Dieser eine Moment: Als ich mich in Fallout 3 totgespeichert habe

(Kolumne)

von Michael Sonntag (07. November 2018)

Mit dem anstehenden Release von Fallout 76 schwelge ich auch wieder in Erinnerungen an die älteren Teile der Reihe, für die es in meinem Gedächtnis einen eigenen Speicher gibt, direkt neben denen für "GTA 5"-Cheats und Spongebob-Zitaten.

So ist Fallout 3 für mich immer der bescheidenste Teil gewesen, was die Geschichte, die Orte und das Ausmaß der Abgedrehtheit angeht. Er ist zwar nicht so bunt wie Fallout - New Vegas, besitzt aber die bessere PS3-Portierung von beiden. Und da ich hier meinen Charakter ab seiner Geburt spiele, habe ich ein viel stärkere Verbindung zu ihm und kann mich viel besser in ihn hineinversetzen, wenn er nach seinem Vater sucht. Oder die Enklave bekämpft. Oder das Ödland rettet.

Mein Speicher ist voller schöner und unterhaltsamer Erinnerungen an dieses Spiel. Aber irgendwo unter diesen befindet sich auch eine Erinnerung, die von mir mit einem Passwort geschützt und einem „Dietrichlevel 1.000“-Schloss versehen wurde. Sie betrifft den Ort Old Olney, wo mein Charakter begraben liegt. Psychisch.

2008 ging es das erste Mal ins dreidimensionale Ödland:

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Gefangen in einer Höllen-Schleife

Es war ein gewöhnlicher Dienstag in der Post-Apokalypse, ich war gerade auf einem meiner Streifzüge durch das Ödland und wusste nicht, welche von sechs Quests ich eigentlich verfolgte. Während das News Galaxy Radio über meinen Pip-Boy lief, knallte ich aggressive Kleintiere über den Haufen, bis ich auf einmal Ruinen in der Ferne erblickte.

Ich dachte mir nichts dabei, in Fallout war sowieso alles ziemlich tot und leer. Ich hatte nie von diesem Ort gehört, es stand auch keine Quest mit ihm in Verbindung. „Was soll's! Vielleicht gibt's hier gute Sachen“, war mein letzter Gedanke.

Old Olney: Das Silent Hill im Ödland.Old Olney: Das Silent Hill im Ödland.

Ich stellte das Radio ab, um mich besser auf meine Umgebung konzentrieren zu können. Aber nein, es war wirklich niemand hier, nur die üblichen Betonwände in ihrer altbackenen Grafik. Klar, mit irgendetwas müssen die Entwickler ja die Karte füllen, es kann ja nicht jeder Ort mega-interessant sein. Als ich Old Olney vor lauter Langeweile den Rücken zukehren wollte, fiel mir ein Gullydeckel am Boden auf.

Im Nachhinein frage ich mich, warum Entwickler Bethesda den Eingang zur Hölle nicht deutlicher beschriftet hat. Ich Depp hätte vorher noch meine Vorräte checken oder speichern sollen! Nämlich kaum, dass ich die engen Korridore der Kanalisation betreten habe, fielen seine Bewohner schon über mich her. Riesige Todeskrallen, bestimmt vier oder fünf, die mich mit zwei Schritten erreichten und drei Schlägen töteten. Ironischerweise nahm das Spiel in diesem Moment auch eine automatische Speicherung vor.

Old Olney beherbergt große Gefahren, aber auch sehr wertvolle Schätze.Old Olney beherbergt große Gefahren, aber auch sehr wertvolle Schätze.

Mir blieb nichts anderes übrig als neu zu laden, da ich das letzte Mal vor drei Stunden gespeichert hatte und meinen neuen Fortschritt um nichts in der Welt opfern wollte. Also, zurück zum selben Moment: Anstatt zu kämpfen, flüchtete ich dieses Mal über die Leiter wieder an die Oberfläche. Doch wie ich feststellen musste, warteten dort schon weitere Todeskrallen auf mich. Laut dem Fallout Wiki handelte es sich bei diesem Ort um ein unauslöschbares Nest dieser Viecher. Schnell biss ich wieder ins Gras.

Das ist jetzt nicht euer Ernst! In Foren hatte ich mal von dem Phänomen gelesen, in einem Speicherstand gefangen zu sein, aber ich habe niemals gedacht, dass mir das selbst mal zustoßen würde. Es war ebenfalls nicht möglich, einfach per Schnellreise an einen anderen Ort zu entkommen - da das nicht funktionierte, wenn Gegner in der Nähe waren. Von Nähe konnte gar keine Rede sein, ich hatte einen Spielraum von maximal zwei Metern, einen oben, einen unten.

Nach fünf Versuchen gab ich es auf, die Todeskrallen mit Waffen und verzweifelten Wutschreien zu bekämpfen. Weder Pistolen noch Laser noch Raketenwerfer, nicht einmal die präzisen Angriffe über das VATS-System konnten den Biestern etwas anhaben. Weglaufen klappte auch nicht. Wenn ich ins Inventar-Menü wechselte, starb ich zumindest nicht. Aber retten tat mich das auch nicht. Es war vorbei. Ich musste das nur noch einsehen.

Wie die Geschichte ausging

In meiner Verzweiflung durchstöberte ich mein Inventar. Es musst doch etwas geben, das mir helfen konnte. Stimpacks, ein schicker Hut, Altmetall - Was für eine schöne Henkersmahlzeit! Und ein Stealth Boy ... Ein paar Sekunden Unsichtbarkeit waren nicht viel, aber mehr als gar nichts! Nachdem ich ihn eingesetzt hatte, konnte ich vorsichtig an den Gegnern vorbeischleichen. Aber da hier unten überall Todeskrallen lebten, wusste ich, was passieren würde, sobald ich wieder sichtbar wurde.

Wenn mich etwas retten konnte, dann nur Gegenstände, die sich hier unten befanden. Wie ich bei meinen Recherchen herausfand, beherbergte Olney offenbar eine seltene, selbstregenierende Powerrüstung, sozusagen als belohnenden Ausgleich für seine höllische Beschaffenheit. Ich suchte und starb solange, bis ich sie fand. Enttäuschenderweise zögerte sie trotz ihres Effekts meinen Tod nur heraus, zumal ich einen großen Teil meines Inventars abwerfen musste, um sie ohne verlangsamende Überfrachtung tragen zu können.

Bei meinem letzten von ingesamt dreißig Durchläufen in dieser Hölle benutzte ich den Stealth Boy, rannte zu der Truhe, warf mein Inventar ab, zog die Rüstung an und kämpfte mich unter Schlägen bis zu einem anderen Ausgang. Oben angekommen, kaum noch am leben, hätte mich ein einziger Schlag töten können, doch hier waren aus irgendeinem Grund keine Todeskrallen.

Vielleicht war es ein Bug gewesen. Aber egal, wem oder was ich dieses Glück zu verdanken hatte, es ermöglichte mir endlich, per Schnellreise zu fliehen. Danach spielte ich nur noch wenige Tage Fallout 3, dann schickte ich meinen Charakter in den wohl verdienten Ruhestand.

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Tags: Dieser eine Moment  

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