können nicht schaden. Also haben wir uns darauf eingelassen. Daraus entstand dann mit dem Anführer der Gilde, nennen wir ihn Herbert, ein netter Chat von Mensch zu Mensch.

Dabei zeigte sich Herbert zwar durchaus neugierig, niemals jedoch indiskret. Er wollte wissen, ob er es mit einem Mann oder einer Frau zu tun hat, in welcher Altersgruppe unsere Mitglieder sind, was wir denn tagsüber so treiben und so weiter. Einige der Fragen habe ich offen, andere wiederum eher zurückhaltend beantwortet. Aber er hat nie nachgebohrt oder ist zu weit gegangen. Es war alles gut. Was ich nicht wusste: Er hat mich sozusagen gescannt, um herauszufinden, ob ich für seine Pläne geeignet bin.

Eines schönen Tages erzählte er von einer befreundeten Gilde, mit der wir auch einen Pakt schließen könnten. Dazu wollte er einen Kontakt herstellen mit "der Vertrauten der Gilden-Königin, die sowohl als ihre rechte wie auch ihre linke Hand agiert." Okay, mach mal. Dabei hab ich mir noch nichts gedacht, außer: "Hui, die machen ja ein richtiges Rollenspiel daraus! So weit will ich nicht gehen, aber den Spaß will ich ihnen natürlich nicht verderben."

Die Messages, die mich am nächsten Tag erreichten, haben mich aber erstmal verwirrt. Und wie sich kurz darauf rausgestellt hat, habe ich auch nicht wunschgemäß darauf geantwortet.

Ich bin nichts! Ich bin Dreck! Ich bin Abschaum!

Aus Gründen der Einfachheit lasst mich hier einfach Auszüge aus der Konversation präsentieren. Natürlich soll die daran beteiligte Person anonym bleiben, daher wähle ich für sie einfach den frei erfundenen Namen "Garbatz":

Garbatz: "Es soll sich mit dem Gildenführer besprechen. So hat es die Königin befohlen. Die große, mächtige, wunderschöne Königin. Es ist NICHTS in ihrem Glanz."

Ich: "Ja, hi. Hab schon gehört, dass ihr einen Pakt mit uns eingehen wollt. Kein Ding, können wir gerne machen."

Knappes Outfit, Peitsche und harter, russischer Akzent: Ist Sofia aus Battle Arena Toshinden (PS1) etwa die geheimnisumwitterte Königin?Knappes Outfit, Peitsche und harter, russischer Akzent: Ist Sofia aus Battle Arena Toshinden (PS1) etwa die geheimnisumwitterte Königin?

Garbatz: "Es muss Garbatz herabwürdigen! Sonst gibt es keinen Pakt!"

Ich: "Ääääääh ... mit 'es' meinst du doch wohl nicht etwa mich, oder?"

Garbatz: "Jaaaaaa! Es wird zornig! Es wird böse! Es wird mich herabwürdigen!"

Ich: "Oh Mann. Na gut: Sag deiner Königin, dass sie gefälligst selbst antanzen soll, wenn sie was will! Ich konferiere nicht mit so schleimigem Gewürm wie dir!"

Garbatz: "Nein! Neeeiiin! Es darf nicht in das Antlitz der Königin blicken! Es muss sich mir mitteilen!"

Ich (angestachelt): "Du spinnst wohl! Ich trete dich mit meinem Stiefel in den Schmutz, auf dass du vor mir kriechst, du Stück Dreck! Ich spuck dir ins Gesicht! Und jetzt hol mir deine doofe Königin!"

Garbatz: "Nicht treten und spucken! Das darf nur die Königin!"

An dieser Stelle wollte ich dieser Person sagen, dass ich ihr widersprüchliches Gehabe total bescheuert finde und sie zum Duell herausfordern, hab es mir aber anders überlegt, nachdem ich gesehen habe, dass die Figur locker 100 Level über meinem war.

Ich: "Ey, das ist mir zu blöd. Sag, was du willst oder geh wieder. Ich hab für sowas keine Zeit!"

Garbatz: "Nein, es muss mich anspucken! Garbatz mag das. Garbatz braucht das!"

Ich: "Grad vorhin meintest du noch, das darf nur deine beknackte Königin. Ja, was denn nun?"

Ich erhielt darauf keine Antwort, jedoch meldete sich kurz darauf Herbert, der unsere Gilde ganz am Anfang kontaktiert hat. Was er zu sagen hatte, klang zumindest ... mysteriös.

Gefällt es dir, jemanden zu dominieren?

Wie es scheint, hat Garbatz gleich Bericht erstattet und wohl gemeint, dass das Gespräch nicht so gut verlaufen sei. Herbert hat sich umgehend gemeldet, fand zuerst beschwichtigende Worte, von wegen die Gilde sei "speziell" und die Mitglieder dort seien "nicht leicht im Umgang". So weit, so gut. Doch dann stellte er eine Frage, die so gänzlich aus dem Kontext gerissen war, dass ich mich verblüfft fühlte: "Gefällt es dir, jemanden zu dominieren?

Vollkommen übertrieben dargestellte Figuren wie Ivy aus dem kommenden Soul Calibur 6 können Domina-Fantasien anregen.Vollkommen übertrieben dargestellte Figuren wie Ivy aus dem kommenden Soul Calibur 6 können Domina-Fantasien anregen.

Bevor ich darauf antworten konnte, ertönte aus einem anderen Teil der Redaktion hexenhaftes Gekichere. Ein Kollege, der mitspielte, rief durch den Raum: "Hey, die will ständig, dass ich sie anspucke!" Aha. Garbatz hat ihre Fühler nach einem neuen "Mitspieler" ausgestreckt (und dabei wieder ihre eigenen Regeln gebrochen). Langsam dämmerte es uns: Die Herrschaften meinen das alles vollkommen ernst!

Auf keinen Fall will ich hier irgendjemanden für seine sexuellen Vorlieben, Fetische oder Praktiken verurteilen! Solange alles im Einverständnis passiert, niemand dabei zu Schaden kommt und keine Gesetze gebrochen werden, kann meinetwegen jeder machen, was er will. Aber ich muss dann halt auch nicht jeden Spaß mitmachen.

Ich antwortete erstmal damit, dass mir das Gespräch eine zu sexuelle Note annehmen würde und ich ungern mit jemandem über solche Dinge spreche, wenn ich ihn nicht gut kenne. Daraufhin machte Herbert mir das Angebot, dass wir uns ja jederzeit besser kennenlernen können. Und zwar vorzugsweise in folgendem Szenario:

Carmen aus Persona 5: Sexuelle Dominanz und Abhängigkeit in personifizierter Form.Carmen aus Persona 5: Sexuelle Dominanz und Abhängigkeit in personifizierter Form.

Wir würden uns, gewandet in elegante Anzüge, in einem noblem Lokal treffen. Garbatz wäre auch dabei, in einem Kleid aus schwarzem und rotem Material in Leder-Optik. Doch sie dürfe nicht sprechen. Sollte sie es wagen, das Wort zu ergreifen, sollte ich sie sofort mit einem strengen Blick zum Schweigen bringen. Für jedes Vergehen würden wir sie anschließend bestrafen. Wie diese Bestrafung aussehen würde? Ganz klar! (Und ich gestehe: Mir wurde bei dem Gedanken mulmig, denn mir gingen Berichte von mörderischen Sex-Verbrechern durch den Kopf.)

Für die Bestrafung würden wir in ein Gebäude gehen, in dem die Gilde sich einen Raum eingerichtet hätte. Dort würde Garbatz, in äußerst freizügig gestaltete Lederklamotten gewandet, von uns an eine Art Pranger gefesselt und ausgepeitscht werden. Es darf ruhig härter sein, jedoch soll kein Blut fließen. Schmerzen zufügen: Ja. Verletzungen verursachen: Nein. Na, immerhin gibt es Grenzen! Ach ja: Ob ich denn in der Kunst des Knotenbindens bewandert wäre? (Ja, bin ich. Ich kann mir schon selbst die Schuhe zubinden.)

Wenn das alles gut laufen würde, könnte ich die anderen Mitglieder der Gilde kennenlernen und wir könnten uns abwechseln, denn "solchen Schmutz wie Garbatz gäbe es mehrfach und er muss bestraft werden." Auf meine Frage, wie viele Leute denn da in der Gilde wären oder damit in Kontakt stünden, bekamm ich die Antwort: "So um die 100."

Liebe, Leidenschaft und Untreue: Catherine entführt euch in die Abgründe einer schicksalshaften Beziehung.

Okay. Vielleicht wäre es eine Erfahrung gewesen, die meinen Horizont erweitert hätte. Vielleicht hätte ich einen Fetisch gefunden, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn suchen würde. Vielleicht wäre das alles auch eine Art sexuelle Offenbarung gewesen. Vielleicht ... Aber im Endeffekt war mir das wirklich alles zu schräg. So auch meinen beiden Kollegen. Wir sind höflich geblieben und haben das Angebot abgelehnt.

Es verging ein Tag, da erreichte uns die trockene Nachricht, dass der Pakt aufgelöst worden wäre, jedoch aufgrund unserer Bekanntschaft keine aggressiven Aktionen folgen würden. Ach ja: Und noch einen schönen Tag.

Und die Moral von der Geschicht'? Nun, bevor ihr euch mit anderen Spielern auf einen Chat einlasst, fragt sie doch besser gleich, ob sie auf SM stehen und ob sie euch dazu rekrutieren wollen. Auf diese Weise werdet ihr sicher viele Freunde finden!

Erstmals gespielt - das nächste Level von Open World?

Red Dead Redemption 2: Erstmals gespielt - das nächste Level von Open World?

Wer von Red Dead Redemption 2 gewohnten Rockstar-Standard erwartet, liegt möglicherweise ordentlich daneben. Was (...) mehr

Weitere Artikel

Plattform nicht mehr in China verfügbar

Twitch: Plattform nicht mehr in China verfügbar

Ende August und Anfang September 2018 hat die Streaming-Plattform Twitch in China enorm an Beliebtheit zugelegt. Grund (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Kolumne-Übersicht

* gesponsorter Link