Test Destiny 2 - Forsaken: Willkommen zurück, alter Grind

von Sören Wetterau (10. September 2018)

Destiny 2 ist wie die eine Liebe, vor der jeder einen warnt: Eigentlich hat sie viele offensichtliche Fehler, aber man bleibt trotzdem bei ihr und hofft auf Besserung. So auch mit Destiny 2 - Forsaken, welches den MMO-Shooter wieder einmal retten soll.

Seit dem Erscheinen von Destiny 2 ist etwa ein Jahr vergangen. Zwölf Monate, in denen Bungie vorrangig mit Problemen und enttäuschten Fans zu kämpfen hatte. Trotz eines vielversprechenden Starts konnte der Nachfolger zu Destiny aufgrund schwacher und schnell erreichter Endgame-Inhalte nie so richtig bei den langjährigen Fans zünden.

Der Kredit, den sich die Entwickler vor allem mit Destiny - König der Besessenen aufgebaut haben, war wegen zahlreicher fragwürdiger Entscheidungen verbraucht. In den Folgemonaten zeigten sich viele Veteranen sichtlich enttäuscht von Bungies gefühlt endlosem Kreislauf aus Ankündigungen und nicht eingelösten Versprechen.

Destiny 2 - Forsaken: Legendary Collection - die Inhalte im Überblick

Und somit steht Destiny 2 im Grunde genau da, wo Destiny im September 2015 stand: Am Scheideweg - nur noch einmal eine Ecke schärfer. Dieses Mal geht es nicht nur um die Zukunft der Franchise, sondern eventuell auch um Bungies guten Namen. Noch einen Fehltritt wie Destiny 2 - Fluch des Osiris kann sich das Team für die Stimmung innnerhalb der Community nicht erlauben. Destiny 2 - Forsaken muss auf allen Ebenen überzeugen.

Ein persönlicher Rachefeldzug

Damit das auch wirklich klappt, gibt Bungie von Anfang an Gas. Die Story-Kampagne von Forsaken ist das bislang erzählerisch Beste, was die Reihe zu bieten hat. Zugegeben, die Messlatte dafür liegt angesichts der Vorgänger nicht allzu hoch. Nichtsdestotrotz schaffen es die Autoren dieses Mal sogar ein Stück weit, emotional zu werden.

Für Cayde-6 ist es der vorerst letzte Auftritt:

Der Grund dafür liegt in Cayde-6, dem überaus talentierten Jäger, der meistens nie so richtig weiß, wann er mal den Mund halten sollte. Trotz eines wackeren Kampfes muss sich der Exo-Vertreter im Rahmen eines Einsatzes im Gefängnis der Alten geschlagen geben und bezahlt durch den zurückgekehrten Prinz Uldren einen hohen Preis. Der Tod ist endgültig - und Bungie macht früh klar, dass Destiny wieder ernster werden soll.

Die humorvollen Eskapaden der Hauptgeschichte sind passé, die Rache steht voll im Vordergrund. Uldren und seine acht Barone der neuen Fraktion Scorn sollen für ihre Tat büßen. Der daraus zwangsläufig resultierende düstere Grundton und der Fokus auf Bosskämpfe sind eine angenehme Abwechslung im Vergleich zur ständigen Weltenrettung.

Neue Fraktion, alte Bekannte

Die Scorn sind übrigens keine komplett neue Fraktion. Im Grunde handelt es sich hierbei um wiederbelebte Gefallene und nicht die Einzigen bei denen die Entwickler den Designpinsel geschwungen haben: Fast alle Gegnerarten sind neu, wobei die Abomination gewisse Ähnlichkeiten mit dem Oger der Besessenen nicht leugnen kann.

Wesentlich mehr im Vordergrund stehen jedoch die Barone, die zum einen Prinz Uldren als ihren "Vater" ansehen und zum anderen von den herkömmlichen Gefallenen des Riffs gehasst werden. Wie heißt es doch so schön? Der Feind meines Feindes ist mein Freund, weshalb wir mit unserem Hüter einen Deal mit dem Gefallenen-Boss "Die Spinne" eingehen. Natürlich nur zu einem gewissen Preis ...

Bei den Baronen handelt es sich um zumeist größere und überaus mächtige Scorn-Anführer.Bei den Baronen handelt es sich um zumeist größere und überaus mächtige Scorn-Anführer.

Im Laufe der fünf Missionen langen Kampagne, die um nicht-optionale Abenteueraufträge erweitert wird, kämpfen wir uns anschließend nach und nach zu Uldren vor. Dabei stellen die Kämpfe gegen die einzelnen Barone die Highlights dar, da jeder von ihnen seinen ganz eigenen Schwerpunkt hat.

Der wahnsinnige Bomber lässt uns ständig - wie der Name verrät - riesige Bomben entschärfen, die Betrügerin lockt uns mit gefälschten exotischen Engrammen und Power-Munition und die Reiterin weiß ein gutes Fahrzeug zu schätzen. Diese Bandbreite kommt der Abwechslung auf jeden Fall zu Gute.

Gewohnt gute Schießereien

Keine Sorge, Destiny 2 - Forsaken bleibt im Kern natürlich weiterhin ein fantastisch spielbarer Ego-Shooter. Am hervorragenden Waffengefühl und der Kombination aus Schießeisen und besonderen Fähigkeiten hat Bungie so gut wie nichts geändert. Die Auseinandersetzungen mit Gegnern, die lediglich um ein paar wenige neue Dinge erweitert worden sind, spielen sich so flüssig und intensiv wie eh und je.

Komplett neu im Waffen-Repertoire ist zum Beispiel der Bogen. Pfeile im Weltraum? Das scheint auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, entpuppt sich aber schnell als interessanter Ersatz für das Scharfschützengewehr. Das Schießen mit dem Bogen geht schnell von der Hand und fühlt sich aufgrund des wuchtigen Feedbacks richtig gut an.

Keine Sorge: Flugkurven müsst ihr mit dem Bogen in Destiny 2 nicht berechnen. Einfaches Zielen reicht.Keine Sorge: Flugkurven müsst ihr mit dem Bogen in Destiny 2 nicht berechnen. Einfaches Zielen reicht.

Der Bogen bleibt aber auch die einzige neue Waffen-Gattung in Destiny 2 - Forsaken. Als Ausgleich liefert Entwickler Bungie insgesamt neun neue Superfähigkeiten, jeweils drei für die einzelnen Klassen und die haben es zuweilen echt in sich. Als Hexenmeister könnt ihr im Arkus-Bereich fortan einen riesigen Laserstrahl abfeuern, der Unmengen an Schaden verursacht, während Titanen beispielsweise auf einen riesigen Feuerhammer setzen und sich durch ganze Gegnergruppen wirbeln.

Allerdings lassen sich nicht sofort alle drei Super-Fähigkeiten einer Klasse freischalten. Stattdessen müssen zuvor Lichtsamen gefunden werden, wovon es einen relativ frühzeitig im Verlauf der Erweiterung gibt. Die anderen warten hingegen erst in den Endgame-Aktivitäten.

Alle Hände voll zu tun

Und das sind Aktivitäten, die Bungie enorm ausgeweitet hat und somit dem Kritikpunkt entgegen wirkt, dass Destiny 2 zu wenig Hobby gewesen sei. In der Erweiterung gibt es nach Abschluss der Kampagne jede Menge zu tun und es lohnt sich nahezu jeden Tag, sich auf die Suche nach neuer Ausrüstung zu begeben.

Das liegt unter anderem daran, dass Bungie die ehemals wöchentlichen Meilensteine aufgeteilt hat und nun sowohl im Vier-Tages-Rhythmus als auch täglich neue Herausforderungen bietet, die frische Beute garantieren. Mit dem Hinzufügen von heroischen Story-Einsätzen gibt es zudem eine weitere Möglichkeit, alte Missionen noch einmal neu aufleben zu lassen.

Die Träumende Stadt sieht fast schon malerisch aus. Aber das trügt, überall lauern Gegner.Die Träumende Stadt sieht fast schon malerisch aus. Aber das trügt, überall lauern Gegner.

Damit hört es jedoch nicht auf. Nach dem Finale von Destiny 2 - Forsaken gibt es die Möglichkeit, die Träumende Stadt zu besuchen - ein komplett neues, großes Gebiet, welches extra für hochstufige Spieler ausgelegt ist.

Der Ort gehört zur Heimat der Erwachten und bietet abseits von neuen öffentlichen Events und täglichen Beutejagden zahlreiche Geheimnisse. Manche davon sind offensichtlich und gewähren mitunter Zugang zu Hintergrundinformationen, andere wiederum sind deutlich besser versteckt und benötigen manchmal sogar zuvor die Einnahme einer bestimmten Flüssigkeit, um Zugang zu bekommen. Wer gerne entdeckt, kommt hier auf seine Kosten.

Destiny 2 - Forsaken: Die Träumende Stadt

Neben dem Raid, der aktuell noch geschlossen ist, befindet sich in der Träumenden Stadt außerdem ein neues Gruppen-Event, welches an das Eskalationsprotokoll vom Mars erinnert. Erneut geht es in eine Art Hordemodus mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, bei dem am Ende ein Boss mit spannender Beute wartet.

Zu guter Letzt hat Bungie bereits mit Update 2.0 die Rückkehr von zufälligen Attributen eingeführt. Es lohnt sich also wieder, mehrmals eine Waffe zu erhalten um die bestmöglichen Perks zu besitzen. Hinzu kamen steigende Infusionskosten, das Erfüllen von Erfolgen im Triumphbildschirm, die Jagd nach seltenen Spielertiteln und vieles, vieles mehr. Anders gesagt: Vielspieler haben erstmal wieder deutlich mehr zu unternehmen.

Was ist eigentlich Gambit?

Eine Sache gilt es nicht zu vergessen: Destiny 2 besteht nicht nur aus dem Kampf gegen Monster. Der PvP-Teil ist weiterhin wichtig und erhält, wie es sich für eine Erweiterung gehört, neue Karten. Zudem ist die Spieleranzahl von 8 auf 12 gestiegen, was sich nicht immer positiv bemerkbar macht. Manchen älteren Karten ist es anzumerken, dass sie nicht wirklich für eine so große Spielerzahl ausgelegt sind und sie wirken somit noch enger und überladen. Zusammen mit der verringerten Zeit, die es benötigt, um jemanden zu erledigen, sind die ersten PvP-Gefechte um ein vielfaches schneller, chaotischer und actionreicher.

Ganz neu im PvP-Ring ist Gambit. Ein Modus, den Hersteller Activision bereits Monate vor der Veröffentlichung als große Innovation angepriesen hat. So ganz erfüllt der Mix aus PvE und PvP diese Bezeichnung zwar nicht, aber spaßig ist die Kombination allemal.

Auf der gamescom 2018 haben wir Fans zu ihrem ersten Eindruck von Gambit befragt:

In Gambit treten zwei Vierer-Teams gegeneinander an und kämpfen in jeweils unterschiedlichen Arealen gegen KI-Feinde. Dies können Gefallene, Kabale oder auch die Hive sein. Jeder erledigte Gegner hinterlässt Kristalle, die ihr zu einem Container in der Mitte des Gebietes bringen müsst. Sobald dieser 75 Kristalle erhalten hat, taucht ein großer Bossgegner auf, den es zu erledigen gilt. Das Team, welches als erstes diesen Boss besiegt, gewinnt eine von bis zu drei Runden.

Der große Twist? Je nachdem wie viele Kristalle wir mit einmal abgeben, schicken wir dem Gegnerteam einen besonderen Gegner auf den Hals, welcher zusätzlich die Abgabe temporär verhindert. Zudem öffnet sich beim Erreichen von 25 und 50 Kristallen ein Portal, durch das einer unserer Teamkameraden in das Gebiet der Kontrahenten eindringt. Dort kann er mit zusätzlichem Schild für sehr viel Verwirrung und Chaos sorgen. Sollte sich das gegnerische Team zudem schon im Bosskampf befinden, heilt jede Spielertötung den Besessenen-Krieger und erkauft unserer eigenen Gruppe entsprechend Zeit.

Eine gewisse Problematik

Durch diese Kombination entsteht in Gambit ein durchaus interessanter Konflikt, der aber noch ein paar Problemstellen beherbergt. Zum einen ist es möglich, dass man selbst vom PvP-Part im Grunde fast nichts mitbekommt und sich Gambit somit nur wie ein abgewandelter Hordemodus anfühlt. Zwar teilt das Spiel sehr deutlich mit, wenn ein gegnerischer Hüter die eigene Arena betritt, aber zwischen Effektgewitter, zahlreichen NPC-Gegnern und Schüssen kann das auch mal untergehen.

Die Bank möchte gefüllt werden. Eingespielte Teams haben es im Gambit deutlich einfacher.Die Bank möchte gefüllt werden. Eingespielte Teams haben es im Gambit deutlich einfacher.

Zum anderen kam im Test das Gefühl auf, dass das Matchmaking oft zu unausgeglichenen Teams führt. Wer sich als Solo-Spieler in den Gambit-Modus wagt, muss damit rechnen, dass das Gegner-Team eventuell aus einer kompletten Gruppe besteht, die durch Absprache enorme Vorteile gewinnt. Das führt wiederum zu Frust und schlicht unfairen Matches. Hier müssen die Entwickler auf jeden Fall noch nachbessern. Das Potential für einen ganz besonderen Mix ist auf jeden Fall vorhanden.

Meinung

An dieser Stelle wird Ehrlichkeit verlangt: Ich war sehr skeptisch bezüglich der neuen Erweiterung. Mit Destiny 2 hat Bungie zwar zu Beginn einiges im Vergleich zum Vorgänger verbessert, aber in den Folgewochen stellte sich heraus, dass das Team auch vieles vergessen hat. Der Tiefpunkt folgte mit Fluch des Osiris, ein DLC, welcher schlicht und ergreifend eine riesige Enttäuschung war. Mit Kriegsgeist haben die Entwickler immerhin ein wenig Gutmachung betreiben können.

Umso überraschter bin ich, dass Destiny 2 - Forsaken beweist, dass Bungie es doch noch drauf hat. Die Geschichte rund um Cayde-6 ist für Destiny-Verhältnisse spannend, düster und emotional. Auch wenn ich mich enttäuscht zeigen muss, dass im Turm abseits eines kleinen Restaurants niemand so richtig trauert. Lebhafte und glaubhafte Welt? Fehlanzeige.

Zudem gibt es endlich viel mehr zu tun. Musste ich mich im Hauptspiel von Destiny 2 im Grunde nur einmal pro Woche einloggen, um alle Meilensteine abzuhaken, kann ich nun täglich loslegen und verspüre keine Langeweile. Vor allem das Erkunden der Träumenden Stadt reizt mich aufgrund der vielen versteckten Geheimnisse sehr. Natürlich ist es noch fraglich, wie lange dieser Spaß anhält. Der neue Raid ist beispielsweise noch gar nicht begehbar und auch die Träumende Stadt soll noch um weitere Inhalte ergänzt werden. Wie diese ausfallen, bleibt abzuwarten.

Schlussendlich bleibt noch ein großer Kritikpunkt, der nicht einmal für die Erweiterung selbst gilt: Warum hat es erneut ein Jahr lang gedauert, um die vielen Zahnräder von Destiny 2 richtig zu ordnen? Es ist zudem nicht so richtig erklärbar, warum die Fans erneut Geld ausgeben sollen, um das Spiel zu erhalten, was sie eigentlich von Anfang an verdient gehabt hätten. Trotz, dass Destiny 2 - Forsaken bislang sehr gelungen ist, bleibt da ein Geschmäckle.

83

meint: Inhaltlich gute Erweiterung, die mit einer dramatischen Geschichte und vielen Endgame-Aktivitäten glänzt, aber nicht ohne Schwachstellen bleibt.

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Tags: Multiplayer   Science-Fiction  

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