Streamer sei Dank: Darum tut es gut, anderen beim Zocken zuzusehen

(Kolumne)

von Stephanie Schulze (27. Oktober 2018)

Hurra, YouTube und Twitch! Beide Plattformen bieten mir Unterhaltung, schmachtende Seufzer und Lachanfälle. Und das liegt nicht etwa an Katzenvideos, sondern an dem Streaming von Videospielen.

Gronkh, PewDiePie, PietSmiet, HandofBlood oder Paluten - all diese Namen haben etwas gemeinsam. Es sind die Namen von Streamern, die mich mit ihren Erlebnissen in Games über die Plattformen wie Twitch oder YouTube beglücken. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die anderen beim Zocken zusehen. Und das nicht nur in der realen Welt, viel mehr über die oben genannten Online-Plattformen.

So besser nicht: Dieser Streamer setzte seine Wohnung in Brand.

Als Streamer bezeichne ich in diesem Artikel diejenigen, die Online-Plattformen nutzen, um Zuseher an ihren Videospielerfahrungen teilhaben zu lassen. Auf YouTube werden dabei meist "On-Demand"-Streams bereitgestellt, also Videos, die man sich bei Bedarf ansehen kann. Die Plattform Twitch existiert erst seit sieben Jahren und ist bekannt für Live-Streams im Bereich Videospiele.

Viele Streamer, viele unterschiedliche Spielweisen

Die Wahl des richtigen Streamers ist eine knifflige Entscheidung. Möchte ich mich mit lustigen Game-Szenen auseinandersetzen, sehe ich PewDiePie. Wenn ich allerdings wirkliches Interesse daran habe, jeden Moment eines Videospieles aufzusaugen, wende ich mich Gronkh zu. Es gibt nicht viele Streamer wie Gronkh, die so viel Herzblut darauf verwenden, jede Ecke eines Spieles zu erkunden und das Gameplay ungeschnitten präsentieren. Manchmal kann ich aufgrund der Spielweise des Streamers sogar Dinge im Spiel entdecken, die mir selbst beim Zocken nicht aufgefallen waren.

Ich sehe anderen Streamern nicht nur beim Zocken zu, wenn ich das Spiel mir selbst nicht kaufen kann. Oftmals wird ein Spiel für mich nur dann interessant, wenn ich anderen dabei zusehe. Firewatch ist ein Beispiel dafür.

An sich hätte ich diesem Spiel nicht unbedingt meine Aufmerksamkeit gewidmet. Durch den Stream von Gronkh bekam ich allerdings das Bedürfnis, selbst in die Welt des einsamen Feuerwächters abzutauchen. Und investierte anschließend gerne Zeit und Geld in das Adventure-Spiel.

Ohne Streamer wäre mir Firewatch durch die Lappen gegangen.Ohne Streamer wäre mir Firewatch durch die Lappen gegangen.

Wenn die Logik das Verlangen beherrscht

Wenn meine innere kritische Stimme mich flüsternd fragt, ob ich wirklich bereit bin, das Geld und die Spielstunden in ein neues Game zu investieren, können mir Let's Plays weiterhelfen. Ein paar Minuten oder gar Stunden mit dem dazugehörigen Spiele-Stream und ich kann entscheiden, ob ich gewillt bin, die Entwickler mit einem Kauf zu unterstützen und ob mein Videospielverlangen gerechtfertigt ist.

Videospiel-Streams lassen mich in eine andere Welt abtauchen. Ich fiebere mit, wenn Gronkh in The Forest von Kannibalen verfolgt wird, ich lache herzhaft, wenn der Howaizen Squad bei der Suche nach dem Versteck der Hexen in Witch It verzweifelt.

Erwisch mich! In Witch It könnt ihr online mit euren Freunden zocken.Erwisch mich! In Witch It könnt ihr online mit euren Freunden zocken.

Wenn ich mich nicht traue, ein Horror-Spiel weiterzuspielen, sehe ich es lieber bei Streamern um mir meine Angst zu nehmen. Ab und an kann es sogar geschehen, dass ich von den Ereignissen auf den Bildschirm von meinen Gefühlen übermannt werde. Beim Let’s Play zu What Remains of Edith Finch musste ich tatsächlich ein paar Tränchen zerdrücken.

Über den Livestream habe ich zudem die Möglichkeit, selbst meinen Senf zu Spielen abzugeben und mich noch dazu mit anderen Zuschauern auszutauschen. Gerade über Twitch entstehen dabei nicht nur positive Kommentare, sondern auch Diskussionen, bei denen es heiß hergehen kann. Wenn ich meine Meinung verteidigen möchte, muss ich lernen, schnell zu tippen.

Ein erster Einblick

Ein weiterer Vorteil, Streamern zuzusehen, ist, dass diese auch öfter mal Exemplare eines Spiels vor dem offiziellen Release erhalten. Wer nicht gerade in einer Spieleredaktion sitzt, hat eben kaum die Möglichkeit, frische Spieleluft vor dem Release zu schnuppern. Auch wenn diese Kostproben meist nur kurze Einblicke in das Game liefern, reicht das für mich aus, eine endgültige Meinung zu festigen. Bevor Fallout 4 erschien, habe ich jede einzelne Sekunde des Spieles im Stream aufgesogen, auch wenn es stundenlang nur um den Character-Editor ging.

Die meisten Streamer zeigen heute nicht nur Let’s Plays, sondern liefern ab und an private Einblicke in ihren Alltag. Manchmal peppen sie ihre Videos mit allerlei Kuriosen Elementen auf. Paluten hatte beispielsweise mal einen gesamten Raum in seiner Wohnung in ein Bällebad verwandelt. Und wenn HandOfBlood über seine Erlebnisse in seinem Wohnort Berlin-Spandau berichtet, fühle ich mich gleich wieder heimisch, da ich ebenfalls dort gewohnt habe.

Ich bin bei weitem nicht die einzige, die den Streamern verfallen ist. Der Großteil meines weiblichen Freundeskreises verfolgt ebenfalls Streamer, einen dabei ganz besonders: Gronkh. Und das nicht nur für seine Gameplay-Art oder seinem Äußeren, vielmehr aufgrund seiner Stimme. Ich kann mich meinen Freunden anschließen, wenn sie sagen, dass Gronkhs tiefe Stimme fantastisch ist, um abschalten zu können.

Ich kann nicht genau sagen, wieviel Lebenszeit ich schon in Twitch oder YouTube investiert habe. Selbst zu streamen ist definitiv nicht meine Art, dass überlasse ich lieber den anderen. Aber ich glaube, viele können sich damit identifizieren, wenn ich sage, dass es gut tut, anderen beim Zocken zuzusehen. Wer weiß, vielleicht habt ihr ja auch ein paar Tipps zu Streamern, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Tags: Lets Play   Livestream   YouTube   Twitch  

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