Abgestaubt: Das erste Assassin's Creed ist eine Enttäuschung

(Kolumne)

von Stefan Wirth (19. Oktober 2018)

Es ist noch gar nicht so lange her, dass mit Assassin’s Creed – Odyssey der neue Ableger der beliebten Reihe um die stillen Mörder erschien. Grund genug, sich die Wurzeln der Reihe noch einmal genauer anzuschauen.

Ursprünglich wurde das erste Assassin's Creed als Spin-Off zu Prince of Persia geplant. Es gab sogar schon einen Teaser dazu:

Deshalb habe ich aus der letzten Ecke des Spieleregals eines Bekannten das originale Assassin’s Creed noch einmal hervorkramen lassen, da mein Exemplar irgendwo in meinem ehemaligen Kinderzimmer Staub ansetzt, oder ich dieses bereits verkauft habe, ich weiß es nicht mehr genau.

Das Abenteuer beginnt - noch nicht so richtig

Nach kurzer Aufbaupause - ich hatte meine PlayStation 3 schon eine Weile nicht mehr genutzt - und Installation war ich bereit, mich noch einmal als Altair in die Machenschaften der Tempelritter einzumischen. Jedoch war das Spiel noch nicht bereit dazu, denn obwohl ich gleich mit dem Erkunden der Spielwelt loslegen wollte, fand ich mich zuerst in einer Animus-Fehlersequenz und danach im Konzerngebäude von Abstergo wieder.

Ach ja, Desmond, Lucy, Vidic, da klingelte etwas, schließlich haben wir ja insgesamt fünf Spiele miteinander verbracht. Und obwohl mich zuletzt in Odyssey die Sequenzen in der Jetztzeit kaum begeistern konnten, weckte die Geschichte um den Konzern Abstergo und Desmonds Entführung schnell mein Interesse.

In Assassin's Cred spielt ihr nicht nur den Assassinen Altair, sondern auch seinen Nachfahren Desmond.In Assassin's Cred spielt ihr nicht nur den Assassinen Altair, sondern auch seinen Nachfahren Desmond.

Was die Geschichte aber aufbaute, machte die Inszenierung schnell wieder kaputt. So fühlte ich mich als würde ich die ganze Geschichte durch eine Sicherheitskamera beobachten. Das ist zwar ästhetisch durchaus so beabsichtigt, aber einfach unglaublich sperrig und nervig. Glücklicherweise war die Szene aber nicht allzu lang. Danach ging es endlich in den Animus und war bereit für mein Abenteuer.

Falsch gedacht! Noch immer konnte ich die Welt nicht frei erkunden, sondern musste mich zunächst durch eine halbstündige Intro-Sequenz quälen in der mir vom Laufen, über das Gehen, bis hin zum Rennen, alles Mögliche beigebracht wurde. Ihr verfluchten, nicht überspringbaren Tutorials – ihr habt mich wieder einmal erwischt. Doch glücklicherweise war das Intro bald vorbei und ich konnte mein Abenteuer im Heiligen Land des zwölften Jahrhunderts endlich beginnen.

Altes Spiel - Alte Technik

Aussichtspunkte und Todessprünge gehören auch heute noch zur AC-Reihe, sind aber bei weitem nicht mehr so häufig.Aussichtspunkte und Todessprünge gehören auch heute noch zur AC-Reihe, sind aber bei weitem nicht mehr so häufig.

Mit den Abläufen war ich vertraut. Zuerst das Zusammentreffen mit Robert de Sablé, die Belagerung des Assassinen-Klosters Masyaf durch die Kreuzritter, deren Abwehr, aber auch die darauffolgende Degradierung des Protagonisten Altairs. So spielte ich weiter als Assasinen-Novize - beraubt meines soeben vorgestellten Waffenarsenals und meiner verinnerlichten Fertigkeiten. Du Videospielklischee aus den Nuller Jahren, auch du hast mich eiskalt erwischt.

Aber wo eine versteckte Klinge ist, da ist auch ein Weg und so machte ich mich, nach einem weitern kleinen Tutorial zu den Missionstypen auf den Weg nach Damaskus, um mein erstes Attentat zu verüben. Auf dem Weg dahin ritt ich durch das viel zu groß für den eigentlichen Zweck geratene Königreich, das lediglich alle Städte verbindet. Dort synchronisierte ich auch den ersten Aussichtspunkt.

Dabei fiel mir auf, wie sehr die Grafik doch eingestaubt ist. Was 2007 ein Meilenstein war, ist heute ein einziger Matsch aus Kantenflimmern, in die Jahre gekommenen Texturen und Bewegungsunschärfe. Wer bei Ubisoft hatte denn überhaupt ursprünglich gedacht, dass die Unschärfe beim Reiten eine gute Idee sei?

Die Grafik von Assassin's Creed galt einmal als Meilenstein. Heute wirkt sie sehr veraltet.Die Grafik von Assassin's Creed galt einmal als Meilenstein. Heute wirkt sie sehr veraltet.

Schließlich kam ich in Damaskus an und bekam beinahe einen Anfall von Raumangst. Warum ist dieses Spiel so enge? Warum ist das Klettern so fummelig? Warum renne ich alle fünf Meter gegen etwas? Warum ist die Minimap so furchtbar unübersichtlich?

Trotz dessen horchte ich mich irgendwie um, wo mein Ziel sich verstecken könnte, stahl, prügelte und schlich mich durch die Stadt und schließlich durfte meine versteckte Klinge zu ersten Mal Blut kosten. Das erste Attentat war begangen und das war's dann auch. Viel mehr hat das Spiel nämlich nicht zu bieten.

Und wieder und wieder und wieder

Attentate sind integraler Bestandteil der AC-Reihe, im ersten Teil waren diese aber noch nicht besonders abwechslungsreich.Attentate sind integraler Bestandteil der AC-Reihe, im ersten Teil waren diese aber noch nicht besonders abwechslungsreich.

In den nächsten Stunden machte ich buchstäblich immer wieder dasselbe. Ich kam in die nächste Stadt, machte die drei selben Missionstypen, erkletterte Aussichtspunkte, von denen es gefühlt alle fünf Meter einen gibt, töte mein Ziel und alles wieder von vorne.

Das erste Assassin's Creed ist ein Spiel, das heute keinen Spaß mehr macht, weil es einfach unglaublich schlecht gealtert ist. Das, was damals schon zu wünschen übrig ließ, ist aus heutiger Sicht noch schlechter. Die ehemaligen Stärken sind so in die Jahre gekommen, dass diese niemanden mehr beeindrucken.

Die damals gelobte Grafik ist öde, die gepriesene Spielwelt ist veraltet, die Steuerung ist einfach nur noch fummelig und das Spiel im allgemeinen absolut unspektakulär. Teilweise habe ich mich nicht so gefühlt als würde ich einen wendigen Assassinen, sondern einen Panzer steuern.

Videospiele sind weit gekommen

Assassin's Creed - Odyssey hat nicht nur einen optischen Sprung gemacht.Assassin's Creed - Odyssey hat nicht nur einen optischen Sprung gemacht.

Im Vergleich mit dem aktuellen Ableger Odyssey erkennt man, wie weit die Reihe und Videospiele im Allgemeinen in den letzten elf Jahren gekommen sind. So fühlt sich die Welt in Odyssey doch viel lebendiger an und das Gameplay ist viel flüssiger. Aber auch ein kleiner Kritikpunkt ist mir durch das Spielen des ersten Teils aufgefallen. So wirken die Missionen in Odyssey auch teilweise sehr repetitiv. Im Game-Design gibt es für die Reihe also immer noch eine Menge Luft nach oben.

Auch wenn ich niemandem von euch empfehlen kann, den ersten Teil von Assassin’s Creed noch mal aus dem Spieleregal hervorzukramen, so bin ich doch auf eine gewisse Art froh, dass ich es gemacht habe. Zwar hielt sich der Spaß dabei sehr stark in Grenzen, doch ich habe zu schätzen gelernt, was für tolle Entwicklungen es in den letzten Jahren bei Videospielen gab. Schauen wir also froh in die Zukunft, dass kommende Spiele noch viel besser werden.

Ein Glück sind Spiele nicht mehr so beschränkt und fummelig wie noch 2007. Zu welchen Spielen die ihr ursprünglich mochtet seid ihr zurückgekehrt, um festzustellen, dass sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind? Schreibt es uns doch in die Kommentare!

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Tags: Singleplayer   Abgestaubt  

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