Langweilig? Nö! Darum machen Simulationsspiele richtig Laune

(Kolumne)

von Stephanie Schulze (26. Oktober 2018)

Der Wahnsinn hält Einzug! Seit Jahren versinke ich ab und an in simulierten Welten. Und das aus einem sehr guten Grund. Eine hingebungsvolle Liebeserklärung an Simulationsspiele.

Ob online, offline oder zu zweit vor der Konsole daddeln: Simulationsspiele sind definitiv keine Nischen-Erscheinung. Selbst auf den mobilen Geräten kann man viel Zeit in seinen Größenwahnsinn ... äh, Städteaufbau stecken. In dieser Kolumne widme ich mich jedoch viel mehr den Games, welche mich auf PC und Konsole begleitet haben.

Gutes Karma, schlechtes Karma. In Die Sims 3 simuliert ihr den etwas anderen Lifestyle:

Gestatten: Misty Misterious, 158 Jahre jung, aufstrebende Hexe in Moonlight Falls. Ihr riesiges Anwesen finanzierte sich die Kleptomanin aufgrund ihrer erfolgreichen Karriere als Wahrsagerin.

Was wie der schlechte Anfang eines trashigen B-Movies klingt, ist nichts anderes als die Beschreibung einer meiner spielbaren Charaktere aus Die Sims 3. Mit der Erweiterung Supernatural, versteht sich. Die Sims 3 eröffnete mir viele Möglichkeiten: Ich konnte meine eigenen Charaktere nach Gutdünken bis ins kleinste Detail gestalten, meine sozialen Beziehungen aussuchen oder auch mein Wunschhaus kreieren. Während ich mich im realen Leben höchstens zu Ikea traue, und dann auch vielmehr Hot Dogs verspeise als Geld in schönes Möbel-Design zu investieren, waren mir in Die Sims kaum Grenzen gesetzt.

Endlich kann ich den Traum vom eigenen Garten verwirklichen.Endlich kann ich den Traum vom eigenen Garten verwirklichen.

Ob Intrigen, eingemauerte Sims im Whirlpool oder eine Vergiftung am Gummibaum, die Simulationsspielreihe Die Sims ist zwar kein genaues Abbild der Realität, doch dafür umso unterhaltsamer. Wie oft ließ ich meinen Sim ertrinken, verhungern oder verbrennen, nur um Gevatter Tod persönlich mit nervigen Fragen zu locken und schließlich zu meinem aktiven Haushalt hinzufügen zu können.

Simulationsspiele simulieren - ganz klar - irgendwo einen realen Sachverhalt. Dabei steht jedoch immer der Spielspaß im Vordergrund, weswegen gerne mal von der Realität abgewichen wird. Und genau das macht sie auch so interessant für mich. Ich kann eine Figur durch ihr Leben steuern, ohne das ich mit haargenau denselben Konsequenzen wie im wahren Leben zu rechnen habe. Ich kann ausschweifen, mich ausprobieren, einfach Freude empfinden während ich diese menschenähnlichen Pixel über meinen Konsolen- oder PC-Bildschirm steuere.

Die mit der langen Nase

Es sind nicht nur Die Sims, die mich faszinieren. Simulationsspiele im Allgemeinen haben es mir angetan. Angefangen hat das alles schon vor ein paar Jahren. Eines meiner ersten Simulationsspiele war Rig 'n' Roll, wo ich mit meinem riesigen, langhaubigen Peterbilt-Truck in Kalifornien Lieferungen ausfuhr.

Leider war ich eine Meisterin darin, Chaos zu stiften.Leider war ich eine Meisterin darin, Chaos zu stiften.

Ich verbrachte zu Beginn viel zu viel Zeit damit, sämtliche Verkehrsregeln zu missachten. Aber nachdem ich meinen geliebten Peterbilt komplett in den Dreck gesetzt hatte, wurde mir klar: Ich muss etwas ändern!

In kaum einem anderen Spiel habe ich seitdem so viel Zeit investiert, ordentlich auf Amerikas Highways brav meine Lieferungen auszufahren. Ich habe heute zwar immer noch keinen Führerschein, aber vergangenes Jahr legte ich auf meiner Kalifornien-Rundreise einen kurzen Zwischenstopp ein, um das Truck Center in Fresno mit eigenen Augen zu sehen, den Ort, wo ich auch in der digitalen Welt viel Zeit verbracht hatte.

Ihr steigt ein, wenn ich es will!

Was mir aber die größten Lacher beschert hat, waren Simulationsspiele die wirklich versucht haben, nahe an der Realität zu landen und gnadenlos daran vorbeigeschrammt sind. Stichwort: Fernbus-Simulator und World of Subway - Vol. 2. Muss ich noch mehr sagen?

Da kommen Erinnerungen hoch: Gelb, überfüllt und oft unpünktlich.Da kommen Erinnerungen hoch: Gelb, überfüllt und oft unpünktlich.

Für mich ist es das Schönste, wenn ich einige Städte oder kleine Dinge wiedererkenne, die der Entwickler versucht mit einzubauen. Bei der Fernbus-Fahrsimulation war das leider etwas schwierig, da die Umgebung genauso lieblos aussah wie die Charaktere. Wenigstens war das Spiel aufgrund seiner schlechten Spielweise auf gewisse Art und Weise unterhaltsam und erinnerte mich an originale Fernbus-Situationen.

Ich stand ebenfalls schon oft völlig ratlos vor den Türen des Flixbus und versuchte verzweifelt, die Helligleit meines Bildschirmes hochzuschrauben, um die Fahrkarte dem wuseligen Busfahrer zu präsentieren. Wie in der Simulation war das mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Denn der Busfahrer weigerte sich schlicht und ergreifend, mich entweder wahrzunehmen oder meinen QR-Code als Fahrkarte anzuerkennen.

Jedoch habe ich den Simulationsspielen weitaus mehr als bloße Freude zu verdanken, auch Lernerfolge konnte ich durch ebenjene Games verbuchen! Und nein, ich rede nicht davon, dass ich mich durch Two Point Hospital in der Lage fühle, Operationen durchzuführen.

Ein Glück ist Two Point Hospital nur eine spaßige Simulation:

Wichtige Lernerfolge konnte ich durch World of Subway - Vol. 2 erhalten. Denn dank der etwas holprigen und zugegebenermaßen lachhaften Simulation, war ich endlich in der Lage, die U-Bahn-Stationen der Berliner U7 auswendig zu lernen. Endlich musste ich nicht mehr in letzter Sekunde einen filmreifen Sprint durch die Menschenmengen wagen, um rechtzeitig den Bahnsteig vor dem Schließen der Türen zu erreichen. Nein, ich wusste schon zuvor welche Station als nächstes kam und konnte mich langsam bereit machen. Diesen Lernerfolg hatte ich nur aufgrund der U-Bahn-Simulation.

Gruselfaktor inklusive

Das Simulationsspiele aber nicht immer nur zum Lachen anregen, kenne ich aus bester Erfahrung zu The Forest, einem "Survival Horror"-Spiel, bei dem ich lernen musste, mich als einzige Überlebende durch den Dschungel zu schlagen. Meine realitätsnahen Camping-Erfahrungen waren nichts angesichts der Tatsache, dass kannibalistische Völker versuchten, meinem Leben ein Ende zu setzen.

Eine wunderschöne Landschaft, ich, die Axt und irgendwo jede Menge Kannibalen.Eine wunderschöne Landschaft, ich, die Axt und irgendwo jede Menge Kannibalen.

Die gruselige Atmosphäre gepaart mit dem nervenzereibenden Versteckspiel ließen mich ein ums andere Mal den Blick über die Schulter werfen. Vielleicht stand ja doch ein Kannibale hinter mir? Glücklicherweise war das nie der Fall und ich kann heute weitere Simulationsspiele zocken.

Immerhin bin ich trotz der Faszination oben genannter Beispiele weder Truck-Fahrerin noch Wahrsagerin geworden. Übrigens auch keine Farmerin, wenn man Stardew Valley hinzuzählt. Und um diese Berufswünsche auszuschließen, hätte ich nicht wirklich all diese Spiele zocken oder anderen dabei zusehen müssen.

Lernerfolge, Lacher, Grusel, alles in allem haben Simulationsspiele eine Menge zu bieten. Mir machen Simulationsspiele einfach Spaß. Während andere Menschen sich an dem Unglück schlechter "RTL 2"-Schauspieler weiden, erfreue ich mich an meinen eigenen, selbstkreierten Sinn(los)igkeiten. Ich spiele nicht nur ausschließlich Simulationsspiele, nur damit euch das klar ist. Aber ich spiele sie gerne.

Tags: Fun   Steam  

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