Red Dead Redemption 2: Warum die Steuerung nicht einfach sein muss

(Kolumne)

von Stefan Wirth (31. Oktober 2018)

Ein paar Tage ist es bereits her, dass Red Dead Redemption 2 veröffentlicht wurde, doch der Hype hält noch immer an. Wie unser Wertungsspiegel zeigt, überzeugt das Spiel nicht nur euch, sondern auch die Kritiker, weshalb es positive Tests nur so hagelt. Einen Kritikpunkt bringen jedoch trotzdem viele Leute an - die überladene Steuerung. Das sehe ich jedoch ganz anders.

Welche Features die Steuerung von Red Dead Redemption 2 bietet erfahrt ihr hier:

Es mag sein, dass die Steuerung nicht gerade leicht von der Hand geht, doch ist das meiner Meinung nach etwas sehr Positives. Bevor ihr mich aber jetzt als verrückt abstempelt, lasst mich meine Ansicht erklären.

Komplexes Spiel - Komplexe Steuerung

Jeder von euch, der auch nur ein paar Stunden in der offenen Welt von RDR2 unterwegs war, wird wissen, wie abwechslungsreich und interaktiv sich diese gestaltet. Mit fast allen Personen, Gegenständen und Lebewesen, die ihr darin trefft, könnt ihr interagieren.

Die Wege dafür sind natürlich äußerst Zahlreich. Meinen treusten Begleiter, mein Pferd, kann ich beispielsweise füttern, streicheln, bürsten, führen, reiten und so weiter und so fort. Natürlich benötigt deshalb jeder Modus auch eine andere Steuerung. Es macht nämlich einen Unterschied, ob ich neben dem Pferd stehe oder es reite, wenn ich es beispielsweise füttern möchte. Die Steuerung ermöglicht mir aber, es in beiden Situationen zu tun.

Ob im Sattel oder zu Fuß - mit eurem Pferd interagieren, könnt ihr in beiden Situationen.Ob im Sattel oder zu Fuß - mit eurem Pferd interagieren, könnt ihr in beiden Situationen.

So verhält es sich mit vielen Dingen in Red Dead Redemption 2. Bei so vielen unterschiedlichen Arten die Welt zu erkunden ist es praktisch unumgänglich, dass sich eine komplexe Steuerung ergibt. Das ist nun einmal die Schattenseite einer so interaktiven Welt.

Realismus VS Spielbarkeit

Natürlich bin ich mir bewusst, dass manche Elemente im neuen Spiel von Rockstar deutlich einfacher hätten gestaltet werden können. Wieso müsst ihr zum Rennen und Galoppieren ständig auf die Aktions-Taste hämmern? Wieso müsst ihr im Waffenrad den Stick für die Auswahl beim Schließen gedrückt halten, damit die neue Waffe auch wirklich ausgewählt wird? Warum verliert ihr beim Verfolgen von Tieren immer wieder die Fährte und müsst sie umständlich neu aufnehmen?

Der Grund dafür ist der Realismus. Mit Red Dead Redemption haben die Entwickler einen Weg eingeschlagen, der den feinen Grat zwischen Spielbarkeit und Realismus entlang schreitet. Die Steuerung soll in diesen Momenten nicht zwangsweise leicht sein. Es geht darum, euch, als Spieler, ein Gefühl dafür zu vermitteln, was ihr gerade tut. So ist es ermüdend und anstrengend stundenlang zu rennen und beim Verfolgen einer Fährte verliert man diese auch ab und an wieder.

Trotzdem ist es in keinem Moment so, dass die Steuerung das Spiel für mich unspielbar macht. Ich merke, dass Rockstar jede Entscheidung bewusst getroffen hat. So sind manche Tätigkeiten im Spiel schwierig gestaltete, weil es schlichtweg schwierige Aktivitäten sind.

Ein Gefühl für das eigene Handeln

Was dieses Steuerungskonzept bei mir erreicht, möchte ich an einem Beispiel erklären. In Red Dead Redemption 2 habe ich die Möglichkeit, Angeln zu gehen. Das ist an sich keine Neuerung, denn Angeln kann ich auch in vielen anderen Spielen. Was RDR2 allerdings anders macht ist, wie das Angeln funktioniert.

Das Angeln in Red Dead Redemption 2 ist komplexer als in den meisten Spielen.Das Angeln in Red Dead Redemption 2 ist komplexer als in den meisten Spielen.

Ich drücke nicht einfach einen Knopf, um die Angel auszuwerfen und denselben Knopf um einen Fisch einzuholen, wenn er angebissen hat. Die Steuerung hier erinnert viel stärker an eine Angelsimulation. Ich muss die Angel bewegen, den Fisch ermüden, die Schnur einholen und auch aufpassen, dass diese nicht reißt.

Natürlich ist das bei weitem nicht so schwer, wie im realen Leben zu Angeln, aber ich bekomme doch sehr wohl ein Gefühl für das, was ich gerade tue. So wird auch meine Jagdbeute nicht einfach mein Inventar hinzugefügt. Ich muss erlegte Tier häuten, aufheben und auf mein Pferd packen.

Der leichte Weg

Rockstar wählt absichtlich nicht den leichten Weg. Es ist eine bewusste Entscheidung, dass es mühsam ist zu angeln, zu jagen, zu reiten, zu rennen und Häuser zu durchsuchen. Den leichten Weg kennen wir schließlich auch schon aus zu vielen Spielen.

In The Witcher 3 - Wild Hunt könnt ihr jeden Schrank, jede Kiste oder sonst etwas mit nur einem Knopfdruck plündern. In Assassins’s Creed - Odyssey erscheint euer Pferd, sobald ihr nur danach pfeift. In Horizon - Zero Dawn könnt ihr stundenlang rennen, ohne dass es Aloy auch nur irgendetwas ausmacht.

Zwar reagiert euer Pferd in RDR2 auch auf Pfiffe, dafür muss es aber in Hörweite sein.Zwar reagiert euer Pferd in RDR2 auch auf Pfiffe, dafür muss es aber in Hörweite sein.

Die Steuerung von Red Dead Redemption 2 bricht einfach mit sehr vielen Mechanismen, an die wir uns über die Zeit gewöhnt haben. Viele Dinge, die in anderen Spielen leicht sind, sind es hier plötzlich nicht mehr. Dazu gehört eine Menge Mut. Rockstar erreicht damit aber etwas, das mir sehr gut gefällt.

Alltäglichkeit und Realismus

Die Steuerung in RDR2 ist auf einen Realismus ausgerichtet, den kein Spiel dieses Kalibers bisher imitieren wollte. Das ist ein Grund, warum die Welt des Spiels überhaupt erst so auf mich als Spieler wirken kann, wie sie es tut. Auch wenn die Interaktionsmöglichkeiten unglaublich vielfältig sind, so sind sie doch alle realistisch.

Eagl was ihr in Red Dead Redemption macht, ein einzelner Tastendruck reicht selten aus.Eagl was ihr in Red Dead Redemption macht, ein einzelner Tastendruck reicht selten aus.

Wenn eine Aktion für Arthur anstrengend ist, so ist sie dies auch für mich. Wenn er etwas Ermüdendes machen muss, so ist es auch für mich ermüdend. Das trägt einen bedeutenden Teil zum Realismus des Spiels bei und gibt allen Aktionen eine Alltäglichkeit, wie sonst in kaum einem anderen Spiel.

Das ich nicht ständig durch die Welt hetze, mir Zeit nehme Ort und Gebäude zu durchsuchen und nicht ständig von einem Kartenpunkt zum nächsten eile, liegt daran, dass es anstrengend ist, das Spiel auf diese Art und Weise zu spielen. So verändert die Steuerung maßgeblich, wie ich Red Dead Redemption 2 wahrnehme und wieso sich diese Welt so anders, so neu für mich anfühlt.

Ich muss mit ihr auf eine realistische Art und Weise interagieren. Klischees wie das schnelle Durchsuchen oder ständiges Rennen gibt es einfach nicht. Ich bin als normaler Mensch und nicht als übermenschlicher Videospiele-Charakter in der Welt unterwegs. Dieses Gefühl habe ich nur dank der Steuerung.

Könnt ihr meine Meinung nachvollziehen oder seid ihr der Ansicht, dass die Steuerung wirklich einfach nur überladen ist? Habt ihr Verbesserungsvorschläge für Sachen, die euch so richtig stören? Verratet es uns doch in den Kommentaren!

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Tags: Singleplayer  

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