Eine Liebeserklärung: Bye Bye, Missis PlayStation 2

(Kolumne)

von René Wiesenthal (06. September 2018)

Mit dem eingestellten Reparatur-Service für Sonys PlayStation 2 geht die Ära der Kult-Konsole offiziell zu Ende. Ausgedient hat sie für viele Spieler aber noch lange nicht. Ich bin einer von ihnen und möchte der ollen Kiste nochmals die gebührende Ehre erweisen. Eine Liebeserklärung.

"Die PlayStation 2 ist nun endgültig tot", so hieß es kürzlich, als der letzte offizielle Service rund um die legendäre Sony-Konsole eingestellt wurde. Ein Tränchen rollte mir über meine vom Lächeln gefalteten Wangen. Denn so traurig wie diese Meldung im ersten Moment klingt, so fröhlich macht es mich, an die PS2 zu denken. An das, was ich mit ihr erlebt habe und das was noch kommen wird.

Auch heute noch ist Kratos eine Ikone. Seine Geburt hatte er auf der PS2 - und so sah sie aus:

Wenn es eines gibt, das wohl alle Konsolen-Gamer gleichermaßen mit dem Release der PlayStation 2 verbinden, dann das: Dieser Moment, in dem uns bewusst wurde "Okay, SO können Videospiele aussehen." Das Gerät hat 3D-Grafik auf Spielekonsolen in neue Sphären gehoben und auch heute noch lassen sich viele Spiele auf der PlayStation 2 ohne Augenschmerzen betrachten und gar ohne Scham als schön bezeichnen.

Kaum verwunderlich also, dass die Konsole die Welt im Sturm eroberte und sie lange im Griff hatte. Die PlayStation 2 ist bis heute die meistverkaufte Spielekonsole aller Zeiten, hat Spieler auf der ganzen Welt in Freude geeint.

Der schwarze Toaster mit dem Herz aus "Wow!"

Und jeder dieser Spieler hat seine individuelle PS2-Geschichte. Meine etwa fing so an:

Es ist der November des Jahres 2000. Meine Mutter und ich gehen in das Elektronikgeschäft unserer Heimatstadt (DAS Elektronikgeschäft - das eine, das es zu der Zeit gab). Für 800 Mark und ein paar Zerquetschte nehmen wir uns den schwarzen Toaster von Sony mit. Ich halte die für mich überdimensional große Tüte auf der Rückbank des Autos so fest, als sei meine Seele darin eingepackt.

Die erste Variante der PS2 war ein klobiger Kasten, alles andere als formschön.Die erste Variante der PS2 war ein klobiger Kasten, alles andere als formschön.

Mein Bruder macht gerade eine Ausbildung und wir holen ihn von der Arbeit ab, um ihn mit dem Spaßkasten zu überraschen. Was folgte, hätte meine Mutter sicher vom Kauf abgehalten, hätte sie es vorher geahnt. Sie hätte es ahnen können, bei unserer Zockervorgeschichte. So musste sie es wieder auf die harte Tour lernen.

Klötze, die die Welt bedeuten

Wir spielten tage- und nächtelang durch. Jedes Mal, wenn wir anschalteten, staunten wir Klötze über die Klötze, mit denen uns der Klotz im Boot-Screen begrüßte. Wir verbrachten allein schon viel Zeit im Menü der Konsole, um uns die coolen dreidimensionalen Speicherstandsymbole auf der Memory Card anzugucken. Viele Wochen vertaten wir uns nur damit, die in der Packung der PS2 enthaltenen Demos immer und immer wieder durchzunudeln.

Fun Fact: Die Klötze stehen für eure Speicherstände auf der Memory Card.Fun Fact: Die Klötze stehen für eure Speicherstände auf der Memory Card.

Es wurde nicht langweilig und der Schnee in SSX sah auch bei der hundertsten Abfahrt aus wie weißes Gold. Als wir eine Funktion entdecken, mit der wir Texturen von PS1-Spielen glätten konnten, schlugen unsere Herzen noch einmal höher. Was für ein Gerät, diese PlayStation 2!

Schnapp sie dir alle oder stirb beim Versuch

Aber so ging es ja auch nicht weiter, immerhin erschloss sich die PS2 einen so großen Markt, dass in den Jahren nach dem Release eine kaum überschaubare Flut an Spielen auf uns einprasselte. Und wir wollten sie haben, alle!

Was brachte sie nicht für Granaten hevor: Geniale und zu ihrer Zeit überragend schöne Rennspiele wie Gran Tourismo 3 - A spec, perfekte Action-Adventures mit Ratchet & Clank, ein Grand Theft Auto 3, das die Serie zum Third-Person-Spiel in einer frei begehbaren Stadt gemacht und die Reihe in höchste Höhen katapultiert hat. Neue IPs, wie etwa die "Devil May Cry"-Reihe und Kingdom Hearts wurden zu Klassikern.

Mein Highlight – und bis heute Dauerbrenner auf der Konsole – war und ist die Masse an hochwertigen JRPGs: Dragon Quest 8, die vielen, vielen "Shin Megami"-Spiele, Grandia 2, Final Fantasy 12, Dark Chronicle, Shadow Hearts - Covenant, Suikoden 4 ... die Liste ließe sich schier endlos weiterführen.

Vor allem wegen der Rollenspiele, deren Geschichten heute noch genauso spannend sind wie zum Release, deren Kampfsysteme heute noch genauso gut funktionieren wie damals, habe ich die PS2 auf alle Zeit liebgewonnen. Sie sind alle an schöne Erinnerungen geknüpft - auch von der Zeit, in der ich sie spielte, den Freunden und meinem Bruder, mit denen ich die Geschichten erlebte.

Ich habe bis heute nicht jedes PS2-Spiel in meiner Sammlung, das ich gerne haben möchte. Auf Flohmärkten oder Verkaufsportalen im Netz ist sie meine Go-To-Konsole für Gebrauchtkäufe. Und jedes Mal, wenn ich eine weitere bisher unergründete Perle in die Hände bekomme, erfüllt es mich mit Wonne. Neben der aktuellen Generation ist die PS2 die einzige Konsole, die dauerhaft an meinen Fernseher angeschlossen ist und das wird wohl auch noch eine ganze Zeit lang so bleiben.

Übrigens ist es die mittlerweile dritte, die ich habe. Toaster Nummer 1 rauchte ziemlich schnell ab. Wir schraubten dran rum, verbauten uns so die Garantieansprüche und kauften einen zweiten Quader für weitere 600 Mark. Auch das Gerät überdauerte die Zeit nicht, und als ich vor einigen Jahren beschloss, trotzdem nicht aufzugeben, bot mir ein guter Freund seine Slim-Variante an, die in diesem Moment in der einzigen Scart-Buchse meines Flatscreen-Fernsehers klemmt. Wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei, mit der PlayStation 2.

Nachruf von Micky

Ich lasse es mir natürlich nicht nehmen, meinem guten Freund und Wegbegleiter, der PlayStation 2, die letzte Ehre zu erweisen. Genau genommen ist unsere gemeinsame Zeit hoffentlich noch lange nicht zu Ende. Denn aktuell befinden sich in meiner Sammlung noch 62 Spiele, die ich noch nicht gespielt habe, 21 weitere, denen ich noch nicht alle Geheimnisse und freischaltbare Inhalte entlockt habe (Ja, liebe Kinder. Früher konnte man das in Spielen immer umsonst machen. Heute heißt das DLC und kostet Geld.) und aktuell noch exakt eines (!), das noch in der Sammlung fehlt.

Suikoden 3: Ein Spiel, das mich zu Tränen gerührt hat. Voraussetzung: Man sollte die ersten beiden Teile sehr gut kennen.Suikoden 3: Ein Spiel, das mich zu Tränen gerührt hat. Voraussetzung: Man sollte die ersten beiden Teile sehr gut kennen.

Daher weigere ich mich, jetzt schon Abschied zu nehmen und hoffe, liebe PlayStation 2, dass du noch weiterhin durchhältst. Denn Haltbarkeit war trotz all der Liebe, die ich dir entgegengebracht habe, nie so sehr dein definierendes Attribut. Mittlerweile vier von deiner Sorte stehen bei mir im Spielezimmer. Eine ganz alte PAL-Maschine, die sich Jahre nach einem Umbau einfach mal geweigert hat, irgendwas abzuspielen. Eine nicht ganz so alte PAL-PS2, die mittlerweile oft arg stottert. Das NTSC-Gerät, das mir so viele Spiele ermöglicht hat, die es hierzulande nicht gab und ... die silberne Slim von einem Freund, der sie nie richtig genutzt hat. Sagen wir einfach, ich verwalte das Gerät für ihn.

Aber wer stellt sich schon viermal die gleiche Konsole in den Bau? Doch nur jemand, der sie liebt! Und diese Liebe soll so schnell nicht enden. Ich liebe dich, PlayStation 2, und ich lass dich so schnell nicht gehen. Auch wenn du mir damals sehr teure Geschenke abverlangt hast (80 Mark für eine Memory Card - Ihr spinnt wohl!).

Tags: Retro   Fun  

Das bedeuten die Namen der Charaktere

Kingdom Hearts: Das bedeuten die Namen der Charaktere

Die Geschichte des Jungen Sora, der sich auf die Suche nach seinen Freunden macht und zugleich die Welt vor der (...) mehr

Weitere Artikel

Datum für Sale und Award-Abstimmungen bekannt

Steam: Datum für Sale und Award-Abstimmungen bekannt

Der Starttermin des Winter-Sales auf Steam wurde kürzlich bekanntgegeben. Dieser fällt a (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Kolumne-Übersicht

* gesponsorter Link