GTA Online: 3 Dinge, die ich im Multiplayer gelernt habe

(Kolumne)

von Michael Sonntag (28. Oktober 2018)

Mit GTA Online führe ich eine Beziehung wie mit fast keinem anderen Spiel. Kennengelernt habe ich es 2014 bei einem Freund und musste es unbedingt haben, nachdem ich dort das erste Mal als Geisterfahrer über den Highway gedüst bin. 2015 war meine spielerische Hochphase, als ich dank einer „akademischen Neuorientierung“ genügend Zeit für die ganzen Heists-Missionen, Wettkämpfe und von Fans erstellten Modi hatte.

Seit 2016 statte ich Los Santos nur noch selten einen Besuch ab, quasi als gealterter Gangster, der in Erinnerungen schwelgt und angesichts der jungen Trolle nur den Kopf schütteln kann (und manchmal auch das Gewehr). Jetzt kann ich sagen, ich habe während dieser Zeit drei wichtige Dinge gelernt, über GTA, über Videospiele an sich und über mich selbst. Lauscht meinen Memoiren über einen absolut kranken Multiplayer!

Vorstellungsvideo zu GTA Online

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein.

Alle Artikel dieser Reihe findet ihr hier.

Nehmt es nicht zu ernst

Als mein Online-Charakter mit Level 1 vom Flughafen abgeholt wurde, sah ich zum ersten Mal die Wolkenkratzer und schwor mir, irgendwann dort oben in meinem Chef-Büro zu stehen und mir mit einem Drink selbst zuzuprosten, weil ich diese Stadt vollständig erobert habe.

Auf den Boden der Tatsachen holte mich dann aber die billige Garage, die ich mir als einziges von meinem knappen Geld leisten konnte. Meine erste Nacht verbrachte ich direkt neben meiner gestohlenen Schrottkarre. „Gute Nacht, Schatz, morgen machen wir die alle“, flüsterte ich ihr zu und tätschelte den Reifen.

Wie mir ein Spieler am nächsten Tag mit seinem schicken Panzer wortwörtlich einbläute, zählt in GTA Online nur eins: Unverschämtheit (Nein, selbstverständlich Geld). Weil ich es nicht einsah, meinen kapitalen Aufstieg mit Echtgeld zu beschleunigen, sprang ich von einem Job zum anderen: Kopfgeldjäger, Rennfahrer, Auftragssöldner, Deathmatch-Kämpfer und so weiter.

Mein GTA-Leben zusammengefasst: Tausend Explosionen, Tausend Autos, Tausend Tode, Tausend Ladebildschirme.Mein GTA-Leben zusammengefasst: Tausend Explosionen, Tausend Autos, Tausend Tode, Tausend Ladebildschirme.

Aber wirklich viel Kohle brachten erst die Heists ein, wovon eine Mission spannender und komplexer als die andere war: Gefängnisaussbrüche, Militärtechnologie stehlen, Bankräube - ich korrigiere, sie hätten viel Kohle eingebracht, wenn ihrem Erfolg nicht eine bestimmte Sache im Weg gestanden hätte: Die Intelligenz mancher Spieler.

Die Regeln waren an sich einfach. Das glaubte ich zumindest. Im Nachhinein hätte ich sie jedem meiner Mitspieler vielleicht nochmal zuschicken sollen.

  1. Wir sind ein Team. (Das heißt, wir spielen zusammen und nicht gegeneinander.)
  2. Um die Mission zu erfüllen, muss sie selbstverständlich auch zu Ende gespielt werden.
  3. Es ist mathematisch unmöglich, jedem von vier Spielern 100 Prozent der Beute zu geben.
  4. Fallschirme funktionieren nur, wenn sie geöffnet werden.
  5. Wenn jemand die Aufgabe hat, Luftunterstützung zu geben, sollte er keine Vögel beobachten.
  6. Die Anweisungen über Headsets sind keine bösen Stimmen im Kopf, die ignoriert werden müssen.

Coup-Spaß für den Multiplayer? Das hing ganz stark von den Mitspielern ab:

Es war die organisatorische Hölle auf Erden. Egal, was für eine Komödie die zufällig zugeteilten Spieler veranstalten, ich hatte kaum Alternativen. Auf meine Freunde konnte ich in diesem Fall nicht zählen, da diese in einer "League of Legends"-Spirale steckten.

Dutzende gescheiterte Anläufe und ein paar Erfolge später entschied ich mich einer Crew beizutreten, auch wenn das bedeutete, dass ich meinem Wagen die albernen Crewfarben verpassen musste und an zwei skurrilen Flugplatztreffen teilnehmen musste. Mit meinen neuen „Freunden“ lief es einigermaßen besser, aber Heist-Missionen machten mir einfach keinen Spaß mehr. Es war den ganzen Stress nicht wert.

Chaotisch, spannend und abwechslungsreich - Den "Rockets versus Insurgents"-Modus kann ich jedem wärmstens empfehlen.Chaotisch, spannend und abwechslungsreich - Den "Rockets versus Insurgents"-Modus kann ich jedem wärmstens empfehlen.

Irgendwann war der letzte Auftrag abgeschlossen und jeder ging wieder seiner Wege. Jetzt hatte ich eine Millionen Dollar zusammen und hätte mir alles kaufen können, egal ob Waffen, Hochhäuser, Panzer oder Hubschrauber. Aber wozu? Mir ging es ja eigentlich mehr ums Spielen als ums Besitzen.

Und wenn ich alles gehabt hätte, wäre das Spiel quasi zu Ende gewesen. Aber darum geht ins GTA nicht, dachte ich mir, es ist enthalten, aber strenggenommen nebensächlich. Eigentlich wie im echten Leben!

Ich hörte auf, das Spiel so furchtbar ernst zu nehmen und blieb nur noch bei meinen liebsten Beschäftigungen, vor allem dem Fan-Modus „Rockets versus Insurgents“. Die Kurzerklärung: Jeep-Fahrer müssen über Rampen Panzerfaustschützen von einer Plattform schubsen. Das machte Spaß und brachte dank der Einstellungen auch viel Geld ein. Das ich nicht ausgab. Und wenn, dann nur für den Modus.

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Tags: Drei Dinge gelernt  

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