Red Dead Redemption 2: Warum nicht alle das Spiel mögen

(Special)

von Matthias Kreienbrink (02. November 2018)

Von einem Spiel, das an einem Wochenende so viel Geld macht, wie kein anderes, und kein anderer Film zuvor, von so einem Spiel sollte man annehmen, dass es äußerst positiv aufgenommen wird. In der Presse ist das auch so: Red Dead Redemption 2 hat einen Meta-Score von 97 Prozent. Doch zeigt sich gerade ein interessanter Trend: viele Spieler mögen genau die Aspekte des Spiels nicht, die die Kritiker so sehr gelobt haben. Wir sagen euch, welche das sind.

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Laut Zeit Online hat Red Dead Redemption 2 die bisherigen Grenzen des Videospiels überschritten. Deutschlandradio Kultur bezeichnet es als ein Monumental-Meisterwerk. Der Tagesspiegel titelt: "Die Emanzipation der Spieler".

Auch die Spielepresse ist begeistert: IGN gibt 100 Punkte, bezeichnet Red Dead Redemption 2 als Spiel von kaum vergleichbarer Qualität. Destructoid gibt 95 Prozentpunkte und nennt das Spiel als den Inbegriff von Ambition. Und auch wir stimmen in diesen Chor des Lobes ein. In diversen Artikel haben wir schon von unseren Erfahrungen in der offenen Welt des Spiels geschrieben. Ganz einfach aus dem Grund, dass uns das Spiel ausnahmslos äußerst gut gefällt.

Doch zeigt sich eine interessante Entwicklung. Schaut man auf die User-Wertungen auf der Wertungsseite Metacritic, zeichnet sich ein etwas anderes Bild. Die "PlayStation 4"-Version des Spiel wurde bisher gut 3.300 Mal von Usern bewertet - der Durschnitt liegt bei 7.6 Punkten. Auf der Xbox One sieht es gar noch drastischer aus - gut 1.000 Bewertungen, ein Durchschnitt von 6.9 Punkten.

Diesen Umstand haben wir zum Anlass genommen, uns die Kritik der Spieler genauer anzuschauen. Wir sind ehrlich: es überrascht uns nicht, dass genau die Punkte kritisiert werden, die von der Spiele-Kritik gerade so sehr gelobt wurde. Betrachtet man die Kritik genau, zeigt sich, an welches Publikum Rockstar bei der Entwicklung des Spiels gedacht haben dürfte - und es ist wohl nicht der stereotype "Gamer". Wir haben vier Kritikpunkt heraussortiert, die besonders oft genannt wurden.

1. Das Spiel macht zu wenig Spaß

Sicherlich ein vernichtendes Urteil für so gut wie jedes Spiel. Haben die meisten Spiele doch genau dieses Ziel: Sie wollen die Spieler gut unterhalten. Nun sind Unterhaltung und Spaß jedoch eine sehr subjektive Angelegenheit. Das wird dann deutlich, wenn man sich durchliest, was genau den kritischen Spielern keinen Spaß macht. Es sind vor allem die vielen Dinge, die man im Spiel immer wieder erledigen muss: kochen, essen, sich um das Pferd kümmern, das Lager im Auge behalten. Selbst das Einkaufen in diversen Läden ist vielen zu umständlich.

Viele Spieler bemängeln, dass sich das Spiel mehr wie Arbeit anfühle als wie ein Spiel. Dass es den Spieler mit dem Klein-Klein des Alltags konfrontiere. Genau das jedoch haben wir in einer Kolumne schon als positiven Aspekt des Spiels beschrieben: diesen - soweit man das von einem Spiel verlangen kann - Realismus von Red Dead Redemption 2, in dem eben nicht immer alles ganz leicht von der Hand geht und keine Mühen macht.

Auch das gehört zu den Aufgaben: BadenAuch das gehört zu den Aufgaben: Baden

2. Die Steuerung ist zu kompliziert

Etliche der insgesamt fast 5.000 User-Kritiken zu Red Dead Redemption 2 drehen sich um die Steuerung des Spiels. Es werden viele Beispiele gebracht für die vermeintliche Überladung des Controllers: das Looten von Körpern sei viel zu mühsam und langwierig. Das Waffen- und Item-Menü sei zu unhandlich, das Ablagern von Gegenständen oder Tierkadavern auf dem Pferd zu sperrig. Und, ein besonders großer Kritikpunkt, das Rennen mit dem wiederholten Drücken der Aktionstaste sei nicht mehr zeitgemäß.

Auch sind viele der Kritiker nicht mit der Shooter-Steuerung einverstanden. So sei es etwa nervig, dass das Pferd gegen Bäume läuft - einfach, weil es weiter geradeaus läuft - während man versucht, von seinem Rücken aus auf Gegner zu schießen. Auch hier sei vieles zu schwerfällig, so als wolle das Spiel es dem Spieler nicht einfach machen, sich durch diese Welt zu bewegen. Auch zu diesem Thema haben wir bereits eine Kolumne geschrieben, in der wir unterstreichen, dass diese Steuerung genau dazu passt, wie das Spiel sein möchte, wie es sich für die Spieler anfühlen soll.

Doch die Schwerfälligkeit der Steuerung führe auch oft zu Unfällen, bemängeln die Kritiker. Was uns direkt zum nächsten Kritikpunkt bringt.

3. Ein unfaires Bounty-System

Hier ist der größte Kritikpunkt, dass das Spiel keinen Unterschied zwischen Angriff und Selbstverteidigung macht. Viele User schreiben, dass sie von Banditen angegriffen werden, sich verteidigen, und danach plötzlich ein Kopfgeld von über 100 Dollar auf sie ausgesetzt ist, obwohl sie ja eigentlich nichts Rechtswidriges gemacht hätten.

Andere berichten davon, dass sie durch eine Stadt reiten, ein Betrunkener ihnen vor das Pferd stolpert und sie plötzlich ein Kopfgeld von 20 Dollar zahlen müssen. Auch geben einige der schwerfälligen Steuerung die Schuld. Ihnen passiere es öfter, dass sie gegen Mitmenschen laufen oder reiten, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen, und es dann zu Faustkämpfen kommt, die ihnen Kopfgeld bescheren.

An dieser Stelle können wir keinen Artikel von uns zitieren, der eine andere Meinung darstellt. Dieser Kritikpunkt ist auf jeden Fall angebracht.

Nicht alle Konfrontationen sind so absichtlich wie diese hier:Nicht alle Konfrontationen sind so absichtlich wie diese hier:

4. Alles ist so langsam

Dieser Kritikpunkt ist neben der Steuerung der größte. Und für uns auch der Interessanteste, da er für viele Kritiker die große Stärke ist: Die Zeit, die sich das Spiel nimmt. Diese Entschleunigung, die wir auch in einem Artikel schon gepriesen haben. Es scheint so, als wolle das Spiel, dass man sich Zeit nimmt, sich wirklich hineinfallen lässt in diese Welt. Keine ständigen Aufgaben, keine Icons, die uns eine weitere Sehenswürdigkeit oder Nebenquest schmackhaft machen wollen. Kein Hetzen - Ruhe, die immer wieder unterbrochen wird von dratischer Gewalt; der Hereinbruch der Geschichte.

Genau das jedoch scheint vielen Spielern nicht zu gefallen. Diese bemängeln schon die Geschwindigkeit, mit der Arthur Morgan läuft - wie lange es alleine dauert, durch das eigene Camp zu schreiten. Sie mögen nicht, wieviel in diesem Spiel geredet wird - und wie viel Zeit sich das Spiel für diese Dialoge lässt. Auch das lange Reiten durch die offene Spielwelt missfällt vielen dieser Kritiker gewaltig.

In 45 Minuten Spielen ist uns schon so einiges passiert:

Für wen ist dieses Spiel?

Es zeigt sich also, dass das, was viele Spielkritiker als große Stärke des Spiels sehen, für einige Spieler genau die Schwachpunkte sind. Red Dead Redemption 2 wird von vielen als der Schritt in eine neue Richtung für Videospiele gesehen. Als der Beginn etwas ganz Neuem. Genau dieses Neue jedoch mögen einige gar nicht.

Daher stellt sich die Frage: Welches Publikum wollte Rockstar wohl mit diesem Spiel ansprechen? Ist es der klassische "Gamer", der sich im Spiel beweisen will, der Action sucht - die reine Unterhaltung? Es sieht fast so aus, als wäre dem nicht so. Vielmehr scheinen sie eine neue Zielgruppe zu suchen. Eine solche, die sich die Zeit nimmt, die sich einlassen will auf eine komplexe, brachiale, mitunter auch mühsame Welt. Auf das Erkunden von Welt und Gesellschaft in einem Spiel voller Widersprüche. Die spannende Frage: können beide Zielgruppen, beide Arten zu Spielen in Einklag gebracht werden? Die Antwort haben wir auch nicht.

Es ist in jedem Fall eine interessante Entwicklung, die mit dem Spiel von Rockstar angestoßen wurde. Wie steht ihr denn zu Read Dead Redemption 2? Ist es für euch ein Meisterwerk neuer Art, oder eine große Enttäuschung? Schreibt es uns doch in die Kommentare.

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Tags: Open World  

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