Fortnite: Doch wichtiger als viele von euch denken

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (29. September 2018)

Fortnite ist ein Phänomen, das muss ich euch wohl nicht groß erklären. Immer wieder sehen wir in Kommentaren auf unserer Seite und auf Facebook, dass einige von euch das Thema schon nervt. Doch Spiele wie Fortnite sind eigentlich gut für alle Spieler. Wieso das so ist, versuche ich hier zu erklären.

Ninja zu DEM Phänomen momentan - Battle Royale:

Plötzlich ist Fortnite auf dem Fußballplatz. Spieler stellen die Siegesposen des Spiels auf dem Feld nach, das Fernsehen überträgt es live. Dann spielen berühmte Personen wie Drake Livestream im Livestream Fortnite und locken hunderttaussende Zuschauer vor die Bildschirme, einige davon sicherlich mehr an der Person als dem Spiel interessiert. Oder ein amerikanischer Talkmaster - einer der bekanntesten überhaupt - stellt die Fortnite-Tänze im Fernsehen vor einem Millionenpublikum nach.

Ähnliches ist auch schon bei Pokémon Go passiert. Diese Spiele sind nicht "nur Spiele", sie sind Teil der Popkultur geworden. Sie haben diesen vermeintlich engen Zirkel des Videospiel-Fantums verlassen und sind Millionen Menschen ein Begriff.

Klar kann es sein, dass euch diese Themen dann irgendwann auf die Nerven gehen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass über nichts anderes mehr berichtet wird. Doch glaubt uns, wir berichten stets über viele andere Themen als nur den letzten Schrei. Müssten wir den ganzen Tag nur über Fortnite schreiben, wir würden wohl wahnsinnig werden. Doch lasst mich euch zwei gewichtige Punkte nennen, wieso auch ihr euch über den außerordentlichen Erfolg von Spielen wie Fortnite freuen solltet.

Den Umgang lernen

Sicherlich sind Videospiele schon lange in keiner "Nische" mehr. Es lässt sich sogar vermuten, dass der Wunsch, in einer Nische zu sein, stets realer war als diese Nische selbst. Und dennoch: es gibt viele Menschen, die noch immer keinen Kontakt zu Videospielen haben. Die in ihrem Alltag nie den Umgang mit diesem Medium gelernt haben.

Wenn Videospiele nun Teil der Popkultur werden, wenn sie in der öffentlichen Berichterstattung Platz finden, wenn Eltern, Lehrer und vielleicht sogar Großeltern sehen, wie der Nachwuchs sich für dieses Spiel interessiert. Und wenn eben bekannte Sportler, Popstars und andere Prominente wie selbstverständlich von diesem Spiel sprechen - dann werden Videospiele alltäglich. Dann verlieren sie ihre ausschließende Aura, diese unsichtbare Barriere, die "Gamer" irgendwie "anders" machen möchte.

Wenn aber die Berichterstattung dann nicht fair ist, wenn es wieder nur um vermeintliche Gewaltauslöser und Suchtgefahren geht, dann gilt es, argumentativ dagegen anzureden. Aber dann ist es zumindest eine öffentliche Debatte, bei denen Millionen Menschen mitreden können, da sie das Spiel gespielt haben. Und viele dieser Spieler, mögen sie auch noch so "casual" - ja, der Begriff ist furchtbar und elitär - sein, werden vielleicht vom Hype zu einem Spiel wie Fortnite gebracht. Aber viele dieser Spieler werden wohl danach bleiben, das Medium Videospiel verändern, erweitern, spannender machen.

Was in der Gesellschaft verankert ist, hat Macht

Die oben beschriebenen Auswirkungen von solchen Phänomenen wie Fortnite können aber auch ganz andere Folgen haben. Denn das Interessante an der Sache ist doch: hat ein Spiel erst die Massen angesprochen, Menschen ins Boot geholt, die sich sonst nicht sehr für Videospiele interessieren. Hat es eine Stellung in unserer Gesellschaft, unserer (Pop-)Kultur erlangt - dann übt es da auch eine gewisse Macht aus. Die Macht der Öffentlichkeit.

Momentan ist das sehr schön zu sehen an der Crossplay-Debatte um Fortnite. Die letzten Monat wurde das Thema nicht nur in der Fachpresse behandelt. Auch die sogenannten Mainstream-Medien berichteten über den Umstand, dass Sony sich weigert, Crossplay mit der Xbox One und Nintendo Switch zuzulassen. Diese Berichterstattung fand deshalb statt, weil sich Millionen von Menschen für dieses Spiel interessieren. Durch diese Berichterstattung bekam Fortnite noch mehr Macht der Öffentlichkeit - Macht, die Epic wunderbar nutzen konnte, um Sony schlussendlich doch zu "überzeugen", Crossplay zuzulassen. Kurzum: das ist nicht aus Barmherzigkeit passiert, sondern weil Sony Angst vor einem Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit hatte. Und dieser Gesichtsverlust ist erst dann gefährlich, wenn auch wirklich die halbe Gesellschaft in diese Richtung blickt.

Wenn das nächste Videospiel-Hypethema also um die Ecke kommt, dürft ihr natürlich gerne genervt sein. Ich verstehe das auch - denn der Nachteil kann sein, dass andere, kleinere Spiele dabei untergehen. Und trotzdem sollten wir vielleicht doch auch kurz innehalten und überlegen, welche Vorteile so ein Hype mit sich bringen kann. Dann ist man auch gleich weniger genervt.

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