Dieser eine Moment: Die Offenbarung nach 14 Stunden am Stück in Diablo 3

(Kolumne)

von Stefan Wirth (18. September 2018)

Die von euch, die wie ich provinziell aufgewachsen sind, werden es kennen: Ihr sitzt bei irgendeinem Kumpel im Zimmer. Wirklich etwas zu erleben gibt es auf dem Dorf nicht, und um irgendwo hinzukommen, braucht man das Auto der Eltern. Was macht man also, wenn in der Glotze nichts läuft und es kaum noch Spiele gibt, die Couch-Koop bieten?

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >Diesen einen Moment!< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

"Hast du Bock auf Diablo 3?" Die Tragweite der Frage, die ich soeben von mir gegeben hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt kaum bewusst und auch die Antwort, welche ich erhalten sollte, lies nicht darauf schließen, was noch kommen sollte. "Ach nicht so richtig, aber was soll's, wieso nicht?"

Neben großartigem Gameplay bietet Diablo 3 die wohl schönsten Zwischensequenzen der ganzen Reihe:

Ich kann Rollen?

Also Konsole – damals noch die PS3 – angeschmissen, Charaktere ausgesucht und los ging das Abenteuer. Auf einem kleinen Hügel vor Tristram, noch vor der Entdeckung des ersten Gegners, hörte ich von links die alles verändernde Realisation: "Was, ich kann Rollen?" Damit war die präferierte Methode der Fortbewegung gefunden, die zumindest für meinen Freund einen riesigen Teil des Spielspaßes ausmachte.

Dieser Abend sollte ursprünglich nicht allzu lang dauern, doch war er das Präludium für eine Tradition, an der ich heute noch gerne teilnehme. Nachdem die Geschichte, wie viel Spaß wir bei Diablo 3 hatten, Kreise zu ziehen begann, war ein schneller Entschluss gefasst. Wir holten zwei weitere Freunde dazu, kauften Versorgung in Form von Süßkram und Chips, stellten literweise Mate, Kaffee und Energy-Drinks bereit und los ging es.

Auf ins Abenteuer

Um 18 Uhr begann unsere Reise, welche nicht vor dem nächsten Morgen enden sollte. Wie jeder Diablo-Spieler weiß: besonders abwechslungsreich ist das Spiel nicht, dafür aber unglaublich motivierend, denn jeder besiegte Gegner kann einen besseren Ausrüstungsgegenstand hinterlassen.

Frisch wie der Morgentau zogen wir durch den ersten Akt. Die Sprüche waren locker, die Hintergrundmusik – ich glaube es war Coldplay – untermalte das Geschehen angenehm, wir lachten viel. Alles in allem eine tolle Stimmung.

Mit der Zeit hatten wir alle die erste komplette Ausrüstung. Die Sprüche waren aber nicht mehr ganz so locker, die Augenlider schon schwerer und der Mund etwas trockener. Doch kein Grund zu verzweifeln, dafür standen ja die Energy-Drinks bereit. Aufgebrochen, hoch die Dosen und weiter ging es.

Langsam nähert sich der Stundenzeiger der Zwölf und wir legten den ersten Boss – Leoric den Skelettkönig. "Puh – das hat aber eine ganze Weile gedauert." Eine Erkenntnis beschlich mich: "Sollen wir wirklich immer die ganze Karte ablaufen?" "Ja!" tönt es aus der anderen Ecke des Raumes. "Okay!"

Das Abenteuer geht weiter

Sechs Stunden waren also vergangen und die Nacht angebrochen. Der Hintern tat weh vom vielen Sitzen, der Mund war trocken und übersäuert von Chips und Süßkram, und der Austausch mit meinen Freunden bestand nur noch aus generischen Beleidigungen und schlechten Wortspielen. Erst jetzt fiel mir auf, wie furchtbar nervig die Musik von Coldplay ist.

Doch dann zerschlug einer von uns eine Steinplatte und wider aller Erwartungen fiel ein legendäres Item heraus. Kurze Anspannung im Raum, was ist es wohl? Und für wen von uns? Einer konnte sich schließlich über sein neues Item - einen legendären Mönchsstab - freuen, erntet aber wüste Beschimpfungen von uns anderen - zu Recht.

Nur ein Grund warum ich immer noch Diablo 3 spiele - Der Totenbeschwörer:

Es war also Zeit für eine Pause. Wir tranken jeder noch eine(n) Mate/Kaffee/Energy-Drink und rauchten eine. Eigentlich rauche ich überhaupt nicht, aber was soll's, es war spät und mein Entscheidungsvermögen nicht mehr das beste. Gestärkt durch eine halbe Packung Salzstangen und mit anderer Musik als Coldplay (wie ich sie hasse) im Hintergrund ging es weiter.

Sterbi!

Die Pause wirkte Wunder. Motivation und Antrieb waren zurück, wir konnten uns wieder besser konzentrieren und auch die Sprüche waren wieder lockerer. „Sterb!“ tönt es aus der einen Ecke des Raumes. „Da fehlt das i,“ aus der anderen. „STERBI!“

Der Schlächter - noch bekannt aus dem ersten Teil der Reihe, kehrt in Diablo 3 zurückDer Schlächter - noch bekannt aus dem ersten Teil der Reihe, kehrt in Diablo 3 zurück

Ein paar Stunden später war die Sonne bereits aufgegangen. Ich wollte eigentlich nur noch ins Bett. Richtige Gespräche gab es unter uns nicht mehr, nur noch Geraune, Gestöhne und andere undefinierbare Laute. Doch ein Lichtblick - wir näherten uns dem Ende des ersten Akts und endlich war es geschafft - der Schlächter wurde besiegt.

Der Jubel darüber hielt sich in Grenzen, doch die Erleichterung war groß, denn endlich um 8 Uhr morgens konnten wir die Konsole ausschalten. Durch den unterschwelligen Hass auf alles, der sich durch eine Mischung aus unbeschreiblicher Müdigkeit und von Koffein und Nikotin verursachtem Herzrasen entwickelt hatte, bahnte sich langsam eine Erkenntnis ihren Weg in mein Bewusstsein.

Noch einmal und immer wieder

In diesem Moment wurde meinen Freunden und mir bewusst: „Das Müssen wir unbedingt noch einmal machen!“. Zustimmende Blicke wurden ausgetauscht und wir schwiegen für eine Weile. Schließlich gingen wir ins Bett. Doch das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns durch Dämonenhorden schnetzelten.

Mittlerweile haben wir das Spiel mehre Male durchgespielt, sind außerdem auf die PS4 gewechselt und mit dem Totenbeschwörer unterwegs. Kurios ist, dass einer meiner Freunde nicht einmal weiß, worum es in der Handlung von Diablo 3 eigentlich geht. Den Spaß daran zu mindern scheint das allerdings nicht.

Ob das alles diesen einen Moment nach einer Nacht in Diablo 3 wirklich wert ist, weiß ich nicht so genau. Trotzdem möchte ich diese Spielerfahrung gegen nichts auf der Welt eintauschen. Diesen Moment macht nicht nur ein tolles Spiel aus, sondern ein Spiel, dass so viel Spaß macht, dass es meine besten Freunde und mich immer wieder für einen ganzen Tag – oder eine ganze Nacht – an die Konsole fesselt. Danke dafür Diablo 3. Schade, dass es nicht mehr Couch-Multiplayer wie deinen gibt.

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Tags: Dieser eine Moment   Koop-Modus   Multiplayer  

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