Die Gelegenheitsspieler: Darum brauchen wir sie

(Kolumne)

von Stephanie Schulze (16. Oktober 2018)

Das typische Klischee eines Zockers.Das typische Klischee eines Zockers.

Zocker: Er oder sie betreibt das exzessive Spielen von Computerspielen. Hauptmerkmal ist der übermäßige Konsum von "Fast Food"-Produkten und das Bevorzugen der Dunkelheit.

Schon während des Schreibens dieser Worte muss ich über diese völlig veraltete Vorstellung von Zockern lachen. Eine richtige allgemeingültige Definition von Zockern gibt es eben nicht, Punkt. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie überhaupt nicht existieren, diese oben beschriebenen Hardcore-Zocker. Heutzutage sieht der allgemeine, typische Zockeralltag aber wohl etwas anders aus.

Zocken, Zocken, Zocken: Battlefield 5, das demnächst erscheint, wird von vielen Gamern sehnlichst erwartet:

Über die Jahre hinweg haben sich immer einige Vorurteile gehalten. Irgendwo gibt es immer diese Klischee-Typen, die von jemandem bestätigt werden. Dabei hat vermutlich fast jeder schon einmal in die Games-Welt hineingeschnuppert, einige zocken öfter, andere weniger oder gar nicht. Adventure, RPG, Simulationen, Shooter oder Jump and Run - die Möglichkeiten, die Games bieten, sind nahezu grenzenlos und bieten jedem etwas.

In meinem Umfeld existieren einige Gamer, die jeden kommenden Release kennen und mit Leib und Seele hinter ihrem Lieblings-Publisher stehen. Das sind diejenigen, die sich dann auch schonmal ein paar Tage frei nehmen, sobald das lang ersehnte Videospiel endlich zu haben ist. Als am 17. September 2013 GTA 5 erschien, dezimierte sich wie durch ein Wunder mein damaliger Schulkurs um die Hälfte der Teilnehmer.

Die Geschichte von Michael, Trevor und Franklin aus GTA 5 wurde bislang über 90 Millionen Mal verkauft.Die Geschichte von Michael, Trevor und Franklin aus GTA 5 wurde bislang über 90 Millionen Mal verkauft.

Teilweise kann ich diese Vorfreude und extreme Begeisterung nachvollziehen, immerhin werde auch ich beim kommenden Release von Kingdom Hearts 3 sicherlich einige Tage nur spärlich erreichbar sein. Mein Verständnis für die Gaming-Welt hört allerdings auf, wenn über dem Zocken Körperhygiene komplett ignoriert wird oder die Aggressivität durch wüste Beleidigungen in Foren über gewisse Games immer mehr zunimmt. Denn Zocken ist meiner Ansicht nach ein Hobby und kein Wettstreit um die innovativsten „Deine-Mutter-Witze“.

Dabei sind Gamer mittlerweile nicht mehr die einsamen Nerds, die sich in ihrem Zimmer zurückziehen. Und erst recht ist es nicht nur Männersache. Ich verweise hierbei liebend gerne auf Statista, wonach allein in Deutschland 16,3 Millionen Menschen weibliche Zocker sind. Und wo wir schon einmal dabei sind: Wusstet ihr, dass das Durchschnittsalter von Zockern im Jahr 2018 bei 36,1 Jahren liegt?

Egal ob jung oder alt: Die Spielereihe Super Mario zählt zu den erfolgreichsten weltweit.Egal ob jung oder alt: Die Spielereihe Super Mario zählt zu den erfolgreichsten weltweit.

Über all dem möchte ich allerdings gar nicht zu sehr auf diesen typischen Zocker-Alltagsklischees herumtrommeln. Vielmehr möchte ich diese Kolumne den Gelegenheitsspielern widmen. Ganz genau, ich rede von denjenigen, die ab und an mal in ein Videospiel hineinschnuppern oder sich komplett dem Zocken von Gelegenheitsspielen widmen. Denn ganz ehrlich: Wir brauchen diese Gelegenheitsspieler!

In Deutschland sind das übrigens ganz schön viele. Satte sieben Prozent zocken gelegentlich, 35 Prozent tauchen regelmäßig in die virtuelle Welt ab. Wer das nachlesen möchte, kann das in diesem Beitrag der Gameswirtschaft tun. Als Gelegenheitsspieler werden diejenigen betitelt, die öfter mal unterwegs mit ihrem Smartphone, auf PC oder Spielekonsole daddeln. Und dennoch ist das die Rubrik der Spieler, die den Hardcore-Zocker oft so richtig auf die Palme bringen.

Es fängt mit einfachen Aussagen wie „Ich zocke übrigens auch!“ an. Schon glaubt man, einen Seeelenverwandten gefunden zu haben, mit dem man sich die kommende halbe Stunde über seine Videospiel-Erfahrungen austauschen kann. Bei genauerem Nachfragen stellt sich dann allerdings heraus, dass sich das Wissen des Gegenübers auf Gelegenheitsspiele à la Die Sims 3 oder Euro-Truck Simulator beschränkt, im allerschlimmsten Fall sogar auf Candy Crush Saga (und das hat ja wirklich jeder mal gehabt, geliebt und gehasst). Mist aber auch!

Gelegenheitsspiele machen eure Täume wahr: In Die Sims 3 könnt ihr sogar Wissenschaftler werden.Gelegenheitsspiele machen eure Täume wahr: In Die Sims 3 könnt ihr sogar Wissenschaftler werden.

Wobei ... an diesem Punkt stellt sich doch die Frage: Warum sind Zocker immer so schlecht auf Gelegenheitsspieler zu sprechen? Zocker ist eben Zocker, der eine mehr, der andere weniger. Es geht hier nicht um einen Titel, der verliehen werden muss. Und ich behaupte, dass die heutige Zocker-Community ohne all die Gelegenheitsspieler in der Form nicht existieren würde.

Wenn ihr einen Blick in die Topseller-Liste der Spiele mit dem Tag „Gelegenheitsspiele“ auf Steam werft, erscheinen Simulationsspiele ganz oben. Two Point Hospital ist ein gutes Beispiel. In diesem Spiel widmet ihr euch der Heilung eurer Patienten in einem Krankenhaus, die mit allerlei Absurditäten wie einer Glühbirne als Kopf zu euch kommen.

Wie unterhaltsam Two Point Hospital sein kann, seht ihr im Trailer:

Im Klassiker Stardew Valley erbaut ihr eure eigene Farm, indem ihr euch um die Felder kümmert, Tiere züchtet oder Beziehungen eingeht. Bei all diesen Gelegenheitsspielen fällt dabei eines ins Auge: Sie sind unterhaltsam, bieten einfaches Gameplay und liefern schnelle Erfolgserlebnisse. Sie sind eben Spiele für zwischendurch.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, sich stundenlang Zeit für ein Spiel zu nehmen und in dessen Welt komplett abzutauchen. Sheldon aus The Big Bang Theory sagte einmal „Ich muss kurz frische Luft schnappen“ und setzte sich anschließend mit seinem Controller vor die PlayStation, um in Read Dead Redemption einen abendlichen Spaziergang zu absolvieren.

Das ist auch eine Möglichkeit mal raus zu gehen.Das ist auch eine Möglichkeit mal raus zu gehen.

Einfach abzuschalten fällt vielen heute aber schwer. Hinzu kommt, dass Videospiele eben auch nicht besonders preiswert sind und im Umfang immer mehr zunehmen. Kurze Videospiele mit einer Spielzeit bis zu zehn Stunden wie Uncharted es einmal bot, sind heutzutage eher selten. Wenn ihr abends völlig geschafft zu Hause ankommt, suchen die meisten von euch eine entspannende Beschäftigung.

Oftmals ist diese Beschäftigung dann das Abtauchen in kurze Spiele, die einem das Gefühl geben, etwas Sinnvolles zu erledigen und Energie zu tanken. Gelegenheitsspiele lenken kurzfristig ab und geben zumindest mir das Gefühl, einen Gehirn-Reset zu starten, dank dem ich mich später bei voller Energie wieder der zu erledigenden Aufgabe widmen kann.

Nur mal kurz reinschauen: Stardew Valley lässt mich für einen kurzen Moment Alltagssorgen vergessen.Nur mal kurz reinschauen: Stardew Valley lässt mich für einen kurzen Moment Alltagssorgen vergessen.

Ich kann sie daher verstehen, die Gelegenheitsspieler. Denn auch ich (und wahrscheinlich auch ein Großteil von euch!) bin Gelegenheits-Spielen nicht abgeneigt. Egal ob ich genervt, glücklich oder traurig bin, Gelegenheitsspiele bieten mir eine kurze Flucht in eine andere Gedankenwelt.

Ich glaube daher nicht, dass man die Gaming-Community so einfach in Schubladen stecken kann. Ich kann nur beurteilen, dass es ohne diese Gelegenheitsspieler Gelegenheitsspiele auch nicht geben würde. Ohne diejenigen, die Stunden in dem Aufbau ihres Restaurants wie in Overcooked zubringen, würde die Entwicklung eben dieser Spiele irgendwann nicht mehr stattfinden.

In Overcooked könnt ihr schnell aufsteigen und Erfolge sammeln - vorausgesetzt, ihr könnt kochen.In Overcooked könnt ihr schnell aufsteigen und Erfolge sammeln - vorausgesetzt, ihr könnt kochen.

Noch dazu bieten die meisten Gelegenheitsspiele unterhaltsame Online oder auch Koop-Modi. In dem witzigen Multiplayer Witch it! taucht ihr in eine humorvolle Welt ein und spielt mit euren Freunden Verstecken. Als Hexe verzaubert ihr euch in einen beliebigen Gegenstand und müsst von euren den anderen entdeckt werden. Das Spiel bereitet zumindest mir eine Menge Spaß!

Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass jeder einen Gelegenheitsspieler in seinem engeren Freundeskreis benötigt. Denn über all die fantastischen Spiele, die auf uns warten, darf man einfach die reale Welt nicht vergessen.

Mit Gelegenheitsspielern kann man sich nämlich durchaus über seine vergangenen Game-Erfahrungen austauschen, aber eben auch über viele andere Hobbys, die nichts mit Zocken zu tun haben. Wenn ich mit meinen Gelegenheitsspielern-Freunden Zeit verbringe, können wir die Hälfte des Tages vor der Konsole verbringen, jedoch die andere Tageshälfte Unternehmungen außerhalb von PlayStation und Co. machen.

Wie ich bereits schon sagte, bin ich kein Fan davon, Zocker strikt in Kategorien einzuteilen. Für mich verschwimmen da die Grenzen. Ich glaube jedoch, dass Gelegenheitsspieler wichtig sind, um Abwechslung in der Community beizutragen. Es gibt eben kein klares Schwarzweiß, keine klare Trennung von „Ich zocke andauernd“ oder „Ich zocke nicht“.

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