Test State of Mind: Ein gelungener Sci-Fi-Thriller

von Franziska Schulz (14. August 2018)

Im neuen Abenteuer von Daedalic Entertainment helft ihr einem verdrossenen Journalisten seine Familie wiederzufinden. Stück für Stück setzt ihr die Ereignisse der Geschichte zusammen, lernt die Vergangenheit der Charaktere und die dunklen Facetten einer Cyber-Gesellschaft kennen.

Daedalic Entertainment ist ein deutsches Entwicklerstudio mit Sitz in Hamburg. Es ist vor allem bekannt durch seine „Point and Click“-Abenteuer mit intensiv erzählten Geschichten, wie Edna bricht aus oder Deponia. Auch das neue Spiel State of Mind lebt von diesen Spielelemten: Ein spannend erzählter "Science Fiction"-Thriller in einer dystopischen Vision der nahen Zukunft. Wir haben uns dem Abenteuer angenommen und berichten, was ihr von dem Spiel erwarten könnt.

Die Geschichte spielt im Jahr 2048 in Berlin. Das Weltbild ist von den Fortschritten der Technologie geprägt. Große Datennetze, AR-Technologie und Künstliche Intelligenzen gehören zum Alltag. Roboter übernehmen sämtliche Dienstleistungen: Sie sind Kindermädchen, Haushaltshilfen, Prostituierte und Polizisten. Die Menschen genießen die vielen Vorzüge der Digitalisierung und gleichzeitig werden sie von Datennetzen und der Kontrolle des Staates erdrückt.

Im Story-Trailer erhaltet ihr bereits einige Einblicke in die düsteren Machenschaften von State of Mind:

Die Welt wirkt düster, die Menschen tragen dunkle Farben und ziehen Kapuzen über ihre Köpfe. Die politische Lage ist instabil, jeden Tag hört ihr in den Nachrichten wie sich der Konflikt zwischen 'dem Osten' und 'dem Westen' zuspitzt, noch dazu wird Berlin seit einiger Zeit von Cyber-Terroristen heimgesucht.

Total Recall lässt grüßen

Gleich zu Beginn schmeißt das Spiel euch mitten ins Geschehen. Ihr seht in schnell aneinandergereihten Szenen Explosionen, schreiende Menschen und Chaos. Ein gewisser Richard Nolan wird in einem Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert. Als er aufwacht, erinnert er sich an nichts. Der Arzt sagt, er hätte einen Autounfall gehabt. Seine Familie, seine Frau Tracy und seinen Sohn James kann er sich ins Gedächtnis zurückrufen. Zurück zu Hause sind die beiden nicht aufzufinden, stattdessen trifft er auf einen Roboter namens Simon – Richard hasst Roboter.

Protagonist Richard Nolan im futuristischen Berlin. Die Polygongrafik erschafft eine wunderschöne Kulisse.Protagonist Richard Nolan im futuristischen Berlin. Die Polygongrafik erschafft eine wunderschöne Kulisse.

Als Journalist bei einem der größten Medienunternehmen des Westens, ist Richard schon seit Jahren einer der wenigen Kritiker der digitalen Welt und der Künstlichen Intelligenz, die seiner Meinung nach droht, die Gesellschaft zu übernehmen.

Er findet einen Nanoscan von seiner Frau auf dem Schreibtisch liegen, einen Scan den die Regierung seit kurzem durchführt, um Menschen für die Besiedlung des Planeten Mars zu rekrutieren. Die Suche nach seiner Familie ist somit dringend und Richard macht gegen seine Prinzipien Gebrauch von illegaler Cybertechnologie, um sie wiederzufinden. Bevor er sich's versieht, steckt er mitten in dunklen Machenschaften, deren Dimensionen er sich nur langsam bewusst wird, die er doch als Journalist immer gefürchtet hatte.

Aber Richard ist nicht der einzige Protagonist der Geschichte. Nach kurzer Zeit wechselt ihr zu Adam Newman, dessen Leben erstaunlich viele Parallelen zu Richards zeigt. Auch er hatte vor kurzem einen Unfall, an den er sich nicht erinnern kann. Er hat eine Frau namens Amy und einen Sohn, John, der im gleichen Alter wie Richards Sohn James ist. Auch ihre Wohnung sieht verdächtig ähnlich aus. Nur scheint die Stadt in der Adam wohnt, City 5, ein viel glücklicherer, hellerer Ort zu sein als das dunkle, schmutzige Berlin – zu glücklich.

Klassisches Spielprinzip mit netten Auflockerungen

Die Spielmechanik ist simpel: Ihr müsst nur gehen und im „Point and Click“-Stil mit Objekten und Personen interagieren, um Dialoge auszulösen oder Information zu sammeln. In den Dialogen könnt ihr entscheiden, wie die Person die ihr gerade spielt, auf Gesagtes reagieren soll. Das hat zwar keinen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte, aber darauf, wie die Menschen mit euch umgehen und was sie euch erzählen. Nur am Ende des Spiels müsst ihr ein paar schwerwiegende Entscheidungen treffen, die den Ausgang der Geschichte bestimmen.

Adam Newman mit seinem Hausroboter Sally. Irgendetwas scheint mit ihr nicht zu stimmen.Adam Newman mit seinem Hausroboter Sally. Irgendetwas scheint mit ihr nicht zu stimmen.

Obwohl ihr nichts tut außer laufen und klicken, entsteht ein großartiger Spielfluss. Ihr werdet von einer Situation zur nächsten gezogen und permanent mit Gefühlswelten und neuen Einblicken in die Welt der Cyber-Gesellschaft konfrontiert. Besonders tiefgründig werden die gesellschaftlichen Einblicke, sobald ihr ab und an auch andere Charaktere spielen müsst. Die Schicksale und die Gedankenwelt dieser helfen euch nicht nur das Gesamtbild der Geschichte zusammenzusetzen, sondern die Cyber-Gesellschaft in all ihren Facetten kennenzulernen.

Zum Beispiel schlüpft ihr in die Rolle einer jungen Frau, die sich mit Cyber-Sex ihr Geld verdienen muss. Der Cyber-Sex funktioniert, wie alle Telefonate in der Welt von State of Mind, über Hologramme. So entsteht eine merkwürdige Intimität zwischen ihr und den Kunden, die ihr mit ihr abfertigen sollt. Darunter ist ein reicher Mann, der sie aufs Übelste erniedrigt. Ihr hab mehrmals die Option den Anruf zu beenden, aber das würde heißen, dass sie nicht genug Geld verdient, um ihre Miete zu zahlen. Also müsst ihr zusehen - und das fällt schwer, obwohl er nicht mal wirklich da ist und sie nicht richtig anfassen kann. Das Spiel thematisiert an vielen Stellen die Frage, was 'echt', also real ist.

Während ihr euch an dieser Stelle vielleicht damit vertröstet, das es nur das Hologram eines Mannes ist und dieses zum Glück nicht 'echt' ist, plädiert ihr an anderen Stellen des Spiels vermutlich für das komplette Gegenteil. Wenn ihr es nicht tut, wird euer Ende definitiv anders aussehen als unseres.

Zwischendurch müsst ihr ein paar Rätsel lösen. Diese sind nicht schwer, aber lockern die eintönige Spielmechanik ein wenig auf und dienen vor allem dazu, Herausforderungen zu symbolisieren, die die Charaktere gerade bewältigen müssen. Wenn Richard zum Beispiel eine Videodatei encodieren muss, müsst ihr ein Bild zusammensetzen.

Stimmungsbild aus Farbe und Klang

Der Look der Polygongrafik funktioniert super. Die Realitätsnähe stellt das Spiel dar, indem es euch mit gesellschaftlichen Schichten oder Problemen, Ängsten und Träumen der Menschen konfrontiert. Die Grafik setzt stattdessen rein auf die Untermalung der Stimmung, zum Beispiel mit der Wahl der Farben. Auch dass die Gesichter der umstehenden Menschen häufig schwer zu deuten sind, trägt zur leicht schwermütigen Atmosphäre bei.

Die Atmosphäre in Richards Welt ist immer etwas düster.Die Atmosphäre in Richards Welt ist immer etwas düster.

Diese Schwermütigkeit wird durch Musik unterstützt. Oft hört ihr im Hintergrund melancholische Klaviermusik vor sich hin plänkeln, bis die Action passiert. Dann steigert euch die Musik mit maschinellen, teils technoiden Klängen in die Dramatik der Situation. Zusammen mit der Grafik wird stets ein ästhetisches Stimmungsbild gemalt, bei dem es sich lohnt, das ein oder andere Mal anzuhalten und zu.

Ein bisschen Kritik gibt es aber schon: Die Steuerung ist in manchen Momenten leider extrem ungelenk. Des Öfteren laufen die Charaktere beim Losgehen nicht in die Richtung in die ihr mit dem Joystick zeigt, sondern im schlimmsten Fall für zehn Sekunden direkt in eine Wand. Erst nachdem ihr wild in alle Richtungen steuert, lenken sie sich wieder normal. Außerdem ist das einzige was den Spielfluss manchmal unterbricht die Masse an Ladebildschirmen. Diese müsst ihr zwar nie länger als zehn Sekunden ertragen, wenn der letzte aber erst dreißig Sekunden – also im Spiel den Weg von der U-Bahn zum Büro – her ist, kann das schon mal nerven.

Meinung von Franziska Schulz

State of Mind spielt sich so wie sich ein großartiger "Science Fiction"-Thriller liest. Zwar erwartet euch kein sehr variatives Gameplay, aber das ist auch gar nicht die Essenz des Spiels. In den kleinsten Details stecken die größten gesellschaftlichen Fragen. State of Mind greift eine unglaubliche Menge an Ängsten und Hoffnungen der Gesellschaft auf und verflechtet sie in der Welt einer Techno-Gesellschaft. Ich würde gerne mehr über interessanten Themen und Ansichten schreiben, die das Spiel aufgreift, doch dann würde ich vielleicht etwas vorwegnehmen.

Die kleinen Mankos der Steuerung und der Ladebildschirme sind schnell vergessen gewesen, da ich sofort mit der nächsten Situation umgehen oder die nächste Information verarbeiten musste. Es hat mir viel Freude bereitet auch die Gegenstände zu untersuchen, die nicht zum Fortschritt der Geschichte beigetragen haben, weil die Entwickler so viele tolle Ideen umgesetzt haben.

Auch die Länge des Spiels mit etwa acht bis zehn Stunden fand ich angemessen. Da die Entscheidungen, die getroffen werden können, das Spiel allerdings kaum beeinflussen, würde ich es nicht nochmal durchspielen, nur um die anderen Enden zu erfahren.

In der Gesamtheit hat Daedalic Entertainment mit einfachsten Mitteln gearbeitet und dabei ein tiefgründiges und bis zum Schluss unterhaltsames Spielerlebnis geschaffen. Für alle die auf Sci-Fi, Thriller oder einfach gut geschriebene Geschichten stehen, ist das Spiel absolut empfehlenswert.

80

meint: Ein spannend erzählter "Science Fiction"-Thriller im modernen "Point and Click"-Stil. Atmosphärisch durchaus gelungen, jedoch nervige Ladezeiten.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer  

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