Abwärtskompatibilität: Ein Luxus, den es vielleicht gar nicht braucht

(Kolumne)

von René Wiesenthal (10. Oktober 2018)

Jedes Mal habe ich mich geärgert, wenn eine neue Konsole nicht abwärtskompatibel war. Mittlerweile frage ich mich: Warum eigentlich? Das Feature, das so viele für unverzichtbar halten, brauchen realistisch betrachtet wohl nur die Wenigsten.

Es ist keine wirkliche Abwärtskompatibilität, die die Xbox One bietet. Dennoch macht Microsoft schon lange viel Wind um und viel Werbung mit der Möglichkeit, ausgewählte "Xbox 360"-Spiele auch auf Xbox One zu spielen. Sony ist in der aktuellen Generation somit der Buhmann, wenn es um das Thema geht. Nun gibt es jüngst Gerüchte, die PlayStation 5 werde in der Lage sein, PS4-Spiele abzuspielen.

Hier seht ihr wie das System auf Xbox One funktioniert:

Die einen glauben daran, die anderen nicht – egal welchem Lager man zuhört, die vermeintliche Nachhaltigkeit wird unter Spielern als großes Versprechen betrachtet. Dabei sollten wir – mich eingeschlossen – mal einen Gang runterschalten mit der Forderung nach Abwärtskompatibilität. Gibt es doch sogar Punkte, die dagegensprechen.

Überladene Konsolen und Mehraufwand

Wenn wir darauf bestehen, dass jede neue Konsole die Software der alten abspielen kann, bestehen wir ab irgendeinem Punkt womöglich darauf, dass die Konsolen technisch überladen sind und fordern unnötigen Mehraufwand seitens der Hardware-Entwickler und -Hersteller. Denn nicht jedes Trägermedium und jede damit verbundene Abspieltechnik überdauert eine oder mehrere Konsolengenerationen.

Die PlayStation 2 war/ist noch im Stande, PS1-Spiele wiederzugeben.Die PlayStation 2 war/ist noch im Stande, PS1-Spiele wiederzugeben.

Bei den discbasierten Sony-Konsolen PlayStation und PlayStation 2 beispielsweise ließ sich das – zumindest was das Format der Trägermedien angeht – leicht vereinbaren. Aber nehmen wir mal an, die übernächste Konsolengeneration käme ganz ohne Träger aus: Würden wir dann wollen, dass Hersteller die Geräte um optische Laufwerke ergänzen, die zusätzliche Produktionskosten mit sich bringen und die Konsole klobiger, schwerer machen?

Aber auch ohne das Trägermedienproblem: Wohl nur die Technikabteilung der jeweiligen Hersteller kann einschätzen, was es an Aufwand und zusätzlicher Technik braucht, die alten Spiele dann tatsächlich auch wiedergeben zu können – und ob das verhältnismäßig ist. All das wird dann natürlich mit dem Verkaufspreis auf den Kunden abgewälzt.

Alles nur Augenwischerei?

Microsoft hat sich in der aktuellen Generation eines Werbekniffs bedient: Auf der Xbox One lassen sich ausgewählte "Xbox 360"-Spiele spielen, allerdings nicht von der Disc und auch wie gesagt nicht alle. Die Disc dient in manchen Fällen noch zur Registrierung, so oder so werden alle Spiele aber aus einer Datenbank heruntergeladen, wenn ihr nachgewiesen habt, dass ihr sie original besitzt. Und die umfasst derzeit etwa 1.300 Einträge.

Das ist ein angenehmer Service, auch dank der technischen Verbesserungen der kompatiblen Spiele, aber eigentlich ist es nur ein Gimmick, solange ich eine 360 besitze, die wirklich alle 360-Spiele abspielen kann.

Für alte Spiele sind alte Konsolen da

Denn genau dafür habe ich mir eine Xbox 360 gekauft. Um "Xbox 360"-Spiele zu spielen. Und wenn ich das tun will, schließe ich die alte Kiste an und lege los. Sicher wäre es toll, wenn einfach alle Spiele auf einem einzigen kompakten und leicht zu bedienenden Gerät zusammenkämen. Aber ein System gilt ja schon dann als abwärtskompatibel, wenn es nur eine einzige Generation unter sich mit einfasst.

Solange es keine universelle Konsole gibt, kann ich auch die alten anstöpseln.Solange es keine universelle Konsole gibt, kann ich auch die alten anstöpseln.

Das Feature, das uns so wichtig ist, damit wir alte Konsolen theoretisch entsorgen können, kann also eine Generation später für die vorletzte Generation schon wieder hinfällig sein. Somit müssen wir die alten Konsolen ohnehin aufheben, wenn wir auch noch in ein paar Jahren Retrospiele zocken wollen. Oder welcher N64-Enthusiast profitiert davon, dass die Wii U noch Wii-Spiele abspielen konnte?

Der Wunsch liegt nahe

Klar, wenn technische Sprünge zwischen Konsolen nicht so riesig sind, ist der Wunsch nachvollziehbar, dass das bessere, leistungsfähigere Gerät auch die weniger anspruchsvolle Software wiedergeben kann. Jedoch zur Erinnerung: Was es tatsächlich bedeutet, das zu ermöglichen, können die meisten Konsumenten wohl nicht einschätzen. Vielleicht ist es auch bei kleineren Leistungssprüngen wegen einer spezifischen Hardware-Architektur ein Riesenakt und kommt Spieler dann wiederum teuer.

Die einzige Spielergruppe, die wirklich von Abwärtskompatibilität profitiert, ist ohnehin die derjenigen, die eine Vorgängerkonsole nicht besitzen, aber unbedingt deren Spiele kaufen und auf ihrer aktuellen Konsole spielen wollen. Um denen nicht aufbürden zu müssen, das ältere Gerät noch nachzukaufen, ist das Feature natürlich eine gute Sache - denen sei es gegönnt. Aber auf das Feature beharren und schimpfen, wenn es ausbleibt, müssen wir eigentlich nicht.

Auch ich werde mich künftig darin üben und einfach meine alte Konsole an den Fernseher stöpseln, der hoffentlich auch in Zukunft noch den entsprechenden Eingang dafür hat. Andernfalls ändere ich meine Meinung vielleicht wieder. Seht ihr das ähnlich? Sagt es uns in den Kommentaren!

Tags: Rumor   Hardware  

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