Vorschau The Sinking City: Ein Abstieg in den Wahnsinn

von Micky Auer (02. September 2018)

Eine versinkende Stadt voller dunkler Visionen, unerklärlicher Vorkommnisse und dem Gefühl, dass der Wahnsinn hinter jeder Ecke lauert: Willkommen in Oakmont, dem Schauplatz von The Sinking City.

Ich kann es nicht leugnen, sie faszinieren mich endlos, die Geschichten und Szenarien, die von Mächten außerhalb der menschlichen Wahrnehmung erzählen, von galaktischen Entitäten, die die Menschheit als nicht mehr als einen kurzweiligen Zeitvertreib betrachten, von immerwährenden kosmischen Explosionen, die selbst in ihrem eigenen Wahnsinn versinken und nur durch die Musik ewig spielender Musikanten, die durchs All treiben, gebändigt werden können.

Wer nach diesen Zeilen denkt, ich sei komplett geistesgestört, mag vielleicht ein klein wenig Recht haben. Wer aber darin Aspekte aus den Geschichten des amerikanischen Autors H.P. Lovecraft erkennt, weiß genau wovon ich rede. Warum diese schwülstige Einleitung? Weil das Spiel The Sinking City bis zum Hals in den Mythen und Legenden steht, die Lovecraft und noch viele weitere Autoren geschaffen haben. Und weil ein gewisser Schwulst nun mal ein wichtiger Teil der viktorianischen und postviktorianischen Romantik ist, die sich ebenso durch das Spiel zieht wie die Atmosphäre der literarischen Werke, aus denen es seine Inspiration zieht.

Begleitet uns auf eine Reise mit ungewissem Ausgang. Eine Reise, die wir bereits im Zuge der kürzlich zu Ende gegangenen gamescom kurz am eigenen Leib erfahren durften.

Visionen, Albträume und viele offene Fragen

Die Überschrift fasst den Einstieg in The Sinking City schon recht knackig zusammen. In der Rolle des Charles Reed erwacht ihr in Oakmont, eine US-amerikanische Stadt in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Reed, ein ehemaliger Matrose der US Navy, wird seit dem mysteriösen Verschwinden seines Schiffes im Ersten Weltkrieg von Visionen finsterster Natur - oder eher Widernatur - heimgesucht.

Nun wacht er in Oakmont auf, eine Stadt, die durch eine Flut halb unter Wasser liegt. Warum er hier ist, wie er hierhergekommen ist und was der Auslöser für die Überschwemmung von Oakmont ist - das alles ist ihm nicht bekannt. Somit habt ihr als Spieler ein Ziel vor Augen: Findet heraus, was zum Henker das alles soll!

Das Mysterium, das The Sinking City von Anfang an umgibt, wird von Entwickler Frogwares gekonnt inszeniert. Atmosphärisch hat das ukrainische Studio bereits mit seiner "Sherlock Holmes"-Reihe Erfahrung gesammelt. Jedoch wird hier der Regler für Düsternis ein ganzes Stück weit nach oben gedreht. Gleichzeitig folgt das Team auch seiner erprobten Formel: Ihr sollt im Spiel einen Fall lösen. Dazu gehört das Verhör von Bewohnern der Stadt sowie das Sammeln von Hinweisen. Mit diesen Einzelteilen setzt ihr dann ein schlüssiges Bild zusammen.

Unerlässlich ist dabei euer treues Notizbuch, in dem ihr alle Hinweise sammelt. Im Zuge der Verhöre können sich verschiedene Wege ergeben, wie das Gespräch verläuft. Dazu stehen euch unterschiedliche Dialogoptionen zur Verfügung. Welchen Weg ihr durch die zahlreichen Gespräche wählt und welche Informationen ihr dabei erhaltet, hat Auswirkungen auf das Spielgeschehen und führt zu einer von mehreren unterschiedlichen Endsequenzen.

Nun könntet ihr fröhlich von einer Person zur nächsten gehen und Aussagen sammeln, wäre da nicht ein Hindernis: Euer Verstand. Der kommt euch nämlich in Oakmont mehr und mehr abhanden. Wenn Personen in den Büchern von Lovecraft auf eines der uralten Wesen treffen, ist es meist um ihren Verstand geschehen, denn diese Wesen sind so unerklärlich, so unfassbar, das der menschliche Geist bei ihrem schieren Anblick einfach zerbricht.

Zwölf Minuten spielbare Szenen: So spielt sich The Sinking City.

Dieser Aspekt spiegelt sich im Spiel dadurch wieder, dass Charles Reed ein Stück seiner geistigen Gesundheit verliert, wenn er einen besonders verstörenden Hinweis findet. Dadurch sinkt seine Fähigkeit klar zu denken und er fängt an Dinge zu sehen, die möglicherweise gar nicht da sind. Nun könnte man um gefährliche Hinweise einen großen Bogen machen, jedoch sind selbst auf den ersten Blick optionale Informationen oft entscheidend dafür, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt.

Diese Mechanik erinnert ein wenig an Eternal Darkness von 2002. Mit einem wichtigen Unterschied: Während Eternal Darkness bei sinkender geistiger Gesundheit angefangen hat, mit eurem Verstand Spielchen zu treiben (Ton geht aus, Spiel gibt vor abzustürzen, die Spielfigur schrumpft oder ihr Kopf explodiert einfach so), beschränkt sich der Wahnsinn in The Sinking City rein auf die Wahrnehmung von Charles. Gott sei Dank!

Ganz im Sinne des Autors

Auch wenn Oakmont zum größten Teil von einer Flut verschlungen wurde und folglich unter Wasser steht, so könnt ihr dennoch die gesamte Stadt erkunden. Die überfluteten Teile befahrt ihr an Bord eines kleinen Motorbootes. Die sieben großen Bezirke der Stadt sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Jede Straße hat einen Namen, es gibt optische Eigenheiten, die spezifisch für jeden Abschnitt sind. Aufgrund der Größe der Areale gibt es auch sinnvollerweise eine Schnellreisefunktion.

"Selbst der Tod mag sterben" - Lovecraft lässt grüßen.

Neben der Gefahr für Charles' Verstand gibt es aber auch Gefahren für Leib und Leben. Und zwar in Gestalt undefinierbarer Kreaturen, gegen die ihr stellenweise mit Schusswaffen kämpfen müsst. Wer Lovecraft kennt, der weiß, dass es sich hierbei um unsägliche Hybridwesen handeln kann, die nicht gänzlich irdischen Ursprungs sind.

Und damit schließt sich der Kreis. Wie uns die Entwickler verraten haben, ist The Sinking City nicht nur an Lovecrafts berühmtestes Werk "Cthulhus Ruf" angelehnt, es will sich voll und ganz in den gesamten Mythos einreihen. Und genau so wollte es der Autor auch: Das von ihm geschaffene Universum soll wachsen und nicht nach seinem Tod stagnieren. Andere Künstler sollen etwas dazu beitragen, die Welt und die Geschichten erweitern, ebenso neue Figuren erschaffen und den Mythos weiterführen.

Frogwares hat diese Aufgabe bisher gut erfüllt. Wie sich The Sinking City dann nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch als Spiel schlägt, erfahrt ihr voraussichtlich am 21. März 2019, wenn das etwa dreißig Stunden dauernde Abenteuer für PS4, Xbox One und PC erscheinen soll.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Horror  

Ein Spiel schafft es, die Gaming-Welt zu einen

RDR2: Ein Spiel schafft es, die Gaming-Welt zu einen

Red Dead Redemption 2 ist in vielerlei Hinsicht bedeutsam. Eines der größten Kunststücke von Rockstar (...) mehr

Weitere Artikel

Letzte Inhalte zum Spiel

Release-Datum und Collector's Edition vorgestellt

One Piece - World Seeker: Release-Datum und Collector's Edition vorgestellt

Eigentlich hätte One Piece - World Seeker noch dieses Jahr erscheinen sollen, aber bereits im September hat Herste (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

The Sinking City (Übersicht)
* gesponsorter Link