The Dark Pictures Anthology: Ein neuer Meilenstein des Horror-Genres?

(Kolumne)

von Franziska Schulz (31. August 2018)

Die "Until Dawn"-Entwickler arbeiten derzeit nicht nur an einem einzigen Spiel, sondern an einer ganzen Anthologie von Horror-Spielen. Als Gänsehaut-Fan träume ich jetzt schon von Geschichten aus der Gruft.

Auf der gamescom kündigte das Studio Supermassive Games sein neues Horror-Abenteuer Man of Medan an. Dieses soll eine Reihe von Horror-Spielen einleiten, von denen jedes komplett unabhängig von den anderen sein soll - mit einer neuen Geschichte, neuen Charakteren und rund um jeweils ein anderes Horror-Subgenre.

The Dark Pictures - Man of Medan: Seereise ohne Wiederkehr - Ankündigungstrailer

Dieses Konzept wurde bisher häufig mit der aktuell beliebten Netflix-Serie Black Mirror verglichen, bei der ebenfalls jede Folge für sich alleine steht. Meine Hoffnung ist, dass The Dark Pictures Anthology ein Black Mirror für Horrorspiel-Fans wird und dabei nicht das vergisst, was für diese Fans am wichtigsten ist, und das sind eben nicht nur Gore und Schreckmomente.

Gruseln ist cool, aber nur die halbe Miete

Das erste Buch, das ich in meinem Leben mit gerade Mal sechs Jahren gelesen habe war Der Werwolf aus den Fiebersümpfen, aus der Horror-Buchreihe Gänsehaut von R. L. Stine (Vielen Dank auch liebe Eltern, für dieses durchdachte Geschenk). Stine schrieb über alles: Böse Clowns, verfluchte Puppen, nachtragende Geister, Zombies, Vampire, Werwölfe, Flüche und so weiter. Seitdem war ich von Mysterien, Legenden und Geistergeschichten angefixt.

Geschichten aus der Gruft: Wer kennt noch diesen sympathischen Gentleman, der uns die besten Gutenachtgeschichten erzählt hat?Geschichten aus der Gruft: Wer kennt noch diesen sympathischen Gentleman, der uns die besten Gutenachtgeschichten erzählt hat?

Aber es gab noch eine Reihe von Horrorgeschichten, von der ich, wie viele andere auch, nicht genug kriegen konnte: Geschichten aus der Gruft. Zuerst die kindergerechte animierte Variante und später die originale Version, deren Geschichten weitaus mehr Drogen, Sex und Gewalt beinhalteten. Sie basierten auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Johnny Craig und Al Feldstein aus 1950er-Jahren.

Die Supermassive-Entwickler sind Horror-Fans und ich habe vollstes Vertrauen, dass sie es mit The Dark Pictures schaffen, ein ähnliches Meisterwerk ins Leben zu rufen. Es gibt nur eine kleine Sorge:

Die Erinnerungen an die alten Meisterwerke zeigen mir etwas sehr Wichtiges: Niemand hat sich beim Lesen und Zusehen wirklich in die Hose gemacht, sondern maximal ein bisschen gegruselt. Die Faszination wurde viel mehr durch die Konfrontation mit Mythen und Legenden des Übernatürlichen erzeugt. Ich hoffe, das sehen auch die Supermassive-Entwickler so, denn auf lange Zeit wird die Reihe meiner Meinung nach nicht wegen Schreckmomenten und Jump-Scares überleben, sondern weil urbane Legenden zum Leben erweckt und spannend aufbereitet werden.

Bisher bin ich guter Dinge, dass Supermassive das auch so sieht. In einem Interview erzählte uns Tom Heaton, der Game Director von Supermassive, sie seien zu der Idee einer Anthologie gekommen, weil sie ihnen die Freiheit gibt, alle Subgenres der Sparte Horror zu erkunden und mit ihnen zu spielen. Musik in meinen Ohren.

Men of Medan - Was euch erwarten könnte

Die Geschichten der Dark Pictures Anthology sollen auf Mythen basieren, die bereits in der realen Welt kursieren. So basiert das erste Szenario auf dem Mythos vom verunglückten Dampfschiff Ourang Medan, den ihr mit ein wenig Recherche im Internet - ganz nüchtern widergegeben auf Wikipedia - ausfindig machen könnt. Basierend auf dem Wikipedia-Artikel und dem Blog skittishlibrary hier eine kleine Vorschau, worauf ihr euch in etwa gefasst machen könnt:

1948 berichtete eine holländisch-indonesischen Zeitung von der Geschichte, die sich etwa im gleichen Zeitraum abgespielt haben soll. Die Ourang Medan soll sich in der Nähe von den Marshall Islands aufgehalten haben (In späteren Versionen war es in der Nähe von Malacca), als sie eine Botschaft als Morse-Code aussendete, die wie folgt Lautete: "S. O. S. von Ourang Medan ... Wir treiben. Alle Offiziere im Navigationsraum und auf der Kommandobrücke sind tot, einschließlich des Kapitäns ... Ich sterbe."

Ein Auschnitt aus dem Trailer: Vielleicht die toten Matrosen der Ourang Medan?Ein Auschnitt aus dem Trailer: Vielleicht die toten Matrosen der Ourang Medan?

Diese Nachricht wurde unter anderem vom Schiff Silver Star gehört, das Rettungsboote aussendeten. Nachdem diese die Medan erreichten, trafen die Matrosen auf einen schaurigen Anblick. Die gesamte Besatzung, einschließlich des Schiffhundes, war tot und lag mit starrenden Augen und aufgerissenen Mündern auf dem Deck verteilt. An ihren Körpern sollen keine Kampfspuren oder ähnliche Wunden zu sehen gewesen sein. Während der Inspektion wurde ein Feuer entdeckt und die Matrosen verließen das Schiff, das kurz danach explodierte und sank.

Es wäre kein Mythos, wenn nicht über zehn verschiedene Versionen der Geschichte im Internet kursieren würden. Aber genau das ist ja das wunderbare an Mythen und Legenden, es gibt unendlich viele Details, die die Entwickler aufgreifen können.

Die ganze Welt ist ein Spukhaus

Am meisten würden sich Horror-Fans wie ich vermutlich freuen, wenn sich Supermassive Games nicht nur Legenden der westlichen Welt bedienen würde, sondern zum Beispiel auch aus der asiatischen oder afrikanischen Kultur.

In Japan und China zum Beispiel stehen im Zentrum von Horror vor allem rachsüchtige Frauengeister, die von ihren Ehemännern ermordet oder betrogen wurden und nach ihrem Tod zurückkehren. Dieser Trend, der aus der Edo-Zeit stammt, wurde in den vergangenen Jahren in der japanischen Film- aber auch Anime- und Manga-Kultur wieder aufgegriffen. Die Filme Der Fluch und Der Ring, sind zwei bekannte Beispiele. Aber es gibt auch noch menschenfressende Dämonen, Hausgeister und viel mehr, wie ihr zum Beispiel bei Univie nachlesen könnt.

Oiwa: Der Geist einer Frau, die von ihrem Ehemann vergiftet wurde. Oiwa: Der Geist einer Frau, die von ihrem Ehemann vergiftet wurde. (Quelle: Univie)

Im afrikanischen Raum gibt es magische Masken, sagenumwobene unbesiegbare Kriegstämme und nicht zu vergessen den Voodoo-Zauber, der im späten 19. Jahrhundert durch die Sklavenschiffe auf in den Süden der USA gebracht wurde.

Es gibt noch so viel mehr Kulturen die alle ihre ganz eigenen Horror-Genres besitzen, von denen jedes einzelne unzählige Figuren und Legenden enthält. Wenn Supermassive Games es richtig macht, werden unsere Kinder und Enkelkinder sich noch an der Anthologie erfreuen.

Hat euch die Ankündigung der Anthologie auch sofort an Gänsehaut oder Geschichten aus der Gruft erinnert? Seht ihr das mit der Faszination der Mythen genauso wie ich, oder wollt ihr einfach nur so richtig erschreckt werden?

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