Test NBA 2K19: Wie das Beste noch besser wird

von Jens-Magnus Krause (11. September 2018)

NBA 2K19 ist der 20. Titel der Basketball-Simulation von Hersteller 2K. Eine Serie, die jedes Jahr alle Sportspiel-Preise abräumt. Nahezu konkurrenzlos, weil konkurrenzlos gut. Die wichtigste Frage: Sind die Entwickler satt oder hauen sie wie jedes Jahr Verbesserungen ohne Ende raus?

NBA 2K19 überzeugt in vielen Bereichen mit unzähligen Detail-Verbesserungen.NBA 2K19 überzeugt in vielen Bereichen mit unzähligen Detail-Verbesserungen.

Der Vorgänger NBA 2K18 vereinte zwei Extreme: Es war das beste und gleichzeitig schlechteste Spiel der Entwickler von Visual Concepts. In vielen Bereichen war der Titel der Höhepunkt der Serie und das Ergebnis der stetigen Verbesserungen fundamentaler Basketball-Spielmechanik auf höchstem Simulationsniveau. Hinzu kam im Karriere-Modus eine noch nie dagewesen, offene Basketballspieler-Welt, die ein Meilenstein für Sportspiele darstellte.

Schlecht war dagegen das jederzeit spürbare Mikrotransaktionen-Modell, welches massiv am Geduldsfaden eines jeden Spielers zerrte. Denn wer direkt zu Beginn für einen neuen Haarschnitt oder eine Bart-Rasur bezahlen soll, ohne auch nur einen virtuellen Cent eingenommen haben zu können, bleibt frustriert zurück. Und tut sich das stundenlange, repetitive Trainieren für bessere Fähigkeiten nicht an. Oder hat auf lange Sicht auf NBA 2K19 gewartet. Und eines ist sicher: Die neue Frisur kostet jetzt kein Geld mehr. Weder virtuelles, noch echtes.

Der lange, steinige Karriere-Weg

Eine Profikarriere in der NBA zu starten ist nicht einfach und genau das spiegelt der Einzelspieler-Modus „Meine Karriere“ in NBA 2K19 wider. Ihr beginnt nämlich nicht in den USA, sondern in China. Das Atmosphäre-Plus dabei: Die Kommentatoren sprechen Mandarin und das fühlt sich herrlich authentisch an. Ihr fühlt euch richtig fremd und müsst euch eingewöhnen. Erst nach guten Leistungen geht es zurück nach Amerika und zwar in die zweitklassige „NBA G-League.“ Danach erst wartet die NBA auf euch.

Auf nach China: Zu Beginn eurer Profikarriere spielt ihr in Shanghai - und nicht in den USA in der NBA.Auf nach China: Zu Beginn eurer Profikarriere spielt ihr in Shanghai - und nicht in den USA in der NBA.

Die schlechte Nachricht zuerst: Ihr startet eure Basketball-Karriere immer noch mit einem talentfreien Spieler, der eine Wertung von 60 Punkten aufweist – aber dank euch bald über 90 haben wird. Das erreicht ihr, wenn ihr nach euren Vereinsspielen fleißig trainieren geht. Wer es schneller und härter braucht: Schwierigkeitsgrad nach oben stellen und als Belohnung noch mehr Punkte für sammelbare Abzeichen erhalten – wie beispielsweise "Distanzschütze", welches eure 3-Punkte-Würfe-Fähigkeit verbessert. Das geht bedeutend schneller als noch im Vorgänger und ist deshalb auch auf Dauer motivierender und weniger frustrierend.

Auf die Nachbarschaft

Auch wieder mit dabei: eure Nachbarschaft. Ein Online-Treffpunkt für Gleichgesinnte, die in einer offenen Internet-Sportwelt jeweils mit ihren erstellten Spielern abhängen oder spielen wollen. Hier gibt es neue Haarschnitte, neue Sportartikel oder ihr startet auf eurem selbst erstellten Platz ein kleines Basketballspiel gegen andere Spieler.

Dieses Jahr neu: Das Areal der offenen Spielwelt ist nicht mehr so weitläufig (nicht gleichzusetzen mit kleiner!) und ihr erreicht alles viel schneller. Ihr könnt im neuen Geschäft „Wheels“ sogar Fortbewegungsmittel wie Fahrräder oder Skateboards erwerben, eure Kleidung direkt per Menü ändern und euch in Minispielen versuchen. Zum Beispiel bei „Dodgeball“, wo an jedem Platzende vier Trampoline stehen. Das verschafft euch beim Blocken oder bei Dunkings mehr Höhe. Fazit: spektakulär spaßig!

Hintergrundgeschichte: Im Karrieremodus trefft ihr auf amerikanische Schauspieler. Hier zum Beispiel Anthony Mackie aus Avengers: Infinity War.Hintergrundgeschichte: Im Karrieremodus trefft ihr auf amerikanische Schauspieler. Hier zum Beispiel Anthony Mackie aus Avengers: Infinity War.

Wie ihr es vielleicht aus FIFA 18 kennt, gibt es im Karrieremodus Zwischensequenzen, die eure Hintergrundgeschichte weitererzählen. Dabei gibt es Gastauftritte von Anthony Mackie (siehe Bild oben) und weiteren Schauspielern. Die Hauptgeschichte dreht sich aber um euren selbst erstellten Charakter, den das Spiel immer A.I. tauft. Positiv: Der Charakter-Editor beinhaltet im Vergleich zum Vorgänger nicht nur eine extrem schicke Präsentation, sondern ihr könnt wieder alles bis ins kleinste Detail bestimmen. Von der Form der Nasenspitze bis hin zur Armlänge. Oder euren Spieler mit eurem realen Gesicht dank Smartphone-App-Scan ausstatten.

Neben der Karriere könnt ihr eure Zeit auch mit zahlreichen weiteren Spielmodi verbringen. „Mein Team“ gleicht dabei „Ultimate Team“ aus FIFA 18. Ihr stellt euch mit virtuellen Spielkarten eure Lieblingsmannschaft nach und nach zusammen. Dazu könnt ihr in „Meine Liga“ eure eigene Liga gründen, in „Mein GM“ als Manager arbeiten oder einfach eine einzige Saison, die Playoffs oder ein Einzelspiel bestreiten. Dazu gesellen sich diverse Online-Modi wie „Schnelles Online-Spiel“ oder „Meine Liga Online.“ In Letzterem gibt es sogar eine Echtzeit-Transfer-Periode, in der ihr mit allen anderen Managern in eurer Liga um die besten Spieler kämpft, um sie unter Vertrag zu nehmen.

Spielerische Klasse

Und wie spielt es sich? In einem Wort: fantastisch! Beispiele gefällig? Die Dribblings fühlen sich beim Ausführen mit den Analog-Sticks extrem geschmeidig an und reihen sich auf dem Platz nahtlos aneinander. Dazu gesellen sich die fairen, aber extrem fordernden Würfe samt Wurfanzeige (vergleichbar mit dem Schussbalken bei FIFA 18). Diese gibt es nun endlich auch bei Korblegern. Hier benötigt ihr gerade als Anfänger viel Übung, um ein Gefühl für treffsichere Würfe zu bekommen. Da bietet sich ein Besuch in der inhaltlich übersichtlichen und spielerisch tiefgehenden 2K-Universität an, dem interaktiven Tutorial des Spiels.

Spielerisch fühlt sich der Titel extrem rund an: Das Passen, Dribbeln und Werfen geht nahtlos ineinander über und die Animationen sind stets flüssig.Spielerisch fühlt sich der Titel extrem rund an: Das Passen, Dribbeln und Werfen geht nahtlos ineinander über und die Animationen sind stets flüssig.

Ganz neu: Während eines Spiels füllt sich die sogenannte „Takeover-Leiste“ eines jeden Spielers. Ist diese voll, könnt ihr seine in gewissen Bereichen sowieso schon überragenden Fähigkeiten für eine begrenzte Zeit nochmals steigern. Stephen Curry von den Golden State Warriors trifft zum Beispiel sehr häufig von der Dreier-Linie. Mit aktiviertem Takeover ist die Wahrscheinlichkeit aber nochmals höher. Insgesamt gibt es sieben Takeover-Fähigkeiten, unter anderem in den Kategorien Defensive, Rebounds und Pässe. Aber keine Sorge: LeBron James wird nicht auf einmal zu Superman und fliegt über den Platz. Dafür könnt ihr unter anderem bei ihm aber sogar mehrere Takeover-Fähigkeiten gleichzeitig aktivieren, weil er in vielen Bereichen einer der besten Spieler der Welt ist.

Auch die künstliche Intelligenz ist gestiegen. Euer Gegner zerlegt euch besonders dann, wenn eure Fehlerquote unter dem Korb zu hoch ist. Gerade gegen die KI-Defensive reicht es nicht mehr, den Ball geschmeidig von Spieler zu Spieler zirkulieren zu lassen. Ihr müsst euch euren Weg mit Hilfe eurer Mitspieler freiblocken. Gerade am Anfang sind Fehlpässe, Ballverluste und Fehlwürfe der Standard. Aber euch ist immer klar, warum ihr gerade schlecht seid. Meistens, weil ihr eure Aktionen wie Pässe oder Würfe zu früh oder zu spät ausführt. Lust verliert ihr aber nie, alleine weil der leichteste der fünf Schwierigkeitsgrade zwar nicht leicht, aber immer fair ist. Für Einsteiger und Profis ist das Spiel also wie gewohnt gleich gut geeignet.

Hingeschaut und hergehört

In den Kategorien Grafik, Ton, Atmosphäre und Präsentation macht den Entwicklern keiner etwas vor. Das beginnt im Menü mit den passenden Hip-Hop- und Rock-Musikstücken, geht weiter über die typisch amerikanische - also dramatische - Spieltagspräsentation mit einer Expertenrunde bis hin zur spektakulären Vorstellung in der jeweiligen original Heimspielstätte bei abgedunkeltem Licht und Blitzlichtgewitter. Dazu erkennt ihr dieses Jahr bei den Spielern die exakten Muskelstränge, unterschiedlich große Mengen Schweiß auf der Haut und weniger Grafik-Fehler in Duellen um den Ball, wo Spieler früher schonmal ineinander verschmolzen. Der leere Blick in den Augen der Spieler und die recht emotionslosen Gesichter bleiben leider. Und: Im nächsten Jahr wäre ein größerer Grafiksprung dann mal wieder an der Zeit. Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau.

Ansonsten erinnert jede Spielszene an eine Übertragung aus dem Fernsehen: Die Spieler auf der Bank lehnen sich mal entspannt zurück oder springen hektisch auf, bei einem gelungenen Drei-Punkte-Wurf zum Viertelende. Das Publikum geht bei jedem Spielzug mit, der Hallensprecher feuert dabei die Menge an, Stadionmusik im Hintergrund steigert eure Motivation bei einem Angriff und für die Augen tanzen die Cheerleader in der Halbzeitpause ab. Außerdem sind natürlich alle Spieler, Trikots und sogar jede Arena samt Einlauflied ihren original Vorbildern nachempfunden und lizenziert. Mehr Authentizität passt nicht in ein Videospiel. Obwohl doch: Der Reporter am Spielfeldrand ist auch noch am Start. Wahnsinn!

Meinung von Jens-Magnus Krause

Eines ist bereits nach wenigen Stunden im Karriere-Modus klar gewesen: Die Entwickler sind keinesfalls satt. Auch nach 20 Jahren nicht. Im Gegenteil: Die Verbesserungen im spielerischen Bereich sorgen für mehr Balance und ein faires Spielgefühl. Auch der aufgebohrte „Mein Karriere“-Modus zeigt zusätzlich, dass die Entwickler den "NBA 2K"-Spielern zuhören. Optisch, akustisch und atmosphärisch ist und bleibt das Spiel eine Granate, auch wenn im nächsten Jahr gerne noch mehr Optikpolitur zum Einsatz kommen darf. Ihr bemerkt aber an jeder Ecke und Kante die Erfahrung der Entwickler. Quasi 20 Jahre – in nur einem Spiel.

89 Spieletipps-Award

meint: Gewohnt hervorragende Basketball-Simulation. Im Vergleich zum Vorgänger mit starken Verbesserungen im Karriere-Modus und im spielerischen Bereich.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Wir erraten aus welchem Teil von Deutschland ihr kommt, anhand der Spiele die ihr zockt

Heimatgefühle: Wir erraten aus welchem Teil von Deutschland ihr kommt, anhand der Spiele die ihr zockt

Egal ob ihr in die weite Welt hinaus gezogen seid oder noch immer dort lebt, wo ihr aufgewachsen seid - die Heimat ist (...) mehr

Weitere Artikel

Die nächste PlayStation soll 2019 angekündigt werden

PS5-Gerüchte: Die nächste PlayStation soll 2019 angekündigt werden

Dass eine PS5 in Entwicklung ist, dürfte feststehen. Seit Monaten wird das Rätselraten darüber, wann sie (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

NBA 2K19 (Übersicht)
* gesponsorter Link