Streaming statt Hardware: Das denkt die Community über die Zukunftsvision

(Special)

von Franziska Schulz (03. September 2018)

Die Zukunft der Videospielbranche wird vom Streaming bestimmt. Das denken anscheinend Konsolenentwickler und Publisher. Die Community versteht diesen Gedankengang zwar, aber äußert ihre Zweifel an dieser großen Vision.

Während Videospiel-Fans schon auf die nächste Konsolengeneration warten und diverse Informationen und Gerüchte sammeln, scheinen die Konsolenentwickler und Publisher mit den Gedanken schon viel weiter in der Zukunft zu sein – in einer Zukunft, in der es keine Konsolen-Hardware mehr gibt und Spiele keine Besitzware, sondern nur Leihgabe sind.

Den ersten Schritt in diese Richtung wird Microsoft vermutlich schon mit seiner nächsten Hardware-Generation machen und auch Publisher wie Ubisoft äußerten sich klar in diese Richtung. Die Community reagiert darauf mit einigen berechtigten Zweifeln und Sorgen.

Eine Zukunft ohne Konsolen

Kurz nach der E3 kündigte Phil Spencer an, dass Microsoft an neuen Konsolen – im Plural – arbeiten würde. Wie wir euch berichteten hat das Technologie-Magazin Thurrott, das sich zuvor schon als verlässliche Quelle erwies, einige Informationen diesbezüglich ausgegraben. So soll es in der nächsten Generation nicht nur ein traditionelles lokales Gerät geben, sondern zusätzlich eine Cloud-Streaming-Box, die unter dem Projektnamen "Scarlett" entwickelt wird.

Dank dieser Box soll ein Teil der Spiele lokal laufen und der andere Teil auf Microsoft-Servern. Die Streaming-Box dient dazu, die Fragmente zusammenzusetzen. Aufgrund der hohen Dichte an Microsoft-Servern weltweit, soll die Latenz für das Streaming kein Problem mehr darstellen.

Konsolen könnten in der nicht allzu fernen Zukunft schon genauso antik wirken wie ein Walkman.Konsolen könnten in der nicht allzu fernen Zukunft schon genauso antik wirken wie ein Walkman.

Doch auch von Seiten der Publisher steht Streaming im Zentrum der Zukunftsvision. Der Geschäftsführer von Ubisoft, Yves Guillemot, erzählte IGN auf der gamescom, dass Maschinen immer leistungsfähiger und Datentransfer immer effizienter werden würde, wie wir kürzlich berichteten. Ab einem bestimmten Punkt sei die Tradition, sich alle paar Jahre ein verbessertes Gerät zu kaufen, einfach überholt und Spieler hätten eine weitaus bessere Erfahrung mit dem Streamen von Spielen.

Die Community zweifelt an der Umsetzbarkeit

Die Community brachte dieser Vision viele Zweifel entgegen, zum Beispiel im Forum Resetera. Aus den Kommentaren lassen sich drei große Kritikpunkte formen. Zunächst wäre da das Problem, dass die Internetverbindung in den meisten Ländern der Welt keine ausreichende Leistung bereitstellt.

"Ich habe das Gefühl, dass ist nur möglich, wenn ein stabiles, qualitativ hochwertiges Internet allgemein gültig ist, was definitiv in den meisten Ländern der Welt gerade nicht der Fall ist." - Nuberfox

"Manchmal, wenn ich solche Artikel lese, fühle ich mich, als wäre ich der einzige der sich mit schwachen Wi-Fi-Signalen rumschlagen muss: Die Router müssen reseted werden, die Verbindung ist unerklärlich langsam und bricht einfach ab, ohne, dass du selbst was dafür kannst - und das wöchentlich, wenn nicht sogar täglich.

Ich bezahle viel lieber für eine Hardware als mich mit den Problemen rumzuschlagen, die die Zukunft des Streamings bringen wird." - Joco

In Zukunft wird alles leistungsfähiger. Seht euch an wie krass der Trailer zu Battlefield 5 mit NVIDIA-Grafikkarte aussieht:

Ein anderer User schließt sich dieser Meinung an und führt weiter aus, dass es, bis die Welt soweit ist, Alternativen geben muss und nennt die Idee von Microsoft, zwei Geräte - ein lokales und eines zum Streamen - anzubieten, als gutes Beispiel:

"Es wird auf jeden Fall passieren, aber für eine lange Zeit muss es noch eine Alternative geben. Es gibt zu viele Orte auf der Welt ohne ordentliche Internet-Verbindung. (...) Ich mag was Micrsoft machen will, mit der Wahl zwischen einer leistungfähigen Konsole und einem günstigeren Streaming-Gerät." - FairyEmpire

Der zweite Kritikpunkt ist die Latenz: Viele User glauben nicht daran, dass das Problem der Latenz wirklich gelöst werden kann, denn diese sei allein davon abhängig, wie nah oder fern die Spieler den Severn seien. Es wäre eine enorme Infrastruktur an Server nötig, um zu garantieren, dass keine Latenz-Probleme auftreten.

"Weckt mich auf wenn es null Latenz gibt." - RockmanBN

Selbst wenn diese Infrastruktur existieren würde, ist es schwer vorstellbar, dass alles glatt läuft, wenn ein AAA-Spiel erscheint, das in der ersten Woche Millionen von Menschen gleichzeitig spielen wollen.

Erinnert ihr euch noch an den Launch von Pokémon Go? Die Server waren mehr offline als online und das wiederholte sich auch noch bei zahlreichen "Pokémon Go"-Events. Wie nervig wäre die Vorstellung, wenn das bei PlayStation- oder Microsoft-Spielen passieren könnte, die nach dem Erscheinen auch von Millionen von Menschen gleichzeitig gespielt werden wollen.Erinnert ihr euch noch an den Launch von Pokémon Go? Die Server waren mehr offline als online und das wiederholte sich auch noch bei zahlreichen "Pokémon Go"-Events. Wie nervig wäre die Vorstellung, wenn das bei PlayStation- oder Microsoft-Spielen passieren könnte, die nach dem Erscheinen auch von Millionen von Menschen gleichzeitig gespielt werden wollen.

Da Konsolen immer kleiner werden, aber gleichzeitig mehr Leistung bringen sollen, scheint es ein logischer Schritt, die Rechenleistung von größeren, leistungsfähigeren Maschinen, also von Servern, übernehmen zu lassen. Doch diese Zentralisierung könnte mehr Probleme mit sich bringen als Lösungen, so schildert zum Beispiel dieser User:

"Das Zentralisieren der Rechenarbeit ist vorteilhaft, wenn man nach Lösungen sucht, die eine Menge an gleichen Daten einer großen Menge an Usern zur Verfügung stellen will (wie Webseiten, denkt an YouTube). Aber wenn jeder User seine eigenen Daten braucht, wie bei einem Spiel das in Echtzeit gerendert wird, ist es eine schlechte Lösung.

Zentralisierung bedeutet mehr Hitze, inhärente Lags und hohe Belastung von Systemen, die nur für den Transport von Information zuständig sind. (Router, System Orchestrator).

Endnutzer die Leistung ihrer Geräte nutzen zu lassen und so viel Arbeit wie möglich auf der Klientenseite erledigt zu bekommen ist super, jetzt und in der Zukunft. Warum wollen Firmen eine Zentralisierung? Geld." - Horp

Ein anderer User denkt, Sony und Microsoft würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden, denn sobald das erste fähige Gerät auf den Markt sei, würden Publisher es ihnen nachmachen:

"Microsoft öffnet die Büchse der Pandora mit ihren großen Streaming-Plänen. Sobald sie ordentlich Geld investieren und das erste Gerät auf dem Markt ist, werden Publisher auf den Zug aufspringen und ähnliche Technologie nutzen, um Streaming-Apps für Smart-TVs und Android herauszubringen, vielleicht sogar für ihre eigene Streaming-Hardware." - Gemüsepizza

Spiele nicht kaufen, sondern leihen – Luxus oder Kontrolle?

Zum Streaming gehören mehr als die technischen Tücken, nämnlich auch neue Verkaufsmodelle. Ein erster Vorläufer ist da zum Beispiel PlayStation Now, ein Service, bei dem ihr für eine bestimmte Summe im Monat diverse Spiele spielen könnt, so wie bei Netflix mit Filmen und Serien. Yves Guillemot sagt auf der gamescom, es werde verschiedene Preismodelle geben, wo für jeden etwas dabei sein soll. Der Preis ist allerdings überhaupt nicht die Sorge der Community:

"Irgendwann in der Zukunft, sicher. Bald? Nein. Sie wünschten es sich aber, weil das mehr Kontrolle darüber bedeuten würde, was die Konsumenten spielen, und das sind die feuchten Träume von Publishern." - FarisR

"Natürlich denkt er, Streaming ist die Zukunft, er ist der CEO von Ubisoft. Ein großer Publisher der es lieben würde, die totale Kontrolle über die Spiele zu bekommen. Das würde das Ende vom wirklichen Besitzen der Spiele sein, von Mods und viel mehr. Personen, die Streaming unterstützen, sollten über die Konsequenzen nachdenken." - Santar

Stellt euch vor ihr verliert eure Lieblingsspiele und alle eure Speicherstände, nur weil ihr euer monatliches Abonnement kündigt.Stellt euch vor ihr verliert eure Lieblingsspiele und alle eure Speicherstände, nur weil ihr euer monatliches Abonnement kündigt.

"Also wird der Besitz von Spielen jetzt noch ungreifbarer. Bei einer CD hattet ihr den physischen Besitz. Ihr könnt immer spielen, mit Außnahme von ein paar eingebauten internetbedürftigen Funktionen. Beim digitalen Besitz könnt ihr immer spielen, solange ihr eure Daten auf einem Harddrive gespeichert habt. Beim Streaming, ist euer Recht zu Streamen immer davon abhängig, ob euer Account in gutem Verhältnis mit dem Unternehmen steht, das Bedingungen ändern oder sich gar auflösen könnte." - shadowsdarknes

Die Diskussion, ob das Streaming wirklich die Zukunft der Videospiele sein wird, hat wohl gerade erst begonnen, und auch wenn Publisher und Konsolenhersteller die Zukunft mit Streaming rosarot malen, wird durch die Kritikpunkte der User deutlich, dass es noch ein weiter Weg wäre. Es wirft außerdem die Frage auf, ob die Angelegenheit nicht vielleicht sogar ein bisschen von den Unternehmen forciert wird, anstatt eine natürliche Konsequenz der technologischen Entwicklung zu sein.

Jetzt seid ihr dran. Was denkt ihr über diese Zukunftsvision und in welchem Zeitraum seht ihr sie realisierbar? Welche Argumente der Community würdet ihr unterzeichnen und welchen widersprechen? Schreibt uns in die Kommentare!

Tags: Hardware  

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