Breaking Pad: Als ich Fifa 12 im Weltklassemodus spielte und ausgerastet bin

(Kolumne)

von Stefan Wirth (26. Oktober 2018)

Als Fifa noch eine Sportsimulation und kein Sammelkartenspiel war, spielte ich die Reihe regelmäßig. Egal ob mit Freunden, der Familie oder alleine – Fifa 12 war damals mein Spiel für leichte Unterhaltung an langweiligen Nachmittagen. Das sollte sich ändern.

Zwar lieben wir Videospiele, aber manchmal machen sie uns auch richtig wütend - denn sie sind schwer, verwirrend, unfair ... und manchmal stellen wir uns auch einfach ziemlich dämlich an. Dann fliegen die Controller durch den Raum, splittern Monitore und es werden Konsolen angeschrien. In der Reihe Breaking Pad beichten wir unsere schlimmsten Ausraster und gehen andächtig in uns, um zu ergründen, wie es so weit kommen konnte.

Hier findet ihr eine Übersicht der in der Reihe erscheinenden Artikel.

Von Profi zu Weltklasse

Irgendwann kam dann die Zeit, in der ich von mir selbst gesagt habe, dass ich in Fifa 12 wirklich gut bin. In verschiedenen Turnieren im Freundeskreis hatte ich schon den einen oder anderen Achtungserfolg erzielt und auch im Singleplayer stellte ich mich nicht wirklich schlecht an.

Ich spielte damals immer im Profimodus. Für die von euch, die mit Fifa nicht so vertraut sind: Es gibt insgesamt fünf Schwierigkeitsgrade - von leicht nach schwer sind es Amateur, Halb-Profi, Profi, Weltklasse und Legende. Ich spielte also auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad.

Wenn ihr euch schon immer gefragt habt, wie die Spieler ins fertige Spiel kommen, das seht ihr hier:

Der Profimodus wurde mir aber mit der Zeit zu leicht. Nur selten gewann ich ein Spiel mit weniger als fünf Toren Vorsprung. Dass ich einmal eine Partie verlor, geschah eigentlich nie. Deswegen fasste ich eines Abends den Entschluss den Schwierigkeitsgrad nach oben zu setzen – ich wollte eine Herausforderung.

Schwierigkeitsauf- und Klassenabstieg

Also startete ich eine neue Kariere im Weltklassemodus, aber das war noch nicht genug. Sonst spielte ich immer mit den großen Mannschaften, wie Real Madrid, Paris Saint Germain oder FC Chelsea. Dieses Mal wollte ich aber auch nicht schon an der Spitze beginnen. Ich wollte mich hocharbeiten und wählte deshalb als meine Mannschaft den deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden.

Die Schwierigkeitsteigerung, die daraus folgte, war immens, aber das wollte ich auch. So gewann ich die Spiele nur noch knapp mit ein bis zwei Toren Vorsprung und auch die Niederlagen häuften sich. Das war zwar ein bisschen frustrierend, aber ich wollte schließlich auch nicht mehr die leichte Unterhaltung der einfacheren Schwierigkeitsgrade.

So spielte ich für ein paar Wochen und versuchte möglichst die Saisonziele zu erfüllen - Klassenerhalt und Viertelfinale des DFB-Pokals erreichen. Ich war auch ganz zuversichtlich, dass ich diese erreichen würde. Zwar gewann ich nicht jede Partie, doch konnte ich mich konstant in den oberen fünf Rängen der Liga halten. Auch in den Pokalspielen sah es nicht schlecht aus. Dort schaffte ich es in der Gruppenphase zwar nur auf den zweiten Platz, das reichte jedoch für das Achtelfinale.

(Achtel-)Finale - Oh-Oh ...

Das Achtelfinale - dieses eine Spiel musste ich gewinnen und mein Saisonziel wäre erfüllt gewesen. Doch das erwies sich als gar nicht mal so leicht. Meine besten Spieler waren von der Liga erschöpft und das Momentum war nicht auf meiner Seite. Und so verlor ich das Spiel und tat etwas, das ich mir zu Beginn eigentlich geschworen hatte nicht zu tun. Ich schaltete die Konsole aus, um die Partie noch einmal zu absolvieren.

Beschämt von dem Umstand, dass ich gerade meine eigene Regel gebrochen hatte, begann ich das Spiel wieder von vorn, doch auch beim zweiten Mal wollte es nicht klappen. Ich haderte kurz mit mir, doch ich wollte unbedingt mein Saisonziel erfüllen und schaltete die Konsole erneut aus. Doch auch in den nächsten beiden Anläufen war mir das Glück nicht hold.

Ich spielte mit einer Halbzeitlänge von acht Minuten. Zusammen mit den Unterbrechungen kommt man also auf eine Zeit von zirka 20 Minuten pro Spiel. Rechnet man dann noch die fünf Minuten dazu, die es jedes Mal braucht, die Konsole immer wieder neu zu starten, war ich schon seit knapp zwei Stunden damit beschäftigt dieses Spiel zu gewinnen.

Ist das noch Fifa oder ist das schon ein Bosskampf?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr gegen einen richtig schweren Boss kämpft und in einfach nicht besiegt? Aber es ist kein normaler Boss. Um diesen zu erreichen, müsst ihr immer wieder durch das gleiche Gebiet laufen, eine kleine Armee von Gegnern besiegen, dann kommt noch eine Cutscene, die ihr nicht überspringen könnt und dann hat der Boss auch noch mehrere Phasen, bei der ihr es zwar bis zur letzten schafft, aber dann verliert ihr und müsst alles noch einmal von vorne machen.

Wie so ein Boss fühlte sich diese Fußball-Partie an. Doch jetzt im fünften Anlauf schien alles ein wenig besser zu laufen - nicht wirklich gut, aber so, als hätte es reichen können. Nach 90 Minuten stand es unentschieden, eins zu eins, und ich sah die Chance auf den Sieg - nicht in der regulären Spielzeit, aber im Elfmeterschießen. Da lag meine Stärke, das wusste ich.

Nach dem Abpfiff konnte ich kurz durchatmen und dann begann auch schon die Verlängerung und flugs fiel auch ein Tor - gegen mich. Es stand also 2 : 1 für den Gegner, doch noch hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Ein wenig Zeit für den Ausgleich hatte ich noch und dann würde mich das Elfmeterschießen retten.

Die nächsten fünf Minuten waren eine Tortur. Ich gab mein Bestes den Ausgleich zu erzielen, aber ich konnte keine der wenigen Chancen, die sich mir boten, verwandeln. Langsam wurde die Zeit knapp und ich sah mich gezwungen riskanter zu spielen, denn ich brauchte unbedingt dieses Tor. Doch meine riskante Spielweise erwies sich als Fehler. Meine Spieler waren erschöpft und als ich den Ball nach einer vergebenen Chance verlor, nutzte mein Gegner dies gnadenlos aus, lies meine Abwehrkette hinter sich stehen und erzielte das 3 : 1.

Matratzensport: Controller-Weitsprung

In diesem Moment schoss eine unbändige Wut durch meinen Körper. Meine rechte Hand krallte sich um den Controller und ich riss meinen Arm nach oben. Mit dem Bisschen an Geistesgegenwart, dass mir noch geblieben war, schleuderte ich das Gamepad auf die Matratze meines Bettes, weil ich der festen Überzeugung war, dies würde die Kraft des Aufpralls vermindern. Damit lag ich jedoch falsch.

Durch die Federwirkung meiner Matratze wurde meine Controller hoch in die Luft befördert, stieß im Scheitelpunkt gegen meine Zimmerdecke und viel anschließend krachend auf den Fliesenboden. Dabei brach eine Schultertaste aus dem Rahmen und die Start-Taste klemmte Fest, sodass das Spiel immer wieder pausierte, fortfuhr und so weiter.

Das war das erste Mal, dass ich ein Gamepad im Wutrausch kaputt gemacht und das letzte Mal, das ich Fifa im Weltklassemodus gespielt habe. Den Controller konnte ich glücklicherweise mit einem Schraubenzieher und ein paar geschickten Handgriffen wieder reparieren. Seitdem klemmt allerdings die rechte Schultertaste.

Ihr kennt das Gefühl doch sicherlich auch. Was sind eure größten Wutausbrüche beim Spielen gewesen und habt ihr dabei auch etwas kaputt gemacht? Erzählt uns eure Geschichten in den Kommentaren!

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Tags: Breaking Pad  

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Meinungen - Fifa 12

ichman
87

Bestes FIFA der Generation?

von ichman (16)

grove4l
97

Gutes Spiel

von grove4l (3)

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