Days Gone: Endlich wieder furchtbare Zombies!

(Kolumne)

von Michael Sonntag (02. Oktober 2018)

Auf der EGX in Berlin habe ich mir die Chance nicht entgehen lassen, Zombies in Days Gone schnetzeln zu gehen. Ich konnte eine Stealth- sowie eine Wellenabwehr-Mission spielen.

Eine Frage hat mich dabei besonders beschäftigt: Wie kann sich Days Gone von der Masse an Zombie-Spielen abheben? Meine Hoffnung nach der Anspiel-Session: indem es endlich wieder Zombies liefert, die allen das Fürchten lehren!

Auf der E3 durften wir erstmals Days Gone anspielen. Das war damals unser Eindruck:

Ein neues Grauen schaffen

Zombie-Spiele verlieren immer mehr an Reiz, weil auch der Zombie an sich langsam seinen Biss verliert. Ich habe bereits dutzende von Epidemien überlebt, mittlerweile kann mich das nicht mehr schocken. Im Schlaf könnte ich alle Überlebenstricks herunterrattern.

„Lass dich nicht von ihnen beißen, schieß ihnen in den Kopf, in der Masse solltest du sie meiden“. Ich habe keine Angst mehr vor ihnen, weil ich sie in und auswendig kenne und sie mich auch nicht mehr überraschen können. Es wird Zeit für den Zombie 2.0! Vielleicht in Days Gone?

Entwickler SIE Bend Studio tauft seine Infizierten nicht Zombies, sondern Freaker. Aber reicht das? Wird der krächzende Untote damit unheimlicher, nur weil er anders heißt? Tatsächlich habe ich in Days Gone das Gefühl, es mit etwas Neuem zu tun zu haben. Das liegt nicht nur an den Gegnern und ihrem Aussehen oder Verhalten, auch die Apokalypse fühlt sich nicht mehr so vertraut an.

Days Gone setzt auf unangenehme Atmosphäre in unverbrauchten Schauplätzen.Days Gone setzt auf unangenehme Atmosphäre in unverbrauchten Schauplätzen.

Normalerweise begegne ich dem trostlosen Ende der Menschheit in Großstädten oder zumindest dörflichen Gebieten, eher selten in der Wildnis. Hier fühle ich mich ohnehin fremd, in der Apokalypse noch fremder und schutzloser, da ich auch nicht immer in irgendwelche Gebäude flüchten kann. Und selbst wenn, sind sie klein und bieten auch nicht allzu viel Schutz.

Das wird mir besonders in der Stealth-Mission bewusst. Hier soll ich Ersatzteile aus einer Werkstatt bergen. Der Sonnenuntergang wirft ein rotes, unheilvolles Licht durch die Wälder, eine Tankstelle liegt verwüstet da. Es wirkt alles etwas bedrohlicher und aussichtsloser als ich sonst gewohnt bin. Ich kenne wenig vergleichbare Endzeit-Werke, höchstens den Film „The Road“, in dem die Menschheit gefühlt auf zehn Überlebende dahingerafft ist.

Die Freaker tummeln sich wie Vögel auf den Dächern oder stehen in Grüppchen in der Gegend rum. Begegne ich ihnen einzeln, sind sie langsam und ungefährlich. Ich töte sie relativ leicht, aber irgendwie möchte ich mich darauf nicht verlassen. Sie scheinen auf etwas zu warten, vielleicht darauf, dass ich ihnen unachtsam den Rücken zudrehe.

Um mich umzubringen, müssen sie mich nicht die ganze Zeit angreifen, sondern nur in einem entscheidenden Moment, indem ich hilflos bin.

Behaltet sie genau im Auge, bevor sie euch aus dem Hinterhalt angreifen!Behaltet sie genau im Auge, bevor sie euch aus dem Hinterhalt angreifen!

Nachdem mich das erste untote Kind unerwartet angesprungen hat, halte ich sie nicht mehr für harmlos, wenn sie um mich herumkriechen. Auch wenn sie immer noch keine überfordernde Gefahr darstellen, ist Taktik etwas, das ich bisher am wenigsten von Zombies erwartet habe. Ich ahne, dass das noch nicht alles gewesen ist, dass noch schlimmere Arten dort draußen lauern und will mich auf die Begegnung vorbereiten, auch wenn ich nicht glaube, dass Munition sparen reichen wird.

Wie Game Informer im Mai 2018 berichtete, liege ich mit meinem Gefühl nicht falsch. In ihrem Artikel listeten sie alle Gegner-Typen auf, auf die sie bereits in ihren Anspiel-Sessions treffen konnten.

Überlegt euch eine gute Strategie, bevor ihr es mit einer Welle Freaker aufnehmt.Überlegt euch eine gute Strategie, bevor ihr es mit einer Welle Freaker aufnehmt.

So soll es infizierte Bären, motorradschnelle Jäger, Fallen stellende Gegner und sogar einen durchgedrehten Clan geben, der die Zombies verehrt und alle restlichen Menschen töten will. Ich habe bis auf die normalen Gegner und den Clan noch keinen dieser Artgenossen sehen können, sie passen für mich aber genau zum Stil des Spiels und ich beginne bereits die leichten Zombies aus den anderen Spielen zu vermissen. Auf diese Begegnungen freue ich mich mit einem zitternden Auge.

Ein Vorgeschmack auf die Hölle

Spätestens in der Wellenabwehr-Mission werde ich mit Wucht von meinem hohen Ross gerissen: Nein, ich habe keine Ahnung von Untoten, zumindest nicht von diesen. Alle früheren Spiele haben es mir tatsächlich zu leicht gemacht. Ich werfe ihnen sogar insgeheim vor, dass sie mich nie auf diesen Moment vorbereitet haben.

2019 wird der Horror auf euch losgelassen

In einer Kuhle haben sich dreihundert Freaker gesammelt und ich bin der Glückspilz, der sie ausmerzen soll. Ich kann zuvor das Gebiet erkunden, mir Fluchtrouten überlegen und Fallen vorbereiten, aber egal, was ich tue, ich erlebe jedes Mal einen nervösen Schock, sobald ich sie aus der Kuhle herauslocke und sie auf mich zustürmen.

Während ich sie in Dead Rising 4 oder anderen Spielen einfach mit dem Motorrad überfahren könnte, stoppt das Fahrzeug hier realistischweise nach dem dritten Untoten und kippt um, mit mir, der dann von den Infizierten eingekesselt wird. Flüchte ich mit dem Motorrad und habe nicht nach vorn gesehen, kann es passieren, dass ich an einem Baum hängen bleibe.

Da kann einem das Herz auch mal bis in die Ohren schlagen.Da kann einem das Herz auch mal bis in die Ohren schlagen.

Bei jedem erneuten Versuch überschwemmen die modrigen Zeitgenossen das gesamte Gebiet und ich kann nur beten, dass mir weder der Sprit noch die Munition ausgehen. Der Entwickler steht hinter mir, während ich auf dem Bildschirm abermals scheitere, und kichert in seinen Bart. Wie zum Teufel soll ich sie aufhalten? Das ist doch nicht möglich!

Die Lust in Kontrollverlust

Während meiner Session habe ich es kein einziges Mal geschafft, die komplette Horde zu eliminieren, höchstens die Hälfte. Doch, ich muss mit Zittern sagen, dass ich mich auf Days Gone freue. Um Angst zu haben, muss ich überfordert werden, darf die Lage nicht einschätzen können und muss jegliches Gefühl von Kontrolle für Selbstüberschätzung halten. Die Welt in Days Gone ist unheimlich und trostlos, die Zombies agieren taktischer und vor allem begegnen sie mir endlich in Mengen, bei denen ich mit stumpfem Ballern nicht mehr weiterkomme.

Das Spiel selbst wirkt bisher weitestgehend wie guter Standard, aber seine Version des Zombies könnte den Horror tatsächlich auf ein neues Level heben. Jetzt muss der Entwickler dieses Potenzial noch nur ausschöpfen und uns könnte endlich wieder ein wirklich schauriges Zombie-Spiel erwarten.

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