Dieser eine Moment: Als mich in GTA Online eine ganze Lobby jagte

(Kolumne)

von Michael Sonntag (10. Oktober 2018)

Als ich neulich mal wieder auf meiner PlayStation 3 spielte, ging ich aus Spaß meine alten PSN-Nachrichten durch. Darunter befanden sich diverse Spieleinladungen, Beleidigungen und Freundschaftsanfragen, aber auch eine Nachricht zu GTA 5, bei der ich innehalten musste.

Sie stammte vom 14. April 2015, abgeschickt gegen fünf Uhr morgens. „Danke für die spannendste GTA-Session aller Zeiten“, hatte mir ein User mit unaussprechlichem Namen geschrieben. Erst runzelte ich die Stirn, doch dann erinnerte mich an besagte Nacht und daran, wie ich es mir mit einer ganzen Lobby verscherzt habe.

GTA bietet ein Online-Erlebnis wie kein anderes Spiel

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Etwas, das euch keine Story-Mission bieten kann

Ich glaube, für die Jagd hat es keinen außergewöhnlichen Auslöser gegeben. Wie gewöhnlich fuhr ich durch Los Santos und langweilte mich, weil ich um drei Uhr nachts keine Mitspieler mehr für eine Heist-Mission finden konnte. Das war frustrierend und wir wissen alle, worin Frust bei GTA münden kann.

Ich klapperte also alle Stellen in der Stadt ab, wo sich gerade Spieler bekriegten, und schloss mich diesen mit meinem Scharfschützengewehr an. Ja, ich hätte es bei ein paar Kills belassen und anschließend wieder etwas Konstruktives tun können, aber ich entschied mich, den Leuten wirklich auf den Keks zu gehen.

Die Sache eskalierte und als niemand mehr mit seinem Luxusschlitten durch die Stadt fahren konnte, weil ich dort mit meinem Panzer herumballerte, kramte jemand sein Headset heraus. „Jetzt reicht es, jetzt bist du dran! Schnappt ihn euch!”, sagte ein Spieler und erklärte die Jagd damit für eröffnet. Und ich konnte plötzlich sehen, wie sich alle Spielermarkierungen auf der Karte auf mich zubewegten.

Da hieß es nur noch: Sie oder ich!Da hieß es nur noch: Sie oder ich!

Mein Panzer hielt den Haftbomben der heranfahrenden Spieler nicht lange stand, weshalb ich schnell in ein Ersatzfahrzeug springen musste, um das Weite zu suchen. Ok, wohin jetzt? Ich hätte feige in mein Apartment flüchten können, aber irgendwie wollte ich diese Herausforderung auch meistern. Also fuhr ich zum Flughafen in der Wüste, mit sechs frisierten Sportwagen im Nacken. Angekommen wollte ich in ein Flugzeug steigen, aber die Spieler kesselten mich ein.

Ich rief Söldner-NPCs zur Hilfe. Mir wurde klar, dass es keine Rolle spielte, wie viele Spieler ich abknallte - Sie kehrten sowieso zurück und wurden nur wütender. Glücklicherweise mischte sich die örtliche Polizei irgendwann ebenfalls in unseren Streit ein und lenkte die Jäger ab, so dass ich einen Helikopter erreichen konnte (der kurz nach dem Abheben von einer Rakete abgeschossen wurde). Das überlebte ich zwar wegen meines Fallschirms, aber per Gleiten schaffte ich es nur bis in das Gebirge. Und die Verfolger näherten sich abermals.

Nein, ich musste an einen besseren Punkt, vielleicht auf das höchste Hochhaus in der Innenstadt. In diesem Moment (als ich mit einem gestohlenen Fahrrad den Abhang herunterfuhr) fiel mir ein, dass es ja ein Feature gab, mit dem ich für eine Minute vom Radar verschwinden konnte. Perfekt! Zwei Anrufe später und schon hatte ich für einen Moment Ruhe und konnte auf einen herbeigerufenen Helikopter warten.

Nervös wartete ich an der Landestelle und behielt die Karte im Auge. Von den ursprünglich fünfzehn Verfolgern war die Hälfte immer noch hinter mir her, die anderen taten etwas anderes oder waren offline. Aber ich wusste, dass der Headset-Sprecher und Anführer immer noch dabei war. Als ich wieder auf dem Radar erschien, war ich schon weit weg, was die Spieler aber nicht davon abhielt, mich ebenfalls mit Flugzeugen zu verfolgen.

Auf dem Hochhaus angekommen war ich klar im Vorteil. Ich konnte alle Angreifer sofort abschießen. Aber erstens konnte ich nicht ewig hier oben bleiben und zweitens sah ich bereits, wie meine Jäger zu anderen Maßnahmen übergingen. Ein paar nahmen Stellung auf anderen Häusern, um mich von der Flucht abzuhalten, und der Rest fuhr zum Flughafen, um in Militärjets zu steigen. Ich sah sie bereits von weitem auf mich zukommen. Nein, es hatte keinen Sinn. Jetzt konnte ich nur noch mit einer spektakulären Flucht punkten.

Ich sprang vom Hochhaus, verschwand erneut vom Radar und landete mit meinem Fallschirm in der Nähe des Kanalisationseingangs. Von hier aus schwamm ich durch den Tunnel, der zum Strand führt. Dort hätte ich mir ein Boot schnappen und die Jagd auf dem Meer fortsetzen können, aber das wollte ich nicht mehr. Mein Haus befand sich in der Nähe des Strandes. Ich musste nur diese paar Meter heil überstehen.

Aber was wäre diese Erlebnis schon, ohne einen würdigen Endkampf mit Mr. Headset? Die meisten Leute hatten schon das Interesse an der Jagd verloren, doch eine Gruppe aus drei Spielern hatte noch nicht genug. Sie fuhren alle in demselben Auto zum Strand, logisch, da ich gerade wieder aufgetaucht war. Es war einen Versuch wert, daher setzte ich auf den Anführer ein Kopfgeld aus, um zu schauen, ob das ihr Bündnis für einen Moment auflöste. Und tatsächlich - der Wagen hielt an und ein Mitfahrer erschoss Mr. Headset. GTA bleibt immer GTA.

Und mit Cheats geht das Chaos erst richtig los

Zuletzt duellierten wir uns zu viert vor meinem Hauseingang. Da war uns jedes mögliche Mittel recht, nur um den anderen irgendwie in Schach zu halten, waren es jetzt Söldner, Taschendiebe, Luftschläge, Granaten, Gewehre oder Schrotflinten. In einem günstigen Moment sprintete ich vor, jemand schoss auf meine Tür, ich wich aus und rannte zu meiner Garage. Als sich das Garagentor öffnete, war es vorbei.

Ich war müde, mein Herz raste, ich musste lachen, hatte Kopfschmerzen und wollte die Konsole gerade ausschalten, als ich besagte Nachricht vom Anführer erhielt. „Danke für die spannendste GTA-Session aller Zeiten!“ „Danke ebenfalls. Schade, dass wir es nicht aufgezeichnet haben”, habe ich ihm geantwortet. Aber zumindest habe ich es jetzt aufgeschrieben. Grüße an dich, Mr. Headset, wo auch immer du bist, selbst wenn du kein GTA mehr spielen solltest. Unsere Jagd war auch mein bester GTA-Moment gewesen.

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Tags: Dieser eine Moment  

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