Red Dead Redemption 2: Dinge, die ihr im Trailer vielleicht übersehen habt

(Special)

von Micky Auer (10. August 2018)

Der gestern veröffentlichte Trailer zu Red Dead Redemption 2 zeigt nicht nur umwerfende Grafik und tolle Stimmungen, sondern birgt auch die eine oder andere nicht auf den ersten Blick ersichtliche Information. Wir haben für euch ganz genau hingesehen.

Nur noch knapp zweieinhalb Monate, dann ist es soweit: Rockstar will am 26. Oktober 2018 die Fortsetzung seines Western-Epos veröffentlichen. Red Dead Redemption 2 soll dann Besitzer einer PS4 oder Xbox One in den Wilden Westen entführen.

Jetzt gibt es einen neuen Trailer dazu, der die eine oder andere Überraschung offenbart, die ihr vielleicht beim ersten Genuss übersehen habt. Nun, wer hat schon Zeit, einen Trailer nach Hinweisen abzusuchen? (Tipp: Wir. Wir haben Zeit ...)

Das Corpus Delicti: An diesem Trailer haben wir die Analyse vollzogen

Die Mühe müsst ihr euch nicht antun. Lehnt euch stattdessen bequem zurück und lest euch durch, was wir für euch aus den Tiefen der bewegten Bilder zu Tage gefördert haben. Wenn euch selbst noch was aufgefallen ist, was uns entgangen sein könnte, teilt es uns unbedingt in den Kommentaren mit!

Das Leben in der Gang

Red Dead Redemption 2 findet im Jahr 1899 statt. Das war auch die Blütezeit von Dutchs Gang. Aus diesem Hintergrund entstehen die wichtigsten Motive der Erzählung rund um Hauptfigur Morgan und seine Beziehung zu den einzelnen Bandenmitgliedern.

Die Gesetzeshüter sind der Gang auf den Fersen, dadurch müssen sie stets in Bewegung bleiben, gleichzeitig aber auch hin und wieder ein stationäres Lager aufschlagen, um eine Basis zu haben.

Dieses nomadische Camp ist das Zuhause der Gang ebenso wie ein Arbeitsplatz, an dem jeder dazu beiträgt, dass ein Überleben gesichert werden kann. Dazu gehören zum Beispiel Nahrungsbeschaffung, Vorräte besorgen und grundlegende Hausarbeiten erfüllen (Reinigung, Wäsche, Reparaturen ...).

Morgan muss wohl nicht zwingend an diesen Tätigkeiten teilhaben. Tut er es dennoch, könnte das Vorteile für ihn bringen und auch die Moral im Camp steigern. Das ist insofern wichtig, da Morgan kein anderes Leben kennt. Somit ist die Gang seine Familie, wie aus den Aussagen im Video zu entnehmen ist.

Konversationen mit den Leuten im Camp können für neue Missionen sorgen, oder aber auch zu Nebenaktivitäten und Mini-Spielen führen (Poker und Angeln sind im Video zu sehen).

Das Wetter und seine möglichen, weitreichenden Konsequenzen

Da nun der geschichtliche Zeitpunkt des Spiels feststeht, lasst uns eure Aufmerksamkeit auf ein meteorologisches Großereignis aus dieser Zeit richten: Der Große Schneesturm von 1899 (The Great Blizzard) hat vor allem das Gebiet östlich der Rocky Mountains in den USA betroffen. Ein Sturm diesen Ausmaßes mit so starken Niederschlägen kommt selten vor.

Nun sieht man im Trailer zwei Männer durch einen nächtlichen Schneesturm reiten. Einer sagt: "We need to keep this people warm and fed!” - Sprich: Sie müssen dafür sorgen, dass eine Gruppe von Menschen es warm hat und ihnen die Vorräte nicht ausgehen. Das wirft gleich zwei Theorien auf:

1. Andere Prioritäten je nach Wetter:

Bei extremer Witterung benötigt das Camp vielleicht stärkere Unterstützung. Nahrungsmittel, warme Kleidung, trockenes Holz, eventuell Brennstoffe und medizinische Versorgungsgüter. Es könnte einen Zyklus geben, während dem ihr bei normalem Wetter leichter an Versorgungsgüter kommt, um diese dann in Zeiten des erhöhten Bedarfs bereits vorrätig zu haben.

Vielleicht ist der Schnee aber auch nicht zyklisch, sondern taucht wie im ersten Teil in bestimmten Bereichen der Spielwelt auf. Das hieße, dass ihr, je nachdem, wo ihr euch gerade mit der Gang aufhaltet und euer Lager aufschlagt, unterschiedlichem Wetter trotzden müsst.

2. Die Jagd genießt einen höheren Stellenwert:

Im ersten Teil gab es bereits eine Jagd-Mechanik, jedoch diente diese in erster Linie dazu, diverse Herausforderungen zu erfüllen, die dann eure spielerischen Werte verbessern. Jagdbeute konnte dann verkauft werden, um an Geld zu gelangen.

In RDR2 sollt ihr ein Camp versorgen. Jagdbeute kann - wie es scheint - nach wie vor verkauft werden, jedoch stellt sich euch als Spieler dann wohl die Frage, ob sie nicht nützlicher für das Camp wäre. Je nachdem wie gut (oder schlecht) ihr euch um das Camp und seine Bedürfnisse kümmert, könnte euer Ansehen sinken oder steigen, was wiederum Auswirkungen auf eure Fähigkeiten haben könnte.

Die Spielwelt lebt und wächst

Gebäude, Siedlungen, vielleicht sogar ganze Städte: Die Zeit in Red Dead Redemption 2 steht nicht still. Bereits im Video sind Grundgerüste und Rohbauten zu sehen, die sich im Laufe der Zeit zu fertigen Gebäuden entwickeln sollen.

Wenn ihr genau hinschaut, erkennt ihr rund um solche Baustellen reges Treiben, das wiederum ein Indiz dafür sein könnte, dass die Bauarbeiten nicht bloß "im Hintergrund" stattfinden, sondern durch fleißige Handwerker und ihre Handlungen illustriert werden. So seht ihr zum Beispiel einen Wagen mit Bauholz oder einen Arbeiter mit einer Holzplanke auf der Schulter.

Es ist nicht bekannt, ob diese Weiterentwicklungen und Fertigstellungen einem starren Zeitplan folgen (sprich: nach so und so vielen Spieltagen ist ein Gebäude fertig), oder ob die Bauten von gewissen Ereignissen im Spiel abhängig sind, die ihr als Morgan erstmal absolviert haben müsst.

Eine laufende Weiterentwicklung könnte bedeuten, dass ihr später im Spiel in bereits ausgiebig erforschte Areale zurückkehren solltet, weil sich dort aufgrund neu entstandener Strukturen auch neue Bewohner und damit verbundene neue Aufgaben entwickelt haben.

Dieses Element wirft die Frage auf, über welchen Zeitraum sich die Geschichte von RDR2 erstreckt. Vielleicht begleiten wir die Gang sogar über mehrere Jahre und sehen sie sich gemeinsam mit der Spielwelt entwickeln.

Keine gute Tat bleibt ungesühnt

Viele der eher generisch anmutenden Charaktere im Spiel könnten für unterschiedliche Szenarien sorgen, je nachdem wie ihr mit ihnen umgeht. Uns ist aufgefallen, dass Figuren am linken unteren Bildschirmrand mit drei verschiedenen Symbolen gekennzeichnet werden: ein Auge steht vermutlich für Zeugen, ein Fadenkreuz gibt vielleicht an, dass es sich vermutlich um einen Gesetzeshüter handelt.

Dann gibt es da noch die gelben Punkte. Wofür genau die stehen, können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber aufgrund der Szenen im Video gehen wir davon aus, dass dadurch NPCs und mit ihnen verbundene Ereignisse gekennzeichnet werden, die sich auf euer Ansehen im Spiel auswirken. Die entsprechenden Handlungen, die dabei ausgeführt werden, legen nahe, dass ihr durch eure Entscheidungen in Bezug auf bestimmte Ereignisse die Stimmung der NPCs beeinflusst.

Rettet ihr jemanden in Not? Lasst ihr jemanden am Leben oder tötet ihn? Wie geht ihr mit Augenzeugen um? An einer Stelle im Spiel wird Morgen von einer Frau am Straßenrande beschimpft, weil er ihren Cousin getötet haben soll. Die NPCs scheinen genau zu wissen, wer ihr seid, wie ihr handelt und was sie demnach von euch halten sollen.

Diese Dynamik könnte sich in Vor- und Nachteilen in spielerischen Situationen auswirken. So schafft ihr euch Feinde, aber auch Freunde und Verbündete. Eventuell bringt ihr sogar ganze Fraktionen gegen euch auf, die bestimmte Gebiete kontrollieren. Die Vielfalt der Intteraktionsmöglichkeiten beleuchten wir gleich im nächsten Abschnitt.

Interaktion und die geheimnisvolle L2-Taste

Die "normale" Interaktion:

Im Video zu sehen sind rechts unten Symbole für Knöpfe und Tasten, je nach Situation mit ausgegrauter oder deutlich lesbarer Beschriftung. Unter anderem zu sehen sind die Optionen "choke" (würgen), "dismiss" (laufen lassen) und "beat" (schlagen). Diese Optionen scheinen auf den Umgang mit Augenzeugen zugeschnitten zu sein.

Ist Morgan auf den staubigen Straßen unterwegs, kann er mit Leuten, auf die er trifft, auf unterschiedliche Weise interagieren. So seht ihr im Video zum Beispiel die Optionen "greet" (grüßen) oder "antagonize" (reizen). Hoch zu Ross ist auch ein freundliches "callout" möglich.

Der Umgang mit Gesetzeshütern scheint besonders viel Fingerspitzengefühl zu erfordern. Durch "defuse tensions" (Situation entschärfen) kann Morgan vielleicht eine brenzlige Situation gewaltfrei lösen. "Antagonize" wiederum würde vermutlich die gegenteilige Situation herbeiführen.

Und dann gibt es natürlich noch sehr spezielle Situationen, in denen ihr direkt über Leben und Tod, Gedeih oder Verderb einer Person entscheidet. Zu sehen im Video ist zum Beispiel ein Mann, der von einer Klippe hängt. Vermutlich müsst ihr an dieser Stelle entscheiden, ob ihr sein Leben rettet oder ihn seinem Schicksal überlasst. Eine solche Entscheidung könnte weitreichende Folgen haben. Vielleicht fällt euch später eine gerettete Person sogar in den Rücken? Möglich ist alles!

Interaktion durch höhere Mächte?

Dann gibt es da noch - ebenso in der rechten unteren Ecke des Bildschirms zu sehen - die L2-Taste. Wir geben zu: Was diese Taste bewirkt, wann ein Einsatz sinnvoll ist und was damit zusammenhängt, ist schwer einzuschätzen. Allerdings gibt die Beschriftung mit dem Begriff "Stranger" (Fremder) Grund zur Spekulation. Wir wagen mal eine steile These, mit der auch eine kleine Spoiler-Warnung zum ersten Teil einhergeht:

Im ersten Red Dead Redemption taucht eine höchst mysteriöse Figur auf. "The Stranger", ein auf den ersten Blick normal wirkender, elegant gekleideter Mann, der hin und wieder im Spiel auftaucht und auch eine eigene Questreihe hat. Bald stellt sich heraus, dass seine Aussagen prophetischer Natur sind und er vielleicht gar kein Mensch sondern eine übernatürliche Gestalt ist. Denn nicht nur kann er wohl in die Zukunft blicken, er ist auch unempfindlich gegenüber Kugeln und verschwindet auf unerklärliche Weise, taucht fast sofort an einer anderen Stelle wieder auf. Es gibt verschiedene Theorien, wer dieser Fremde ist. Am geläufigsten ist wohl die, dass es sich bei ihm um um eine Art Todesengel handelt, der die Moral der Hauptfigur durch verschiedene Aufgaben auf die Probe stellt.

Unsere Theorie: Die L2-Taste in Red Dead Redemption 2 gibt einen viel direkteren Bezug zu diesem Moralsystem. Vielleicht könnt ihr zusätzliche Handlungsoptionen anwählen, wenn ihr in bestimmten Situationen L2 betätigt, vielleicht hängt die Taste aber auch mit einer ganz bestimmten Eigenschaft zusammen, die nicht immer verfügbar ist, sich vielleicht erst aufladen muss. Sei es durch Verstreichen der Zeit oder bestimmte Aktionen.

Es muss nicht immer friedlich bleiben

Im Angesicht all der pazifistischen Alternativen zur Konfliktlösung könnte der irrtümliche Eindruck entstehen, dass ihr euch diskutierend und händchenhaltend durch RDR2 hindurchwurschteln könnt. Das wird mit Sicherheit nicht der Fall sein. Denn was wäre ein Western ohne handfeste Schießereien?

Und keine Sorge: Die gibt es und sie sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der gesamten Spielmechanik. Nachdem wir uns das Video mehrfach aufmerksam angesehen haben, fehlt uns jedoch ein ganz bestimmtes Element: Das Waffenauswahl-Menü. Im ersten Teil konntet ihr per Ring-Menü auf euer gesamtes Arsenal zugreifen. Im Video hingegen ist nur zu sehen, wie Morgan zwischen einem Revolver und einer Schrotflinte wechselt. Und zwar ohne Zwischenschritt.

Es ist natürlich gut möglich, dass die gewohnte Auswahlmechanik nach wie vor intakt ist und nur im Video nicht gezeigt wird. Ansonsten wäre es nämlich eine wichtige Änderung, die signifikante Auswirkungen auf eure Taktik hat. Wo kann Morgan Waffen wechseln? Nur in einer Basis oder auch unterwegs? Wann sollte er das tun? Kann er das im Laufe einer Mission noch ändern oder muss das vorher erledigt werden? Gibt es ein Limit für die Anzahl an Waffen, die er mit sich führen kann?

Neu hinzugekommen sind Pfeil und Bogen. Diese lautlose Waffe eignet sich vor allem für die Jagd und unterstreicht durch ihre Existenz wohl die Wichtigkeit dieser Aufgabe. Das zeigt auch die neue Fähigkeit, die Fährte von verwundeten Tieren zu verfolgen - dargestellt durch eine leuchtende Linie am Boden. Wie es scheint, sind die Hauptmerkmale des Spielablaufs aus dem ersten Teil größtenteils vorhanden, werden aber ausgebaut und erweitert und rücken somit mehr in den Fokus des Geschehens.

My little Pony ...

Bereits im Vorgänger hattet ihr die Möglichkeit, auf einer Vielzahl von verschiedenen Pferden über die Prärie zu reiten. Je mehr Zeit ihr mit einem Reittier verbracht habt, desto mehr Ausdauer hat es im Laufe des Spiels aufgebaut, ließ euch über längere Strecken galoppieren und zeigte sich in der Handhabung etwas weniger störrisch.

Es gab allerdings keinen klaren Indikator dafür, wie weit sich das Verhältnis zwischen euch und eurem Pferd entwickelt hat, keine Zahlenwerte, keinen Fortschrittsbalken, keine Tutorial-Messages, dass neue Fähigkeiten aufgrund eures verbesserten Verhältnisses zueinander zur Verfügung stünden.

Das soll sich in Teil 2 wohl etwas ändern. Wie transparent das Verhältnis zwischen Reiter und Reittier dargestellt wird, ist noch nicht bekannt. Auf jeden Fall soll sich aber wohl die Pflege eures Pferdes positiv auf eure Beziehung auswirken. Wer sein Pferd schindet, es nicht striegelt und säubert und nicht regelmäßig füttert und tränkt, muss sich auch nicht wundern, wenn der Gaul ihn abwirft.

Eine intensivere Pflege und gute Behandlung dürfte diverse Vorteile mit sich bringen. Auch dürft ihr mehr als ein Pferd besitzen, die dann wohl auch als Waffen- und Item-Lager dienen. Ob die Kapazitäten vom jeweiligen Pferd abhängen oder doch eher am Sattelzeug und dem Geschirr (ähnlich wie in The Witcher 3), lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Nur ein kleiner Auftritt oder mehr?

Ganz heimlich, still und leise hat sich nicht bloß ein bekanntes Gesicht, sondern gleich eine ganze Familie in den Trailer geschlichen. Die Rede ist natürlich von John Marston, Hauptfigur aus dem ersten Teil, seiner Frau Abigail und ihrem Sohn Jack. RDR2 ist ein Prequel, die Geschichte findet also vor den Ereignissen aus Teil 1 statt.

Das erklärt, warum John Marston noch keine tiefen Narben im Gesicht hat. Sein Sohn Jack, der gegen Ende des ersten Teils eine immens wichtige Rolle einnehmen wird, kam laut der Geschichte im Jahr 1895 zur Welt, ist also zum Zeitpunkt des Trailers etwa vier Jahre alt.

Wer den ersten Teil kennt, weiß, dass sich John und Abigail in der Gang von Dutch kennen gelernt haben. Sie war eine Prostituierte, die sich mit der Gang rumgetrieben hat. Die Szene stammt wohl aus einer Zeit, in der weder Verrat noch Mord und Totschlag die Stimmung in der Gang getrübt haben.

Ob John und seine Familie in RDR2 eine wichtige Rolle spielen werden, ist unbekannt. Je nachdem, über welchen Zeitraum sich die Erzählung streckt, könnte Johns Austritt aus der Gang zu einem wichtigen Element der Geschichte werden. In einem früheren Trailer zum Spiel haben wir ihn im Würgegriff mit den frisch geflickten Wunden im Gesicht gesehen, die später zu seinen markanten Narben werden sollten.

Tags: Singleplayer   Open World   Rumor  

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