Test Assassin's Creed Odyssey: Das ist Spaß-ta!

von Michael Sonntag (01. Oktober 2018)

Nachdem Assassin’s Creed Origins der Reihe um die geschichtsschreibenden Meuchelmörder wieder neuen Glanz verleihen konnte, soll das neue Assassin’s Creed Odyssey noch einmal nachlegen. Nach Ägypten geht es nun ins antike Griechenland. Zu Zeiten des peloponnesischen Krieges schickt der Spieler Alexios oder Kassandra auf eine Reise voller Mysterien und Gefahren. Inwieweit Odyssey alle Versprechen von Origins erfüllt, erklären wir euch hier im Test.

Anmerkung: Wir haben uns im Spiel für Kassandra entschieden. Ob ihr sie oder ihn nehmt, wirkt sich nur auf die Dialoge aus, die Geschichte bleibt an sich die gleiche.

Assassin's Creed besucht God of War

Auf dass die Götter meinen Namen niemals vergessen

Während Sparta und Athen auf dem Festland eine Runde peleponnesisches Risiko spielen, herrscht auf der Insel Kephallenia dörflicher Frieden. Die Ziegen blöken, die Olivenbäume wachsen und die Bewohner beten zu den Göttern, dass sich daran nichts ändert. Die Söldnerin Kassandra träumt jedoch von großen Abenteuern, die es wert sind, auf Amphoren festgehalten zu werden, aber hier besteht das größte Abenteuer darin, ihrem trotteligen Ziehvater aus der Patsche zu helfen, weil er sich mit zwielichtigen Leuten im Weingeschäft eingelassen hat.

Offenbar braucht die Welt keine Heldin - bis eines Tages ein Mann auftaucht und Kassandra den Auftrag gibt, einen griechischen General zu töten. Endlich! Nachdem Kassandra den ersten führungslosen Kapitän samt Mannschaft und Schiff gefunden hat, kann das Abenteuer losgehen.

In der Rush Hour kann es manchmal etwas länger dauern.In der Rush Hour kann es manchmal etwas länger dauern.

Nach ein paar Stunden Abenteuer hat Kassandra schon viel Stoff für eine Verewigung auf einer Amphore zusammen. Sie könnte mit protziger Rüstung in der Mitte stehen, vielleicht mit einer Liebschaft an der Seite, während sich links die versenkten Schiffe und rechts die getöteten Soldaten türmen.

Wie sich herausstellt, hängt an dem eigentlichen Auftrag ein riesiger Rattenschwanz. Ein dunkler Kult sieht vor, den Krieg zu seinen Gunsten zu lenken. Und beide haben ein Interesse daran, Kassandras wahre Herkunft zu offenbaren. Assassin's Creed Odyssey zieht seinen Epos langsam und locker auf. Im Vorgänger Origins schwebte der Kindermord drückend über allem, was die Geschichte umso unglaubwürdiger machte, weil Bayek schulterzuckend die ägyptische Politik höher auf seiner Agenda stellte als seinen eigenen Rachefeldzug.

Was hat es mit dem Kult des Kosmos auf sich?Was hat es mit dem Kult des Kosmos auf sich?

Kassandra dagegen schaut einfach, was auf sie zukommt und stolpert von einer Mission in die andere, ohne genau zu wissen, wo sie reingeraten ist. Ubisoft bedient sich zwar auch weiterhin aus dem Klischee-Kasten und will Emotionen binnen fünf Sekunden entstehen lassen, aber hier stört es dank der Bodenständigkeit nicht weiter.

Die Messlatte wurde weitaus tiefer angelegt, so dass die Geschichte nur überraschen kann. Kassandra und Alexios sind sympathisch geschriebene Charaktere, die der gnadenlosen Antike mit Charisma und Rabiatheit trotzen. Selbst die Nebenfiguren und Questgeber können dank der gelockerten Zügel interessantere Persönlichkeiten entwickeln, deren umfangreicheren Quests wir dafür umso lieber erledigen.

In Origins waren sie allesamt langweilig und ihre Missionen ebenso unspektakulär. Während wir sie dort weitesgehend ignorierten, bieten sie in Odyssey immer mal wieder unterhaltsamen Vertreib abseits der Hauptgeschichte.

Und selbst wenn es darum geht, einem Hai eine gestohlene Halskette abzunehmen, damit diese für eine Schiffsüberfahrt verkauft werden kann. Das hängt vor allem mit dem neuen Dialog- und Entscheidungssystem zusammen.

Euer Ziehvater Markos hat eine gute Seele, aber einen Kopf voller Unsinn.Euer Ziehvater Markos hat eine gute Seele, aber einen Kopf voller Unsinn.

Eine Mission muss nicht stumpf angenommen werden, wir können zusätzliche Details erfragen, um die Belohnung feilschen und die Mission sogar unterschiedlich lösen. Obwohl die einzelnen Auswirkungen nicht immer groß ausfallen, ist es erfrischend zu sehen, dass im Vergleich zum Rest der Spielereihe nicht immer alle Probleme mit Gewalt gelöst werden müssen, nicht einmal Hauptmissionen.

Genauso überraschend ist es, dass sich während einer Quest das eigentliche Ziel um 180 Grad drehen kann. Da kann man es verschmerzen, dass das einfache System mit einem richtigen Rollenspiel noch immer nicht mithalten kann. Es gibt nicht viele Dialogmöglichkeiten und die Romanzen sind nach ein paar Flirts bereits vorbei.

Nach wie vor findet das gesamte Abenteuer aber immer noch innerhalb einer Simulation statt. Die vielfach kritisierte Gegenwartsgeschichte existiert immer noch und bietet den notwendigen Rahmen, aber endlich hat die Animus-Benutzerin ebenfalls kein Interesse mehr daran, unnötig viel Zeit draußen zu verbringen. Wer will, kann sich Laptops ansehen und Hintergrundinformationen erfahren. Alle anderen steigen einfach wieder in den Animus.

Und Spieler, was ist dein Handwerk?

Wenn wir gefragt werden, was wir heute bei Odyssey gemacht haben, müssen wir tatsächlich nachdenken. Haben wir die Seeschlacht vor dem Sightseeing in Athen ausgetragen oder war das nach dem Kampf gegen ein spartanisches Heer? Da war auch noch irgendeine Quest, wo wir Zutaten für ein Viagra-Präparat sammeln mussten, aber dann kam uns dieser Kopfgeldjäger dazwischen und wir mussten in eine Unterwasserhöhle flüchten.

Die größte Leistung in Odyssey ist nicht nur das Erweitern einzelner Features um coole Funktionen, sondern die Zusammenstellung der besten Assassin’s Creed-Elemente zu einem abwechslungsreichen Buffet.

Na, was wollen wir heute erleben, Jolly Jumper?Na, was wollen wir heute erleben, Jolly Jumper?

Wenn Kassandra nicht ihre Schlagfertigkeit nutzt, bedient sie sich diverser Stichwaffen und Bögen. Origins hat bereits eine Erneuerung erfahren, die den Kampf dynamischer und spannender gestaltet hat. Statt stumpf draufeinzuschlagen oder alle Angriffe nur zu kontern, waren plötzlich taktisches Ausweichen und kluge Kombos erforderlich. Odyssey hat das System um ein paar praktische Elemente erweitert. Jetzt verlangsamt erfolgreiches Ausweichen die Zeit, um ein paar gezielte Treffer landen zu können, und das Blocken funktioniert intuitiver.

Während es erneut einen Fähigkeitenbaum gibt, kann Kassandra zusätzlich ein Fähigkeitenrad mit vier Attacken bestücken und diese im Kampf einsetzen. Dazu gehören beispielweise Stürmen, Giftklinge, Stärke-Boost oder ein Tritt, der an die legendäre „Das ist Sparta!“-Szene aus dem Film 300 erinnert. Das gilt auch für den Bogen, wodurch euch insgesamt acht Attacken im Kampf zur Verfügung stehen. Die Befürchtung, dass es das zu leicht machen könnte, wird schnell aufgelöst, da Ubisoft den Gegnern ebenfalls ein Upgrade verpasst hat.

In den Schlachten müsst ihr euch rundum verteidigen können.In den Schlachten müsst ihr euch rundum verteidigen können.

Das zeigt sich gerade dann, wenn uns wegen unseres gesetzlosen Treibens mehrere Kopfgeldjäger auf den Hals gehetzt werden und uns diese gleichzeitig im ungünstigsten Zeitpunkt angreifen - zum Beispiel, wenn wir gerade im Alleingang eine Festung erobern. In Griechenland ist aus welchen Gründen auch immer das Kopfgeld-Fieber ausgebrochen, weshalb sich jeder Grieche, der ein Schwert halten kann, mit einem schrulligen Outfit und affigen Spitznamen in den Kampf begibt. Einer heißt zum Beispiel der furchtlose Koch.

Auch wenn die Duelle fordernd sind und uns für Assassin’s Creed ein ungewohntes Maß an Kreativität abverlangen, müssen wir dennoch laut loslachen, sobald der Name das erste Mal erscheint. Vor allem, wenn alle drei Angreifer sich keine große Mühe mit ihrer Namenswahl gegeben haben. Das machen sie dann aber mit ihrem kämpferischen Können wieder wett.

Sckickt diese Amateure zum Hades!Sckickt diese Amateure zum Hades!

Wenn Kassandra im Krieg mitmischen möchte, kann sie das tun, indem sie die gewünschte Seite schwächt. Das kann Sparta oder Athen sein. Sobald sie genügend Vorräte verbrannt, Anführer getötet und Missionen erledigt hat, wird eine Schlachtenmission freigeschaltet. Während in dieser beide Heere aufeinander treffen, soll Kassandra tatenkräftig mithelfen. Nicht nur die Mission selbst ist eine Belohnung, am Ende gibt es auch wertvolle Gegenstände. Jedoch mehr, wenn wir ein Gebiet erobern als wenn ihr es verteidigen.

Das Schiffs-Feature wurde größtenteils aus den älteren Teilen übernommen, was nicht schlecht ist, da es absolut unterhaltsam ist. Origins einzige Schwäche war es, dieses nur in einzelnen Missionen zur Verfügung zu stellen. Als Fluch des Mittelmeers greifen wir in Odyssey alles an, was uns den Ausblick auf den Sonnenuntergang versperrt und wünschen uns in bestimmten Fällen den Schiffsmotor erfunden zu haben, sobald sich der Gegner bei Nahem als sechs Meter hohe, schwer bewaffnete Fregatte herausstellt und amüsiert auf uns niederblickt.

Ein ganz normaler Dienstag in der Antike.Ein ganz normaler Dienstag in der Antike.

Wenn ein Kopfgeldjäger uns aber extra per Schiff hinterherjagt, können wir dieses Kompliment natürlich nicht unbeantwortet lassen. An anderen Tagen stehen die Schiffe Schlange, um von uns geentert und geplündert zu werden. Ach ja, manchmal möchten wir bei den Crewliedern gerne selbst mitsingen, wenn wir den Text beherrschen würden.

Und wer genug vom Kämpfen, Erkunden und Schiffsfahren hat, kann die Geheimnisse einer alten Zivilisation untersuchen oder sich auch auf die Suche nach mythologischen Kreaturen wie Medusa machen.

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