Wiederverwertung: Ich feiere Remakes - aber nicht alle

(Kolumne)

von Micky Auer (16. August 2018)

Ihr findet, Leon sieht hier seltsam aus? Das passiert, wenn man Original und Remake vermischt.Ihr findet, Leon sieht hier seltsam aus? Das passiert, wenn man Original und Remake vermischt.

Erinnert ihr euch noch an die mitunter recht lautstarke Kritik seitens der Community, als nach der Veröffentlichung der PlayStation 4 der Markt sehr schnell mit Neuauflagen älterer Spiele versorgt wurde? Faulheit, Abzocke, Ideenlosigkeit, "nur aufs schnelle Geld aus"- das waren die Attribute und Aussagen, die von vielen Seiten in Richtung der Publisher gefeuert wurden.

Jetzt, fünf Jahre später, sind sie immer noch am Start. Die Remakes und Remasters von Spielen, deren große Glanzzeit schon weit in der Vergangenheit liegt. Kritik gibt es immer noch, wenngleich es scheint, dass diese nicht mehr so lautstark ertönt. Haben wir uns an die zahlreichen Remakes gewöhnt und deren Existenz als "normal" akzeptiert?

Oder aber haben Konsumenten im Laufe der Zeit vielleicht sogar den Wert von Remakes erkannt und wissen sie mittlerweile zu schätzen? Und noch eine steile These: Hat der eine oder die andere vielleicht sogar begriffen, dass man einen Luxusartikel wie ein Videospiel etwa nicht kaufen muss, wenn man es nicht haben will? Und dass einen die Existenz eines Remakes nicht einschränkt?

Es gibt natürlich noch weitere Unkenrufe, die verlangen, dass Entwickler und Publisher ihre Energien und Ressourcen gefälligst auf die Entwicklung neuer Spiele zu richten haben. Ein kleiner Widerspruch lässt sich in dieser These schon erkennen, zumal die Forderung gerne von genau den Konsumenten kommt, die behaupten, ein Remake wäre nur "schnell hingerotzt". Dann kann es doch gar nicht so ein Ressourcenfresser sein, wie sie behaupten, oder?

Es mag vernünftige Argumente geben, warum ein Remake auch mal keine Existenzberechtigung hat. Aber darum geht es hier gar nicht. Denn ich - ja, ich ... ich gebe es zu: Ich bin sehr froh darüber, dass es so viele Remakes gibt. Und das hat seine Gründe.

Große Skepsis zu Beginn der Remake-Welle

Ich habe noch ein Geständnis zu machen. Anfangs war ich auch eher skeptisch, was die Flut an Neuauflagen betrifft. Als konkretes Beispiel kann ich mich an die Wiederveröffentlichung von DmC - Devil May Cry für die PlayStation 4 erinnern. Der Neustart der "Devil May Cry"-Reihe hat viel Fan-Kritik eingesteckt, die sich - so meine Vermutung - auf die Verkaufszahlen ausgewirkt hat.

Zu früh? Ich fühlte mich durch das viel zu schnell erschienene Remake von DmC betrogen.Zu früh? Ich fühlte mich durch das viel zu schnell erschienene Remake von DmC betrogen.

Neuveröffentlichungs-Weltmeister Capcom (sieben Versionen von Street Fighter 2 in beinahe 40 Veröffentlichungen für verschiedene Plattformen) hat dann wohl eine technische Anpassung vorgenommen und das Spiel nochmal für die neue Hardware auf den Markt gebracht. Und das gerade mal zwei Jahre nach dem ursprünglichen Release.

Ich fühlte mich betrogen. Zwei Jahre sind aus meiner Sicht recht kurz. Ich hatte das Spiel neuwertig zum Vollpreis gekauft, plötzlich - zumindest gefühlt plötzlich - kommt es in einer aufgemotzten Version zu einem geringeren Preis raus. Rein impulsiv richtete ich meine Kritik in Richtung Capcom, weil ich deren Veröffentlichungspolitik schon seit langem anprangere. Dabei ist mir bequemerweise entgangen, dass andere große Studios wie Naughty Dog und Square Enix dahingehend auch nicht besser sind.

Im Sommer 2013 kam von Naughty Dog das grandiose The Last of Us. Nur ein Jahr später kommt eine Version für PS4 auf den Markt. Square Enix hingegen startet Tomb Raider auf PS3 und Xbox 360 erfolgreich neu. Es hat nicht mal ein Jahr gedauert, bis die verbesserten Versionen für die neuen Konsolen erschienen sind.

Warum das geschieht, sollte klar sein: Ein Publisher kann es sich nicht leisten, die Chance auf eine Veröffentlichung zu verpassen, speziell wenn eine neue, stärere Hardware zur Verfügung steht. Solche knapp gesetzten Veröffentlichungspläne jedoch sind es wohl, die dazu beigetragen haben, dem Ansehen von Remakes zu schaden. Jetzt könnte man natürlich streiten, wie sich denn ein Remake genau definiert. Muss erst eine bestimmte Zeit vergehen, bis ein Spiel als Remake erneut erscheinen darf, um auch als Remake bezeichnet zu werden? Oder ist der Sprung von einer schwächeren auf eine stärkere Hardware schon als Remake zu betrachten?

Die Verkleidung solcher Produktionen mit schillernden Worten im Stile von "Definitive Edition" nützt dann auch nicht mehr viel. Remakes hatten nun mal recht schnell den Ruf weg, einfach nur unnötig zu sein. Im Falle von Konsumenten, die sich das Original zeitnah zum Vollpreis gekauft haben, entsteht nur noch mehr Frust, weil sie sich hintergangen fühlen.

Der Moment, als es "Klick" gemacht hat

Meine persönliche Einstellung gegenüber Remakes wandelte sich recht bald von Abneigung zu Gleichgültigkeit. Es war mir egal, was da neu aufgelegt wurde, denn für mich war das meiste davon kalter Kaffee, Schnee von gestern, Spiele, die ich bereits kenne und besitze, für die ich nicht nochmal zahlen will. Und wiederum ist mir ein Aspekt entgangen, für dessen nachträgliche Erkenntnis ich mich schäme: Ich bin nicht jeder andere.

Schwer verständlich? Dann ein Beispiel: Ich bin kein Fußball-Fan. Es interessiert mich nicht. Das hält Millionen Menschen nicht davon ab, diesen Sport zu feiern. Ich sehe keinen Grund, ihnen den Spaß nicht zu gönnen. Daran teilhaben muss ich ja nicht. So ähnlich gestaltet sich das auch mit Remakes.

Es gibt sicher zahlreiche Menschen, die nun mal nicht jedes Original bereits gespielt haben, die sich vielleicht Spiele zum Zeitpunkt ihres Erscheines nicht leisten konnten, sie einfach übersehen haben oder deren Interesse dafür erst später geweckt worden ist. Die haben nun die Möglichkeit, eine verbesserte Version, oft sogar zum geringeren Preis zu ergattern. Oder aber sie erhalten durch Remakes die Gelegenheit, großartige Videospiele zu erleben, deren Ursprung so weit in der Vergangenheit liegt, dass sie gar keine Möglichkeit haben, sich entsprechende Soft- und Hardware bereitzustellen, um die Originale zu spielen.

Und siehe da: Plötzlich gehöre auch ich zu dieser Gruppe von Menschen. Schuld daran ist Tales of Vesperia. Dieses JRPG aus der renommierten Tales-Reihe erschien vor knapp zehn Jahren erstmal nur in Japan, in Folge dann auch für Xbox 360 in Europa. Nun, ich hatte nie eine Xbox. Das Spiel ist mir aus oben genannten Gründen einfach durch die Lappen gegangen.

Grund zur Vorfreude: Tales of Vesperia erscheint als Remake

Jetzt ist es für das vierte Quartal dieses Jahres für PlayStation 4 angekündigt. Mit verbesserter Technik und zusätzlichen Inhalten. Werde ich zuschlagen? Oh ja, und wie ich zuschlagen werde! Meine Vorfreude ist groß, zumal ich ein Fan der Serie bin. Wenn ihr dieses aufgeregte, leicht hibbelige Gefühl kennt, das mich beim Gedanken an dieses Remake überkommt, überlegt Folgendes. Vielleicht erwischt es euch dann auch:

Wolltet ihr vielleicht schon immer mal Resident Evil 2 spielen, habt aber weder das Spiel noch eine alte PlayStation dazu? Kein Problem. Es kommt in komplett überarbeiteter Form wieder auf den Markt. Fandet ihr, dass es auf der Wii U doch einige Spiele gab, die ihr gerne gespielt hättet, die aber nicht den Kauf der Hardware rechtfertigen würden? Nintendo bringt viele dieser Spiele nun auf Nintendo Switch, oft in verbesserter Form.

Und nicht zu vergessen: Klassiker wie Shenmue und dessen Fortsetzung, die es in grauer Vorzeit nur auf Dreamcast gab, erscheinen bereits nächste Woche für aktuelle Plattformen, in Vorbereitung für den dritten Teil, der lange genug auf sich warten ließ. Wie viele Leute kennt ihr, die eine Dreamcast besaßen oder sogar noch immer besitzen? Jetzt könnt ihr endlich rausfinden, warum Fans der ersten Stunde leuchtende Augen kriegen, wenn sie über Shenmue sprechen.

Shenmue: Fast 20 Jahre nach der Veröffentlichung kommt der Klassiker für eine neue Generation von Gamern zurück.Shenmue: Fast 20 Jahre nach der Veröffentlichung kommt der Klassiker für eine neue Generation von Gamern zurück.

Und ganz klar: Es gibt sie, die schwarzen Schafe unter den Remakes. Das lieblos verpolygonisierte Secret of Mana etwa, oder das belanglos auf eine bessere Auflösung gepeitschte Assassin's Creed - Rogue. Ersteres transportiert in keiner Weise den Charme, der das Original zur Legende werden ließ, letzteres ist im besten Fall belanglos und bietet keine Besonderheit durch die Neuauflage. Von solchen Beispielen gibt es sicher noch mehr.

Und ja: Es steht ganz sicher ein wirtschaftlicher Aspekt hinter dem Vorhaben, ein bereits fertig entwickeltes Spiel erneut auf den Markt zu werfen, und das für vergleichsweise geringen Aufwand. Es mag eine Möglichkeit sein, relativ schnellen Profit einzufahren. Aber ist das Prinzip deswegen schlecht? Geld, das auf diese Weise verdient wird, kann in Neuentwicklungen einfließen. Martklöcher, wie zum Beispiel die Sommerzeit, bieten für geringes Geld große Spiele, auch wenn es sie bereits einmal gab. Bekannte Namen bringen unbekannte Hardware voran und helfen dabei, deren Standfestigkeit zu sichern.

Und will ich irgendwann auch mal ein Remake von Vagrant Story sehen? Ja, will ich. Aber bitte richtig.

Tags: Remake  

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