Vorschau Shadow of the Tomb Raider: Hält der Dschungel, was die Entwickler versprechen?

von René Wiesenthal (10. August 2018)

Nachdem wir im April erstmals die Gelegenheit hatten, Shadow of the Tomb Raider zu spielen, machten wir kürzlich einen zweiten Ausflug - erst nach Hamburg und dort dann in die groß angekündigte Dschungelwelt des Action-Adventures. Lest hier unsere Eindrücke aus den ersten Spielstunden im Urwald von Shadow of the Tomb Raider.

Der Unrat ist am Dampfen, so viel ist sicher. Schon beim ersten Anspieltermin zu Shadow of the Tomb Raider war klar: Jetzt geht es für Lara ans Eingemachte. Denn die junge Archäologin hat nicht weniger als die Maya-Apokalypse ausgelöst. Auf der Suche nach den Mördern ihres Vaters ist ihr Eifer mit ihr durchgegangen. Ihr Bestreben hat den Punkt der Besessenheit erreicht und nun gesellt sich zur Rache an der Organisation Trinity auch noch die Rettung der Welt auf die "To Do"-Liste.

Shadow of the Tomb Raider: E3-Trailer "Lauter als Worte"

Dieser finstere Einschlag in den Geschehnissen der Handlung soll die Stoßrichtung für das gesamte Spiel sein. Schwerere Themen, düsterere Schauplätze – der Ton sei ernster, sagen die Entwickler. Nun ist es durchaus kein Zuckerschlecken, was Lara in Shadow of the Tomb Raider betreibt, aber das war es in den zwei Vorgängern schon nicht. Der Unterschied: Diesmal geht es um mehr als nur Laras Kopf. Doch gar so dunkel und beklemmend war es nicht beim Anspieltermin. Wir konnten uns vielmehr an kräftigen Farben und wuchtigem Sound erfreuen.

Denn anders als in den ersten Gebieten, die wir im April zum Spielen bekamen, konnten wir endlich die etwas großflächigeren und offeneren Areale im Dschungel erkunden, die Crystal Dynamics seit der Ankündigung von Shadow of the Tomb Raider versprochen hat und die wohlige Erinnerungen an die alten, klassischen "Tomb Raider"-Spiele wecken. Die Sequenz, die in diese Gegend führt, setzt direkt am Ende der Geschehnisse aus unserer ersten Vorschau an. Lest hier nach, wenn ihr alle Infos dazu haben möchtet.

War der Dschungel je so schön?

Der Ausflug ins tropische Grün ist kein Sightseeing-Trip und findet alles andere als freiwillig für Lara und ihren Busenfreund Jonah statt. Wieder einmal führt ein Absturz dazu, dass die beiden einen Umweg einschlagen müssen und sich nun im Dickicht des Dschungels wiederfinden.

Der erste Eindruck, als wir nach dem Unglück die Kontrolle über Lara übernehmen dürfen: Der Urwald klingt fantastisch und sieht ebenso aus. Die Geräusche von zwitschernden Vögeln, summenden Insekten und die Äste erkletternden Äffchen ist dicht und fühlt sich unter Kopfhörern an, als stünde man unmittelbar im Gestrüpp mit Lara. Keine der Pflanzen wirkt so als sei sie händisch platziert worden, die Flora sieht aus wie natürlich gewachsen.

Der Wald lebt: So sehen die ersten Schritte im Dschungel aus.Der Wald lebt: So sehen die ersten Schritte im Dschungel aus.

Die sumpfige Brühe, durch die wir stapfen, schlägt toll animierte Wellen um unsere Beine herum. Kurzum: Das Szenario sieht fantastisch aus. Und je weiter wir darin vordringen, desto hübscher wird es.

Spielt sich aber wie gewohnt

Spielerisch lief alles wie schon beim ersten Termin, auch in den umfangreicheren Dschungel-Arealen durchaus gewohnt. Die versprochene größere spielerische Freiheit äußerte sich dadurch, dass es an uns war, in größeren Bereichen des Dschungels die richtigen Stellen zu finden, an denen wir mit der Umgebung interagieren mussten, um ein vordefiniertes Ziel zu erreichen. Außerdem konnten wir in der insgesamt doch sehr linearen Dschungelwelt abseits des Weges erste Kryptas entdecken. Die, die wir fanden, war mit üblen Fallen gespickt, enthielt kleinere Knobel- und Hüpfpassagen und belohnte uns am Ende mit einem wertvollen Gegenstand.

In der gefundenen Krypta mussten wir fleißig klettern, um belohnt zu werden.In der gefundenen Krypta mussten wir fleißig klettern, um belohnt zu werden.

Was wir angenehm fanden: Bei Rätseln gab es dank Laras Kommentaren zwar immer mal wieder Hinweise auf das richtige Vorgehen, vorgekaut bekamen wir aber nichts.

Hier mussten wir uns Symbole merken und dann Säulen in die richtige Position drehen.Hier mussten wir uns Symbole merken und dann Säulen in die richtige Position drehen.

Und so gestaltete sich die eine oder andere Denkaufgabe moderat fordernd und fügte sich damit gut in die Sprung- und Kletterpassagen ein, von denen sich das selbe sagen lässt.

Sollte eines dieser Elemente für euch zu schwer oder zu leicht sein, gibt es übrigens eine besondere Komfortfunktion: So könnt ihr den Schwierigkeitsgrad in Shadow of the Tomb Raider einzeln in Sachen Kampf, Rätsel und Akrobatik anpassen und euer Abenteuer so euren Fähigkeiten entsprechend individualisieren.

Eins mit der Natur?

Die Entwickler sprachen im Vorfeld des Termins oft davon, dass der Dschungel eine zweite Hauptfigur sei, mit der Lara verschmelze, um ihre Feinde zu besiegen. Klar, es gibt Möglichkeiten, sich im hohen Gras zu verstecken, sich an Wände zu pressen, die mit Pflanzen übersät sind und vom Ast aus Gegner mit dem Bogen auszuschalten, um sie dann in den Wipfeln baumeln zu lassen. Aber so wirklich verbunden mit der Umgebung haben wir uns beim Termin nicht gefühlt.

Richtig alt haben wir uns aber gefühlt. Diesen Classik-Skin könnt ihr am Lagerfeuer freischalten.Richtig alt haben wir uns aber gefühlt. Diesen Classik-Skin könnt ihr am Lagerfeuer freischalten.

Viel zu linear ging es dafür zu, all die variantenreichen Lösungsansätze wurden uns vom Spiel vorgegeben. Inwieweit sich das durchs Spiel zieht, bleibt abzuwarten. Schön wäre es, wenn der Spieler tatsächlich die Wahl zwischen vielen Möglichkeiten hat, die ihm die Umwelt lässt und die ihr euch selbst erschließen müsst.

Kämpfen mussten wir nicht nur gegen die Schwerkraft, wenn wir uns an Ästen über Abhänge schwangen. Auch gefräßige Tiere trafen wir im Unterholz natürlich an und so kam es unter anderem zu einem gefährlichen Showdown mit einem Leoparden, der mit dessen bedauernswertem Tod endete. Wir ärgern uns, dass wir nicht die Option hatten, mit der anmutigen Raubkatze anders umzugehen. Immerhin versprechen die Entwickler sowohl die gezeigten indigenen Kulturen als auch die Natur respektvoll und angemessen darzustellen. Vielleicht hat Lara, die wie ein Hackebeil in den Dschungel eindringt, aber andere Pläne.

Shadow of the Tomb Raider: Willkommen in Paititi - 9 Minuten Walkthrough-Video

Bis zur uralten Stadt Patiti, die als Hub-Welt dienen soll und oben im Video zu sehen ist, konnten wir leider nicht spielen. Doch im Laufe unseres Termins erreichten wir eine kleine Siedlung, die einen Vorgeschmack darauf gab. Wir konnten hier Händler besuchen und kleinere Nebenaufgaben finden. Oder einfach ein bisschen mit den Bewohnern plauschen. Die Dialoge und Figuren waren nicht preisverdächtig geschrieben, insgesamt war der kurze Aufenthalt nur eine nette Abwechslung.

Meinung von René Wiesenthal

Was ich aus dem zweiten Anspieltermin von Shadow of the Tomb Raider mitnehme: Verdammt, sieht das gut aus! Bei der Darstellung des Dschungelszenarios halten die Entwickler von Crystal Dynamics ihre Versprechen und liefern sowohl in akustischer wie optischer und inszenatorischer Hinsicht einen Spiele-Urwald, der seinesgleichen sucht.

Weniger überrascht war ich von den einzelnen Spielelementen, die zwar gewohnt patent umgesetzt sind, aber eben auch genau das, nämlich sehr gewohnt. Variantenreichtum zeigte sich besonders an Stellen, an denen das Skript es so verlangte. Außerdem waren selbst die weitläufigeren Areale doch recht linear gestaltet.

Angenehm fiel mir der Schwierigkeitsgrad der Rätsel auf. Hier wird man zum Nachdenken angeregt, ohne überfordert zu sein. Zumindest auf mittleren Einstellungen: Denn genau wie die Kämpfe oder Akrobatikeinlagen, lassen sich die Knobelaufgaben einzeln im Schwierigkeitsgrad verändern.

Tags: Singleplayer  

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