PlayStation Classic: Darum braucht es die Retro-Konsole nicht

(Kolumne)

von René Wiesenthal (22. September 2018)

Dank Nintendo liegt es im Trend, ältere Konsolen in Form von Mini-Varianten erneut auf den Markt zu bringen. Nicht bei jeder Konsole ergibt das allerdings auch Sinn. Warum ich auf die PlayStation Classic sehr gut verzichten kann.

Vor wenigen Tagen kündigte Sony die PlayStation Classic an, eine Minikonsole im Stile der Neuauflagen von Nintendos Retrokisten. Zwanzig Spiele sollen auf dem Gerät vorinstalliert sein, darunter Final Fantasy 7, Tekken 3 und Ridge Racer Type 4. Für etwa 100 Euro sollt ihr die Konsole ab dem 3. Dezember dieses Jahres erhalten können. Spontaner Jubel bricht unter Nostalgikern aus.

PSX: So kündigte Sony die PlayStation Classic an

Aber nicht nur Jubel, auch Hohn darüber, Sony würde hier dem Erfolgskonzept von Nintendo nacheifern. Höhnisch ist ebenso die Reaktion von Microsoft, die die Gunst der Stunde nutzten, um ihr Classic-Angebot in den Vordergrund zu rücken. Meine Reaktion auf die Ankündigung: Nette Idee, aber die Konsole braucht es doch gar nicht.

Warum behaupte ich das?

Bisherige Retro-Konsolen waren charmant. Sowohl NES als auch SNES und Sega Mega Drive stammen aus Zeiten, in denen mit wenigen Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Bildschirm gearbeitet wurde. Mit einfachen Mitteln und einer Menge Fantasie haben Entwickler während der 8-Bit- und 16-Bit-Ära kleine Kunstwerke gezaubert, die für pixelaffine Menschen auch heute teilweise noch ein Augenschmaus sind.

Anders gesagt: Die bisherigen Classic-Editionen eben jener Konsolen präsentieren sich zwar altbacken, aber eben so altbacken, dass damit bezaubernde Nostalgie einhergeht. Wohingegen die Spiele der PlayStation-Ära erste Gehversuche in 3D zeigen, die schlichtweg nicht besonders gut gealtert sind.

Erste Gehversuche in 3D - muss das nochmal sein?

Wahrscheinlich wird die Bildschirmauflösung an moderne Fernsehgeräte angepasst und vielleicht werden auch Texturen etwas geglättet. Das ändert aber nichts daran, dass auch die Neuauflagen unansehnliche Klötze als Figurenmodelle haben werden. Und oftmals Spiele mit starren Kulissen, die so grobschlächtig gestaltet sind, dass sie sich regelrecht mit den 3D-Modellen beißen und die Augen anstrengen.

Bei aller Liebe, aber: Wollt ihr das wirklich?Bei aller Liebe, aber: Wollt ihr das wirklich?

Denn sind wir mal ehrlich: Genauso sahen und sehen PlayStation-Spiele nun einmal aus. Und auch wenn es fantastische Spiele für die Konsole gibt, ist die Optik heutzutage kein Grund mehr, sie nochmals zu spielen. Warum dann also Neuauflagen in genau dieser Optik?

Da müssten schon richtige Granaten drin sein

Ein anderer Grund, warum ich diese Classic-Edition nicht brauche, sind die Spiele. Wie erwähnt: Die PlayStation-Ära hat ganz fantastische Games hervorgebracht, unter denen sich einige meiner absoluten Favoriten befinden. Aber die Konsole ist eben nicht ganz so retro wie beispielsweise ein NES.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die alten Nintendo-Module irgendwann verschütt gegangen und heute schwer zu bekommen sind, ist sehr viel höher als dass die PlayStation Classic verschwundene Klassiker beinhaltet. Zumindest gemessen an der Spielauswahl die bereits bekannt ist, erwarte ich das nicht.

Auf dem SNES Classic Mini gab es mit Star Fox 2 beispielsweise ein Spiel, das in diesem Rahmen das erste Mal überhaupt offiziell das Licht der Welt erblickt hat. Wenn also die Classic PSX keine verlorenen oder verloren geglaubten Spiele vorinstalliert hat, greifen die meisten wohl lieber ins Spieleregal und holen dort die Discs von Tekken, Final Fantasy und Co. heraus, anstatt nochmal 100 Euro für die Retro-Konsole zu bezahlen.

Aber vielleicht ist das auch nur meine Sicht und ihr findet es ganz toll, dass die PlayStation nochmals aufgelegt wird. Sagt es uns doch einfach, indem ihr eure Kommentare dalasst. Wir freuen uns wie immer, sie zu lesen!

Tags: Retro   Arcade  

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