Grand Theft Auto 5

3 Dinge gelernt: Das hat mir der Multiplayer in GTA Online beigebracht (Kolumne)

von Michael Sonntag (aktualisiert am Montag, 09.08.2021 - 09:39 Uhr)

Mit GTA Online führe ich eine Beziehung wie mit fast keinem anderen Spiel. Kennengelernt habe ich es 2014 bei einem Freund und musste es unbedingt haben, nachdem ich dort das erste Mal als Geisterfahrer über den Highway gedüst bin. 2015 war meine spielerische Hochphase, als ich dank einer „akademischen Neuorientierung“ genügend Zeit für die ganzen Heists-Missionen, Wettkämpfe und von Fans erstellten Modi hatte.

Seit 2016 statte ich Los Santos nur noch selten einen Besuch ab, quasi als gealterter Gangster, der in Erinnerungen schwelgt und angesichts der jungen Trolle nur den Kopf schütteln kann (und manchmal auch das Gewehr). Jetzt kann ich sagen, ich habe während dieser Zeit drei wichtige Dinge gelernt, über GTA, über Videospiele an sich und über mich selbst. Lauscht meinen Memoiren über einen absolut kranken Multiplayer!

Vorstellungsvideo zu GTA Online

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein.

Alle Artikel dieser Reihe findet ihr hier.

Nehmt es nicht zu ernst

Als mein Online-Charakter mit Level 1 vom Flughafen abgeholt wurde, sah ich zum ersten Mal die Wolkenkratzer und schwor mir, irgendwann dort oben in meinem Chef-Büro zu stehen und mir mit einem Drink selbst zuzuprosten, weil ich diese Stadt vollständig erobert habe.

Auf den Boden der Tatsachen holte mich dann aber die billige Garage, die ich mir als einziges von meinem knappen Geld leisten konnte. Meine erste Nacht verbrachte ich direkt neben meiner gestohlenen Schrottkarre. „Gute Nacht, Schatz, morgen machen wir die alle“, flüsterte ich ihr zu und tätschelte den Reifen.

Wie mir ein Spieler am nächsten Tag mit seinem schicken Panzer wortwörtlich einbläute, zählt in GTA Online nur eins: Unverschämtheit (Nein, selbstverständlich Geld). Weil ich es nicht einsah, meinen kapitalen Aufstieg mit Echtgeld zu beschleunigen, sprang ich von einem Job zum anderen: Kopfgeldjäger, Rennfahrer, Auftragssöldner, Deathmatch-Kämpfer und so weiter.

Mein GTA-Leben zusammengefasst: Tausend Explosionen, Tausend Autos, Tausend Tode, Tausend Ladebildschirme.
Mein GTA-Leben zusammengefasst: Tausend Explosionen, Tausend Autos, Tausend Tode, Tausend Ladebildschirme.

Aber wirklich viel Kohle brachten erst die Heists ein, wovon eine Mission spannender und komplexer als die andere war: Gefängnisaussbrüche, Militärtechnologie stehlen, Bankräube - ich korrigiere, sie hätten viel Kohle eingebracht, wenn ihrem Erfolg nicht eine bestimmte Sache im Weg gestanden hätte: Die Intelligenz mancher Spieler.

Die Regeln waren an sich einfach. Das glaubte ich zumindest. Im Nachhinein hätte ich sie jedem meiner Mitspieler vielleicht nochmal zuschicken sollen.

  1. Wir sind ein Team. (Das heißt, wir spielen zusammen und nicht gegeneinander.)
  2. Um die Mission zu erfüllen, muss sie selbstverständlich auch zu Ende gespielt werden.
  3. Es ist mathematisch unmöglich, jedem von vier Spielern 100 Prozent der Beute zu geben.
  4. Fallschirme funktionieren nur, wenn sie geöffnet werden.
  5. Wenn jemand die Aufgabe hat, Luftunterstützung zu geben, sollte er keine Vögel beobachten.
  6. Die Anweisungen über Headsets sind keine bösen Stimmen im Kopf, die ignoriert werden müssen.
Coup-Spaß für den Multiplayer? Das hing ganz stark von den Mitspielern ab:

Es war die organisatorische Hölle auf Erden. Egal, was für eine Komödie die zufällig zugeteilten Spieler veranstalten, ich hatte kaum Alternativen. Auf meine Freunde konnte ich in diesem Fall nicht zählen, da diese in einer "League of Legends"-Spirale steckten.

Dutzende gescheiterte Anläufe und ein paar Erfolge später entschied ich mich einer Crew beizutreten, auch wenn das bedeutete, dass ich meinem Wagen die albernen Crewfarben verpassen musste und an zwei skurrilen Flugplatztreffen teilnehmen musste. Mit meinen neuen „Freunden“ lief es einigermaßen besser, aber Heist-Missionen machten mir einfach keinen Spaß mehr. Es war den ganzen Stress nicht wert.

Chaotisch, spannend und abwechslungsreich - Den "Rockets versus Insurgents"-Modus kann ich jedem wärmstens empfehlen.
Chaotisch, spannend und abwechslungsreich - Den "Rockets versus Insurgents"-Modus kann ich jedem wärmstens empfehlen.

Irgendwann war der letzte Auftrag abgeschlossen und jeder ging wieder seiner Wege. Jetzt hatte ich eine Millionen Dollar zusammen und hätte mir alles kaufen können, egal ob Waffen, Hochhäuser, Panzer oder Hubschrauber. Aber wozu? Mir ging es ja eigentlich mehr ums Spielen als ums Besitzen.

Und wenn ich alles gehabt hätte, wäre das Spiel quasi zu Ende gewesen. Aber darum geht ins GTA nicht, dachte ich mir, es ist enthalten, aber strenggenommen nebensächlich. Eigentlich wie im echten Leben!

Ich hörte auf, das Spiel so furchtbar ernst zu nehmen und blieb nur noch bei meinen liebsten Beschäftigungen, vor allem dem Fan-Modus „Rockets versus Insurgents“. Die Kurzerklärung: Jeep-Fahrer müssen über Rampen Panzerfaustschützen von einer Plattform schubsen. Das machte Spaß und brachte dank der Einstellungen auch viel Geld ein. Das ich nicht ausgab. Und wenn, dann nur für den Modus.

Spielt den Online-Modus auch mal als Singleplayer

Meine Heist-Erfahrungen und allgemeinen Mehrspieler-Erlebnisse führten dazu, dass ich den Multiplayer manchmal betrat und keine Lust auf ihn hatte. Damit war nicht der Modus direkt gemeint, sondern die anderen Spieler. Offline wollte ich ja auch nicht gehen, da ich dort meinen eigenen Charakter nicht hätte spielen können.

Los Santos zeigt sich vor allem abends von seiner schönsten Seite.
Los Santos zeigt sich vor allem abends von seiner schönsten Seite.

Da kam mir die Idee, einfach alles links liegen zu lassen und allein drauf loszufahren. Immer gerade aus, ohne vom Gas zu gehen. Weiter und weiter, in einen unendlichen Rausch. Wahlweise mit Musik oder ohne. Das funktionierte genauso fantastisch beim Fliegen und beim Jetski-Fahren. Ich merkte, dass GTA auch unglaublich entspannend und friedlich sein konnte, wenn man sich mal vom Zentrum entfernte.

Was sich auch gut zum Meditieren eignete, waren Auto-Tuning und Klamotten-Shoppen. Ein Teil anprobieren, durchwechseln, kaufen, Kamera drehen, Farbe ändern, behalten oder wechseln. Zum Teil entstanden dabei ganze Kollektionen. Es waren kleine kreative Projekte, bei denen mich niemand stören konnte und bei denen ich selbst keine Gewalt einsetzen musste. Es sei denn, es mussten Geschmacksgrenzen gebrochen werden, dann schon.

Die Liste an entspannenden Aktivitäten war lang: Achterbahn fahren, Golf spielen, über den Fernseher anderen Spielern zusehen, Fotos schießen, Fallschirm springen, auf Gebäude klettern, Gassen erkunden - und das absolute Higlight: Vom Taxifahrer durch ganz Los Santos kutschiert werden. Wegpunkt auswählen und Füße hochlegen. Solange kein Spieler allergisch auf meine Friedlichkeit reagierte, konnte ich auch mal vergessen, in welchem Spiel ich mich hier gerade befand.

Gebt der Community das, was sie verdient

Meine letzte Erkenntnis ist vermutlich die kontroverseste. Ihr verdanke ich auch, dass ich einmal von einer ganzen Lobby gejagt worden bin. Die Sache ist die: Wenn ich in GTA Online in Ruhe gelassen werde, bin ich sanftmütig wie ein Welpe, grüße andere Spieler und biete sogar Fahrgemeinschaften an. Wenn mir allerdings jemand doof kommt und den Bogen überspannt, sollte sich die Person lieber in ihr Apartment zurückziehen.

Ihr werdet mir zustimmen oder sogar eigene Anekdoten beisteuern können, dass es bei manchen Spielern einfach nichts bringt, über ein sportliches Miteinander zu reden. Gerade nicht bei GTA, das für viele auch einen perfekten Unverschämtheits-Simulator darstellt. Ich habe mir hierbei angewöhnt, die Unverschämtheit hundertfach zurückzuzahlen. Das dann aber ohne jede Aggressivität, ich drehe den Spieß einfach nur professionell um.

Abseits der ganzen Schießerei könnt ihr in GTA auch Unternehmer werden:

Ich habe mir dafür ein Verfahren zurechtgelegt. Nach diesem wird diejenige Person entweder brav sein oder offline gehen. Zuerst verwickle ich den Spielverderber in Duelle, in denen ich alles verwende: meine Waffengewalt und alle möglichen Handy-Features, die seine Situation noch ungemütlicher machen, wozu Luftschläge, Taschendiebe, Kopfgelder und Söldner gehören.

Wenn er nach etlichen Niederlagen keine Lust mehr hat und fliehen möchte, verhindere ich das, indem ich seine Fluchtfahrzeuge hochjage oder sabotiere. Ich bleibe ihm die ganze Zeit auf der Pelle, egal wo er hingeht. Schafft er es bis zu seinem Apartment, warte ich draußen im Wagen und höre Radio. Meistens geht er dann offline oder kommt noch einmal raus. Sollte er zweiteres tun, lasse ich ihm zunächst noch eine Chance, den Streit zu beenden.

Er kann dann gebückt seiner Wege gehen, während ich nur warnend hupe und wegfahre. Sollte er allerdings nochmal angreifen, bekommt er die letzte Salve. Und nein: Auch ein Passivmodus schützt ihn nicht vor allem.

Mit Cheats kann GTA auch unglaublich Spaß machen:

Ja, ich weiß, es ist fragwürdig, ich könnte auch einfach die Lobby wechseln, aber das entspricht nicht dem Wesen von GTA. Wer sich darüber beschwert, dass er im Online-Modus einfach erschossen wird, sollte lieber ein anderes Spiel zocken. Das meine ich nicht einmal böse. Im Multiplayer geht es oft unverschämt zu und gewissermaßen macht es auch Spaß, unverschämt zu sein. Ich meine, wir tun das ja nicht im echten Leben.

Wenn ich in einer Lobby merke, dass jemand jeden Spieler terrorisiert, fühle ich mich dazu verpflichtet, mir den Spielverderber vorzuknöpfen. Soll er sich doch mit mir beschäftigen, ich kann das ab, ich suche das auch manchmal, solange er die anderen dafür in Ruhe lässt. Vielleicht bin ich selbst zum Teil auch ein Spielverderber, aber dann gehöre ich gerade hierhin.

Jeder Spieler sollte verinnerlichen, warum er GTA Online spielt und wie er am meisten damit Spaß haben kann. Nur sollte er sich nichts vormachen. GTA Online ist nicht der beste Multiplayer, er ist unverschämt, aber einzigartig.

Du willst keine News, Guides und Tests zu neuen Spielen mehr verpassen? Du willst immer wissen, was in der Gaming-Community passiert? Dann folge uns auf Facebook, Youtube, Instagram, Flipboard oder Google News.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Inhalt

Tags: Drei Dinge gelernt  

bringt euch nicht zum Weinen

Life is Strange: True Colors bringt euch nicht zum Weinen

Willkommen in Haven Springs und damit zu einem neuen Abenteuer der „Life is Strange“-Reihe! In Life is (...) mehr

Weitere Artikel

Meinungen - Grand Theft Auto 5
D_Draconia
99

Alle Meinungen

  1. Startseite
  2. Artikel
  3. Kolumne
  4. 3 Dinge gelernt: Das hat mir der Multiplayer in GTA Online beigebracht (Kolumne)
GTA 5 (Übersicht)
Impressum & Kontakt Team & Jobs Datenschutzerklärung Datenschutz-Manager CO2 neutrale Website