Red Dead Redemption 2: Das entschleunigte Spiel (Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (Samstag, 27.10.2018 - 08:30 Uhr)

Viele Gedanken habe ich mir gemacht, bevor ich Red Dead Redemption 2 zum ersten Mal gespielt habe. Mir überlegt, welche Erfahrungen mir dieses Spiel wohl bringen mag. Mit viel habe ich gerechnet, aber nicht damit: Langsamkeit.

Videospiele lassen uns selten in Ruhe. Sie wollen immer irgendwas von uns: geh da hin, erfülle diese Aufgabe, siehst du die Gegner da? Töte sie! Denke dabei an deinen Level, du musst immer besser werden, schau mal das Icon da hinten, das bedeutet, dass da eine Nebenmission ist. LINK, LISTEN!

Red Dead Redemption 2 bietet euch jede Menge Action. Es gibt Schusswechsel, ihr rast mit eurem Pferd durch die weite offene Welt, raubt Banken aus, jagt wildem Getier hinterher. Ihr könnt von einer Mission zur nächsten eilen, ohne Verschnaufpause der Geschichte folgen, bis euch irgendwann der Abspann entgegenflimmert. Aber, und das war die größte Überraschung für mich: das Spiel tut alles dafür, dass ihr das nicht tut.

An allen Ecken und Enden merkt ihr, dass Red Dead Redemption 2 auf ein ganz anderes Spielen ausgelegt ist: auf die Entschleunigung. Darauf, dass ihr euch die Zeit nehmt, dass ihr die Welt so erkundet, wie ihr es möchtet. Ohne große Hinweise, Icons, einschränkende Regeln. Ohne, dass das Spiel immer wieder eingreift und euch in eine Richtung zu lenken versucht.

Das Spiel macht euch im wahrsten Sinne des Wortes zu Spielern. Zu Menschen also, die die Regeln selbst bestimmen, sie immer wieder austesten. Euch wird eine Welt geboten die so reichhaltig, so komplex ist, dass die Geschichte, die in ihr geschrieben wird nicht nur die ist, die die Entwickler sich ausgedacht haben. Es ist auch die Geschichte, die ihr selbst erzählt.

Der Protagonist Arthur Morgan bewegt sich dabei eher gemächlich. Er selbst nimmt sich auch die Zeit, erklimmt sein Pferd geradezu andachtsvoll, öffnet Schränke und Truhen behutsam, packt die erbeuteten Gegenstände feinfühlig in seine Tasche. Die Welt selbst ergeht sich in ihren wechselnden Lichtstimmungen, den langsam wandernden Wolken, den melancholisch über den Abendhimmel ziehenden Vögeln. Es ist, als wollte euch das Spiel sagen: Nimm dir die Zeit, schau dir das alles ganz genau an - siehst und fühlst du es nicht?

Dieses fast schon meditative Spielen hat mich an Red Dead Redemption 2 wohl am meisten überrascht und auch beeindruckt. Es ist ein Spielen, wie es kaum ein anderes Spiel zulässt. Es ist eine Entschleunigung, die dem Spielen aber unglaublich gut tut. Ich werde es wohl in jedem anderen Spiel erstmal vermissen.

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