Dieser eine Moment: Wie der "Dead Space 2"-Terror mich in die Knie zwang

(Kolumne)

von René Wiesenthal (30. Oktober 2018)

Horror-Games sind dazu da, eure Psyche so richtig in die Mangel zu nehmen. Insofern könnte man sagen: Dead Space 2 hat das Ziel bei mir erreicht. Der Moment, in dem es meinen Körper in unerträgliche Unruhe versetzte, war allerdings zu viel, um es noch weiter zu spielen.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Im Horror-Genre Angst zu erzeugen, ist nicht nur erklärtes Ziel der jeweiligen Schöpfer. Angst zu bekommen, ist auch das, was ein Spieler von einem Horror-Game erwartet. Und auch möchte. Egal, ob es das Erschrecken für den Moment ist oder die andauernde Befürchtung vor einem erschreckenden Ereignis.

Ich persönlich pflege eine etwas ambivalente Beziehung zum Genre. Ich bin einerseits fasziniert von atmosphärischem, psychologischem Horror. Vom gekonnten Einsatz der Umgebungselemente, Licht und Schatten und markerschütternden Klängen. Gleichzeitig bin ich aber auch ein scheues Mäuschen, wenn’s zu arg wird, habe immer mein Kuscheldeckchen im Anschlag, wenn ich einen Horrorfilm gucke. Selbst, wenn er mich nur mit billigen Jump-Scares rankriegt.

Dead Space Teil 1: Vom Horst zum Hero

Bei Videospielen habe ich es da nicht so leicht, da muss ich selbst aktiv werden, um voranzukommen. Weswegen ich besonders "schlimme" Horror-Games, die mich dennoch interessieren und spannend sind, via Let’s Plays konsumiere. Manche ziehen mich aber einfach zu stark an, so dass ich selbst den Sprung ins eiskalte Wasser wage. Der fällt mal mehr und mal weniger heroisch aus.

Im Falle von Dead Space war es vor allem das Setting, das mich überzeugte. Ich bin großer "Science Fiction"-Fan, verbinde schaurig-schöne Erinnerungen mit den Alien-Filmen und liebe Sci-Fi-Horror a la Sunshine. Da kam ich nicht umher, bei Dead Space einmal selbst Hand anzulegen.

Das stark von Alien inspirierte Dead Space musste ich einfach selbst zocken.Das stark von Alien inspirierte Dead Space musste ich einfach selbst zocken.

Nachdem ich mich die ersten Stunden wie ein von einem sachten Windhauch angepusteter Medizinball durch die Gänge der Ishimura schlich, bekam ich mit der Zeit eine gewisse Routine. Ich wurde unerschrockener, dadurch schneller und irgendwann richtig gut in dem Spiel, genoss den Horror, aber auch das stetige Verbessern. Und so spielte ich Teil 1 gleich zweimal durch, um auf 100 Prozent zu kommen.

Dead Space Teil 2: LIEBER HIMMEL, ICH WILL NICHT MEHR!

Der Mut, den ich währenddessen gefasst hatte, hielt sich nicht, bis ich Dead Space 2 anfing. Und so begann das Spiel für mich ähnlich zäh und vorsichtig wie Teil 1. Allerdings stellte ich schnell fest, dass die Ereignisse hier viel weniger nachvollziehbar sind. Ekelmonster fallen einen von hinten an, aus Gängen, die man gerade erst gesäubert hat. In Kampfsequenzen wird man auf unfaire Weise überrumpelt von viel zu vielen und teilweise viel zu schnellen Gegnern.

Dass die 'Dead Space'-Spiele bei uns ungeschnitten erschienen sind, kam überraschend:

Keine Routine, keine Freude am Vorankommen – in Dead Space 2 empfand ich die meiste Zeit nur Terror. Das Spiel nagte an meinem Nervenkostüm. Fiese "Trial & Error"-Passagen taten ihr Übriges, mich an meine Grenzen zu bringen.

Aber dieser vermaledeite Eifer trieb mich weiter an. Ich dachte mir: Wenn ich Teil 1 zweimal durchspielen konnte, werde ich Teil 2 ja wohl zumindest ein einziges Mal abschließen können. Spaß hin oder her, nur für’s Protokoll. Für die fiktive Punktetafel, die ich dem allmächtigen Universum nach meinem Ableben vorhalten kann, um mich für die Wiedergeburt als Säbelzahntiger zu bewerben.

Es kann nur schlimmer werden

Fehlanzeige. Kurz vor Ende des Spiels wurde mein ambitioniertes Vorhaben endgültig zerschnetzelt. So wie Isaac Clarke viele, viele Male, in denen ich ihn zum Abspann zu peitschen versuchte.

Es ergibt sich in Dead Space 2, dass ihr ab einem bestimmten Punkt vor einem nicht sterben wollenden Gegner flüchtet. Dieses triefende Geschmeiß frisst Patronen, als seien sie Popcorn und steht nach kurzer Zeit wieder auf, wenn ihr es doch mal zu Boden gebracht habt. Außerdem schert es sich nicht um Raumwechsel, verfolgt euch über eine Vielzahl von Abschnitten hinweg.

So sieht dieses Sch**ßvieh aus: Der Ubermorph.So sieht dieses Sch**ßvieh aus: Der Ubermorph.

In diesen Abschnitten werdet ihr obendrauf noch von anderen Abscheulichkeiten belästigt, die ihr aus dem Weg räumen müsst, um Geschicklichkeitseinlagen zu meistern. Das ist ein Maß an Terror, das für mich zum absoluten Stresstest wurde.

Während ich mich in einer Tour erschreckte, wild mit meinen Knarren rumfuchtelte, Energiezellen in Öffnungen zu schieben versuchte und dem unsterblichen Überfleischklumpen auswich, schoss mein Puls in höchste Höhen. Da ich Passagen mehrfach spielen musste und oft starb, wurden diese körperlichen Reaktionen zum Dauerzustand – ich wurde der Herausforderung nicht mehr Herr.

Das Ende vorm Ende

Schweißnass, zitternd und unter Spannung wie ein Abschleppseil kam ich nach zahlreichen Versuchen endlich in einem scheinbar sicheren Raum an, hinter dem ich eine Schiebetür schloss. Mein Körper war dabei, sich zu entspannen, der Adrenalinpegel fiel. Ich war bereit, in mich zusammenzusacken. Und zu speichern.

In dem Moment kam dieses verfluchte Super-Alien durch die offensichtlich vollkommen überflüssige Tür geschossen und setzte die Hatz nach mir fort. Es ging nichts mehr. Mein Körper war nicht mehr in der Lage, auch nur eine weitere Sekunde dieses Terrors zu ertragen. Ich legte das Pad nieder, machte die Konsole aus und rührte Dead Space 2 nie wieder an. Es macht mich schon wieder fertig, wenn ich nur an diesen Moment zurückdenke. Hip, hip, Horror.

Das war auf jeden Fall etwas zu viel des Bösen. Horror, wie er keinen Spaß mehr macht. Hattet ihr ähnliche Erlebnisse wie dieses in einem Horror-Spiel? Erzählt uns eure Geschichten, indem ihr Kommentare dalasst. Wir freuen uns darauf, sie zu lesen!

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Tags: Horror   Singleplayer   Dieser eine Moment  

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Meinungen - Dead Space 2

spiderbarz
95
redsf
90

In Update 1.1, voll genial

von redsf (133)

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