Black Ops 4 & Co.: Gut, dass Spiele auf bestimmte Modi verzichten

(Kolumne)

von René Wiesenthal (24. Oktober 2018)

Während sich viele Spieler im Vorfeld zum Release von Call of Duty – Black Ops 4 über die fehlende Kampagne beschwert haben, frage ich mich: Wer braucht denn überhaupt einen Story-Modus in Call of Duty? Viele Spiele tun gut daran, sich von unnötigem Ballast zu verabschieden.

Weniger ist manchmal einfach mehr. Und damit meine ich nicht, dass Videospiele immer weniger Inhalt bieten sollten als es für den Kaufpreis noch vertretbar wäre. Auch möchte ich keine moralische Aussage tätigen, wie Kollege Matthias in Bezug auf Senran Kagura Burst Re:Newal.

Ich beziehe meine Aussage auf die Unsinnigkeit und den Schwindel, der mit unnötigen Spielmodi verbunden sein kann. Denn seid ehrlich: Wer von euch kauft sich "Call of Duty"-Spiele wegen der genialen Geschichte? Ich denke, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Serie – vor allem in den letzten Jahren – keine Oscars für ihre gut geschriebenen Geschichten verdient hätte.

Call of Duty - Black Ops 4: Der neue "Battle Royale"-Modus Blackout

"Call of Duty"-Spieler sind Online-Spieler, Multiplayer-Liebhaber, kompetitive Spieler. War in vorherigen Teilen eine Kampagne enthalten, gab es sicher Spieler, die daran ein paar Stunden Spaß hatten. Für diesen Part gekauft haben sich die Spiele aber wohl die Allerwenigsten. Und so könnte man die Kampagne hier etwas überspitzt als Beigabe bezeichnen.

Was daran problematisch ist, dass es unnötige Beigaben in Spielen gibt? Zum einen der Umstand, dass damit geworben werden kann, vielleicht in viel höheren Tönen, als es gerechtfertigt wäre. Zum anderen – und das geht direkt damit einher - die Enttäuschung, die damit verbunden ist, dass vorhandene Modi nichts taugen und am Ende nur links liegen gelassen werden.

Füllmaterial ohne Mehrwert

So kann man die Singleplayer/Multiplayer-Debatte nämlich auch umkehren und sich Tomb Raider aus dem Jahre 2013 anschauen. Crystal Dynamics haben Spielern hier einen Multiplayer-Modus mitgegeben, der niemandem wehtat, aber auch keinen Mehrwert hatte. Was da an Ressourcen hineingeflossen ist, hätte an anderer Stelle bessere Verwendung gefunden. Das hat wohl auch Square Enix erkannt und ab Teil 2, Rise of the Tomb Raider, auf die Online-Gefechte verzichtet, um auf die wirklichen Stärken des Spiels zu fokussieren.

Multiplayer-Gefechte in Tomb Raider? Braucht keiner.Multiplayer-Gefechte in Tomb Raider? Braucht keiner.

Oder wechseln wir das Genre mal drastischer und schauen uns Mario Kart 8 an – ein hervorragender Fun-Racer. Natürlich wäre es hier schöner gewesen, die Entwickler hätten einen anständigen Arena-Modus eingebaut. Schließlich kannten und liebten Spieler den aus anderen Serienteilen. Scheinbar hat dafür aber die Zeit nicht mehr gereicht. Statt also ganz darauf zu verzichten, hat man einen halbherzigen - man könnte sogar sagen unnötigen - Battle-Modus erstellt. Der füllt die Auswahl an Spielvarianten künstlich auf, wird aber von den allermeisten Spielern komplett ignoriert.

Läuft auch ohne Battle-Modus: Mario Kart 8 Deluxe.Läuft auch ohne Battle-Modus: Mario Kart 8 Deluxe.

Das bringt mich zu meinem Fazit. Und das lautet in dem Fall nicht nur, wie eingangs erwähnt, weniger ist mehr, sondern: ganz oder gar nicht. Entweder die Entwickler nehmen sich die Zeit, einen ausgereiften, oder zumindest unterhaltsamen Spielmodus zu ergänzen, der für das jeweilige Spiel auch Sinn ergibt. Oder aber sie lassen es einfach, plustern damit das Menü nicht künstlich auf, reichern nicht Werbeaussagen mit falschen Versprechen an und sorgen damit dann am Ende auch nicht für Enttäuschung.

Die Resonanz gibt recht

Vielleicht wäre die Alternative in Call of Duty – Black Ops 4 nämlich diese gewesen. Vielleicht haben die Entwickler unter anderem deswegen von Anfang an ihren Fokus auf den Multiplayer und seine verschiedenen Spielvarianten gelegt. Weil sie wissen, dass erstens ohnehin der ganz große Teil der Fans das Spiel nur dafür kauft. Und zweitens die große Stärke der letzten Spiele tolle kompetitive Matches sind und nicht etwa eine umfangreiche und mitreißende Geschichte.

Wie gut das Spiel ankommt, zeigt im Endeffekt auch, dass Black Ops 4 alles richtig gemacht hat, indem es auf eine Kampagne verzichtet. Wie es vielleicht auch andere Spiele bei anderen Modi tun sollten. Wer clevere, außergewöhnliche Shooter mit toller Geschichte haben möchte, greift ohnehin lieber zu Spielen wie Bioshock, The Darkness oder Prey. Denn auch ich wünsche mir natürlich nicht, dass Singleplayer-Spiele aussterben. Im Gegenteil, ich werde für immer vor allem Einzelspielerspielen treu bleiben.

Und jetzt seid ihr wieder dran: Diskutiert mit uns, ob ihr es auch so seht, dass Black Ops 4 ohne Kampagne besser dran ist. Und ob ihr findet, dass sich andere Spiele auch von überflüssigen Spielmodi verabschieden sollten. Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Tags: Multiplayer   Online-Zwang  

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