Senran Kagura: Wieso das Entfernen bestimmter Modi richtig sein kann

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (20. Oktober 2018)

In den letzten Tagen gab es in den Sozialen Medien und Videospiel-Foren einiges an Aufregung. Sony hatte entschieden, aus dem letzten "Senran Kagura"-Spiel einen Modus zu entfernen, in dem es darum geht, weibliche Charaktere zu befummeln. Diese Entscheidung halte ich für richtig und frage eher: Wieso machen Steam und Nintendo das nicht?

Um diese Spielereihe handelt es sich:

Zunächst ein kleiner Exkurs: Bei der Entfernung des "Intimacy Mode" aus Senran Kagura - Burst Re:Newal handelt es sich nicht um Zensur. Nicht der deutsche Staat steckt hinter dieser Entscheidung, es ist nicht der Versuch, bestimmte Informationen zu unterdrücken. Es ist ein privatwirschaftliches Unternehmen - nämlich Sony - das entschieden hat, dass es schädlich für die Firma sein könnte, wenn sie ein Spiel im Westen verkauft, das bedenkliche Inhalte enthält. Solltet ihr euch tiefergehend mit dem Thema Zensur beschäftigen wollen, möchte ich euch den Artikel meines Kollegen René ans Herz legen: Zensur in Deutschland - Warum nicht jeder Schnitt eine Zensur bedeutet.

Was also ist dieser "Intimacy Mode" in Senran Kagura? Nun, in diesem Modus beobachtet ihr ein Mädchen, das von dem Spiel eindeutig als minderjährig markiert wird, und schaut, wie es reagiert, während ihr es begrabscht. Ja, das ist der Inhalt dieses Modus. Nicht einvernehmliches, digitales Anfassen von minderjährigen Frauen. In dem Spiel Senran Kagura - Peach Beach Splash, das ich damals selbst für ein paar Stunden gespielt habe, war dieser Modus übrigens noch enthalten - auch auf der PlayStation 4.

Der interessantere Apsekt ist doch also eigentlich, wieso so ein Modus so lange in diesen Spielen enthalten war, ohne, dass die Frage gestellt wurde: Wollen wir sowas wirklich? Ein Modus außerhalb des Hauptspiels, der nichts weiter von euch möchte als dass ihr Mädchen belästigt?

Für mich hat diese Frage nichts mit Sex zu tun. Es geht nicht darum, dass Videospiele keinen Sex oder Freizügigkeiten darstellen sollen. Es geht darum, wie Sex dargestellt wird. Nicht um den prüden Versuch, züchtig zu sein. Sondern darum, sexuelle Handlungen nicht zu zeigen, die überaus fragwürdig sind - sogar viele Menschen abstoßen können. Solche Inhalte, so scheint es, möchte Sony wohl nicht mehr in seinem Store anbieten. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei jedoch nicht um eine ethische Entscheidung, sondern schlichtweg eine marktwirtschaftliche.

Unsere Gesellschaft, sie ändert sich nunmal. Immer mehr Bewegungen wie etwa #MeToo versuchen Missstände, die viel zu lange vorgeherrscht haben, zu beseitigen. Sie wollen aufklären, von ihren eigenen Geschchten erzählen, bewusst machen von den vielen schlimmen Erfahrungen, die sie - in diesem Fall Frauen - oft machen müssen. All diese Diskurse, diese Veränderungen, bekommt auch ein Unternehmen wie Sony mit. Und ich halte es für richtig, wenn es dann den Schluss zieht: Vielleicht wollen wir kein Spiel anbieten, in dem ein Modus es zum Ziel hat, Mädchen zu belästigen.

Gewalt besser als Sex?

Oftmals wird in dieser Frage der Vergleich angestellt, dass Gewalt ja auch in ihrer ganzen Drastik dargestellt wird, es also weitaus weniger schlimm sei einen Modus wie den in Senran Kagura zu spielen. Diesen Vergleich halte ich für stark hinkend. Ich würde mich genauso dagegen aussprechen, einen Modus in einem Spiel zu haben, in dem ich Menschen ohne jede Kontextualisierung, ohne jede Erklärung töten müsste.

Doch spielt das Töten von Menschen in unserer Gesellschaft nunmal auch eine ganz andere Rolle. Sexualität erleben wir täglich, in dem Begehren, das wir selbst verspüren, in dem Begehren unserer Sexualpartner. Es ist ein ständiger Prozess, eine alltägliche Aushandlung zwischen Menschen.

Der Akt, jemanden zu töten, ist nicht Teil unseres Alltags. Gewalt ist größtenteils aus unseren Gesellschaften verschwunden und wird nunmehr in der Fiktion thematisiert, in unseren Romanen, Filmen, Videospielen. Es herrscht also eine viel größere Distanz dazu. Bei Sex ist dem nicht so. Es gibt einen direkten Bezug zwischen unserem Alltag und dem, was wir spielen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sex in Videospielen öfter thematisiert würde. Aber dann bitte auf eine differenzierte Weise. Ohne, dass direkt ein Geschlecht aus dem Diskurs ausgeschlossen wird. Ohne Objektifizierung. Sondern so, wie Sex nunmal ist: komplex und echt interessant.

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